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Die Wahrheit · 1937-03-19 · Heft 11 (19.3.1937) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 11 (19.3.1937)
Date
1937-03-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 11 — 19. März 1937 DiEWAHRHEIT StdSju^x, \<bX&M*xfy d&lrWA^,XM&&vci taa, , W&JUOtvv >vwi- S-1*>2aS&V&WcJQerJißK% wUni eq,. 3 Antisemitismus im Sport. Scheinbar ein Widerspruch im Begriffe: Wer der immer wieder, sogar im braunen Berlin anläßlich der letzten Olympiade feierlich verkündeten Theorie von der Völker- und rassenversöhnenden Kraft des Sportes vertraut, muß es als eine schwere Versündigung an dieser Idee empfinden, auf sportlichem Gebiete dem Judenhaß das Wort geredet zu hören. Daß die braunen Gastgeber der Berliner Olympiade, nachdem sie den materiellen Gewinn der internationalen und interkonfessionellen Veranstaltung eingeheimst haben, jetzt ihre wahre Mentalität dadurch dokumentieren, daß sie auf den Erinnerungstafeln im Berliner Stadion, die die Namen der Sieger in allen Disziplinen festhalten, die der preisgekrönten Juden unterschlagen, kann von Leuten, die sogar die Namen der für das deutsche Vaterland gefallenen Juden von den Heldendenkmälera ausmerzen ließen, nicht überraschen. Im Grunde genommen, besorgen sie sogar mit dem Totschweigen der jüdischen Verdienste um die Beniner Olympiade eine Reinwaschung der jüdischen Elhre, mit der der Genuß der braunen Gastfreundschaft nur schwer in Einklang zu bringen war. Viele der besten jüdischen Sportler haben deshalb die Teilnahme an der Veranstaltung, die ihnen sicherlich Ruhm und Preis eingetragen hätte, abgelehnt und damit jene Charakterstärke bewiesen, die der Redner der Obersten Turn- und Sportfront in Oesterreich bei der jüngst im Wiener Rathaus den siegreich aus Berlin heimgekehrten Sportkoryphäen gegebenen Festtafel als das eigentliche Höchstziel der sportlichen Erziehung gepriesen hat. Mit dieser gewiß richtigen Auffassung ist es nur sehr schwer in Einklang zu bringen, daß man die Schwimmkoryphäen der Wiener „Hakoah" für ihr charaktervolles Fernbleiben von ■ der Berliner Olympiade mit Strafen belegt hat, die ihrer völligen Ausschaltung aus dem öffentlichen Sportleben gleichkommen. Diese Taktik ist nicht nur ideell, sondern auch im Hinblick auf ihre praktischen Folgen unverständlich. Denn wenn schon die oberste Sportbehörde in diesem Falle im Gegensatz zu dem schönen Gedanken ihres Festredners die Erringung von Sporrmedaillen durch physische Kraft für wichtiger hielt als die Dokumentierung der moralischen Kraft durch den Verzicht auf Siegestrophäen, so erscheint es um so sinnloser, diesen Verzicht für den österreichischen Schwimmsport durch dauernde Ausschaltung seiner tüchtigsten Vertreterinnen zu einem permanenten zu steigern. Die Schwimjnbehörden der Tschechoslowakei haben diesen Eklat im eigenen Interesse zu vermeiden verstanden. Sie haben zwar gleichfalls ihr Disziplinarrecht gegen die jüdischen Sportvereine, die nicht nach Berlin gehen wollten, in Anwendung gebracht, jedoch in Ansehung der ideellen und praktischen Gefahrenmomente, die die Bestrafung höchst ehrenvoller Gesinnung bewirken müßte, längst einen für beide Teile gangbaren Weg zu einer vernünftigen Beilegung der Affäre gefunden. Daß dies in Oesterreich noch nicht mögJich war, wäre unverständlich, lägen nicht andere Symptome für die merkwürdige Mentalität — nicht der Obersten Sportbehörde, sondern der im Schwimmverbande maßgebenden Vereine vor. Hat sich doch der Schwimmverband, statt das Interesse seiner Mitglieder und