Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 10 (12.3.1937)
- Date
- 1937-03-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 10 — 12. März 1937 Seite 5 Sedu.$e*^ KJfcü*U/vv$- $vt/t. dtznJWr^,^CnaJh^rv c\,.\iUvrksi iaa. , WaXko-zv &asü£$m, >wt &tJL S-l*>&iS&v kb)cu&w&zn% uWi.,-r o\$ <kv 3 ■ D Der Obmann d&s Organisation - Komitees der „Union österreichischer Juden", Herr Komm.-Rat ALEXIUS SA LZ ER. hat für die Mitglieder der „Union" eine schuf. Das Salpetermonopol Chiles wurde durch den Luftstickstofr des Deutschen Haber gebrochen, wie das Indigo durch die deutschen chemischen Farben; heute finden 200.000 Menschen in Deutsahland allein durch die Luftstickstoffindustrie ihr Brot, 25.000 beschäftigt die deutsche Kaliindustrie". Das Tatsächliche an den Mitteilungen des Reichspressechefs der NSDAP ist durchaus in Ordnung. Vor genau drei Jahren hat die Weltpresse über die enorme Bedeutung dieser Synthese berichtet, von der festgestellt wurde, daß sie nicht nur wissenschaftlich* sondern auch weltwirtschaftlich von größter Bedeutung ist. Das Verfahren der Stickstoffgewinnung aus' der Luft liefert jetzt schon zwei Drittel der Weltproduktion an Ammoniak und drei Viertel der Weltproduktion an künstlichem Salpeter, der noch dazu billiger ist, als der natürliche aus Chile. Es wurde auch der Lebenslauf jenes Professors Dr. Fritz Haber wieder erzählt, der für seine Forschungen 1919 den Nobelpreis und vier Ehrendoktorate «rhalten hatte. Er war Mitglied der deutschen Akademien der Wissenschaften in Berlin, Göttingen, München und der ausländischen in Leningrad, Stockholm und Havard. Die Bunsen- Gesellschaft verlieh ihm ihre Ehrenmedaille. Mit Recht gedenkt seiner also der Reichspressechef der NSDAP, wenn von der Eroberung der Weltrohstoffe durch Deutschland und von dem gigantischen Aufschwung der deutschen Handelsbilanz durch die Ausfuhr künstlicher Düngemittel die Rede ist. Nur mit „nationalsozialisti- Rückschlag in der zionistischen „Hochkonjunktur66. Ernüchterung im deutschen Judentum — Ein lehrreiches zionistisches Bekenntnis. ' Die judenfeindliche Bewegung in einigen Staaten Mittel- und Osteuropas hat der zionistischen Strömung einen niegeahnten Aufschwung gebracht, und je größer das jüdische Elend, desto höher wächst sie an. Es fragt sich allerdings, ob eine Bewegung Daseinsberechtigung hat, wenn sie hauptsächlich vom Unglück des Judentums lebt. Man war vielfach geneigt, die im Zionismus aufgeflackerte Hochkonjunktur als etwas Echtes und Dauerndes anzusehen; man verwies insbesondere auf das deutsche Judentum, das den zionistischen Fanfarennachrichten zufolge von dieser Bewegung schon zur Gänze erfaßt worden sein sollte. Aber die folgenden Ausführungen zeigen, daß selbst dort, wo die antisemitischen Wellen am höchsten gingen, die politische Zionsidee sich vielfach als ein Strohfeuer erwies, das nur allzu bald von der Nüchternheit und dem gesunden jüdischen Menschenverstand abgedämpft wurde. So schreibt die Berliner zionistische „Jüdische Rundschau" vom 5. Februar unter dem Titel „Bilanz und Selbstkritik" u. a.: „Als die Verhältnisse der Juden in Deutschland sich im Jahre 1933 grundlegend änderten, erhofften wir hieraus eine revolutionäre Wandlung in der Haltung der Juden in Deutschland zu den Fragen ihres Volkstums und der Zukunftsgestaltung der jüdischen Nation. Es soll gewiß nicht verkannt werden, daß solche Wandlungen in vielen jüdischen Köpfen — und nicht den schlechtesten — Platz griffen. Jedoch wäre es eine Selbsttäuschung, wenn