Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 10 (12.3.1937)
- Date
- 1937-03-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 10 — 12. März 1937 Seite 3 Sessadk steht vor der (fütel Rasch also Ihren Bedarf decken an den berühmten fikmidl-JKazzoth „Sohmidl-Mazzoth." sind eine wunderbare Delikatesse von besonderem Wohlgeschmack. „Sohmidl-tfazzotli" werden aus nur ollerfeinstexn Weizenmehl erzeugt. „Bohmidl-Mazzoth" werden in peinlichst sauberen modernsten Fabriksräumen erzeugt. „Sohmidl-BIazzoth "sind verläßlich streng koaoher. Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babad Jlatfhtm förodefefiij Sctimtdl plombierten Zentrate: Wien, 2. Bezirk, £eopotds£asse 43 SSdfCIl Telephone: A 46-1-90, A 48-4-48, A 60-2-63 Die fcfuniM-yitaxxotfk und das Fabrikat JKmtkc •Scfhmidt Jt. Ü9. (Mazzoth, Qrieß und Farwel) sind außerdem erhältlich in allen besseren Geschäften. Ein vereitelter Putsch der Jüdischnationalen. Am Freitag, den 5. d. M., hat der Hofkriegsrat von der Seitenstettenigasse, die Strategen der „Zionistischen Liste" unter Mitwirkung des provisorischen Amtsdirektors Dr. Löwenherz einen gloriosen Plan ausgeheckt, um in Abwesenheit dreier dem unionistischen Klub angöhörigen Vorstandsmitglieder, nämlich des Herrn Baoirat Kempler, des Herrn Komm.-Rat Feldmann und des erkrankten Herrn Dr. Feldsberg und eines der Gruppe der radikalen Zionisten angehörigen Mitgliedes des Kultusvorstandes, des Herrn Dr. Waldmann, die definitive Bestellung des Dr. Löwenherz zum Amtsdirektor auf dem ungeraden Wege der Ueberrumplung herbeizuführen. Man kalkulierte einfach nach Adam Riese, die 17 Mitglieder der „Zionistischen Liste" werden, wie einmal von maßgebenden Mitgliedern erklärt wurde, zwar „nicht mit dem Herzen, aber mit der Hand für Löwenherz stimmen", von den verbleibenden 19 Mitgliedern des Kultusvorstandes fehlen vier, man kann also schlimmstenfalls nur mit einer Opposition von 15 rechnen. Dr. Löwenherz wird also, oh Triumph, mit 17 gegen und was anderes könnte ich nicht sein; ich bin ein Schwab und was anderes möchte ich nicht sein; und ich bin ein Jude und das hat die richtige Mischung gegeben." Nun wächst in ihm eine leidenschaftliche Preußenliebe, er sendet heftige Flugblätter gegen Frankreich in de Welt, schreibt vaterländische Romane und ein Befreiungsdrama „Andreas Hofer", eilt — fast sechzigjährig — ins Große Hauptquartier und bekennt „ich bin ein Schwab, aber anno 1870 bin ich ein preußischer Soldat geworden und das bleibe ich, mag man wollen oder nicht. Als Soldat will ich nicht mehr sein als Kanonenfutter und dazu ist auch so ein Jude wie ich nicht zu schlecht . . ." Auerbach stand im Zenith seines Daseins. Sein Ruhm war fast unbestritten. Zwar meinte mancher Kritiker, daß seine Bauern doch ein wenig zu langatmig philosophierten, daß sie mehr Salonals Erdgeruch hatten und eigentlich sich immer wiederholten. Neider begannen emporzuwachsen und Konkurrenten, deren Urteil nicht immer vom literarischen und ästhetischen Standpunkt allein bestimmt war. Auerbach litt nicht wenig an dieser Kritik und der mächtig emporkommende politische Antisemitismus der Siebzigerjahre hat dann seinen Lebensabend nicht wenig verbittert, ja verkürzt. Daß gar Bismarck den Antisemitismus begünstigte oder zumindest duldete, fühlte er als eine Vernichtung seiner Lebensarbeit. Es gab mir den Knacks meines Lebens, schrieb er zuletzt an Fritz Mauthner, den Prager Dichterphilosophen. Auerbach begann zu kränkeln und an der deutschen Heimat, an der deutschen Kultur, soweit er ihr Zeitgenosse war, zu zweifeln. Immer häufiger ging er nun nach dem Süden und in Cannes ist er denn auch im Februar 1882 gestorben. In Nordstetten, seinem bis zuletzt innigst geliebten Schwarzwaldweiler, liegt der Dichter des „Barfüßele" begraben. In Stuttgart hat ihm fünf Jahre vor Weltkriegsbeginn das dankbare Schwabenland ein Denkmal gesetzt. Fraglich, ob es heute noch steht. m. e. 15 Stimmen zum definitiven Amtsdirektor gewählt. Das der Plan, seine Durchführung hätte dem „Listen ersinnenden Odysseus" alle Ehre gemacht. Am Freitag, den 5. d. M., mittags, wufde der unionistische Vizepräsident, Herr Dr. Josef Ticho, während der Tagung „des zionistischen Hofkriegsrates" mit besonderem Taktgefühl vom provisorischen Amfedirektor Dr. Löwenherz, um dessen definitive Bestellung es sich handelt, und nicht von seinen Kollegen im Präsidium, davon verständigt, daß der Präsident, Herr Dr. Friedman n, proprio motu, wir nehmen zu seiner Ehre an, nach Vergewaltigung durch die Parteikonferenz, verfügt habe, daß für Montag, den 8. März, eine Plenarsitzung des Kultusvorstandes mit der Tagesordnung: „Definitive Bestellung des Amtsdirektors" einberufen werde. Man merke, am Freitag nachmittags .wird die Einb^ruSung. einer Plenarsitzung mit einer Tagesordnung für den folgenden Montag beschlossen, die seit mehr als eineinviertel Jahren die Juden von Wien in zwei gegnerische Lager geschieden hat. Das eine hielt es für das gute Recht der Majorität, ihre Parteifreunde mit pensionsberechtigenden Steilen in der Kultusgemeinde ä la Rath und ä la Löwenherz etc. zu versorgen, und daß andere verlangt die Entpolitisierung der Kultusgemeinde, die Aufrechterhaltung der bis zum Jahre 1932 seit mehr als 100 Jahren geübten „Reinheit und Sauberkeit*4 (Th. H e r z 1) in der Verwaltung der Gemeinde zur Wahrung der Würde und des Ansehens dieser einzigen autonomen jüdischen der Befriedigung der religiösen Bedürfnisse unserer Glaubensgenossen gewidmeten Institution. Herr Vizepräsident Dr. Ticho erklärte sofort diesem Gesandten des Präsidenten, daß drei Mitglieder des Kultusvorstandes, die der „Union" angehören, durch Ortsabweisenheit oder Krankheit verhindert sind, daß die Möglichkeit ihrer Anwesenheit bei der Sitzung am Montag, den 8. März, in Frage stehe und daß er daher die Abberaumung der Sitzung verlange. Herr Dr. Löwenherz ersuchte Herrn Dr. Ticho, darüber mit Herrn Präsidenten Dr. Friedmarm zu sprechen. Mittlerweile war aber Herr Dr. Friedmann diesem Gespräche dadurch ausgewichen, daß er entgegen seinen sonstigen Gewohnheiten Freitag vor 1 Uhr mittags das Haus verließ. Alle Versuche, mit dem Präsidenten noch am Freitag sich ins Einvernehmen zu setzen, hatten kein Ergebnis. Am Samstag vormittags gelang es endlich der „Union", Herrn Präsidenten Dr. Friedmann zu erreichen; wieder wurde von ihm die Abberaumung der Plenarsitzung verlangt. Herr Dr. Friedmann vertröstete auf ein am Sonntag, um &11 Uhr vormittags, von ihm mit dem Vizepräsidenten Doktor Ticho zu führendes Gespräch. In diesem Gespräch am Sonntag gab Herr Präsident Dr. Friedmann wieder keine Erklärung ab, sondern vertröstete auf einen späteren Zeitpunkt, bis er mit den übrigen Parteien (Gruppe Dr. Plaschkes, Gruppe Dr. S o k a 1) gesprochen habe. Dabei wöBte man sich wohl die Gewißheit verschaffen, daß zumindest die Gruppe Dr. Sokal nicht gegen Löwenherz stimmen werde. Diese Besprechungen mit den sogenannten kleinen Parteien haben aber — wenn Pctsach In Baden «m Hotel-Deslaiirani SCIEY, Baden b. Wien, Annagasse Nr. 3, Tel. 319 unter persönlicher Leitung des Besitzers BmM S4ÜCQ Ganze streng rituelle ferpliegnngk Frühstück: Kaffee, Mazzes. Mittagmahl: Suppe. Braten (nach Wahl event. Geflügel), Beilage, Mehl- Speise. Jause: Kaffee, Mazzes. Nachtmahl: Fleischspeise (nach Wahl). Beilage. Per Tag $ •.- GroSe Portionen. Anerkannt beste Kflcbe Schöne Zimmer, einbettig von S 4.—, zweibettig S 6.