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Die Wahrheit · 1937-03-12 · Heft 10 (12.3.1937) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 10 (12.3.1937)
Date
1937-03-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 10 — 12. März 1937 DIE WAHRHEIT Brtfung.Unionistenl': ^pp*- „Union ösicrrcidiiscfacp JuOen" ■ibm^^mmbi^h Versammlungen der mh^h^mmm^mmmm^mhm^h^mm Dienstag, den 16. März, 8 Uhr abends im Caf£ „Hietzingerhof", XIII., Hietz. Hauptstr. 22 Dr. Ernst Feldsberg u.Reg.-Rat. Dr. Hermann Oppenheim sprechen über aktuelle Fragen Donnerstag, den 18. Marz, 8 Uhr abends im Cafß „Döblingerhof", XIX., Billrothstraüe 49 Olga Fachs, ehem. Mitglied des Dresdner Staatstheaters, Rezitation Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim spricht über aktuelle Fragen Samstag, den 20. März, 8 Uhr abends __.,„ - , „_ .... „ ... . (Ort wird in der nächsten Nummer bekanntgeg.) Mittwoch, den 17. März, 8 Uhr abends spricht Herr a 0 Geßandter und bev> im Festsaal des Hotel„Continental", IL, Taborstr. 4 Minister a. D. Dr. Friedrich V. Wiesner Dr. Josef Ticho über das Thema. u. Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim „Das Judentum sprechen aber aktuelle Fragen und das Haus Österreich'' Mitglieder und Freunde der „Union", erscheinet zahlreich zu diesen Versammlungen Der Zentralyorstand der „Union österreichischer Juden" Ein offenes Wort! Von Dr. A. S c h m e r 1 e r. Die Lage der jüdischen Arbeitslosen läßt sich mit einigen Worten kennzeichnen: sie ist kritisch und tragisch. Es ist daher notwendig und unerläßlich, auf den Grund dieser wirtschaftlichen und sozialen Erscheinung einzugehen. Richtig ist, daß das Anhalten der zwischenstaatlichen wirtschaftlichen Absperrung die Lage der jüdischen Arbeitslosen verschlechtert; es ist nicht zü verkennen, daß die Voreingenommenheit der öffentlichen Meinung auch ohne gesetzliche Diskriminierung ihre Lage verschärft. Aber erschwerend und geradezu entscheidend in der Frage der jüdischen Arbeitslosigkeit ist leider die Tatsache, daß die jüdischen Unternehmer derzeit davon nichts wissen wollen, daß die jüdischen Arbeitslosen auf sie angewiesen sind. Es muß endlich der wahre Sachverhalt aufgezeigt werden: Die jüdischen Industriellen beschäftigen weder qualifizierte noch ungelernte jüdische Arbeiter. Die jüdischen Ingenieure für Chemie, Elektro-, Maschinen-, Straßenbau usw. müssen derzeit trotz ihrer Hochschulstudien als Nachhilfelehrer und Vertreter ihr Schicksal leidend und duldend tragen. Und die jüdischen Industriellen stehen der Not und dem Elend dieser wertvollen, qualifizierten, arbeitswilligen jüdischen Menschen ohne Verständnis und ohne Einfühlung gegenüber. Diesem Beispiel der Industriellen folgt ein großer Teil der jüdischen Kaufmannschaft. Der Geschäftsdiener, der Austräger, der Lagerist, die Bürokraft sollen durch ihr Dasein nicht provozieren und nicht stören. Man bedenke: ein Teil der jüdischen Kaufmannschaft ringt und kämpft um die nackte Existenz" und ist wirklich nicht in der Lage, Angestellte aufzunehmen. Und der andere bieschäftigte Teil der Kaufmannschaft ist unbegründetermaßen ängstlich in der Frage der Einstellung jüdischen Personals. Was soll mit dieser spezifisch jüdischen Angestelltenschicht geschehen? Es ist eine gefährliche Sache, ungeachtet des Zermürbungsprozesses der jüdischen Arbeitslosen, des Todeskampfes der jüdischen Intellektuellen und der katastrophalen Lage des Mittelstandes auf die Dauer Passivität an den Tag zu legen. Und nicht anders ergeht es den jüdischen Arbeitslosen bei den jüdischen Handwerkern, wie Installateuren, Tischlern, Schlossern usw. Denn auch die jüdischen Handwerker geben immer als Grund für die Nichtbeschäftigung jüdischer Arbeitskräfte Arbeitsmangel an. Es muß wohl zugegeben werden, daß gewisse Handwerkerkategorien tatsächlich ohne Arbeit dastehen, aber dieser Grund trifft nicht immer und restlos zu. Es ist charakteristisch, daß dieselben jüdischen Faktoren der Wirtschaft, die mit Fug und Recht von einem numerus proportionalis im öffentlichen Leben nichts wissen wollen, in ihren Unternehmungen den jüdischen Angestellten und Arbeitern gegenüber sogar den numerus nullus eingeführt haben. Mit aller Klarheit und Aufrichtigkeit sei jedoch bemerkt, daß die Erörterung der Frage der jüdischen Arbeitslosigkeit keine wie immer geartete Tendenz