Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 11 (19.3.1937)
- Date
- 1937-03-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 11 — 19. März 1937 DIE WAHRHEIT Vortrefflich - Mazzoth werden unter Aufsicht des ehrw. Orth. Rabbinates der Israel. Kultusgemeinde, Wien, Oberrabbiner Babad, erzeugt täkä?)DV «narro ü&2 cmnn brauchen keine Reklamemärchen, um populär zu werden. Durch ihre Qualität allein führend vor allem andern, weil sie aus feinstem Ogr. Weizenmehl, auf echten Spezlal-Lehmöfen gebacken sind. BilliflfeCif trotz prima Qualität, weil keine großen Ausgaben für Reklame und Aufmachung; das Prinzip ist: täglich frische Mazzoth, Grieß, Mehl, Farwel und Patent (Reibach). Verkaufsstellen in allen Bezirken Wiens. In der Fabrik kein Detail-Verkauf. Kosten Sie und Sie sagen: Restaurant Stefanie Hugo Um Julie Herlinger, geb. Zollner Tel. R 48-8-46 26. u. 27. März Für bekannt erstklassige Speisen und Getränke bei zeitgemäßen Preisen ist gesorgt. Anmeldungen rechtzeitig erbeten. nbs hü ")tt?3_. Wir empfehlen die guten, modernen HEDKM1 fluto-u.Motorradscbulen Wieo 8Heudcggergassel8 ÜQffrilfIfcb«tlszzofiproönhtc in Pissacn! Ordens enthält, die iolgendermaßen beginnt: „Barmherzige Brüder, katholischer Orden, betätigt sich in Pflege und Sorge für Anne und Kranke, «Ihne Ansehen der Nationalität und Religion." Damit ist ohne Zweifel ein schweres Unrecht wieder gutgemacht Es fragt sich aber, ob dem Orden mit dieser Richtigstellung faktisch ein guter Dienst geleistet worden ist Vielleicht war für die ursprüngliche Fassung nicht einmal böse Gesinnung gegen den Orden, als vielmehr gute Kenntnis der Nazi-Gesinnung maßgebend, die Krankenpflege ohne Ansehen der Religion für ein größeres Verbrechen hält als sexuelle Verfehlungen, Es ist ja noch unvergessen, welch große Rolle zur Zeit der Machtergreifung Hitlers gewisse Fühtfer spielen 'durften, ( deren perverse Veranlagung allgemein bekannt war, während Hilfsbereitschaft gegen Juden von allem Anfang an in der Partei aufs strengste verpönt war. Man darf eben an den Nazismus und die unter seinem autoritären Einfluß agierenden Kräfte nicht jenes Maß anlegen, das eine mehr als tausendjährige Kultur im Abendlande usuell gemacht hat. Die neuen Lexikographen des Leipziger Bibliographischen Instituts haben sich bemüht diesen Fehler zu vermeiden und die Welt einmal so zu zeigen, wie sie der Spiegel des Nationalsozialismus rteflektiert Es ist nicht ihre Schuld, daß dieser Spiegel die fatalen Eigenschaften eines Hohlspiegels aufweist, der das Weltbild zur abscheulichen Fratze verzerrt. Europäische Persönlichkeiten zur New-YorkerAnti-Hitler-Kundgebung. Anläßlich der am Montag, den 15. März in New York stattgefundenen Anfi-Hitler-Demonstration, die vom American Jewish Congress und] vom Jewish Labour Committee gemeinsam veranstaltet wurde, sind aus Europa von hervorragenden Staatsmännern, von Vertretern der europäischen Kultur und von großen Organisationen Zustimmungskundgebungen in New York eingetroffen. Kundgebungen sandten u. a. Sir Norman Angell; Henry Berenger, Gesandter und Senator; Leon Jouhaux, Generalsekretär der Confederation du Travail; Professor Jacques Hadamard, Mitglied der Academiet Francaise; Paul Langevin, Professor am College de France, Mitglieder der Academie Francaise; Victor Bäsch, Professor honoris causa an der Sorbonne, Präsident der Liga für Menschenrechte; Jean Longuet, ehemaliger Deputierter. Der repräsentative jüdische