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Die Wahrheit · 1937-03-12 · Heft 10 (12.3.1937) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 10 (12.3.1937)
Date
1937-03-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 10 — 12. März 1937 Seite 7 gesund und wird allgemein als sehr geeignet für Europäer betrachtet. Der Boden ist fruchtbar. Kaledonien hat auch wegen seiner Bodenschätze, besonders Nickel, eine große industrielle Zukunft. Ueber Guyana erklärte Minister Moutet, daß es für Kolonisation viel günstiger sei, als viele es meinen. Der Boden ist außerordentlich fruchtbar. Die benachbarten Teile holländisch und britisch Guayanas, wo entsprechende Kolonisationsmaßnahmen bereits getroffen sind, entwickeln sich sehr gut. Die Freiland-Liga stellt sich jetzt zur Aufgabe, eine fachmännisch wissenschaftliche Expedition in die französischen Kolonien zu entsenden, um objektives Material für die jüdische Kolonisation zu sammeln. Gleichzeitig damit werden auch Verhandlungen mit anderen Regierungen geführt werden. Für dieses große historische Werk ist die Liga bestrebt, nicht nur die jüdischen, sondern alle europäischen humanitären Geister zu gewinnen. Verstärkter Anti-Nazi-Boykott in Amerika. Eine von der Anti-Nazi-Liga einberufene Konferenz von Vertretern aller Geselllschaften und Verbände, die sich an dem Boykott deutscher Waren und Dienste beteiligen, nahm den Beschluß an, die Boykott-Tätigkeit zu zentralisieren und zu intensivieren. Ein zweiter Beschluß der Konferenz fordert die Regierung der Vereinigten Staaten auf, eine Untersuchung der nazistischen Umtriebe in Amerika durchzuführen und die von Deutschland her in den U. S. A. betriebene Nazi-Propaganda zu unterbinden. Der Präsident der Anti-Nazi-Liga, Samuel Unterm y e r, der der Beratung nicht beiwohnen konnte, sandte eine Botschaft, in der er Kritik an Staatssekretär Hüll übte, der sich wegen der Rede des New Yorker Bürgermeisters La Guardia auf der Konferenz der Frauensektion des American Jewish Congress bei der deutschen Regierung, wenn auch mit Vorbehalt, entschuldigt hatte. Die große amerikanische Presse berichtet über die unglaublioh schmutzigen Beleidigungen, die sich die Organe der deutschen Regierung, wie „Völkischer Beobachter", „Angriff" usw., gegen Bürgermeister La Guardia leisten, und drücken ihr Erstaunen darüber aus, daß es Staatssekretär liiill über sich hat bringen können, im Angesicht des Treibens einer solchen „Gesellschaft" Worte der Entschuldigung vorzubringen. Neue Maßnahmen gegen die Juden in Deutschland. Die Meldung der deutschen Presse, daß gegenwärtig ein Gesetz über Enteignung des Grundbesitzes gewisser Elemente in Deutschland im Interesse des Staates vorbereitet wird, hat unter den Juden in Deutschland tiefe Besorgnis hervorgerufen; die jüdischen Haus¬ und Grundbesitzer fürchten, daß das Gesetz gegen sie gerichtet ist. In den Provinzstädten haben die Juden unter dem Druck der lokalen nazistischen Beamten bereits damit begonnen, ihren Grundbesitz gegen lächerlich geringe Summen zu verschleudern und in die größeren Städte zu übersiedeln. In den großen Städten aber, wie z. B. in Berlin und Frankfurt, halten die Juden schon darum an ihrem Grundbesitz fest, weil sie im Falle eines Verkaufs als „au&Wanderungsverdächtig" angesehen und zur Hinterlegung