Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 8 (25.2.1937)
- Date
- 1937-02-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit© 4 Nr. 8. — 25, Februar 1937 DIE WAHRHEIT Samstag, den 27. Februar, 8 Uhr abends GR © $ $E PURIMP^Diß im Klubheim der „ÜNION", L, Sdiottenring 25 AKADIMII Conference: Marcell Benard Trade Roth, Chansons Rente Gärtner, Klavier Bela, Musical-Clown Erits Grünbaum, „Simpücusir Eduard Linker. » Sket(h Wie„.Genf.< Benno Feldtnann ) Hans Kolischer, Heiteres Nach der Akademie : Tanz Jazz: „Fuks witty wexers" Gesellsdiaftskleidung. Reidihaltiges Büffet. Entree S 2 50 / Klubmitglieder S 2 — / Jugend-Union S T50 Kartenbestellungen im Sekretariat. Xetfiqes Volk dUtiiqzs £and u. jceÜqiSset Aufbau sind die Leitgedanken der mit Spannung erwarteten Rede des Präsidenten des Keren Hejischuw (religiöser Palästinafonds) Vertreters der Agudas Jisroel vor der Königl. Kommission De. J.saac J&ceuec, ^-^m über den religiösen Aufbau Palästinas unter dem Motto: tut ernstes Watt m geästet Zeit Die Abwehr-Aktion gegen Judenhaß in England. am Sonntag, den 28. Februar 1937, um 8 Uhr abends, I Mittleren JCoHzecthausscud III. Bezirk, LothringeretraBe Nr. 20 Karten für Damen und Herren von S 1.— aufwärts im \ verkauf bei der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel, V\ |1, Im Werd 6, Telefon A 46-0-15, von 9 —12 und 16 — 20 Uhr. Unter dem Vorsitz des Unterhausmitgliedes Friedensrichter Fred Messer fand jüngst in der Stadthalie von Tottenham eine Kundgebung gegen die judenfeindliche Propaganda in England statt An der Versammlung nahm ein zahlreiches jüdischchristlich es Publikum teil. Der Vorsitzende des Board of Deputies of British Jews, Neville Laski, und der Abgeordnete Morgan Jones, der in den Jahren 1929 bis 1931 parlamentarischer Sekretär des Erziehungsausschusses gewesen war, hielten Ansprachen. Abg. Messer erklärte in seiner Eröffnungsansprache, er wolle den Juden versichern, daß von den Nichtjuden Judenfeindschaft nicht als ein Ziel, sondern als das Symptom eines Zustandes angesehen werde, den man nicht dulden wolle. Neville Laski führte aus, das Entstehen einer auf judenfeindliche Losungen sich stützenden Partei würde ein trauriges Kennzeichen Englands im Jahre 1937 sein. Unter einem nationalen Gesichtspunkt würden durch die judenfeindMche Propaganda die typisch englischen Tugenden gefährdet, die diese Generation von ihren Vätern ererbt hat und an ihre Kinder weiterzugeben hofft. Die durch diese Propaganda Angegriffenen seien in .ihrer großen Mehrheit Menschen, die Schulter an Schulter mit ihren Mitbürgern in den Kampf gezogen sind, als das Vaterland sie rief. Die Juden seien keine Neuerscheinung in England. Vor etwa 300 Jahren seien sie auf Einladung Cromwells in das Land gekommen. Ais religiöse Gemeinschaft genießen sie hier die gleichen Privilegien wie die übrigen Religionsgemeinschaften, und wenn er, Neville Laski, demnächst an der Spitze einer Abordnung neben zwanzig anderen Körperschaften, die der gleichen Auszeichnung teilhaftig werden, Seiner Majestät eine Adresse überreichen wird, so werde die® nicht im Namen der Juden, sondern im Namen der Bürger jüdischen Glaubens geschehen, ebenso wie der Erzbischof von Canterbury im Namen der Bürger protestantischen Glaubens eine ähnliche Denkschrift überreichen wird. Der Redner befaßte sich sodann mit der M o sley'-Bewegung, die, wie er sagte, nur von der Reklame lebe, die andere für sie machen. Würde man den Versammlungen dieser Gruppe fern bleiben, so würde sie in einem halben Jahr jede Bedeutung verloren haben. Neville Laski betonte, daß die Juden seit hundert Jahren volle Bürgerrechte in England genießen. Wäre hierfür eine Rechtfertigung notwendig, so könnte man darauf hinweisen, daß die Juden England eine Disraeü, einen Lord Reading, einen Herbert Samuel und einen John Monash gegeben haben. Monash lebte ganz nach der Ueberlieferung britischen Bürgertums, aber in der Stunde der Not wurde er Soldat Wenn es wahr wäre, fuhr Laski fort, daß die Juden über den Reichtum und über die Macht verfügen, die man ihnen zuschreibt, dann könnte es nicht geschehen, daß 2lA Millionen Juden in Polen bitterster Not ausgesetzt sind, daß der bürgerliche Status der Juden in Rumänien zu einer lächerlichen Farce wird und daß die Juden in Deutschland, im Herzen Europas, zu Parias herabgedrückt werden. Gegen Judenfeindschaft als politische Losung müßten sich in England Kirche und Staat, arm und reich zusammenschließen, nicht um die Juden, sondern um die Vorzüge der britischen Kultur zu verteidigen. Abg. Morgan Jones bezeichnete die Judenfeindschaft als eine bedauerliche Erscheinung im gesellschaftlichen Leben Englands, der so früh wie möglich Widerstand -zu leisten Pflicht jedes Bürgers sei. Die judenfeindlichen Argumente hielten einer vernunftgemäßen Prüfung nicht Stand. Die Die besten Eisei Wirst- Hl SslAvirH 3 mal täglich frisch bei IHMiuUnniiiB Unter Aufsicht des Rabbinates der ' Adas-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten. Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Baus elegantest ausgeführt. I jüdische Rasse sei wie eine mächtige Eiche, durch deren Aeste der Sturm weht, die aber nicht entwurzelt oder niedergebrochen werden kann. Die Menschheitsgeschichte kenne keinen anderen Stamm, der auf so viel Verfolgungen zurückblicken könne. Von den frühesten Zeiten bis auf den heutigen Tag hätten die Juden Gefängnis und Pogrom, jede Art der Verfolgung und der Brutalität an sich kennen gelernt. Dieses Volk wisse, was es bedeutet, für das Recht, nach seiner Art zu beten, mit Tränen und Blut zu bezahlen. Das Gesetz, das Moses seinem Volke gegeben habe, sei bis heute vom moralischen, religiösen und sozialen Gesichtspunkt aus unanfechtbar. Aus 35jähriger Erfahrung im öffentlichen Leben könne er sagen, die Juden während ihrer ganzen Geschichte in England den Gesetzen eher mehr als weniger ergeben waren als die übrige Bevölkerung. Den jüdischen Beiträgen zum Sittengesetz, zur Kunst, Literatur und Wissenschaft habe keine andere Gemeinschaft Gleichartiges gegenüberzustellen. In dieser Zeit der Gefahr müsse vor der Verbreitung einer Politik der Schlagworte in der englischen Oeffentlichkeit gewarnt werden. H G. Wells gegen den politischen Zionismus Der bekannte, aus Deutschland emigrierte Schriftsteller und Kritiker Alfred Ke<rr, der bei H. G. Wells in England zu Gaste war, berichtet unter dem Titel „1s? H. G. Wells Antisemit?" in der „Pariser Tageszeitung" vom Samstag, den 20. Februar, über seine Unterhaltungen mit dem berühmten englischen Schriftsteller. Dem Bericht Alfred Kerrs ist u. a. zu entnehmen: Ich fragte Wells:- „Sind Sie Antisemit?" Wells (mit einer Frage antwortend): „Wie kommen Sie darauf?" Ich: „Es wird behauptet." Wells: „Viele Engländer behaupten, ich sei Anti-Engländer. Ich bin weder das noch Antisemit. Ich glaube nur, daß die Juden in einer Krise sind." Ich: „In diesem Zustand befinden sie sich seit dreitausend Jahren — und leben immer noch." Wells: „Aber sie begehen heute wieder einen verhängnisvollen Irrtum — sie gründen einen Staat in Palästina." Ich: „Dieser Staat ist bekanntlich nicht für alle Juden . . . nur für nicht glücklich e." Wells: „Der Zionismus wird sie noch unglücklicher machen. Sie fordern durch ihre Existenz als Staat andere Völker heraus; warum wollen sie noch irgend ein neues Bulgarien oder so? Wir haben genug kleine Staaten. Ich will im Gegenteil den Zusammenschluß der Länder. Ich bin genau so gegen den Zionismus wie gegen den britischen Imperialismus." Wells fuhr fort: „Sehen Sie, die Juden kommen nach Palästina, das war bisher ein unbeschriebenes Blatt und schon ist der Krach da! Sie reizen die Araber... Jedenfalls: k e i n englischer Jude hat nötig, nach Palästina -zu gehen — sie kriegen in England alles, was sie brauchen. Sie können nicht klagen. Sucht in England jemand für sein Buch einen Verleger, so ist der Verleger ein Jude. Soll ein wertvolles Bild gekauft oder verkauft werden, kommt ein jüdischer Kunsthändler in Frage. In der Filmindustrie sind die Juden führend. Und ist es nur in England so? Statt dessen gehen sie nach Asien und nehmen den Arabern ihren Boden weg; und das geschieht vielleicht nicht immer taktvoll." Ich sage dann zu Wells: „Auch in Algerien wird der französische „colon" von den Arabern gehaßt — der Kolonist zieht halt immer die Wut der Eingeborenen auf sich." Wells: „Ja, deshalb mißbillige ich die Rolle der Juden in Palästina, weil sie diese alte, abgebrauchte, stets mißlungene Methode jetzt mitmachen." Ich: „Die Juden tun es allerdings nicht zum Sport oder Vergnügen . . ., sondern aus Notwendigkeit." Wells: „Ja, das ist ihre Tragödie; die Juden gelten bekanntlich oät als „Staat im Staate", das heißt: sie gehören zur unverdauten Bevölkerungsschicht (unassimilated masses). Aber nicht nur die Juden. In Liverpool i&t derselbe Kampf zwischen Protestanten und irischen Katholiken. Dort gehört der irische Katholik zu den .unassimilated masses'. Die gehen immer der Hauptbevölkerung auf die Nerven — und ich lasse dahingestellt, ob der Grund bei den Juden oft ihr Mangel an Takt oder ihre Ueberlegerfheit t ist ... Ich mißbillige ferner, daß die' Juden sich da« Aus er wählte Volk nennen — und (lächelnd) Hitler hat auch das nachgemacht . . . Diese unbegründete Nachahmung ist eine der schlimmsten Folgen. Es ist somit ein Irrtum, mich für einen Antesimiten zu halten — so wie der Vorwurf irrig ist, den mir Engländer machen: ich sei der Freund jedes anderen Landes mehr als des meinen. Immer das gleiche Mißverständnis! diesmal wieder, weil ich den Nationalismus, auch den der Juden, ablehne." Das Dr. Krüger-Keim II., Malzgasse 7 bittet umPraktiKantinnenposten und um Hilfsarbeiterinnenstelle für ein braves, aber geistig nicht sehr reges Mädchen