Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 9 (5.3.1937)
- Date
- 1937-03-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 9 — 5. März 1937 Seite 5 JOSEF LEITMANN vorm. paul planer a.q., ween ii.,praterstr.i7, Tel. r 47-3-10 Elektromaterial / Radio-Apparate / Beleuchtungskörper / Dauerbrandöfen / Gas-Apparate / Sprechmaschinen Elektro-Kosmetik / Elektro-Apparate / Glühbirnen in allen Stärken stets lagernd Befugte Radio-Reparaturwerkstätte ♦ Günstige Tauschgelegenheiten ♦ Bequemes Teilzahlungssystem Vortrag Dr. Breuer. Am letzten Sonntag sprach der Präsident des „Ke- Ten Hajischuw", Herr Dr. Isaac B r e u e r - Jerusalem, vor einem zahlreichen Publikum im Konzerthaussaal. Der Redner ging davon aus, daß für jeden, der sehen wolle, es offensichtlich sei, daß die Staaten in Unordnung geraten wären, daß es sich zeige, daß auch der Weltkrieg nicht die Reinigung gebracht habe, die man ansonsten in der Geschichte einem Kriege zutraue. Im Gegenteil, die Welt sei jetzt voll ungelöster Probleme, und allenthalben herrsche Furcht vor den Geschehnissen, die sich vorbereiten. Inmitten dieser aufgewühlten Welt steht nun das jüdische Volk, genau so durchschüttelt von seinen Sorgen und seinen Problemen. Die Juden fühlen, wie allüberall sich die schwarzen Wolken über ihnen zusammenziehen, wie längst gewonnene Positionen verloren ^ehen, wie dadurch Fragen, die noch vor kurzer Zeit von weitesten Kreisen gar nicht als Fragen erkannt und anerkannt wurden, heute durch die allgemeinen Ereignisse in den Mittelpunkt des jüdischen Denkens gerückt sind. Die Balfour-Deklaration sei ein Faktum, an dem kein Jude vorbeigehen könne. Wir müßten als Juden alles historisch zu begreifen versuchen, im Hinblick auf jüdische Geschichte, auf die Weissagungen unserer Propheten. Und wenn man von dieser Warte aus alles Geschehen unserer Zeit betrachte, so fühle man deutlich das Einwirken Gottes, des Gottes, der heute seine Versprechungen erfülle, der die Weissagungen seiner Propheten Wirklichkeit werden lasse. — Aber man müsse eben erkennen, daß all das Gewaltige, das wir erleben, von Gott ausgehe, und so müsse man auch wissen, daß die Balfour-Deklaration mit Gott ein umwälzendes Ereignis, ohne Gott aber nur ein Fetzen Papier sei. Als die jüdische Nation und der jüdische Staat durch Titus zerstört worden sei, und die Juden in die Zerstreuung auseinander gegangen wären, da habe sie nicht etwa die Hoffnung bei ihrem Judentum erhalten, den verlorenen Staat wieder zu erlangen, die untergegangene Nation zu neuem Leben zu erwecken, sondern durch alle die vielen mit Elend und Sorge, Not und Tod gezeichneten Wanderungen durch die Jahrhunderte habe die Juden nur der Wunsch beseelt, die jüdische Kultur, das jüdische Gesetz, die Thora zu erhalten, ihr zu dienen, als ihre Bannerträger durch die Welt zu ziehen. Ist aber nur so der Mut der Juden zu verstehen, die Drangsal der Goluswanderung auf sich zu nehmen, so ist es ein Verrat an ihrer ganzen Golusgeschichte, wenn sie jetzt nach Palästina zurückgingen, ohne die Souveränität Gottes und seiner Thora anzuerkennen. Das sei ja gerade die jüdische Aufgabe, und das Hauptmoment, das die Juden von allen Völkern