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Die Wahrheit · 1937-03-26 · Heft 12 (26.3.1937) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 12 (26.3.1937)
Date
1937-03-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 12 - 26. März 1937 DAS IST DAS E C H T E NATURREINES KOKOSNUSSFETT Die Erzeugung steht unter Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. vor, wie z. B. dem, der die Förderung der a r m e n Kinder besonders empfiehlt, weil meistens von diesen die Lehre ausgeht. Wenn die Salzburger Lehrer anderer Meinung sind, brauchen sie sich nicht daran zu halten. Salzburg ist ja ein fast rein christliches Land, in dessen Hauptstadt jetzt eine käthoHsche Universität gebaut wird. Um so verwunderlicher ist es, daß just das Lehrerfachblatt dieses Bundeslands Anlaß nimmt, über die „Verjudung des Hochschulwesens" zu zetern. Nicht minder grotesk ist der Titel eines anderen Artikels: „Die Aushöhlung der Wirtsvölker". Diese „Aushöhlung" besteht offenbar darin, daß jüdische Festspielgäste, angelockt durch die Kunst des Juden Max Reinhardt, ihr Geld nach Salzburg tragen und dafür von Hohlköpfen angepöbelt werden. Nun, die Salzburger Lehrer werden vielleicht bald darüber staunen, wie gelehrige Schüler diese Juden sind: Sie werden, anstatt das Salzburger Wirtsvolk „auszuhöhlen", lieber die Kassen vorurteilsfreierer Wirte füllen helfen. Zum Glück erhebt gerade zur rechten Zeit unser alter „Freund" Dr. Emerich Czermak seine Stimme gegen die unerwünschte Konkurrenz aus der Provinz bei der Ordnung der Judenfrage. In einer Versammlung des Christlichen Arbeitervereines auf der Landstraße stellte er am Sonntag fest: „Von den Juden Oesterreichs leben 95 Prozent in Wien. Es ist daher offenbar, daß die österreichische Judenfrage eine ausgesprochene Wiener Frage ist." Und er verkündete den sicherlich neiderfüllten Salzburgern seine Meinung, „daß die Judenfrage auf Wiener Boden auch verhältnismäßig leicht gelöst werden kann. Hier wäre es ohneweiters möglich, die jüdischen Kinder in eigenen Schulen unterzubringen, woraus sich für beide Teile nicht zu unterschätzende Vorteile ergeben würden." Leider verschwieg Dr. Czermak seinem Publikum die Tatsache, daß er diese Lösung direkt aus dem jüdisch nationalen Programm abgeschrieben hat. Und doch hätte die Czermak- These von der unheilvollen Verjudung des österreichischen Lebens gar nicht überzeugender veranschaulicht werden können als durch das erstaunliche Phänomen, daß sogar antisemitische Rezepte nur unter werktätiger Mithilfe der nationalen Juden zustandegebracht werden können. Ganz totgeschwiegen hat er aber die zionistische Autorschaft seiner Vorschläge doch nicht. Er begründete vielmehr seine alte Forderung des numerus clausus oder, wie er jetzt sagte, numerus proportionalis damit, daß die Juden in Palästina von der englischen Regierung Anspruch auf einen entsprechenden Anteil an den Stellen des öffentlichen Dienstes erheben. Diese Logik ist allerdings Original-Czermak . . . Interessant wäre es gewesen, was sich sein Arbeiter-Auditorium, das wohl :.och immer nicht vergessen hat, was es der Lebensarbeit eines Viktor Adler verdankt, bei den Czermaksclien Blasphemien über die schweren Schäden, die die jüdische Tätigkeit auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete verursacht habe, für Gedanken machte. Doch waren die Leute so gewitzigt, ihre Gedanken für sich zu behalten. Daher ist es gut. dnß wenigstens die Klagen des Dr. Czermak