gegen den nichtjüdischen Arbeiter und Angestellten beinhaltet, denn unser grundsätzlicher Standpunkt ist und bleibt der, daß jeder Mensch sein Brot immer und überall und insbesondere in den Grenzen seines Heimatstaates finden möge. Wogegen wir uns aber aus Gefühls- und Verstandesgründen wehren müssen, ist die völlige Selbstausschaltung. Das Verhalten der jüdischen Unternehmer dem jüdischen Arbeitslosen gegenüber ist umso unverständlicher, als ununterbrochen von berufenen führenden Persönlichkeiten unseres Staates eindeutig die Richtung enunziert wird: Oesterreich ist ein Staat der Arbeit und der sozialen Gerechtigkeit, in dem es jedem Arbeiter möglich ist, wieder in den produktiven Prozeß eingeschaltet zu werden. Und dieses unveräußerliche Recht auf Arbeit soll auch der jüdische Unternehmer dem jüdischen Arbeitnehmer gegenüber anerkennen und zu verwirklichen versuchen. Die jüdische Unternehmerschaft muß doch einsehen, daß wir weder in Landwirtschaft noch in Verkehr, Bankwesen, öffentlichen Dienst, bedeutende Industriezweige eingeordnet sind und daß infolge gewerberechtlicher Maßnahmen und binnenwirtschaftücher Tendenzen viele Berufe, wie Vertreter, Retsende, Hausierer, Marktfahrer, Inkassanten, Spediteure usw. sich auf dem Aussterbeetat befinden. Daher müssen die jüdischen Unternehmer, wie Industrielle, Kaufleute und Handwerker willig un.d verständnisvoll mittun, um dem jüdischen Arbeitslosen in Not zu helfen, denn auch jede rationelle Umschichtungstendenz wird und muß erfolglos bleiben, wenn nicht vorher und zuerst die Frage der Einordnung der jüdischen Arbeitslosen in den Wirtschaftsprozeß in den eigenen Reihen gelöst wird. Kurz: die Anstellung jüdischer Arbeitsloser rieben nichtjüdisch e n müßte kein Problem sein, denn sie ist nur eine Selbstverständlichkeit und ein Akt der sozialen Hilfe; dagegen ist die gleichgültige Einstellung der jüdischen Unternehmerschaft der jüdischen Arbeitslosigkeit gegenüber nur eine problematische Frage, für die auch Nichtjuden niemals Verständnis haben werden. Jüdische Unternehmer, denket an die jüdischen Arbeitslosen und fordert den Bedarf an Angestellten und Arbeitern aller Kategorien beim jüdischen Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, 1., Kohlmessergasse 4, Telephon U 27-0-65, an. Arische Teppiche und Trenchcoats. In der „G r a z e r Tagespost" vom 28. Februar findet sich auf Seite 31 das,folgende Inserat:!! Perserteppiche!! feinste und beste Qualitäten aus Persien eingelangt. Aus mehreren Ballen nach europäischem Geschmack, einzelne, ausgesuchte. Stücke. Mitglieder der Alpenvereine, Deutscher Schulverein u. Antisemiten- Bund haben besondere Ermäßigung. J i r a i r V a rtian, Graz, Schlögelgasse 10, Telephon 68-97, Gebr. Vartian, Wien I., Rotenturmstraße 15. 03734 Die Firma F. M. Wantky & Co. versendet einen Prospekt, in dem sie sich folgendermaßen vorstellt: Lieferant deutsch-christlicher und deutsch-arischer Vereine, Verbindungen, Anstalten und Beamtenschaften aller Berufe, Wien VII., Burgg. 89, Ruf B 38-2-74. Eine Bemerkung zu diesen Reklamen ist wohl überflüssig. UNION ÖSTERR. JUDEN BEZIRKSGRUPPE IV. V. FESTAKADEMIE MIT TANZ Samstag, den 13. März, s Uhr abends im Festsaale des Hotels Münchnerhof, VI., Mariahilferstraße 81 FESTAKADEMIE: Conferencier: Paul Siegner. OTTO WALLBURG Eugen Hofftnann, Humorist, Cilli Wang. „Der liebe Augustin", Charlotte Ahnert, Jaro Kluger, Grete Weller, Chansons. Arminio Prendi, Tenor, Paul Siegner (ehemals Deutsche Volksbühne, Berlin), Beja. Musik-Clown. Am Flügel: Kapellmeister Piessner. Jazzkapelle Isy Geiger, unter persönlicher Leitung. Karten im Vorverkauf in der „Union österr. Juden" (Zentrale). L, Schattenring 25, Tel. A 19-2-77, und bei sämtlichen, Komiteemitgliedern. GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM. KORNMEHl WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE: XVIII., WÄHR1NGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbteilungenfurKoscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Freiland-Lisa. In einer von der jetzt sehr rührigen Freiland- Liga unter dem Vorsitz von Dr. Oskar Hein am 6. d. M. abgehaltenen Pressekonferenz erstattete der Vertreter des Zentralkomitees der Liga, Dr. Josef Kr u k, folgendes Referat: Europa steht heute vor zwei Problemen, die von großer internationaler und humanitärer Bedeutung