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Die Wahrheit · 1937-02-19 · Heft 7 (19.2.1937) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 7 (19.2.1937)
Date
1937-02-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 7 — 19. Februar 1937 DJEJWAHRHEIT Jabofinsky^ Illusionen. Die Königliche Kommission, die zur Erforschung der in Palästina einzuschlagenden Befriedungsniethoden die Mandatebestimmungen einer Revision unterzieht und die deshalb von dem politischen Dezernenten der Jewish Agency in London, Prof. Dr. Brodetsky, schon durch ihr bloßes Bestellen als eine Gefahr für das zionistische Aufbauwerk qualifiziert wird, hätte während ihrer Ueberprüfungiszeit im Heiligen Lande unter den andern jüdischen und den arabischen Führern auch den Gründer der Neuzionistischen Partei Wladimir Jabotinsky gern angehört. GroteskeTweise wurde der Mann, der sich immerhin einiges Verdienst um die Eroberung Palästinas durch die Engländer erworben hatte, nicht in die „Jüdische Heimstätte", die er seit Organisierung eines bewaffneten jüdischen Widerstands gegen die latent seitens der Araber drohende Pogromgefahr meiden muß, hineingelassen. Der High Commissioner für Palästina Sir Arthur Wauchope, der bei der Abwehr der arabischen Greueltaten oft genug Voraussicht und Energie vermissen hatte lassen, wehrte sich um so entschiedener gegen die „Gefahr", den Revjskmistenfühtrer im Lande zu wissen. Es geschah daher nach dem arabischen Sprichwort: „Wenn der Berg nicht zu Mohammed kommt, dann kommt Mohammed zum Berge." Es ist nun schon einmal so, daß die Weisheiten arabischer Sprichwörter heute für die Mandatannacht maßgebender sind als jüdische Verdienste. Also kehrte die Königliche Kommission nach London heim und holte sich erst dort das Gutachten Jabotinskyis in einer persönlichen Aussprache ein. Ob dieses Gutachten der jüdischen Sache sonderlich genützt hat, ist sehr zu bezweifeln. Man muß sich vor Augen halten, daß die Kommission schon in Palästina ihre Auffassung, daß die Juden ihre „nationalen" Forderungen nicht überspannen sollten, deutlich merken ließ. Jabotinsky hat diese Ueberspannung bis zum Aeußersten gesteigert. Seine Definierung Palästinas als ein Gebiet, das dreimal so groß wie Belgien sein sollte,, sowie seine Forderung, wie dieses große, durch Vereinigung mit Transjordanien entstandene Land besiedelt werden sollte, übertrifft alle von den Alt- «onisten vorgebrachten Wünsche, die sich zunächst praktisch erreichbare Ziele gesteckt hatten. Er verlangte, daß die Mandatarmacht ihre Zustimmung zur Durchführung der Seßhaftmachung von weiteren anderthalb Millionen Juden in Palästina im Laufe der nächsten zehn Jahre erteile. Er zweifelt nicht daran, daß dort 18 Millionen Menschen leben können, und besteht auf der Bildung einer jüdischen Majorität im Lande, ohne die Rechte der dort ansässigen Nichtjuden beeinträchtigen zu wollen. In einem Atem fordert er die Bildung eines jüdischen Selbstschutzes und die Bewaffnung aller Juden, damit nicht die Meinung in Europa entstehe, daß ein Sechstel der britischen "Wehrmacht zum Schutze der Juden aufgeboten werden müsse. Jabotinsky glaubt also, daß die Mandatarmacht untätig zusehen werde, wie sich die Juden und die Araber, denen es bekanntlich schon jetzt an Waffen nicht mangelt, gegenseitig Schlachten liefern. Denn es kann nicht bezweifelt werden, daß nach Erfüllung von Jabotinskys Sefbstschutzforderung das Heilige Land alsbald zum Schauplatz ähnlicher Vorgänge würde, die