— per Tag aufwärt» / Anmeldungen werden bis 26. Marx entgegengenommen sie überhaupt stattgefunden haben — ein negatives Ergebnis gehabt, aber noch immer konnte sich Herr Dr. Friedmann nicht entschließen, dem berechtigten Verlangen der „Union" zu entsprechen, die Sitzung abzuberufen oder den Punkt „Definitive Bestellung des Amtsdirektors" von der Tagesordnung abzusetzen. Er verwies anläßlich einer neuerlichen Urgenz der „Union" auf eine für Montag, also am Tag der Sitzung der Plenarversammlung einberufene Konferenz des Klubs der „Zionistischen Liste"! In diesem Augenblicke, Sonntag, den 7. d. M., um 2 Uhr mittags, entschloß sich der Klub der unionistischen Mandatare, wenn auch schweren Herzens, dazu, für jene Mandatare, die am Montag unter keinen Umständen erscheinen konnten, Herrn Baurat Kempler und Herrn Komm.-Rat Feldmann, die Nachmänner auf der Liste der „Union", Herrn Desider Wollner und Herrn Siegmund Freund, einzuberufen, falls die Sitzung nicht abgesagt würde. Hievon wurde Herr Präsident Dr. Friedmann noch am Sonntaig nachmittags schriftlich in Kenntnis gesetzt. Diese Maßnahme hatte zur Folge, daß die Putschfront ins Wanken kam. Es war der „Union" von diesem Augenblick an klar, daß die Sitzung nicht stattfinden würde, weil sonst die Niederlage der „Unentwegten" sicher war. Es handelte sich nur darum, und das bildete den Gegenstand der eifrigen Beratung des Hofkriegsrates, wie man nach dieser Blamage einen geordneten Rückzug antreten soll. Da kam ein glücklich-unglücklicher Zufall zu Hilfe. Herr Präsident Friedmann erkrankte bedauerlicherweise plötzlich, er konnte aber noch die Verfügung treffen, daß er für die Dauer seiner Verhinderung den Vizepräsidenten Oberbaurat Stricker mit seinen Funktionen betraue. Herr Vizepräsident Oberbaurat Stricker übernahm die traurige Mission, die ihm soeben übertragenen Funktionen des Präsidenten, die in erster Linie in diesem Augenblicke in der Abhaltung der an einem Freitag für den folgenden Montag, atsö nach einem heiligen Sabbath für die Juden und nach einem Sonntag für die Allgemeinheit angeordneten Sitzung des Vertreterkollegiums und des Plenums bestanden, nicht auszuüben, das Vertreterkollegium zu vertagen und die Plenarsitzung am Montag, in einem Zeitpunkte, in dem sich alle Vorstandsmitglieder, auch die zwei Nachmänner, bereits versammelt ihatten, nämlich nach 8 Öhr abends, „abzusagen". So tritt Herr Oberbaurat Stricker in die Funktionen des Präsidenten ein, wenn durch die Nachrichten, die der „Hofkriegsrat" erhält, festgestellt ist, daß der Antrag der „Zionistischen Liste", Dr. Löwenherz zum definitiven Amtsdirektor zu bestellen, In der Minorität bleiben wird. Diese ernste Sache, die von dem größten Teil der Wiener Juden als Versuch der Aufrichtung des Symbols der politischen Korruption angesehen wird, wird von den allgemeinen Zionisten und der Judenstaatspartei wie ein Hasardspiel behandelt; bei dem es nicht immer mit rechten Dingen zugeht, ohne jeden sittlichen Ernst, den die Verantwortlichkeit vor der jüdischen und christlichen Oeffentlichkeit erfordert. Diesmal ist es der „Union" gelungen, der „Zionistischen Liste" ihre vermeintlichen Trümpfe aus der Hand zu schlagen. Wir überlassen die Beurteilung der Mittel, die von den Jüdischnationalen angewendet werden, der Oeffentlichkeit. Da die ungeschriebenen Gesetze der Loyalität und des „fair play" bei den Jüdischnationalen, das sind in diesem Falle die Allgemeinen Zionisten und die Judenstaatspartei, keine Geltung haben, so fordern wir zunächst die selbstverständliche liebung des Einberufungsrechtes des Präsidenten in der Weise, daß die Einberufung nur Im Einvernehmen mit den übrigen Mitgliedern des Präsidiums durch den Präsidenten erfolgen darf und daß die Einladungen zu den Plenarsitzungen mindestens acht Tage vor Abhaltung derselben sich in den Händen aller Kultusvorsteher befinden müssen.