unterscheide, daß nämlich die Nationen glaubten, daß das Recht von ihrer Souveränität ausginge, während das Judentum wisse, daß das Recht von Gott ausgehe, und daß es nur die Pflicht habe, dieses Recht zu hüten und zu pflegen. Weil die Völker die Souveränität Gottes nicht anerkennen, seien sie in Unordnung geraten, seien sie ihrer Bestimmung nicht mehr sicher und könnten sich gegenseitig im Weltraum nicht mehr treffen. — Wie wäre es aber denkbar, daß das jüdische Volk beim Aufbau des Nationalheims in Palästina seine Aufgabe als Gottesvolk vergessen könne! Jetzt sei das Zeitalter der Erfüllungen, sichtbar — insbesondere in Palästina — auf Schritt und Tritt. Das Judentum habe aber auch die Pflicht, Gottes Königtum sich zu unterordnen, Gottes Gesetze zu hüten, Palästina zu Gottes Land zu machen. Die Aufgabe des K e r e n Hajischuw sei es, insbesondere die Erziehung der Jugend im heiligen Lande so zu gestalten, daß jedes jüdische Kind auch selbst in der Lage ist, an den Quellen des jüdischen Gesetzes selbst zu trinken, selbst in der Thora lesen und sich dadurch mit seiner göttlichen Aufgabe erfüilen zu können. Und neben der Erziehung sei es Aufgabe des Keren Hajischuw, eine Arbeiterbewegung zu entwickeln, für die das Sozialgesetz der Thora der Leitmaßstab sei. Es müsse doch als eine Schande empfunden werden, wenn wir, wenn das Volk der Bibel, seine Sozialpolitik von Karl Marx bezöge, wo gerade die Thora stets Lehrmeisterin für die Lösung sozialer Fragen im Dienste der ganzen gesitteten Menschheit gewesen sei, und diese Führung auch heute beibehalten müsse. Für jeden Juden, der die Geschichte des jüdischen Volkes versteht, müsse es klar sein, daß das Nationalheim in Palästina nur bestehen könne, wenn es die historische jüdische Pflicht zu seiner Aufgabe mache, wenn Gott als König im Lande anerkannt, wenn die Juden als Gottes Volk sich in Gottes Land einfügten. Es sei aber eine Fälschung jüdischen Wesens und jüdischen Werdens, wenn die Prinzipien der Nationen der Welt, wenn die Errungenschaften des europäischen Sozialismus das Nationalheim beherrschen,, und es damit in den Strudel der Unordnung, die in der Welt herrsche, hinabziehe und so damit seinen eigenen Untergang vorbereite. Der Vortrag, dem u. a. der Präsident der Kultusgemeinde Dr. D. Friedraann und seitens der „Union" die Herren Dr. J. O r n s t e i n, Dr. J. T i c h o und Dr. M. S t i g 1 i t z beiwohnten, wurde mit großem Interesse und Beifall aufgenommen. Enthüllung des Denkmals für Professor Moll. Gestern fand in der Reichsanstalt für Mutter- und Säuglingspflege in der Granzinggasse, an dem Tage, an dem Prof. Moll 60 Jahre als geworden wäre, die feierliche Enthüllung eines Denkmals für den berühmten Arzt statt. Als Kurator der Reichsanstalt begrüßte Sektionschef Dr. Kretschmer die Vertreter des Bundeskanzleramtes, der Ministerien, der Stadt Wien, der Israelitischen Kultusgemeinde sowie die Witwe, den Sohn und die Schwester Prof. Molls und die zahlreich erschienenen Vertreter der Aerzteschaft und der Krankenversicherungsanstalten. Sodann hielt der Nachfolger Molls, Universitätsprofessor Dr. August Reuß, die Festrede, in welcher er die enormen Verdienste Prof. Molls um die