Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 10 (12.3.1937)
- Date
- 1937-03-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 10 — 12. März 1937 DIE WAHRHEIT Kalender-, Sidra-, Perek-, Omer- und Haftorah-Tafel OebctstoBdes Ad&r—Nissan 5687 März 19S7 fron abds. 7.15 Adar 29. 5.40 ( Wajikro (3. B. M.) \ 1 Rausch Cbandescb 1 8.30 1 Parsches llachaudescb 1 ,.« Nissan 1.1 Haftora i ÜJ0 I Kau Omar ad äschern 1 l Borchi Nafschi ) 7.15 Nissan 2. bi« 6. 6.15 abds. Freitag, 12. Märi 5.40 Samstag, 13. Marz 6.35 Sonntag, 14. bis Donnerst., 18. Män 6.15 des Vereinsheimes, XVI.. Wurlitzergasse 11, die 35. ordentliche Generalversammlung statt. Nach derselben erfolgt die Enthüllung des Bildes für den Gründer des Vereines Bernhard Mandelbaum s. A. statt. Das Helden-Gedenktafel-Komitee der B. 0. G. H des Bundes jüdischer Frontsoldaten Oesterreidis veranstaltet am Samstag, den 20. März 1937, 21 Uhr, im Theatersaal des Hotel „Post", I., Fleisdnnarkt, eine Fest-Akademie mit Tanz, deren Reinerträgnis zur Errichtung der Helden-Gedenktafel im Leopoldstädter Tempel, Tempelgasse, verwendet wird. Ihre freundliche Mitwirkung haben zugesagt: Rosy Barsony, Hanne Norbert, Cilli Wang, Josef Baar, Brandhofer-Reuss, Fritz Grünbamm, Eugen Hoffmann, Bela Lenard, Leo Va 1berg. Entree S 2.—. Eigenes Büfett. Vorverkauf: Mühlrad, Praterstraße 39, Juwelier Engel, Praterstraße 11, Cafe Orient, Praterstraße 66, in allen B. O. O. und bei den Komiteemitgliedern. „Abend jüdischer Musik." Der Wiener Jüdische Gesangverein veranstaltet am 20. d. um halb 8 Uhr abends im Festsaal des Hauses der Industrie, III., Schwarzenbergplatz 4, ein Konzert unter Mitwirkung bedeutender Solisten, in dem liturgische, jüdische und palästinensische Gesänge von den Komponisten Braslawsky, Engel, Erdstein, Lichtner, Sulzer, Sternberg, Woli u. a. zur Aufführung gelangen. Im Verlaufe des Abends werden vier Uraufführungen zu hören sein. Das Konzert wird von Kapellmeister Dr. Kurt P a h 1 e n geleitet, am Flügel Kapellmeister Rudolf Beck. Karten zum Preise von S \— bis S 4 — (Jugendorganisationen bei Voranmeldung Ermäßigung, jeden Dienstag 7 bis halb 10 Uhr abends Konzerthaus, Holländersaal), erhältlich bei: Jüdische Kulturstelle, I., Kai 3, Kartenzentrale Gronner, 1., Graben 26, Bücherstube Rath, II., Taborstraße 20, sowie bei sämtlichen Vereinsmitgliedern. „Ohel Rachel". Am vergangenen Samstag abends fand in den Räumen des Militärkasino zu Gunsten der Ausspeisungsaktion dieses so segensreich wirkenden Vereines eine Akademie mit Tanz statt, die ausgezeichnet besucht war und dem Vereine einen schönen moralischen und materiellen Erfolg brachte. Das Gelingen des Festes war das Hauptverdienst der Präsidentin des Damenkomitees, der unermüdlichen Frau Henriette Fuchs, die die künstlerische Leitung innehatte. Das Programm, von Hans K o I i s c h e r launig konferiert, war sehr gut, u. a. errangen besondere Erfolge Fritz Grü n bau m, der prachtvolle Sänger Igo Outtmann und die anmutige Tanzkünstlerin Ruth Wasser, ein vielversprechendes Talent, dem eine große Zukunft vorausgesagt werden darf. Es war ein gelungener Abend, an dem sich das zahlreiche Publikum sehr amüsierte und dessen Reingewinn mithelfen wird, die Not hungernder