letzten Endes auch sein eigenes gegen allzu rigorose Entscheidungen von „oben" zu wahren, noch beeilt, das über die Hakoahnerinnen erlassene zweijährige Startverbot auf zweieinhalb Jahre zu erhöhen. Zwar hat er Die besten Elsei Hirsi-ufSiltwarii 3 mal täglich frisch bei!66Et,WlUlP[M[i|!iä Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-JisroeHSchiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. I sich mit dieser Verfügung, die seine Befugnisse überschritt, bloß blamiert, aber seine Gesinnung, die ganz gewiß nicht von sportlichen Erwägungen beeinflußt erscheint, um so deutlicher gemacht — jene auch sonst zutage tretende Gesinnung, die den „Sturm über Oesterreich" zu der Feststellung bewogen hat: „Es ist kein Geheimnis, daß die Zellen der verbotenen Nazibewegung in den unterschiedlichen Sportvereinen zu finden sind." Wie sich dies rein sportlich auswirkt, hat der Olympia-Trainer Harold Anton Bruce nach dem kläglichen, aus Disziplinlosigkeit verschuldeten Versagen der österreichischen Leichtathleten in Berlin sachverständig beurteilt: „Oesterreichs Leichtathleten können zur Höhe der Weltklasse gebracht werden, wenn einmal die vielen kleinlichen Eifersüchteleien auf dem Gebiet der Rasse und Politik aus der österreichischen Leichtathletik eliminiert werden." SHEMEN --■ feinstes Palästina Olivenöl Shemen Salat*, Koch* u. Speiseöle TiDSb TBD Shemen Toilette» und Haushaltseife dürfen in keinem jüdischen Haushalt zu fiDS fehlen General-Vertretung: S. RaMitowifsdh Wien IL, Zirkusgasse Nr. 10 Telephon R 48*7*38 Diese Elimination wird aber von den hiezu berufenen Autoritäten sicherlich nicht gefördert, wenn man einerseits die böswillige Sabotage der Nazi-Sportler auf der Olympiade mit Milde belohnt und «dafür die ganze Strenge des Disziplinarrechtes gegen die nicht aus Mangel an vaterländischer Gesinnung, sondern aus positiv jüdischem Ehrgefühl heraus erfolgte Absenz von der Berliner Veranstaltung zur Anwendung bringt. Beides ist nur Wasser auf die Mühle des Nazismus. Wie kraß sich die Nazi-Taktik von der der jüdischen Sportler unterschied, zeigt schon die Tatsache, daß die Hakoahnerinnen ihre Absage schon in Wien zur Kenntnis der Sportbehörden gebracht haben, während die Nazi-Leichtathleten sich auf öffentliche Kosten in das ihnen politisch ideal erscheinende Zentrum des Dritten Reiches mitnehmen ließen, dort aber, als sie für die österreichischen Farben staTten sollten, unauffindbar waren. Dies muß man sich vor Augen halten, um die ganze Unverschämtheit des „Wiener Montagblatt" beurteilen zu können, das erst jüngst wieder Empörung miriite über „das geradezu aufreizende Fernbleiben der drei jüdischen Schwimmerinnen Deutsch, Langer und Goldner vom Start bei der Olympiade und die vor allem tückische Art, in der diese Absage wenige Stunden vor der Abreise erfolgte". In Wirklichkeit hatte Judith Deutsch ihre Absage schon am 15. Dezember 1935 dem Verbandsschwimmwart bekanntgegeben und am 26. Juni 1936 dem österreichischen Schwimmverband wiederholt. Als dieser dann die Hakoähneririnen Langer und Goldner als Ersatz nominierte, wußte er bereits, daß auch für diese dieselben Gründe zur Absage gelten mußten, wie für Fräulein Deutsch. Ihre Heranziehung erfolgte also ausschließlich in der deutlichen Absicht, ihre Schwimmerkarriere gewaltsam zu beenden. Man könnte sich mit dieser harten „Straf e" für die jüdischen Absenzier von der Berliner Olympiade noch einigermaßen abfinden, sähe man sie durch entsprechende Belohnung der jüdischen Sportler, die dem Ruf nach Berlin Folge geleistet