Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 8 (25.2.1937)
- Date
- 1937-02-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. S — 25. Februar 1937 Seite 3 Qanx Wien verlangt zu Sessadk $€hmidt~Jltazz&th „Sohmidl-Mazzoth" sind eine wunderbare Delikatesse von besonderem Wohlgeschmack. „Sohmidl-Jttazzoth" werden aus nur allexfeinstexn Weizenmehl erzeugt. „Sohmidl-Mazzoth" werden in peinlichst sauberen modernsten Fabriksräumen erzeugt „Sohmidl-Mazzoth" sind verläßlich streng koscher. Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babad Sdim.dl Gries nur in plombierten Sädfen Jlattktm t&vodetz&v Zentratc: Wien. 2. föesirft, JCeopofdsgosse *3 Telephone: A 46-1-90, A 48-4-48, A 60-2-63 Die £€AmiM-2MI**xxotlk und das Fabrikat JFtlm&e SffmxtAt Vi. (Mazzoth, Grieß und Farwel) sind außerdem erhältlich in allen besseren Gescliäflen. sten, eine Sehnsucht nach „der" gemeinsamen Heimat zuschreibt, statt ihrer unlöslichen Verbundenheit mit der österreichischen Heimat und ihrer in Krieg und Frieden bewährten patriotischen Opferbereitschaft für Oesterreich Anerkennung zu zollen, oder wenn er weitere den Charakter des Judentums als einer reinen Religionsgemeinschaft leugnet und dafür eine „innere Volksverbundenheit zwischen gläubigen und solchen Juden, die sich von ihrem Väterglauben abgekehrt haben," feststellt. Noch energischer müssen wir uns gegen die Identifizierung von Judentum und Bolschewismus zur Wehr setzen. Wenn immer wieder Funktionäre des Gewerbebunds den jüdischen Gewerbetreibenden mit „Ueberpriifung" ihrer Existenzberechtigung drohen, weil sie Heimat- und Gewerberecht aus den Händen der früheren sozialdemokratischen Machthaber entgegennahmen, während man gleichzeitig die Arbeiter ermuntert, ihre gleichfalls von den Sozialdemokraten geschaffenen Rechte geltend zu ma- In der „Stimme" und in der „Neuen Welt" erscheint in einer besonders hervorgehobenen.und in die Augen fallenden Art und Weise eine Erklärung des „Zionistischen Klubs" des Kuülusvorstandes zum Falle Löwenherz. Diese Erklärung (die wir nicht als sehr klug ansehen) nötigt uns, auf Ursprung und Entwicklung der peinlichen Angelegenheit zurückzukommen. Der „Zionistische Klub" schreibt, daß im Februar 1936 der Vorstand der Gemeinde die Ausschreibung der Stelle eines Amtsdirektors verfügt hat. Das soll den Eindruck hervorrufen, als ob die Israelitische Kultusgemeinde Wien einen Amisdirektor benötigt hätte. Dem war aber nicht so, die Kultusgemeinde hatte einen Amtsdirektor, der mehr als sechs Monate nach dem Tode des Regierungsrates Guido Fuchsgelb die Agenden des Amtsdirektors zur vollsten Zufriedenheit der Gemeinde und der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit versah. Also nicht die Gemeinde benötigte einen Amtsdirektor, sondern der damalige Vizepräsident Dr. Josef Löwenherz hatte aus Ursachen, die uns in diesem Zusammenhange nicht weiter kümmern, den heißen Wunsch, Amtsdirektor der Kultusgemeinde zu werden. Das wurde ihm für seine unleugbaren Verdienste um die Jüdischnationalen von seinen Parteigenossen, wie dezidiert behauptet wird, in besonders feierlicher Form zugesichert. Erst dann erfolgte die Ausschreibung der Stelle mit dem von vornherein mit Sicherheit feststehenden Ergebnis, daß nur Dr. Löwenherz die Stelle eines Amtsdirektors erhalten werde. Das wurde allgemein bekannt und mit Rücksicht darauf unterließen bestqualifizierte Bewerber, die jahrzehntelang im Dienste öffentlicher Verwaltungen standen, die Bewerbung um diese Stelle. Die damals selbständige Gruppe der Judenstaatspartei wurde für die Zustimmung zur Bestellung des Dr. Josef Löwenherz durch die schwerwiegende Konzession gewonnen, daß Herr Oberbaurat Stricker an Stelle des