von mindestens 25 Prozent ihres Gesamtkapitals als Reichsfluchtsteuer gezwungen werden. Für sehr viele Juden bietet auch ihr Hauisibesitz die einzige Einnahmequelle. Behördlich wurde angeordnet, daß von jetzt ab jüdische Versammlungert, Konzertveranstaltunsen usw. einzig und allein in öffentlichen jüdischen Gebäuden, wie Synagogen, Bne Brit-Häusern usw. stattzufinden haben. Laut Verordnung des Reichsärztefüihrers Dr.' Wagner dürfen jüdische Aerzte, die in der Provinz boykottiert werden, nicht mehr in größere Städte zur Ausübung ihrer Praxis ziehen. Auf der Tagung der Reichsfilmkammer wurde erklärt, daß in der gesamten deutschen Fumindustrie kein einziger Jude mehr beschäftigt ist. Qemeindedkwomti. Barmizwahfeier. Samstag, den 6. März, fand beim Morgengottesdienste im Hause des Professors Dr. Jakob B r o n n e r, Kustos des Jüdischen Museums, IX., Liechtensteinstraße 130, die Barmizwah-Feier seines Sohnes Theodor Felix statt, zu welcher sich prominente Gäste eingefunden hatten. Unter diesen bemerkte man Bundeskulturrat Hofrat Dr. Frankfurter, den Ehrenpräsidenten der „Union", Dr. Jakob O r n s t e i n, Dozent Dr. Hofbauer, Dozent Dr. Brünauer, Dr. Düse hak, Direktor Dr. Kellner, ferner Vertreter der Bethausvereine des IX. und XIX. Bezirkes u. v. a. — Der Barmizwah brachte in gediegener Weise den Thora- Abschnitt und die Hafthora zum Vortrag und hielt dann eine halbstündige hebräische Ansprache über das Thema „Der Minderjährige (Katan) im Verhältnis zum Religionsgesetz", die ungeteilten Beifall fand und den Beweis für das große jüdische Wissen des Barmizwah erbrachte. Aus allen Kreisen der Geseifschaft trafen Glückwunschtelegramme und Schreiben ein, so aus Palästina, Schweiz, Litauen usw. Als Beweis der großen Beliebtheit und Wertschätzung, deren sich die Eltern in allen Kreisen der Gesellschaft erfreuen, wurden beim Thora-Aufruf zahlreiche namhafte Spenden zu wohltätigen Zwecken gemacht und der Barmizwah wurde in das „Sefer hajelod" eingetragen. Trauung. Sonntag, den 28. Februar, fand im Leopoldstädter Tempel die Trauung des Frl. Thea Mannheimer, Steueramtsbeamtin, mit Herrn Dr. Alfred Mandelbaum statt. Oberrabbiner Dr. Taglicht hielt an das Brautpaar, die beide im Dienste der Israelitischen Kultusgemeinde stehen und sich allseits größter Sympathien erfreuen, eine herzliche, tiefempfundene Ansprache. Oberkantor Funke versah die kantoralen Funktionen in herrlicher Weise. Der Trauungsfeier wohnte ein zahlreiches Publikum bei, unter dem man den Amtsvorstand Emil Engel, sowie fast sämtliche Amtskollegen und Kolleginnen sah, die das Brautpaar herzlichst beglückwünschten. 60. Gebartstag. Anläßlich des 60. Geburtstages des städtischen Religionslehrers Josef Pick, versammelten sich am Samstag, den 6. März, im Festsaale des Cafe „City" viele Freunde und Verehrer des Jubilars zu dem vom Religionslehrerverein „Esra" veranstalteten gemütlichen Abend. Namens der „Esra" begrüßt Herr Lehrer Markus Pick die zahlreich erschienenen Festgäste, insbesondere den Vertreter der „Union", Herrn Dr. Julius Grünwald, und den Vertreter des Kantoren Verbandes, Herrn Oberkanitor Frankel, sowie die vielen Kolleginnen und Kollegen. Im Namen der Familie überbringt Herr Markus Pick die herzlichsten Glückwünsche. Ais Festredner des Abends verwies Herr Rabbiner