Glaubensgenossen etwas zu Indern. Die jüdischen Frauenvereine des XX. und II. Bezirkes veranstalteten am vorletzten, bezw. am letzten Sonntag nachmittags Akademien, deren Besuch ein er- Vortrefflich-Mazzoth überragen alle anderen, weil sie auf echten Spezial- Mazzoth-Lehmöfen gebacken sind. Bekanntlich sind gerade Mazzothprodukte, hauptsächlich vom Backprozesse abhängig und der gelernte Fachmann begutachtet, daß die in Eisenöfen (Dreh-, Ketten-) gebackenen Produkte niemals die Primaqualität der Vortrefflich-Mazzoth erreichen können, weil die Oefen nicht den richtigen Grund haben, um den Waren die Knusperigkeit zu verleihen. Vortrefflich-Mazzoth beschäftigt die meisten jüdischen Arbeiter und Arbeiterinnen. Vortrefflich ist und bleibt vortrefflich! leopolüsraffler Tempefterein üeschel Awrohom iL, Pazmanitengesse 6, Tel. R 41-8-63 Anmeldungen v. Aufgeboten, Tr&nnngen (auchunf. freiem nimmeDu. Barmiroaus Oabetstunden rüb Adar-N!»aan 5697 6.45 Adar 29. Wajikro (I. B. M.) Ranscb Cbandescb 6.45 nnd 9.00 J Pawches Hachandesch Haftora Kan omar ad äschern Borchi Naftchi treulich guter war, womit der Zweck, Armen zu helfen, in entsprechender Weise erreicht wurde. Die Veranstaltung des Brigittenauer Frauenvereines, um die sich dessen Präsidentin, Frau Olga Friedmann, wie immer eifrig bemühte, fand im Festsaal des Hotel Continental statt und wies ein sehr gutes Programm auf. Der Nachmittag des Leopoldstädter Frauenvereines wurde im Saal des Hotel de France gehalten; die Zuschauer waren des Lobes voll über die erstklassige Akademie, die unter der bewährten künstlerischen Leitung von Frau Marie Steiner stand. Die beiden Vereine konnten einen guten Erfolg buchen, der ihren zahlreichen Schützlingen zugute kommen wird. Der Israelitische Humanitätsverein Favoriten hat am 28. Februar seine 59. ordentliche Generalversammlung abgehalten. Die Tätigkeit im abgelaufenen Vereinsjahre bestand darin, daß an mehr als 200 Personen Mazzoth, an über 40 .Männer, Frauen und Kinder gute Schuhe und Strümpfe, an viele alte Leute eine Monatsrente und fallweise an Arme Unterstützungen in Bargeld gegeben wurden. Ebenso wurden arme Favoritner Bar-Mizwah-Knaben zu ihrer Feier vollkommen bekleidet. Auch versieht dieser Verein in Favoriten die Funktion der Chewra-Kadischa. Die Anwesenden zollten dem Gesamtvorstaiide für diese Arbeiten den besten Dank. Am selben Nachmittag wurde, wie alljährlich, für die verstorbenen Mitglieder dieses Vereines in dem vollgefüllten Favoritner Tempel der Trauergottesdienst abgehalten. Die Ortsgruppe X des Bundes der Jüdischen Frontsoldaten Oesterreichs erschien bei diesem Anlasse in voller Ausrüstung. Herr Rabbiner, Professor Dr. Weine r. hielt eine ergreifende Gedenkrede, in welcher das Wirken des Vereines besprochen, sowie die verstorbenen Vereinsmitglieder und die auf dem Felde der Ehre im Weltkriege gefallenen Favoritner ehrend bedacht wurden. Dio kantoralen Gesänge verrichtete mit inniger Andacht Herr Oberkantor Weiss mit klangvoller Stimme. Die würdige Trauerfeier hat auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck hinterlassen. „Chewra Kadischa" für den XVI. und XVII. Bezirk. Am 28. v. M. fand die 28. ordentliche Generalversammlung statt. Der Präses Medlziiialrat