über den starken Anteil des jüdischen Wesens an den heutigen kulturellen Zuständen in Kunst, Literatur und Theater nicht unwidersprochen geblieben sind. Der Zufall hat es gefügt, daß zur selben Zeit niemand Geringerer als Thomas Mann in Zürich zum selben Thema das Wort ergriff und dabei den entgegengesetzten Standpunkt einnahm: „Die Juden bedeuten für die deutsche Atmosphäre eine wichtige und wertvolle Komponente. Der Antisemitismus wendet sich nicht nur gegen die Juden, sondern ganz allgemein gegen die europäisch eKulturundgegendieFrei hei t. Ein Kulturmensch kann nicht Antisemit sein, denn sonst verstößt er gegen die abendländisch-christliche Kultur." Armer Dr. Czermak! Es ist schon ein besonderes Mißgeschick, von einem so gewaltigen geistigen Licht in den Schatten gestellt zu werden! Wo die Thomas Manns reden, da können die Czermaks nichts anderes tun, als sich bescheiden hinten, und zwar sehr weit hinten anreihen... „Antisemitismus ist die Aristokratie des Pöbels, dessen Devise es ist: Ich bin nichts, aber der Jud* ist noch weniger!" Treffender als es Thomas Mann mit dieser Charakteristik getan hat, kann man die Psycho von Leuten, die in ihres Nichts durchbohrendem Gefühl mit der Dreckschleuder gegen die Juden losgehen, nicht mehr kennzeichnen. Diese Leute hatten es speziell an dem Tage, an dem die Anleihezeichnung zugunsten der Arbeitsbeschaffung erfolgreich geschlossen wurde, sehr eilig, den Juden, nachdem diese im Gegensatz zu den Nazi brav gezeichnet hatten, mitzuteilen, daß sie sich keinen Illusionen hingeben dürfen. Zu diesem Zweck wurde eigens in denselben Leopoldstädter Saal, in dem eine Woche zuvor Pater F i a 1 a so schöne Worte über die gemeinsamen religiösen Ideale von Juden und Christen gesprochen hatte, eine Versammlung einberufen, in der u. a. Universitätsprofessor Dr. K n o 1 1 £euiffeton. S'man Cheruß6nu, „Fest unserer Befreiung" Festtagsgruß an die jüdische Jugend. Wohl kein Fest ist so geeignet, die Ideale der Jugend zu fördern, wie gerade das Pessachfest, in seiner Bedeutung als „S'm an Cherußen u", das „Fest unserer Befreiung". Die Befreiung aus ägyptischer Sklaverei war die Voraussetzung für die geistige Befreiung, die erst zur Freiheit führte. — „Wenn du das Volk aus Aegypten geführt haben wirst, sollet ihr Gott auf diesem Berge dienen." Sollte die Befreiung aus Aegypten einen Sinn haben, so konnte er nur in der Zielsetzung der geistigen Befreiung gelegen sein. Die 400jährige Sklaverei in Aegypten hat nur vermocht, ihren Körper zu schwächen, ihren Leib zu krümmen, ihr Geist blieb frisch und tegsam. Die Götzendienerei der Aegypter, die in der Anbetung und Verehrung von erdgebundenen oder von Menschenhand geschaffenen Gebilden bestand, konnte auf unsere Vorfahren keinen Eindruck machen. Viel zu stark lebten und wirkten jene Anschauungen von der Gottheit ihrer Ahnen in ihnen fort, die allein sie befähigten sollten, den Kampf gegen die geistlose Kultur Aegyptens zu führen. Der Weg zur Freiheit konnte nur durch die geistige Befreiung erreicht werden. — Aus dem „Schmelzofen Aegyptens" sollten unsere Vorfahren in die Feuerglut des Sinai gelangen. Die Sklavenketten Aegyptens, die sie in den Niederungen des Alltags festhielten, mußten gesprengt werden und durch die dreifach gegliederte Offenbarungskette der Stammväter zu jenen lichten Höhen der Sinaioffenbarung führen, durch welche sie die geistige Befreiung erlangen sollten. — Das große Wunder der Befreiung aus Aegypten