Dr. Josef Löwenherz Vizepräsident der zur Befriedigung "der religiösen Bedürfnisse der Wiener Juden geschaffenen Kultusgemeinde wurde. Die „Union österreichischer Juden" hat vor der Bestellung des prominenten jüdisohnationalen Parteimannes Dr. Josef Löwenherz zum Amtsdirektor eindringlichst gewarnt. Sie hatte chen, so ist dies keine antibolschewistische, sondern eine antisemitische Taktik. Dr. Czermak geht noch weiter. Er macht den österreichischen Juden nicht bloß den unberechtigten Vorwurf, daß sie in der Vergangenheit zu 90 Prozent im roten Lager standen, sondern verquickt auch das messianische Zukunftsideal der Juden mit dem bolschewistischen. Damit verrät er seine völlige Ignoranz in bezug aon den jüdischen Glauben, dessen messianische Verheißungen in den Büchern der Propheten jedem zur Einsicht offen stehen. Diese stichhaltigen Einwendungen vorauogesetzt, kann uns Dr. Czermak getrost rückwärts anreihen. Da er die Verheißung kennen muß: „Die Letzten werden die Ersten sein", leistet er gerade dadurch einer künftigen Judenherrschaft Vorschub. Er hat deshalb ganz Recht, gegen seine Qualifizierung als „Antisemit", die er überraschender Weise als eine Anprangerung empfindet, zu protestieren. mit Recht darauf hingewiesen, daß die nichtjüdischnationalen Mitglieder1, de , Gemeinde zu einer'objektiven Führung der Verwaltung kein Vertrauen haben könnten, die.an ihre Spitze einen ausgesprochenen politischen 'Parteimann beruft. Die „Union" erblickte darin die Vollendung der systematischen Politisierung der Gemeinde, die schon im Falle Rath und in vielen anderen Vorgängen begonnen worden war. Diese Momente und Bedenken können von keiner Instanz der Behörden überprüft werden. Die „Union österreichischer Juden" hat sich an die berufene Aufsichtsbehörde gewendet und sich dagegen beschwert, daß ein Rumpfvorstand von 17 von ursprünglich 36 Mandataren, der nach dem Statute der Gemeinde nur dazu berufen ist, die Geschäfte weiter zuführen, sich für zuständig hält, ohne Notwendigkeit und Dringlichkeit die Bestellung eines Amtsdirektors vorzunehmen, gegen die so schwerwiegende Einwendungen von einer beträchtlichen Minorität erhoben wurden. Der abschlägige Bescheid des Magistrates der Stadt Wien stützte sich auf die Auslegung der 1. Instanz, daß in der W e i t e r f ü h r u n g der Geschäfte auch die Zuständigkeit zur Bestellung eines provisorischen Amtsdirektors gelegen sei. Auch die Zurückweisung der höheren Instanzen hatte nur formalen Charakter, indem der „Union österreichischer Juden" und den einzelnen Steuerträgern der Parteicharakter, der allein zur Anfechtung berechtigte, nicht zukomme. In eine meritorische Ueberprüfung wurde nicht eingegangen. Die jetzt veröffentlichte Erklärung des „Zionistischen Klubs" bestätigt nur die Behauptung der ..Union österreichischer Juden", daß es sich bei der Bestellung des Dr. Löwenherz um eine parteipolitische Aktion der jüdischnationalen Vertreter im Kultusvorstande gehandelt hat und handelt. Der „Zionistische Klub" beklagt sich darüber, daß die Vertreter landerer jüdischnationaler Gruppen, die Gruppe des Binjan Haarez und die des Herrn Dr. Plaschkes „durch ihre Stellungnahme die definitive Ernennung des Herrn Dr. Löwenherz verhindert haben". Der Zionistische Klub des Kultusvorstandes wendet sich an die zionistische Oeffentlichkeit mit der Frage: „Dürfen zionistische Mandatare der „Union österreichischer Juden" bei der Verhinderung der Bestellung des Dr. Löwenherz VEREIN „NATHllDC" Zur Bekleidung armer jüdischer Schulkinder, inibeiondere Waisenkinder. / Unter dem Ehreapratektorat Oberrabbiner Dr. J. Taglicat _und Rabbiner Ur. M. Rostnmann__ Samstag, den 27. Februa», halb 9 Uhr abends, im Festsaal des Hotel Continental, IL, Taborstrafie I>URIM~REI>OUTB Kapelle Isy und Max Geiger Miltemachls - Akademie Mitwirkend: Frans Engel, Christi Glamplatro, Harmam Loopoldl, Batya Milakaja, Jos* Kanja. Baraard u. Sodalt, Annemaria Llndar u. a. Juxbazar ♦ Schimbeirskonkurrenz ♦ Kein Kostümzwang Restliche Karten iS2.