wir nicht feststellen, daß vieles von dem, was wir als Wandlung ansahen, nichts weiter war als ein Sich-Abfinden mit den gegebenen Tatsachen und neuen Verhältnissen. Die zionistische Bewegung wurde für viele Juden in Deutschland eine Auswanderungsbewegung nach Palästina. Transfer und Zertifikat wurden wesentliche Bestandteile „zionistischen" Denkens, und das Hereinströmen in die Reihen der Zionistischen Organisation beruhte zum großen Teil aui der Anerkennung der „gegebenen Tatsachen". Die große Einwanderungswelle nach Palästina in den letzten Jahren und die ungewöhnliche wirtschaftliche Expansion im Lande begünstigten diese Haltung. Der Zionismus hielt mit der Palästina-Bewegung nicht Schritt. Wir erkennen heute sehr deutlich, daß in einem Augenblick politischer und wirtschaftlicher Schwierigkeiten in Palästina und in einer Zeit, in der die Einwanderung zurückgegangen ist, jene Tendenzen innerhalb der Juden in Deutschland wieder stärker werden, die symptomatisch dafür sind, daß die zionistische Eroberung der Juden nicht zu Ende geführt wurde. Wenn wir von der Jugend absehen, die sich für die Hachscharah entschieden hat und gewillt ist, unter allen Umständen den Weg ins Land und aufs Land zu finden, so sehen wir in der sich verringernden Teilnehmerzahl an den hebräischen Kursen, in dem schwächer werdenden Interesse für die Fragen EIN ERLESENER GENUSS i speziellen Verfahren fTRUMMAZZOTH und GRIESS die als vorzüglich, schmackhaft, hygienisch einwandfrei erzeugt, bestbekannt sind und wegen Ihrer ante und Billigkeit allgemein bevorzugt werden Die vielen tausende Freunde der Qualitäts- Mazzoth „Strum" lassen sich keine anderen Erzeugnisse, namentlich keine aus laadischen, aufdrängen. Froher Passach — nur mit Strum-Mazzoth die als das beste österr. Fabrikat anerkannt sind! Wer einmal Strum-Mazzoth genieflt, nimmt keine anderen* Die Mazzoth-Erzeugung M. STRUM, IL.Rotensterngasse 11steht unter Aufsicht des ehrw. Rabbinats der israel. Kultnsgemeinde Wien. Besonders in ritueller Hinsicht sind Strum-Mazzoth unbedingt einwandfrei. 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Die Würdigung der Weltpresse — mit Ausnahme der deutschen — galt damals einem Toten, der nach jahrzehntelanger, aufopferungsvoller Arbeit sein deutsches Vaterland verlassen mußte, weil er .1 ude war. Fritz Haber legte zunächst Ende 1933 seine Stellung als Ordinarius' für Elektrochemie an der Berliner Universität nieder und wurde gleichzeitig als Leiter des Kaiser-Wilhelm-Instituts in Berlin- Dahlem vom Dienst enthoben. Jenes nationalsozialistische Deutschland, dessen Brotversorgung heute ohne Haber wahrscheinlich nicht möglich wäre und das nach den Worten Dr. Otto Dietrichs 225.000 Menschen allein mit der industriellen Ausbeutung der wissenschaftlichen Forschungen dieses Gelehrten versorgt, hatte den Achtundsechzigjährigen vertrieben. Daß es ihn jetzt plötzlich rühmt, nennt und würdigt, ist kein Symptom besseren Sinnes, sondern nur ein peinlicher Irrtum des Reichspressechefs der NSDAP. Aber er verdient trotzdem oder gerade deshalb erst recht, festgenagelt zu werden. Als Zeichen der Zeit und Beweis einer grenzenlosen Verwirrung der Geister. I eratungsftclte geschaffen, bei welcher jedes Mitglied der „Union" in allen Angelegenheiten der Wirtschaft, wie in allen gewerberechtlichen Angelegenheiten, kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung, Versicherungsangelegenheiten, ebenso Beratung bei Eintritt von Versicherungsschäden DoUhommen unentgeltliche Auskunft