Historiker Professor Simon Dubnow, jetzt in Riga, schrieb: „In der Finsternis, die der Nazismus über Europa heraufbeschworen hat, erwarten wir einen Lichtstrahl aus dem freien Amerika. Das Volk Israel hat keinen größeren Feind als diesen neuen Amalek, der die historische Nation ausrotten will. Laßt uns wieder einmal den alten Schwur der Bibel gteloben: Ewiger Krieg zwischen uns und Amalek! Boykottiert den Herd des Menschenhasses, des Rassenhasses und des internationalen Krieges!" Der große Schriftsteller Heinrich Mann sandte die folgende Botschaft: „Ich begrüße Ihre großen, mächtigen Verbände. Ich wünsche Ihnen den Sieg. Der Feind ist roh und tückisch. Klug ist er nicht, auch nicht innerlich stark. Er wird zuletzt in sein eigenes Verderben rennen, nachdem er vorher möglichst viel Unheil angerichtet hat Die Menschen, die er bedroht, können diesen Feind nicht achten. Aber sie müssen alle Anstrengungen machen, damit er kein Unheil mehr anrichtet und damit -es ihm nicht gelingt den Krieg zu entfesseln. Es wäre wahrhaftig eine Schande für die Menschheit, wenn ein so schlechter Feind gegen sie Erfolg hätte. Was ist denn das für ein Feind, der immerfort lügt und beirügt Wenn er die Juden haßt dann haßt er eigentlich alle Menschen. Er zeichnet besonders die Juden mit seinem Haß aus, nicht als ob sie der Menschheit Schaden gebracht hätten, sondern im Gegenteil: die Menschheit verdankt den Juden die höchste Wohltat, ihre Moral, die M-oral der Bibel. Darum haßt der Feind die Juden. Alle sozialen Verbesserungen, üm die hart gekämpft wird, führen auf die Moral der Bibel zurück; Die EreiheifcUdes.. Gewissens, das Recht auf unser Leben sind moralische Eroberungen, und sie müssen immer aufs neue gegen eitieti Feind verteidigt werden. Verteidigen wir Sie!'' Cafe Pension Echslcin Semmering Lion Feüchtwanger schrieb: „Trotzdem die Hitler-Leute während der vier Jahre ihrer Herrschaft die ungeheuerste Lügenpropaganda entfaltet haben, welche die menschliche Geschichte kennt, beginnt sich der Nebel zu heben und es besteht kein Zweifel mehr, daß im Ernstfall die ganze Welt gegen Hitler-Deutschland zusammenstehen würde. Daß dem so ist, das ist mit in erster Linie dem Feldzug zu verdanken, den Amerika für die, Wahrheit führt. Ich begrüßte also Ihren Kongreß aufs wärmste und wünsche Ihnen aufs herzlichste weiteres Gelingen." Professor Georg Bernhard schrieb: „Kameradschaftlichen Gruß an alle zum Protest gegen die Pest des Nationalsozialismus Versammelten. Mit einem-jährlichen Aufwand von. Hunderten von Millionen Mark, die das Dritte Reich seinen Gläubigern unterschlägt, arbeitet die Nazipropaganda daran, den Rassenwahnsinn bis in die entferntesten Winkel des Erdballs zu verbreiten. Der Erreichung ihres Zieles, die Herrschaft der germanischen Rasse in der ganzen Welt aufzurichten, opfern die Tyrannen Deutschlands alle politische Vernunft, das wirtschaftliche Wohl' ergehen des deutschen Volkes und den Frieden auf Erden. Der Nazismus ist die einzige ernste und aktuelle Kriegsgefahr. Ich beglückwünsche von Herzen die Veranstalter der Kundgebung zu ihrem Bestreben, Gerechtigkeit und Gewissensfreiheit gegen die Diktatur nationalsozialistischer Barbarei zu. schützen. Eines der wirksamsten Mittel dieseis Verteidigungskampf es ist der vierstärkte Boykott deutscher Waren. Jeder Käufer deutscher Erzeugnisse muß wissen, daß er mit dazu beiträgt, den Kauf von Rohstoffen für die weitere Aufrüstung des Hitler-Regimes