konnte erst durch das noch größere Wunder der Offenbarung am Sinai Ewigkeitswert erlangen. Erst durch die geistige Befreiung sind wir befähigt, die ganze Tragweite des „Secher Iij'zias Mizrojim" zu erfassen. Drei Dinge, lehren unsere Weisen, haben zur Erlösung unserer Väter aus Aegypten geführt. „Sie haben ihren Namen, ihre Sprache und ihre Tracht nicht geändert." Nur hiedurch war es möglich, alle Hindernisse zu überwinden und dem von Fronarbeit zermürbten Körper und der durch unmenschliche Behandlung gequälten Seele neuen Lebensmut einzuflößen, um den Kampf für den reinen Gottesglauben zu führen. Israel — Gotteskämpfer, das war der uralte Name ihres Urahns Jakob, der in der Nacht mit dem Ungeist Esaus kämpfen mußte, bis der Morgen graute. Dieser Name war ihr Losungswort, mit diesem Namen mußten auch sie bis zum Endsieg den Kampf um den reinen Gottesglauben durchkämpfen. — „Israel soll dein Name sein." Diese Verheißung klang in ihren Ohren nach. Diesen Namen durften sie nicht aufgeben, wollten sie sich selbst nicht aufgeben. Was konnten ihnen die Namen der ägyptischen Götter bedeuten? So wie die Götter nichtig waren, so war es auch ihr Name. Daher hielten sie fest und treu an ihren Namen, der das Göttliche in sich trug und der ihnen die Gewißheit gab, daß Gott für sie kämpfen werde. „Sie haben ihre Sprache nicht geändert ..." Es war die uralte heilige hebräische Sprache, an welcher sie festhielten. In dieser Sprache hat sich Gott den Erzvätern offenbart. Im Zeichen dieser Sprache hat sich Josef seinen Brüdern zu erkennen gegeben. In dieser Sprache hat Jakob seinen Kindern das Vermächtnis hinterlassen, „Gott wird euer gedenken". In dieser Sprache hat Gott dem Moses im brennenden Dornbusche zugerufen: „Ich habe das Elend meines Volkes gesehen und sein Wehklagen gehört, wie die Aegypter sie bedrücken---und führe mein Volk aus Aegypten . . ." Nur in dieser alten wohlklingenden Sprache ihrer Väter glaubten sie ihren Vätergott anbeten zu können. Die Sprache war ihnen eine heilige Sprache, die sie in trüben Tagen aufrecht erhielt, und in dieser Sprache harrten sie der Erlösung. „Sie haben ihre Tracht nicht geändert." Das will sagen, daß sie ihre Eigenart beibehielten, die Sitten und Gebrauche ihrer Väter, die Tradition nicht preisgaben. Ihr Aeußeres war wie ihr Inneres. Nicht schämten sie sich ihrer Tracht, die sie als Hebräer erkennen ließ. Das doppelte Befreiungswerk hat dem Volke Israel und insbesondere der Jugend den Weg gezeigt, den es gehen muß, um das höchste Gut der Menschheit zu erringen, die „Freiheit". — Diese Freiheit darf aber nicht eine hemmungslose, durch äußere Einflüsse herbeigeführte Reaktion sein. Die Freiheit des Einzelnen muß sich der Gemeinschaft einordnen. Die Freiheit der Gemeinschaft ist aber an die ewigen, unabänderlichen Offenbarungsgesetze gebunden. Das ist die Freiheit, die wir meinen, es ist das Fest unserer Befreiung. lüdische Jugend! In jedem von euch müssen jene Worte, die für alle Zeiten Geltung haben, nachklingen. Haltet fest an eurem althebräischen Namen „Israel", lernet die heilige Sprache eurer Väter, bewahret die Sitten und Gebräuche eurer Ahnen. Werdet freie Menschen. Diese Freiheit darf aber keine hemmungslose, von Phrasen und fremden Einflüsterungen erfüllte jugendliche Schwärmerei sein. Sie soll vielmehr eine innerliche, für alles Schöne und Edle beigeisternde Freiheit sein. Markus Pick, städt. Rel.-Lehrer.

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