Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 8 (25.2.1937)
- Date
- 1937-02-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 5 JOSEF LEITMANN VORM.PAUL PLANER A.Q.. WIEN II.,PRATERSmi7, Tel. R47-5-10 Elektromaterial / Radio-Apparate / Beleuchtungskörper / Dauerbrandöfen / Gas-Apparate / Sprechmaschinen Elektro-Kosmetik / Elektro-Apparate / Glühbirnen in allen Stärken stets lagernd Befugte Radio-Reparaturwerkstätte ♦ Günstige Tauschgelegenheiten ♦ Bequemes Teilzahlungssystem Konstituierung des Zentralvorstandes der „Union" Am Donnerstag, den 18. d. M., fand unter Vorsitz des Herrn Ehrenpräsidenten Dr. J. Ornstein die konstituierende Sitzung des in der kürzlich abgehaltenen Generalversammlung neugewählten Zentralvorstandes der „Union" statt. Vorstandsmitglied Dr. Julius Grünwald erstattete die Wahlvorschläge, die einstimmige Annahme fanden. Es wurden folgende Herren gewählt: Präsident: Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim. Vizepräsidenten: Dr. Josef Ticho und Geza Klinger. Schriftführer: Reg.-Rat Dr. Max Lenk. Schriftführer-Stellvertreter: Börserat Heinrich Popper und Dr. Julius Grünwald. Kassier: Dir. Eduard Widrich. Kassier-Stellvertreter: Dr. Ernst Feldsberg und Paul Schwarzstein. Weitere Mitglieder des Exekutivkomitees: Dir. Ernst Gold Schmidt, Baurat Ing. Wilhehn Kempler und Dr. Karl Steiner. Präsident Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim, dessen Wiederwahl mit besonders lebhaftem Beifall aufgenommen wurde, dankte im Namen seiner Kollegen wie auch im eigenen Namen für den ihnen gewordenen Beweis des Vertrauens und versprach, weiter alle seine Kräfte in <ien Dienst der unionistischen Sache zu stellen. Er bedauerte unter Zustimmung aller Vorstandsmitglieder herzlich den Umstand, daß der bisherige überaus verdienstvolle Vizepräsident Herr Dr. Karl Steiner aus Gesundheitsrücksichten eine Wiederwahl zum Vizepräsidenten abgelehnt habe, und dankte Herrn Dr. Steiner, dessen wertvolle Kraft dem Zenjralyprstand -.als Mitglied-desselben ^erhalr ten bleibt, "für seine hervorragenden Leistungen,' insbesondere auf juristischem Gebiete im Interesse der „Union". Zu Obmännern der verschiedenen Komitees wurden folgende Herren gewählt: Politisches und Redaktionskomitee: Obmann: Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim. Abwehrkomitee: Obmann: Dr. Jakob Ornstein. Organisationskomi tee: Obmann: Komm.-Rat Alexius Salzer. Vortrags- und Vergnügungskomitee: Obmann: Dir. Jacques Weiger. Finanzkomitee: Obmann: Dir. Eduard Widrich. Humanitäts- und Wohltätigkeitskomitee: Obmann: Dir. Ernst Goldschmidt. Verbindung zur Jugend-Union: Börserat Heinrich Popper. Ferner wurden folgende Personen in den Zentralvorstand kooptiert: Ing. Wilhelm Berger, Dir. Josef Brüll, Oskar Fleischer, Michael Hecht, Max Kohn, Bundesstaatlicher Fürsorgerat Ottilie Politzer, S. Rosenberg, Otto Salus, Sigmund Stern und als weiterer Vertreten der Jugend-Union Dr. Ernst Abel es. Der Zentralvorstand beschäftigte sich im weiteren Verlauf der Sitzung" mit dem nächsten Aktionsprogramm und bestimmte insbesondere als Termin für die geplanten Feierlichkeiten anläßlich des fünfzigjährigen Jubriährr&J der „Union" den 10. und 11. April l937. Grundsätzliches zur Palästinafrage. Von orthodoxer Seite. Es ist beispiellos in der Geschichte und für uns fast unverständlich, wie es möglich war, daß der Jude den Gott, den er gestern noch angebetet, heute vergessen hatte, wie jüdisches Gefühl, jüdische Tradition, jüdische Aufgabe, jüdisches Gesetz, jüdische Hoffnung und jüdische .Sehnsucht — gestern noch der Antrieb allen jüdischen Geschehens — heute schon als veraltet, überholt, überlebt, in eine Feiertagsecke hinein versteckt