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Die Wahrheit · 1937-03-19 · Heft 11 (19.3.1937) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 11 (19.3.1937)
Date
1937-03-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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OIEWAHRHEIT. _Nnjl — 19. März 1937_ Seite 7 Wien Im Seitenstettengasse 2 XI., Zentralffriedhoff neben dem L Tor Samatmg geschlossen 1 und tiefem Schmerze über diesen inneren Kampf schreibt und spricht und dennoch diese vornehmen Schlußworte findet: „Mag sich das Judentum zu einer neuen Kraftanstrengung aufraffen, mögen frische jugendlichte Kräfte mit Vorurteilslosigkeit, ohne Engherzigkeit, ohne Fanatismus, aber mit Energie die zu lösende Aufgabe in| Angriff nehmen. Gewiß ist auch das Programm des Hilfsvereins der deutschen Juden, dessen Verwirklichung ich mit meinen Freunden mehr als zehn Jahre meines Lebens gewidmet habe, nicht fehlerlos und nicht gültig für alle Zeiten, aber meine innerste Ueberzeugung ist es auch heute, daß dieses Programm nützlich war und nützlich ist, um über religiöse und politische Gegensätze hinweg, der jüdischen Gesamtheit gemeinsames Arbeiten für den Schutz und die geistige Entwicklung der Unseren zu gestatten", i Des Dankes aller dankbaren Juden darf Dr. Paul Nathan auch über das Grab hinaus sicher sein. Mögen Persönlichkeiten seines Formates wieder auftreten und mit Einsatz aller Kräfte für Wahrheit und Recht einstehen können! Rabbiner Dr. A. Posner, Jerusalem. Rechtsgleichheit aller Bürger in Jugoslawien* Während der Budgetdebatte im jugoslawischen Parlament hielt der antisemitische Abgeordnete Dr. Milan Banic eine Rede, in der er behauptete, defjüdischeEinfluß wirke sich schädlich auf die jugoslawische Kultur aus. Insbesondere beanstandete es der Abgeordnete, daß eine der bedeutendsten jugoslawischen Verlagsanstalten, die die Werke der führenden jugoslawischen Schriftsteller herausgibt, unter jüdischer Leitung steht. Die Angriffe des Abgeordneten wurden von dem Kultusminister Svetkovic in seinem Schlußwort zurückgewiesen. Die Kgl. Regierung, erklarte der Minister, kann und wird es nicht zulassen, daß unser Lehen von der Straße beherrscht wird. Es wird der Presse, die der Straße dient, nicht gelingen, das Hauptfundament zu erschüttern, auf dem Jugoslawien steht: volle Gleichberechtigung für alle anerkannten Religionen und Rassegruppen, die mit uns auf diesem Boden leben. Der Vorstoß des Abgeordneten Banic wird auch in den maßgebenden Zeitungen Jugoslawdens verurteilt. Im übrigen wird darauf hingewiesen, daß die Gruppe des Abgeordneten Banic insgesamt aus drei Mitgliedern besteht, die ironisch als die „Drei Musketiere" bezeichnet werden. Mannhafte Worte gegen Rassismus. Gesandter Jan Masaryk, ein Sohn des Präsidenten-Befreiers Thomas G. Masaryk, ließ am 7. März, dem 87. Geburtstag seines Vaters, durch die National Broadcasting Company nach den Vereinigten Staaten folgende Ansprache übertragen: Aus Anlaß seines 87. Geburtstages sendet der erste Präsident der Cechostovakischen Republik allen Bürgern Ihrer großen Demokratie herzliche Grüße. Die Ceohoslovakei bekennt sich stolz zu den Idealen Washingtons, Lincolns und Masaryks. Ich glaube, daß alle, die in den Diensten dieser Ideale stehen, im Bewußtsein ihrer Kraft und Würde zusammenarbeiten müssen. Mö- .gen die anderen eine eigene Lösung ihrer Pro- Werne finden, sie sollen aber nicht an unsere teuersten Güter greifen: an die Freiheit unseres Geistes, die Freiheit des Wortes und die Freiheit der Rasse. Der Rassenhaß wird sich niemals als Regierungsystem bewähren. Wir alle sind Kinder Gottes und es ist hier Raum für uns alle." General Smuts trat als Nachfolger des Herzogs von Windsor sein Amt als Kanzler der Universität Kapstadt an. In seiner Antrittsrede an die Studenten erklärte Smuts, in verschiedenen europäischen Ländern sei man heute wieder Zeuge