haben, ausgeglichen. Wie steht es aber damit? Robert Fein hat jetzt die goldene Verdienstfflittfcftaftlicfte )3 erQ*ungsfteile in der „Union" unter Leitung des Obmannes des Organisations - Komitees der „Union österreichischer Juden''. Herrn Kommarzialrat ALEXIUS SALZER; jeden Montag und Freitag von 10—12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" /., Schottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. Jedes Mitglied der „Union" erhält in allen Angelegenheiten der Wirtschaft, wie in allen gewerberechtlichen u. kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung Dollhommen unentgeltliche Auskunft. Derfidjerungsberatung in allen Zweigen der Elementarversicheruhg wie Feuer, Einbruch, Glas, Haftpflicht Unfall, Transport, Polizzenprüfung etc Die Mitglieder der „Union" erhalten eine namhafte Begünstigung der Prämiensätze. medaille erhalten, aber eine Lebensstellung in öffentlichen Diensten, wie seine christlichen Sportgenossen, hat er nicht bekommen, sondern mußte froh sein, durch die Initiative einer Wiener Zeitung eine Privatanstellung zu kriegen. Der Läufer König, der trotz seiner türkischen Staatsangehörigkeit für Oesterreich in Berlin starten durfte, allerdings sieglos blieb, wurde sogar mit seiner nachträglichen Bewerbung um die österreichische Staatsbürgerschaft abgewiesen. Das liegt alles auf derselben Linie bei der Behandlung der judischen Sportler, die jüngst bei der Generalversammlung des Schwimmverbandes den „Hakoah'-Vertreter zu der Erklärung veranlaßte, daß die Juden auf die Mitberatung und Abstimmung in Verbandsangelegenheiten fürderhin verzichten, da man ihnen nicht einmal die kleinste ehrenamtliche Funktion im Verbände zugestehe. Merkwürdigerweise hat diesen Verzicht ausgerechnet das „Wiener Montag- Penjion und Speisehaus Hermine ticflftei, Baden bei Wien, Rolleta. 7 gibt bekannt, daß sie ihren Betrieb für die Pessah-Pelertage unter eigener _ Leitung führt/_ blatt", das sonst jedes Öffentliche Hervortreten von Juden als eine Monopolanmaßung der Kultusgemeinde qualifiziert, als „Unverfrorenheit'' gegeißelt. Und doch entspricht er nur dem jüngst von uns glossierten Czermak-Rat an die Juden, sich bescheiden hinten anzureihen. Dort, wo es sich danum handelt, die österreichischen Farben zum Siege zu führen, werden die jüdischen Sportler diesen Rat ohnehin nicht befolgen. Sie überlassen dies den Nazi-Sportlern, die sich nur im repräsentativen Sportleben breit machen, sich jedoch in der Berliner Arena, wo sie die österreichische Fahne in der vordersten Reihe placieren sollten, bescheiden hinten anreihten. . . . Aus dem Wiener Kultusvorstand. Aus dem in unserer vorwöchentlichen Nummer unter dem Titel „Ein vereitelter Putsch der Jüdischnationalcn" veröffentlichten Artikel ist zu ersehen, daß die Notwendigkeit der Einberufung der Nachmänner unserer in der Vorstandssitzung vom 8. d. M. am Erscheinen verhinderten Kultusvorsteher Baurat Wilhelm Kempler und Kom.- Rat Sigmund F e 1 d m a n n entfallen ist, da die jüdischnationale Mehrheit im letzten Augenblick die Sitzung abberufen hat. Die beiden Herren bleiben also zu unserer Genugtuung Mandatare der „Union" im Kultusvorstand. Selbstmorde unter deutschen Juden in Palästina. Die hebräische Presse teilt mit, daß unter den aus Deutschland nach Palästina eingewanderten Juden Selbstmorde sehr häufig sind. Fast täglich weiß die Presse über den Selbstmord eines deutsch-jüdischen Einwanderers zu berichten. Meist handelt es .sich um Menschen im Alter von etwa vierzig Jahren.

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