wurde. Es kann nicht die Aufgabe dieser Zeilen sein, diese bekannte Entwicklung darzustellen und ihre Folgen aufzuzeigen. Es soll lediglich festgestellt werden, daß es ausschließlich eine Folge dieses Prozesses war, wenn in einer Zeit, in der das Nationalitätenprinzip in der Welt zum Durchbruch kam, in der jede Volksgruppe in chauvinistischem Eifer ihre nationale Befriedigung verlangte, wenn in einer solchen Zeit auch Teile der Judenheit fanden, daß es dem Geiste der Zeit und dem Nutzen ihrer Angehörigen entspreche, auch ihrerseits diese Forderung für das jüdische Volk zu erheben. Aber alle diese Führer, alle diese Männer, die es subjektiv sicherlich gut mit ihren Brüdern meinten, hatten den Zusammenhang mit der jüdischen Tradition, der jüdischen Geschichte, mit dem jüdischen Gesetz und den altjüdischen Idealen verloren. Ihnen war der wirkliche Charakter des Judentums nicht mehr geläufig. Sie hatten vergessen, daß die Juden verpflichtet sind, die hehren Grundsätze jüdischer Ethik und jüdischer Humanität in der Welt zu verbreiten, sie verlangten vielmehr, daß die Ethik und die humanitären Bestrebungen ihrer Zeitepoche den Juden Hilfe bringen mögen. Sie glaubten, daß das jüdische Volk genau so eine Nation ist, wie alle anderen, und merkten gar nicht, daß sie damit dem Judentum seinen wahren Charakter als Träger des Gottesgesetzes, als Träger der Sittenlehre, als Gemeinschaft eigener Art entzogen hatten. Sie verstanden nicht, daß die jüdische Gemeinschaft mit keiner nationalen Gruppe, erst Recht mit keiner Nation verglichen werden kann. Der falsch verstandenen Assimilation des Individuums, des einzelnen jüdischen Menschen, war die Assimilation der jüdischen Gemeinschaft gefolgt. Und wie jene zum Austritt vieler Tausender jüdischer Brüder, zur Aufgabe aller Verbindungen mit der jüdischen Gemeinschaft geführt hat, so muß diese zum Untergang der auf nur nationaler Basis aufgebauten jüdischen Heimstätte führen. Verfälscht man das Wesen des Judentums, macht man es zu einer jüdischen Nation, so drängt man es gleichzeitig in den streitenden Kreis der Nationen hinein, macht es zum Spielball imperialistischen Machtbetriebes, überantwortet es dem Auf und Ab im Leben und Sterben der Völker. Wenn wir nun sehen, daß das jüdische Schicksalsrad wieder heftig ausschwingt, daß vielerorts jüdische Menschen in Not und Tod gestoßen werden, daß Verfolgung und Nachstellung tausenden unserer Brüder den Wanderstab in die Hand zwingt, daß Palästina eine Heimstätte für viele Tausende gehetzter Juden geworden ist und weitere Tausende aufnehmen soll, so ergibt sich daraus für jeden verantwortungsbewußten Juden die Aufgabe, ja die Verpflichtung, dafür zu sorgen, daß der Aufbau dieser jüdischen Heimstätte in altjüdischer Weise erfolgt, in jüdisch traditioneller Form, in inniger Verbundenhe:t mit der jüdischen Geschichte, in Erfüllung jüdischsozialer Pflichten, in einem von jüdischem Gesetz geformten Gesellschaftsleben. Wir haben aber zu verhindern, daß die nationalen und gesellschaftlichen Ideale Europas, deren Wert oder Unwert sich erst erweisen soll, einfach auf.die jüdische Heimstätte in Palästina wie auf jede beliebige Nation übertragen werden, um damit darzutun, daß es sich hier um das jüdische Volk handelt, das „Palästina so jüdisch machen soll, wie England englisch ist". Wir können und dürfen um der Wahrheit willen diese falsche Auffassung vom Judentum nicht hinnehmen. feine schmackhafte Vegetarische Küche Fisch-Spezialitaten, gute HauBbäckcreien, Telephon reichhaltige Menüs v. S 1.