politischer, religiöser und rassischer Verfolgungen und bezeichne diese Entwicklung nicht etwa als einen Rückfall in die Zeiten der Barbarei, sondern vielmehr als einen Ausdruck nationaler Kraft und des Patriotismus. Die Feindseligkeit gegen den Grundsatz der religiösen und politischen Toleranz muß als eine vorübergehende Erscheinung angesehen werden und als ein Symptom für die Verwirrung unserer Zeit Rabbiner Mayer Mayersohn. Wiederum riß der Tod eine Lücke in den Reihen der Judenheit Wiens. Einer von jenen, die das alte Judentum repräsentierten, ging von daimen. Montag, den 15. März, verschied Rabbiner Mayer Mayersohn, nachdem er 40 Jahre das Amt eines Oberrabbiners im Bethausverein „Beth Israel", II., Leopoldtsgasse 29, versah und als Aw-Beth-Din der Wiener Israeütischen Kitltusgemeinde figurierte. Ein „Hui" alten Schlages, mit phänomenalem Gedächtnis begnadet, hat er sich in seiner Jugend ein profundes jüdisches Wissen angeeignet, das ihn in die ersten Reihen der Talmud-Gelehrten stellte. Scharfsinn und rasche Auffassungsgabe, meisterhafte Beherrschung verworrenster juridischer Probleme haben ihn ausgezeichnet und oft ha/ben gewiegte Juristen sich bei ihm Rat geholt Die Kunde vom Hinscheiden des Herrn Oberrabbiners Mayersohn hat sich mit Blitzesschnelle unter den Juden Wiens verbreitet Sofort hat sich der Vorstand des Polnischen Tempelvereines zu einer Trauersitzung versammelt, bei welcher der geschäitsführende Vizepräsident, Herr H. Intrater, dem Dahingegangenen einen wanmen Nachruf hielt. Zum Leicheribegängnis, das Mittwoch nachmittags vom Trauerhause, II., Aidambergergasse 8, seinen Ausgang nahm, hatte sich eine große Menschenmenge versammdt, und als der Tote in die Halle des Polnischen Tempels, an die Stätte seiner langjährigen Tätigkeit, geleitet wurde, konnte der mächtige Raum die Masse der Versammelten, die gekommen waren, um den Verblichenen die letzte Ehre -zu erweisen., nicht fassen. Die schlichte, aber sehr würdevolle und ergreifende Trauerzeremonie wurde mit einem „Menuchah Nechomah" vom Oberkantor F r ä n k e I in rührender Weise eingeleitet. Nachher ergriff der Vizepräsident des Berhaus-Vereines, Herr Intrater, das Wort, um vom Toten im Namen des Vorstandes und der gesamten Tempetgemeinde Abschied zu nehmen. Seine vom Herzen kommenden Worte haben afle Anwesenden tief gerührt In kurzen, aber innigen Sätzen zeichnete der Redner die geistige Persönlichkeit des Daliingegangenen und schilderte den großen Verlust, den das religiöse Judentum Wiens erlitt. Dieser echt jüdische Nachruf, den Herr Intrater reichlich mit Talmud- und Sohar- Stellen unterlegte, hinterließ einen nachhaltigen Eindruck. Fast alle Rabbiner Wiens mit Herrn Oberraibbiner Dr. Taglicht an der Spitze waren *ei der Trauerandacht zugegen, ebenso der Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde Herr Dr. Ticho, der Obmann des Bethausvereines „Beth Israel" Herr Küitusrat Dr. Landau, die Kultusräte Doktor Plaschkes,-Dr. Rosenberg, Dr. Feldsherg und Dr. Kreppel und viele andere. Kultuspräsident Staatsrat Dr. Friedmann hatte sich auf dem Friedhofe eingefunden, um dem Dahingegangenen das letzte Geleite zu geben. F—g. Mitteilungen der Union. Seder-Abend in der „Union". Damen und Herren, sowie Jugendliche, die an dem Samstag, den 27. März von der „Union" Im Festsaal des „Union-Klub" gegebenen Seder teilzunehmen beabsichtigen, mögen sich bis spätestens Dienstag, den 23. d. im Sekretariate der Union, I., Schottenring 25, Mezz. (Tel. A 19-2-77) anmelden. Vortragsabend Ernst Lissauer. Mittwoch, den 7. April, präzise 8 Uhr abends, liest Herr Ernst Lissauer im Festsaal des „Union-Klub", I., Schottenring 25, Mezzanin, aus eigenen Werken, unter anderem aus seinem neuen Band „Zeitenwend e", der das Schicksal des deutschen Judentums behandelt, Erzählendes und Heiteres. Ernst Lissauer gilt als besonders hervorragender Interpret seiner Dichtungen. SchmOchnna woa Grüften nnd Gröbern LeopoldDEUtschJienXl. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedbof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kaltaren Ein wirklich grandioses Fest war die am vergangenen Samstag abends in den Festsälen des Hotel „Münchner not" abgehaltene Gründungsfeier der Bezirksgruppe Wieden-Margareten der „Union österreichischer Juden". Die glänzend gelungene Veranstaltung stand unter der Devise „Eine Nacht voM Humor" und wurde dieser Devise vollauf gerecht. Dafür hatten die Damen und Herren der Bezirksleitung, wie auch der Jugendgruppe der Bezirksorganisation in wochenlangen Vorbereitungen Sorge getragen und ein durchschlagender Erfolg lohnte ihre eifrigen Bemühungen. Allen voran ist der rührige Obmann der Bezirksorgamisation Herr Desider W o 11 n e r zu nennen, der seine ganzen Kräfte dafür aufgewendet hatte, den Beweis zu liefern, daß die unter seiner bewährten Leitung stehende Bezirksgruppe IV/V., die in bezug auf Mitgliederzahl und ernste politische und kulturelle Veranstaltungen eine der führenden der „Union" ist, auch in gesellfger Hinsicht Gediegenes leisten kann. Ihm assistierten in hingebungsvoller Weise der Bezirksleiter IV, Herr Philipp Stern, der die künstlerische Leitung ausgezeichnet inne hatte, und der Bezirksleiter V, Herr S. Rosenberg, der gemeinsam mit Herrn Kassler Rudolf Steinfeld die organisatorischen Vorbereitungen bestens getroffen hatte. Ueberaus eifrig war die Mitarbeit der Damen der Bezirksgruppe, nämlich der Obmännin der Frauengruppe Frau Frieda Steinfeld, die rührig tätig war in Gemeinschaft mit den insbesondere bei der Tombola emsig mitwirkenden Damen Frau Berta Stern, Obmannstellvertreterin der Frauengruppe, und Frau Rudolfine S c h m i d e k. Um die Tombola haben sich namentlich mit viel Eifer bemüht Herr und Frau MaxZiegler. Erwähnt sei noch die Mitwirkung der unter der umsichtigen Leitung von Dr. Julius K l ü g 1 e r stehenden braven Jugendgruppe der Bezirksorganisation, sowie des Schriftführers Julius Preiss und von Herr und Frau König. Angesichts der Zusammenarbeit solch eifriger Helfer mußte sich der Erfolg einstellen und er war auch sowohl in moralischer wie materieller Hinsicht zu verzeichnen. Der Abend war ausgezeichnet besucht, der herrlich geschmückte Festsaal geradezu überfüllt Aus den beiden Bezirken war alles erschienen, was dort Namen und Rang besitzt, insbesondere zahlreiche Mitglieder des dortigen Tempelvereines und auch der Rabbiner desselben, Dr. M. Q Mehrer mit seiner Gattin. Vom Zentral- und Kultusvorstand waren fast alle Herren mit ihren Gattinnen gekommen, namentlich wurde Präsident Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim bei seinem Erscheinen stürmisch begrüßt. Das Programm war erstklassig, von Paul Signer gut konfeniert, boten ihr Bestes u. a. Otto Wallburg, Eugen Hoffmann. Cilli Wang und der reizende kleine Mundi Hausknecht. Alles war des Lobes voll aber den gelungenen Abend, der erst spät sein Ende fand. UNtOM.KLUB {Klub der Mitglieder und freunde der „Union österr. Jaden") Wien L, Schottenring 25 Telephon A-19-2-77 Anläßlich det Todestages Goethes spricht fjecr Dicehtoc Johann £id)tenftein am Dienstag, den 33. Min. am Uhr abends, im Festsaal des Klubhelmes Ober das Thema Die Bc5iel)ungen (Boeltjes 5um Judentum, fein TTlenfd)entum Regiebeitrag S 1.—. Klubmitglleder nnd Jugend- Union 10 Groschen Q Um pünktliches Eftcheinea wird gebeten 1 Jüdische „Vordrinfflichkeit". In der III. Internationalen Chopin- Konkurrenz wurde der erste Preis dem 23jährigen russischen Pianisten Jakov Zak, der zweite Preis der 16jährigen russischen Pianistin Rosa Tamarkin zuerkannt. Beide sind Juden. Von den fünf weiteren Ausgezeichneten sind drei Juden: Jan Eker und Olga Iliwicka aus Polen, Tatjana Goldfarb aus Rußland. Es beteiligten sich 105 Künstler aus 24 Staaten.

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