Prof. Dr. Kupfer in seiner geistreichen Ansprache auf die verdienstvolle Tätigkeit des Jubilars als Lehrer und Gelehrter. Sowohl der „Führer durch das Gebetbuch" als auch das Lehrbuch „Jüdisch-geschichtliche Stätten in Wien und Oesterreich" sind geeignete Hilfsmittel der Erziehung unserer Jugend, wofür die Lehrerschaft Herrn Pick zu Dank verpflichtet ist. Großen Beifall fand die Ansprache des Herrn Oberkantors Frankel, der den Jubilar als einen warmen Freund der Kantoren begrüßt und ihn als einen Lehrer preist, der zur Ausübung seines Berufes gediegenes jüdisches Wissen besitzt und der es versteht, selbst den Wünschen der orthodoxesten Mitglieder der Gemeinde bei der Erziehung der Kinder Rechnung zu tragen. Herr Dr. Julius G r ü n w a 1 d gratulierte namens der „Union" und erklärte, daß die „Union" innigen Anteil an den Freuden der Lehrer nimmt, die unsere Jugend zu guten Juden und treuen Oesterreichern erziehen. Zum Gelingen des gemütlichen Abends trugen bei: Der beliebte junge Oberkantor Josef Feuer, der einige ergreifende jüdische Lieder meisterhaft vortrug. Die Solisten des Polnischen Tempels, Schwarz, Grünwald und Hausknecht, Schüler des Herrn Oberkantors F r ä n k e 1, erregten große Bewunderung durch ihre gesanglichen Darbietungen. Ganz besonderes Lob verdient der beliebte Konzertmeister Dr. Kapperl für die musikalischen Glanzleistungen. Die Conference besorgt in ausgezeichneter Weise Herr Leo Valberg, der vom Klavierkünstler Leo Körner begleitet wurde. Die Aufführung eines Sketch von den Herren Morgenstern und Preis verursachte wahre Lachsalven. Am Schlüsse dankte der Jubilar für die zahlreichen Ehrungen und für die Freude, die ihm die Kollegenschaft durch die heutige Veranstaltung bereitet habe. Das Festarrangement lag in den Händen des Herrn Max Schwager. Todesfälle. Sonntag ist in Wien eine der bekanntesten Wohltäterinnen, Rose Schur, gestorben. Im Kriege galt ihre Fürsorge vielen Wienern und auch den Flüchtlingen. Es gab keine sozfolfürsorgliche Institution, der sie nicht spendete. Nach dem Kriege, in den bösesten Jahren der Not, richtete sie eine Lebensmittelverteilung im großen Stil in ihrer Wohnung in der Schottengasse ein, wo zweimal wöchentlich an Bedürftige Lebensmittel- Schmflclfong yoo Gruiten und Gröbern LeopoldfleutschJißnXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Halloren pakete verteilt wurden. Der Zustrom der Armen war so groß, daß an den beiden Tagen der Verteilung Polizei für die Aufrechterhaltung der Ordnung Sorge tragen mußte. Rose Schur sorgte auch für viele Studentinnen, die sie auf ihre Kosten ausbilden ließ. — Tief betrauert von seinen Angehörigen ist am 4. d. M. Herr Cafetier Samuel F a n 11 nach langem schweren Leiden gestorben und wurde am 7. d. M. unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. Er genoß überall große Beliebtheit und hatte namentlich von seiner Wirksamkeit als Besitzer des Cafe „Orient" in der Praterstraße her viele Freunde, die sein Ableben innig beklagen und seiner Gattin und seinem Vater, wie auch seinen Söhnen und Geschwistern herzliche Anteilnahme bekundeten. Der Israelit. Frauenverein im XVIII. Bez. (Präsidentin Frau Gisela Winter), veranstaltet Samstag, den 13. März, um 20 Uhr, im Etablissement „Wilder Mann", XVIII., Währingerstraße 85, eine Festakademie mit Tanz. Das Reinerträgnis dient Fürsorgezwecken. Entree S 2.