— aufwärts, bei Vera 43.0.4? Wendung feinster Zutaten * ,a 8 M Schöne Arrangements f. Sudes u. Bar Mizwoh'» GRETE STERN. II., Herntinengasse 10 unter Aufsicht der Adas Jisroel Von diesem Standpunkte geht der Keren H aj i s c h u v, dessen Präsident Dr. Isaac Breuer am kommenden Sonntag abends einen Vortrag im Mittleren Konzerthaussaal halten wird, aus, wenn er sich anschickt, in Palästina Schulen zu erhalten, in denen die Ueberlieferung gepflegt und der originelle Charakter der Juden betont wird, wenn er Kindergärten einrichtet, in denen die Kindesseele nicht gleich mit nationalistisch-chauvinistischer Ideologie erfüllt wird, wenn er eine Arbeiterorganisation schafft und fördert, die keinen gewerkschaftlich-sozialistischen Prinzipien unterworfen ist. Gerade weil Palästina durch göttliche Fügung das Refugium für tausende unserer Brüder geworden ist, gerade weil die ganze, auch die nichtjüdische Welt auf Palästina hinblickt, um zu schauen, welche Leistungen die Juden vollbringen, gerade darum will der Keren Hajischuv mit seinen Institutionen und Gründungen zeigen, daß unsere alten jüdischen Ideale auch heute noch vollauf genügen, um Mustergültiges zu schaffen, daß nur im Geiste der jüdischen Tradition — und nicht durch das Uebernehmen nationaler und gesellschaftlicher Postufate Europas — der Anschluß an die jüdische Gemeinschaft gefunden werden kann. Der Vater des Rundfunks. Zum 80. Geburtstag von Heinrich Hertz. Zu anderen Zeiten hätte Deutschland am Dienstag Feste gefeiert, Ehrungen und Akademiereden absolviert und der unsterbliche Name des großen Landessohnes Heinrich Hertz wäre um die ganze Erde gerundfunkt worden. Alles blieb still und man hat im Dritten Reich des Mannes, dessen Entdeckung die Welt geändert hat, nicht gedacht, so wenig wie man an Jubiläumstagen des wahren Erfinders des Automobils und des Luftschiffs gedacht bat. Denn Heinrich Hertz i:nd Siegfried Markus und David Schwarz waren Juden, die zum Ruhm des deutschen Nauens nicht beigetragen haben dürfen. Aber die anderen Völker und Deutschen außerhalb des Dritten Reiches haben sich des unvergeßlichen Großen dankbar erinnert, der durch seine „Strahlen elektrischer Kraft" die Möglichkeit gegeben hat, ohne vermittelnden Draht durch elektromagnetische Wellen allein Zeichen in die Ferne zu geben. Ein neues Prinzip war gefunden, eine neue Technik von ungeahnter Tragweite entdeckt. Als alles klar, durchschaubar und für andere einfach fortsetzbar war, verließ der junge Entdecker Laboratorium und Erde. Kaum sechsunddreißig Jahre alt . . . Ein Memorandum des Bundes Jüdischer Frontsoldaten an die Regierung. Infoige der in letzter Zeit immer stärker werdenden Hetzkampagne der antisemitischen Presse richtete der Bund Jüdischer Frontsoldaten eine scharfe Protesterklärung an die maßgebenden Kreise Oesterreichs, in der tt. a. folgendes ausgeführt wird: „Wir jüdische Frontsoldaten Oesterreichs erheben feierlichen Protest dagegen, daß unsere Religion, unsere jüdische Gemeinschaft, unsere Ehre von radauantisemitischen Blättern täglich besudelt und in den Kot gezerrt wird. Wir appellieren an unsere Volkskameraden, welche einst SchulteT an Schulter mit uns gekämpft haben und die gleichen Blutopfer für das Vaterland gebracht haben wie wir selbst, wir appellieren an die Frontkämpfer, die die Geschicke unseres Staates lenken, eine solche Diffamierung von Menschen, die ihnen einst als Waffenbrüder nahe standen und die für die primitivsten Menschenrechte kämpfen, nicht zuzulassen." Der Vortrag des Herrn Dr. Friedrich v. Wiesner, a. o. Gesandten u. bev. Minister a. D., über „Das Judentum und das Haus Oesterreic h'\ der am 2. März im Klubsaal der „Union österreichischer Juden" stattfinden sollte, wurde wegen Ortsabwesenheit des Vortragenden auf Mitte März verlegt. Der genaue Termin wird in der nächsten Nummer unseres Blattes bekanntgegeben.