erhält. ■Die Beratungen finden jeden Montag und Freitag von 10-12 Uhr vormittags im Heim der „Union" I, Schottenring 25, Mezz, Tel. A 19-2-77, sta!t. des Aufbaus Palästinas und der mangelnden Unterstützung der zionistischen Forderungen Zeichen für die Richtigkeit der obigen Behauptungen." Aber nicht nur in Deutschland hat der zionistische „Eroberungsfeldziug" eine Niederlage erlitten; der deutsche Jude hat sich auch in Palästina ernüchtert und von seinen zionistischen Idealen ist nur ein kärglicher Rest zurückgeblieben. Diese Wandlung beleuchtet treffend Schalom Ben- Chorin in einem Bericht aus Jerusalem an den Frankfurter „Israeli t", in welchem er u. a. schreibt: „Der Hinweis auf die allgemeine Ernüchterung des jüdischen Publikums in- Deutschland, den Hans Lamm vor kurzem unternahm, ist durch ähnliche Erfahrungen in Palästina zu ergänzen. Auch hier sind die Menschen des Betriebes' müde geworden; übersättigt von einer Vortragshausse, die sie noch in Deutschland erlebten, ziehen sie sich, aller gemeindlichen und ortsgruppenmäßigen Bindungen ledig, ins .Privatleben' zurück. Der deutsche Jude in den Städten (in den Siedlungen liegen die Dinge naturgemäß anders) ist faktisch isoliert, wenn man von den rein zufälligen Bekanntschaften, die das Leben mit sich bringt, absieht.!j Man kann in diesem Zustand eine Normalisierung erblicken. Der jüdische Betrieb* in Deutschland war nämlich — man werde sich darüber einmal klar — etwas völlig Anormales. Man vergleiche nur die Zahl der Vorträge, die ein durchschnittlicher Deutscher oder Engländer im Jahre hört und die eines (einigermaßen jüdisch-interessierten) deutschen Juden in den Jahren 1933-35. Man wird überrascht sein über die RekordziffeF, die sich ,zu unseren Gunsten' ergibt. Nun, wir wissen, es ist nicht nur ein objektives Interesse, das die Massen in die Vortragssäle führt, vielmehr liegt hier ein Gruppenaffekt zugrunde. Der Einzelne, der sich aus seiner Umgebung herausgestoßen fühlt, „flieht' (halb unbewußt) in den Versammlungssaal, in dem er aufhört, Einzelner zu sein, sondern sich getragen weiß von der Masse, ihr Teil wird. Dieser Anlaß fällt in Palästina weg und damit beginnt der Rückzug des Juden aus Deutschland auf einen engeren, privateren Lebenskreis, als es der im Deutschland der letzten Jahre war. Wir erlagen einer gefährlichen Täuschung, indem wir .Publikum' mit «Gemeinschaft* gleichsetzten. Diese Begriffe sind wesensmäßig ungleich, ja, der eine der Antipode des anderen. Wesen des Publikums: UnVerbindlichkeit aller gegen alle. Wesen der Gemeinschaft: Einsatz des Einzelnen für alle und Eintreten aller für den Einzelnen, also höchste Verbindlichkeit." Heute vollends, da das Schicksal Palästinas völlig in der Luft hängt, ergreift Enttäuschung und Ernüchterung immer weitere Kreise des gesamten Judentums der Welt. Das Bewußtsein, daß Palästina, wie Weizmann sich unlängst äußerte, m einer gefährlichen Mausefalle geworden ist, die England den Juden gestellt hat, lenkt die Initiative der verantwortlichen jüdischen Führer auf andere Länder, die wirtschaftlich entwurzelte und heimatlos gewordene Juden aufnehmen könnten.' Friedhofschändung in Polen. Der jüdische Friedhof, in Ostrow i e c (Kreis Warschau) ist während der Nacht durch unbekannte Täter geschändet worden. 96 Grabsteine wurden ze rtrümm e r t. Einzelne Gräber wurden a u f g ew üh 11, so daß Gebeine bloßgelegt wurden. Das in unmittelbarer Nähe der geschändeten Gräber stehende Mausoleum des Ostrower Wunderrabbis ist unbeschädigt geblieben.