~ an der Abendkassa oder im Vereinslokal Cafe Bnchshanm II- GroOe Sperlgasse 41 zum Amtsdirektor behilflich sein, wiewohl dieser Mann selbst nach der Darstellung der „Union" kein anderes Verbrechen begangen hau als der zionistir seilen Sache seit vielen Jahren treu gedient zu haben?" Mit der Aufwerfung dieser Frage, die irreführend der zionistischen und nicht — den Tatsachen entsprechend — der jüdischnational-zionistischen Oeffentlichkeit vorgelegt wird, anerkennt der „Zionistische Klub", daß die Bestellung des Dr Löwenherz zum Amtsdirektor ausschließlich eine Frage der jüdischnationalen zionistischen Parteipolitik ist und dali Erwägungen, die bei Besetzung der Stellen eines Amtsdirektors allein maßgebend sein sollen, ausgeschaltet werden sollen. Der „Zionistische Klub" beruft sich auf den Ausgang der Wahlen vom 8. November 1936 und behauptet, daß sich die Majorität der Wähler für Dr. Löwenherz ausgesprochen habe. Dem ist aber nicht so, denn, abgesehen von den 12.000 Wählern der „Union", haben unsere Wiener Glaubensgenossen, die für Dr. Plaschkes, Waldmann, Dr. Kreppel usw. stimmten, deren Stellung zur Bestellung des Herrn Dr. Löwenherz bekannt war. ihre Stimme gegen ihn abgegeben. Wir wissen schon längst und haben das mit Genugtuung konstatiert, daß auch ein Großteil der Parteianhänger der jüdischnationalen Zionisten die Bestellung des Dr. Löwenherz zum Amtsdirektor und die Art und Weise, wie diese Bestellung vor sich gegangen ist, die Vereinbarung mit der Judenslaatspartei und den Revisionisten, die Wahl des Herrn Oberbaurates Stricker zum Vizepräsidenten, auf das schärfste mißbilligt und daß aucli er die Ansicht vertritt, daß das Ansehen der Gemeinde durch diesen Vorfall schwer gelitten hat. Wenn das intra muros geschieht, warum verübelt die Zionistische Liste anderen zionistischen Gruppen, der Gruppe Binjan Haarez und der Gruppe Doktor Plaschkes, Dr. Waldmann. Dr. Kreppel, ihr mutiges Bekenntnis zur Unparteilichkeit und Objektivität? Niemand wird glauben, daß die Gruppe Binjan Haarez oder die Gruppe Dr. Plaschkes diese Haltung aus Sympathie für die „Union österreichischer Juden" einnehmen. Die Gegensätze dieser zwei Gruppen zur „Union österreichischer Juden" sind womöglich noch größer, als der Gegensatz zwischen der „Union" und dem „Zionistischen Klub". Wir nehmen gerne die Feststellung des „Zionistischen Klubs" zur Kenntnis, daß die Angelegenheit Dr. Löwenherz für den Zionistischen Klub kein Objekt von Kompensationen irgendwelcher Art ist. Des Schlußappells des „Zionistischen Klubs" an die sachlichen und menschlichen Erwägungen bedarf es bei der „Union österreichischer Juden" nicht. Wir haben unsere Haltung im Falle Löwenherz von Anfang an nur aus sachlichen Erwägungen eingenommen, wir waren auch nie taub gegen Erwägungen menschlicher Art. Nur von solchen Erwägungen werden wir uns auch in Hinkunft leiten lassen. Das Präsidium der Union österreichischer Juden. Dr. Hermann Oppenheim. Dr. Josef Ticho. Qeza Klinger. Was die Araber von der Kgl. Kommission erwarten. Die arabische Tageszeitung „Fe) est in" bezeichnete es als wahrscheinlich, daß die Kgl. Kommission folgende vier Haupt vorschlage erstatten wird: Einschränkung der jüdischen Einwanderung, Verbot des Bodenverkaufs für Araber, Schaffung eines Legislative Council und Aufstellung eines Plans für arabisch-jüdische Zusammenarbeit LESET DIE WAHRHEIT! Der Fall Löwenherz.