Dr. Jakof Deutsch begrüßte die Erschienenen, insbesondere den Olbmannstellvertreter des Bethausvorstandes Obermedizinalrat Dr. Ludwig Pohl und den Obmann des Vereines „Kinderfreunde" Oberveterinärrat Heinrich Rosen zweie. Der Vorsitzende gedachte zunächst der im abgelaufenen Jahre verstorbenen Vereinsmitglieder und erstattete den beifällig aufgenommenen Tätigkeitsbericht, laut welchem der Verein den Bedürftigen durch Gewährung von Unterstützungen. Kohle und Medikamenten behilflich war und alljährlich für die verstorbenen Mitglieder am 7. Adar im Tempel ein feierliches Requiem veranstalte. Herr Oberveterinärrat H. Rosen zweig sprach in längerer trefflicher Rede über die Aufgaben der Chewra Kadisdia und brachte der Vereinsleitun« für ihr wohltätiges Wirken Dank und Anerkennung zum Ausdruck. Der Revisor Dr. A. Wölfler verlas den Kassabericht und beantragte die Erteilung des Afosolutoriums. die einstimmte erfolgte. Bei der hierauf erfolgten Wahl wurden die Herren Max Gollers t e p p e r und Salo N e u f e 1 d in den Vorstand neugewählt. HiHsverband der jüdischen Kriegsopfer. Invaliden, Witwen und Waisen in Wien. Am 28. v. M. fand im großen Theatersaal des Cafe „Stadttheater" die diesjährige Generalversammlung des „Hilfsverbandes der jüdischen Kriegsopfer in Wien" statt. An derselben nahmen einige hundert Mitglieder teil. Als Gäste nahmen unter anderen teil: In Vertretung der Kultusgemeinde Kultusrat Herr Ing. Buchbinder in Vertretung der legitimistischen jüdischen Frontsoldaten Herr Generalmajor Sommer und Herr Chefredakteur K a n d I und in Vertretung der „Union österreichischer Juden" Herr Dr. G r ü n w a 1 d. In seiner Begrüßungsansprache konnte Präsident Lazar auf die große Anzahl der erschienenen Mitglieder hinweisen. Begrüßungsansprachen hielten ferner Herr Generalmajor Sommer, Herr Redakteur K a n d I, welche die Kriegsopfer der warmen Unterstützung und Hilfsbereitschaft der ihnen so nahestehenden legitimistischen jüdischen Frontkämpfer versicherten. Herr Ing. Buchbinder überbrachte die Grüße des Kultusvorstandes. Namens der „Union österreichischer Juden" sprach Herr Dr. G r ü n w a 1 d, der die Kriegsopfer versicherte, daß die „Union" sich stets bemühen werde, ihnen zu helfen. Aus dem von Präsident Lazar erstatteten Tätigkeitsbericht wäre hervorzuheben, daß mehr als ein Drittel der Bargeldeinnahmen allein für Bargeldunterstützungen verwendet wurden, daß außerdem eine Kohlenaktion, bei der mehr als 5 Waggons Kohle und mehrere große Lebensmittel- und Bekleidungsaktionen durchgeführt worden waren, bei welchen unter anderen 1400 kg Mazzoth, 300 kg Fett, 60 kg Teigwaren, 9 Sack Mehl, II Sack Hülsenfrüchte, 500 Laib Brot, 100 kg ■ Geflügel, 280 kg Fleisch, 100 kg Wurst, 4500 kg Kartoffeln, 3000 Stück Eier, 1000 versch. Konserven, 15 Paar Herren- und Damenschuhe, 1200 Stück versch. Bekleidungsgegenstände, darunter Anzüge, Frauen- und Mädchenkleider, Wolljacken, Pullover usw., an die Mitglieder vollkommen unentgeltlich verteilt wurden. Kunst und Literatur. Jüdisches Kulturtheater. Nach den zahlreichen Aufführungen der von Dr. J. R o s e n t h a 1 ins Deutsche übertragenen Komödie von Schalom Alejchem „Schwer zu sein ein Jud" hat nun die rührige Leitung des