zu finanzieren. Georg Bernhard." Die Anti-Hitler-Kundgebung selbst war von mehr als 50.000 Menschen besucht. Es wurden Riesenplakate gezeigt, auf denen Aussprüche zu lesen waren, wie „Nazitum führt zum Weltkrieg". Hauptredner waren General Hugh Johnson, ein Freund des Präsidenten Roosevelt, und John Lewis. General Johnson erklärte unter begeisterter Zustimmung: „La Guardia hat recht. Hitler bedroht den Weltfrieden — nicht so sehr durch seine bewaffneten Bataillone, als durch die Entwaffnung von Glauben und Ehrlichkeit in internationalen Angelegenheiten." Es wurde eine sehr scharfe Resolution gefaßt in der Verstärkung des Boykotts deutscher Erzeugnisse verlangt wurde. Mit ungeheurem Applaus wurde der anwesende New Yorker Bürgermeister La Guardia begrüßt der lediglich als Zuhörer erschien, aber von der. Menge gezwungen wurde, eine Ansprache zu halten. Er benutzte die Gelegenheit, um seine letzten Aeußerungen über die deutschen Machthaber nicht nur nicht abzuschwächen, sondern sie sogar noch zu unterstreichen. Ich habe, sagte er, Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Bedrohung der Zivilisation gebrandmarkt und werde fortfahren, es zu tun; ich hoffe nun, daß die Zeit nicht mehr lern ist, wo ich es nicht mehr zu sagen brauche. Was immer Herr Hitler sagt, man möge nicht darauf achten, denn die öffentliche Meinung der Welt ist sich längst darüber einig, daß Hitler weder persönlich noch diplomatisch satlsfaktionsfahig ist. Es wurden Begrüßungszuschriften von sieben Gouverneuren amerikanischer Bundesstaaten, dreizehn Senatoren und siebehünddreißig Mitgliedern des Repräsentantenhauses, ferner die oberwähnten Zuschriften europäischer Persönlichkeiten verlesen. Der französische Senator Henri Berenger, Vorsitzender des Außenausschusses des französischen Senats, telegraphierte, Frankreich sei stolz darauf, 35.000 deutsche Flüohtllinge aufgenommen zu haben. Die polnischen Judenverfolgungen. Die Pariser „Association des Emigres Israelites d'Ailemagne en France" veranstaltete einen Vortragsabend, bei dem Prof. Georg Bernhard über das Thema „Die Weltbedeutung der polnischen Judenverfolgungen" sprach. Er wies darauf hin, daß das, was jetzt den polnischen Juden geschieht, international gesehen, noch unendlich viel verhängnisvoller sei, als was den deutschen J uden angetan wurde. Denn in Polen sind mehr als drei Millionen Juden in ihrer Existenz tödlich bedroht. Um das Furchtbare dieses Vorgangs zu begreifen, muß man sich vergegenwärtigen, daß die Ostjuden das große Reservoir des Judentums überhaupt bilden. Die angebWche jüdische Uebervölkerung Polens ist . eine Legende, wie auch die europäische JudenüberVölkerumg eine Legende ist. Prof. Bernhard erblickt eine Lösung nur in einer grundlegenden polnischen Wirtschaftsreform an Haupt und Gliedern. Der polnische Jude braucht konstruktive Wirtschaftshilfe. Der Senat der Wilnaer Universit ä t sprach die Relegierung von 54 jüdischen Studenten'aus, weil sie sich geweigert haben, Plätze auf der linken Seite der Hörsäle (Ghettobänke) einzunehmen und, als die Professoren sie aufforderten, nicht stehen w bleiben, sondern sich auf die ihnen zugewiesenen Plätze zu begeben* zum Protest die Vorlesungen verließen. Das Vorgehen des Senats 'gegen die 54 Juden hat in jüdischen Kreisen Entsetzen hervorgerufen. Von den nicht jüdischen Studenten der Wilnaer Universität, die an den barbarischen Exzessen teilnahmen, wurden bisher kaum zwei relegiert.