österreichische Jugendfürsorge in eingehender Weise würdigte. Prof. Reuß legte dar, daß es vor allem Moll war, dem der Rückgang der Säuglingssterblichkeit und der Ausbau der Erholungsfürsorge zu danken ist. Der Rang, den die Reichsanstalt durch das Lebenswerk Molls sich errungen hat, kommt auch dadurch zum Ausdruck, daß ein ordentlicher Universitätsprofessor und Osterreichische Investitionsanleihe 1937 Der Bundesminister für Finanzen legt gemäß dem im Bundesgesetzblatte kundgemachten Kreditgesetze 1937, eine 4Vloige, binnen 30 Jahren rückzahlbare Anleihe im Nennbetrage VOn 180 MilHOneh Schilling zur öffentlichen Zeichnung auf. Die Anleihe ist durch 10 Jahre unkündbar. ANLEIHEZWECK Der Reinerlos der Anleihe wird zur Bedeckung der Kosten öffentlicher Arbeiten (Investitionen der Monopole, Bundesbetriebe und Bundesbahnen, Straßen-, Brücken- und Wasserbauten, Landesverteidigung, Beiträge an die Länder und die Stadt Wien zur Förderung der Bautätigkeit) sowie zur Rückzahlung kurzfristiger Bundesschatzscheine verwendet werden. STÜCKELUNG, RÜCKZAHLUNG Es werden Schuldverschreibungen zu 100, 500, IOOO und 5000 Schilling ausgegeben, die auf den Inhaber lauten. Die Rückzahlung der Schuldverschreibungen erfolgt durch Verlosung oder freihändigen Rückkauf nach einem Tilgungsplan innerhalb von 30 Jahren. Verlosungen finden, wenn erforderlich, im Laufe des Monates Jänner, erstmalig im Jahre 1938, statt Die Anleihe kann, vom 1. März 1947 angefangen, zu jeder Zinsenfälligkeit, mindestens 90 Tage vor dieser, aufgekündigt werden. VERZINSUNG Der Zinsfuß [beträgt 4V2% für das Jahr. Die Zinsen werden halbjährlich im nachhinein am 1. März und am 1. September jedes Jahres bezahlt. KOTIERUNG, MUNDELSICHERHEIT Die Anleihe wird an der Wiener Börse kotiert werden. Sie ist mündelsicher. STEUER- UND GEBÜHRENBEFREIUNGEN Die Einlösung fälliger Zinsscheine und Schuldverschreibungen geschieht ohne Abzüge abgabenrechtlicher Natur, das heißt ohne Abzug von Rentensteuer oder sonstigen derzeitigen oder künftigen Steuern oder Gebühren. Bei der Zeichnung ist keine Effektenumsatzsteuer zu entrichten. ZEICHNUNGSBEDINGUNGEN Die Anleihe wird zum Preise von 90% des Nennwertes zur Zeichnung aufgelegt. Der Preis für die gezeichneten Anleihebeträge ist am Zuteilungstage fällig. Er kann auch in drei Raten bezahlt werden, und zwar sind für je 100 Schilling Nominale der Anleihe 30 Schilling bei Zuteilung, weitere 30 Schilling am 16. April 1937 und der Rest am 14. Mai 1937 zu entrichten. Für die Zeit vom 1. März 1937 bis zum Einzahlungstage sind Stückzinsen von 4V2% zu bezahlen. Mit Rücksicht auf den begrenzten Anleihebetrag wird eine Kürzung der gezeichneten Anleihebeträge vorbehalten. Zeichnungen bis zum Nennbetrag von 1000 Schilling werden vorzugsweise berücksichtigt. Die Zeichnungsffrist beginnt am 1. März 1937 und endet am 15. März 1937. ZEICHNUNGEN WERDEN ENTGEGENGENOMMEN: Bei der Österreichischen Nationalbank, der Österreichischen Postsparkasse, bei allen in Österreich ansässigen Banken und Bankfirmen, beim Dorotheum, bei Sparkassen, Landes Hypothekenanstalten und Kreditgenossenschaften, bei den Zweigniederlassungen der genannten Stellen sowie bei sämtlichen Postämtern.