sind: I. Die Lage der deutschen Flüchtlinge wird mit jedem Tage schlimmer. Sie können nirgends einwandern und selbst wenn sie ein Einwanderungsland finden, ist ihnen meistens dort das Recht versagt, Arbeit zu finden. II. Die Lage der Juden in vielen osteuropäischen Ländern wird mit jedem Tage ärger. Die Intoleranz und der wirtschaftliche Boykott haben zu so einer Judennot geführt, und eine solche Arbeitslosigkeit, besonders unter der Jugend geschaffen, daß man von einer Katastrophe spiechen muß. Viele stehen vor dem Dilemma „Auswanderung oder Entartung". Aber die Tore aller Staaten sind fest verschlossen. Ein Teil geht nach Palästina, dessen jüdische Kolonisation sich der allgemeinen Sympathie erfreut. Aber, wie selbst Dr. Weizmann ausgeführt hat, Palästina i s t z u klein und es kann daher nur einen Bruchteil aller jener aufnehmen, die zur Auswanderung gezwungen sind oder den Wunsch nach Auswanderung haben. Diese objektiven Tatsachen haben zur Gründung der „Freiland-Liga für territorialistische Kolonisation" geführt. Die Liga besteht in Frankreich, England, Polen, Rumänien, Schweiz, Belgien, U. S. A., Australien und anderen Ländern. Die Liga ist parteiloseste beschäftigt sich prinzipiell mit keinen politischen und religiösen Fragen und vereinigt alle Mensehen, die den guten Willen haben, diesen konkreten großen und humanitären Zweck der Erwerbung eines freien unbevölkerten Territoriums für jene Juden, die in ihrer Heimat nicht bleiben können, .zu fördern. Die Liga betrachtet sich nicht als Konkurrenz für irgendeine bestehende Organisation. Der Liga gehören viele an, die in den ersten Reihen der Kämpfer für die vollständige Gleichberechtigung und Judenemanzipation stehen. Der Liga ist es gelungen, führende Männer Englands für die Freiland-Bewegung zu gewinnen. Sq gehören dem internationalen Rat der Freeland-League viele hervorragende Vertreter des House of Commons and House of Lords aller Richtungen und Parteien an: Lord Arnold, der,liberale Ex-Minister Lord Mamhead, Lord Listowel, der konservative Vivyan Adams, Gwilym Lloyd George, James Maxton, der Vize-Präsident des House of Lords Lord Marley, Chreech Jones, der Oberst Wedgewood, der berühmte Rechtsanwalt D. I. V. Pritt u. v. a. Dem Rat gehören auch die Vertreter der englischen Kirchen an: der Dean of Canterburry und der Kanonikus der Westminster Cathedrale Donaldson, die Vertreter der Wissenschaft: Bertram Rüssel, Lord Sandlison, der Vertreter der Universitäten im Parlament Eleanore Rathbone. Vertreter der Literatur: Edith Zangwill, Loui Golding, die Redakteure der größten Tageszeitungen: Vernon Bartelett (Daily Chronicle), W. N. Ewer (Daily Herald). Die FreSland-Liga hat letztens mit der Australischen Regierung über die jüdische Kolonisation Verhandlungen geführt und wir hatten die Möglichkeit, uns zu überzeugen, daß die australische Regierung sich unseren Bestrebungen gegenüber nicht negativ verhält. Eine ganz energische Tätigkeit hat letztens die Freiland- Liga in Paris entwickelt. Dem Pariser Komitee gehören u. a. an: Prof. Bloch, Madame Marcelle R. Dreyfus, Baron Günberg, Rechtsanwalt Dr. Georges Dreyfus, Prof. Eisenmann, Lily Laval, Prof. Jules Isaac, Gustav Kahn, Prof. Keyze, Maurice Level, Armand Lunel, Oberst Emile Myer, Rabbiner Sommer, Andre Spire, Dr. Zadec Kahn, Dr. Alfred Döblin, Dr. Dubossarsky, Prof. Brutzkus u. a. m. Dank den energischen Bemühungen der Pariser Zentrale der Freiland-L'iga hat der französische Kolonialminister Dr. Marius M o u t e t eine öffentliche Deklaration erlassen, wonach die französische Regierung bereit ist, die französischen Kolonien einer jüdischea Kolonisation zu öffnen, da die Juden ein produktives, nützliches, für die Kolonisation außerordentlich gut verwendbares Menschenmaterial darstellen. Der Minister erklärte, daß die französische Regierung den besten Willen hat, den Opfern religiöser Verfolgungen auf praktische Weise zu helfen. Diese Deklaration, der eine große historische und moralische Bedeutung - zukommt, hat großes Aufsehen in allen Kreisen hervorgerufen. Es kommen von den französischen Kolonien folgende Gebiete in Betracht: Vor allem Neu-Kaledonien, Guyana und Madagaskar. Neu-Kaledönien hat einen Flächeninhalt von 18.653 kmJ und eine Bevölkerung von nur 60.000 Einwohnern. Das Klima ist

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