Theaterohens am Kai wieder eine Komödie angesetzt, ein Zugeständnis an den Geschmack des heutigen Publikums, das die" Sorgen des Alltags am Abend im Theater vergessen will. Das Stück „Sonkin und der Hauptt r e f i er", von Juschkewitsch, ist schon in glanzvoller Besetzung über die Wiener Bühne gegangen, und um so größer ist das Wagnis, diese an sich harmlose Begebenheit von dem armen jüdischen Teufel, der alle seine Hoffnung auf den Haupttreffer setzt und, als er ihn wirklich gewinnt, das Geld nicht zu halten weiß, auf die Bretter dieses räumlich beengten Theaters zu stellen. Aber das „Jüdische Kulturtheater" ist eben nur räumlich beengt, in seiner künstlerischen Leistung ist es von überragender Größe. Das konnte man diesmal wieder feststellen. Unter der glänzenden Regie von Joachim La'atz kam eine Aufführung zustande, die sich sehen lassen kann. Da ist vor allem Rudolf Weiß, der glücklich-unglückliche Sonkin, zu nennen, dem hier ein wahres Kabinettstück gelungen ist. Meisterhaft spielt er die Szenen, da der traurige Held vor übergroßem Glück fast wahnsinnig wird, in grotesker Manier, so daß das Publikum nicht weiß, soll es lachen oder weinen über so viel Tragikomik. Seine Kolleginnen und Kollegen assistieren ihm in blendender Art. Es seien nur erwähnt, obwohl jeder einzelne viel Lob verdient, das neue Mitglied des Einsembles die reizende Trade Gärtner, eine große Begabung, und die schon oft gediegen bewährte Kraft des Hauses Alice Koch sowie der vorzügliche Fritz Links. Es war eine wirklioh abgerundete Leistung, die manche . Schwächen des Stückes vergessen ließ und dem Publikum begeisterten Beifall entlockte. Die Wiener Juden sollten den Besuch dieses Theateiis, das ein christlicher Kritiker einmal das „jüdische Burgtheater" nannte, als eine moralische Pflicht betrachten; sie helfen damit jüdischen Schauspielern, denen Rassenhaß die deutsche Bühne versperrte, und unterstützen ein kulturelles Unternehmen, das trotz seiner räumlichen Beschränktheit den höchsten Anforderungen, die man heute an ein erstklassiges Theater stellt, vollkommen gerecht wird. O. H. Franz Körmendi, Die Sündigen, Roman. B e rmann-Fisch er, Verlag, Wien. Ein packender Gegenwartsroman, überreich an äußerem und innerem Leben: in ihm hat der Dichter der „Versuchung in Budapest" das ewige Problem von Schuld und Sühne dargestellt. Zwei Schicksalslinien sind es, die der Autor mit den spannendsten Mitteln moderner Erzählungskunst den Leser gleichzeitig verfolgen läßt: hier der Mann, der für den Tod seiner Frau sich die Verantwortung auflädt, weil er in tiefer Gefühlsverwirrung am Tage ihres Todes in Gedanken zum Mörder an ihr geworden ist; dort der Halbwüchsige, den materielle Not und Bedrängnis der Pubertät in Besinnungslosigkeit zum wirklichen Mörder werden lassen. — Die moderne Großstadt ist der Raum, in dem die Geschehnisse dieses Romans sich abspielen, deren zeitloser "Problematik der soziale Gegensatz von „Oben" und „Unten" zeitlichen Hintergrund gibt. Jjtfotge eines technischen Vetsehens entfäUt diesmal die £iste det JkecdiguHaen. Eigentümer, Herausgeber, Verleger und verantwortlicher Schriftleiter: Oskar Hirschfeld, Wien II.» Praterstraße 29. — Druck: Ignaz Spitz & Söhne, Wien II. Robertgasse 2.