—. An der Kasse S 2.50. Karten sind bei den Vorstandsdamen und im Cafe Colosseum, Wien IX., Nußdorferstraße 6, Tel. A 18-1-44, A 18-4-44, zu haben. Es wirken mit: Josef Baar, Blitzdichter, Mislap Kapper, Konzertsängerin, am Klavier Prof. Franz Mittler, Hilde Altmann — Fini Seidmann, amer. Stepp-Duo, Choreographie: Hilde Altmann, Else Rambausek, Schauspielerin, Humor. Vorträge am Klavier: Zenka Frischmann-Glücklich, Kurt Rieten, Parodie und Satire, Heiteres Quartett des jüdischen Gesangvereines, am Klavier Kapellm. Rudolf Beck, Hans Horwitz, Kapellmeister, Vorträge am Klavier, Harmony- Jazz-Boys, Conference: Marcelle Luzzatto. Jazz: Subak Swinging-Serenaders. Der Leopoldstädter Tempelverein „Aeschel Awrohom", 11., Pazmanitengasse 6, hält Sonntag, den 14. März, halb 10 Uhr vorm., im großen Giebelsaale des Tempelgebäudes die 61. ord. Generalversammlung ab. Der Israel. Tempel- und Schulverein Favoriten hält Sonntag, den 14. März, halb 10 Uhr vorm. im Wintertempel, X., Humboldtgasse 25, seine 58. ord. Generalversammlung ab. Der Verein Krankenbesuch — Bikur Chaulim veranstaltet Sonntag, den 14. März um 5 Uhr nachmittags, im Festsaale des Hotel Continental, IL, Taborstr. 2 eine Wohltätigkeitsjause mit Akademie und Tanz unter Mitwirkung prominenter Künstler. Es wirken u. a. mit: Conference Hugo Knepler, Richard Eybner, Charlotte Waldow, Kurt Karsten. Beginn 5 Uhr. - Ende halb 12 Uhr. Entree samt Jause S 2.60. Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien. Montag, den 15. März, halb 8 Uhr abends, im Klubsaal, I., Wiesingerstraße 11 (Cafe Attashof. eigener Eingang), Vortrag des Herrn Dr. Josef Löwy: „Berühmte Bibelübersetzung e n". Eintritt frei. Gäste willkommen. Verein zur Ausspeisung anner israelitischer Scbutkintier für den XVI. und XVII. Bezirk. Montag, den 15. d. M., um halb 8 Uhr abends, findet im großen Saale Die 4 Jxaqen! 1. W a r u m soll man zu Pessach nur „Schmidl-Mazzoth" essen???? Weil „Schmidl-Mazzoth" aus nur wirklich allerfeinsten, sorgfältig ausgesuchten, besonderen Weizenmehlsorten, in modernsten, peinlich sauberen Fabriksräumen erzeugt werden und einen köstüchen Wohlgeschmack besitzen. 2. Warum nur „Schmidl-Mazzoth-Grieß" und Farvel?? Weil sie die Vorzüge — wie ad 1. — haben und nach einem besonderen, in mehr als 40jähriger Erfahrung erprobten Verfahren erzeugt werden, wobei auf leichte Verdaulichkeit und Bekömmlichkeit geachtet wird. 3. W a r u m soll man „Schmidl-Mazzoth" allen anderen vorziehen???? W e i I sie das „Beste vom Besten" sind, im Wohlgeschmack, an Sauberkeit und Kaschruth unübertroffen und mit keiner anderen Marke zu vergleichen. 4. W a r u m soll man bei Mazzoth-Einkauf auf die Marke „Schmidl" achten???? Weil es möglich ist, daß man Ihnen irgendwo andere, weniger gute, weniger verläßliche, Mazzoth an Stelle der seit mehr als 40 fahren bei zehntausenden mit Recht so beliebten „Schmidl-Mazzoth" gibt. Jüdische Unternehme*.! Denkt an die jüdischen gk ■ ■ und fordert anläßlich der Fräjahrssalson den Bedarf an An- ' Hr Cm WW gestellten und Arbeitern aller Kategorien beim jüdischen W0 ^0 ■ WSloseil Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien /., Kohlmessergasse 4 / Fernruf U27-0-65 an

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