derzeit Spanien m einen Trüsnmettiaufen verwandeln. Jabotinsky muß doch Wissen, daß die europäischen Mächte in dem Wunsche einig sind, den entsetzlichen Bürgerkrieg in Spanien zu beenden, und nur -über die Mittel in gefährliche Meinungsverschiedenheit geraten sind, weil es sich um ein unabhängiges Land handelt. Palästina ist nicht unabhängig und die Zumutung einer Nichteinmischung seitens der Mandatarmacht in einen dort ausbrechend ea Bürgerkrieg ist noch viel illusorischer ate die Bemühungen des Völkerbunds um Aufrechterhaltung der internationalen Neutralität am anderen Ufer des Mittelmeeres. Durch die Vorbringung solcher Utopien beeinträchtigt Jabotinsky bloß die moralische Wirkung jenes Teils seiner Ausführungen, in dem er Recht hat So wenn er sagte: „Man hätte von der Regierung erwarten können, dafi sie Pläne ausarbeiten würde für die Entwicklung eines- Industrie, die einer Einwanderung großen Stils den Boden bereiten und den Eingewanderten Existenzm<ögtichkeiten bieten könnte; daß sie Pläne ausarbeiten würde für Maßnahmen auf ■dem Gebiet der Zölle und Gebühren, und daß sie ein den Bedürfnissen der neuen Siedler angepaßtes Steuersystem einführen würde. Es hätte eine höchst sorgfältigeAuswahl der Beamten stattfinden müssen, die zur Aufstellung und Durchführung eines solchen Plans zu berufen waren, und es hätte erwartet werden sollen, daß solche Beamte ausgewählt werden würden, die dem Plan der Errichtung eines Jüdischen Nationalheims mit Sympathie gegenüberstehen." Diese Ausführungen Jabotinskys wurden . in wirkungsvoller Weise ergänzt durch eine am nächsten Tag von dem bekannten englischen Abgeordneten Colonel Josiah Wedgewood vor der Königlichen Kommission vorgebrachte geradezu vernichtende Kritik der englischen Palästina-Verwaltung und Justiz. Seine scharfe Anklage gipfelte in der Verlesung eines Briefes von Lady Reading über die gegenwärtige Lage in Palästina, die u. a. schreibt: „Das Prestige Englands in Palästina ist so gesunken, daß es zum Gelächter für Juden und Araber wird." Wir von unserem Standpunkt aus billigen noch Jabotinskys Erklärung, die von ihm vertretene Auffassung des Zionismus sei vor allem eine h umanitäre, womit er aber nicht sagen wolle, daß dessen geistige Bedeutung nicht beachtet werde. Wir kämpfen ja gerade darum, daß die Besiedlung von Palästina durch Juden, die sich in ihren Heimatländern nicht afssimilieren dürfen oder wollen, auf unpolitischer Basis vollziehe. Ihrem Auf seiner unfreiwilligen Reise hüllte sich Thomas Mann — außer daß er seine geistigen Arbeiten fortsetzte — zunächst politisch in Schweigen. Daß er diese Reise auch in jüngster Zeit reibungslos fortsetzen kann, daß er im Besitze eines fürs Reisen unumgänglich notwendigen Passes ist, verdankt Thomas Mann der Weitherzigkeit der tschechoslowakischen Regierung und dem jüdischen Wäschefabrikanten Rudolf Fleischmann, der der Initiator für die Einbürgerung der Familie Mann in 'Prosef war. Nachdem Thomas Mann fast drei Jahre geschwiegen hatte, trat er vor ungefähr einem Jahr mit einer Erklärung an die Oeffentlichkeit: er bekannte sich zur Emigration. Nun liegt „Ein Briefwechsel" zwischen Thomas Mann und dem Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn, erschienen im Oprecht-Ve\rlag, Zürich 1937, vor uns. Mit deutscher Sachlichkeit teilt der Dekan der Philosophischen Fakultät der Rheinischen Friedrich- Wilhelms-Universität in Bonn dem Herrn Schrift- UNION ÖSTERR. JUDEN BEZIRKSGRUPPE IV. V. Obmann D. Wollner. V., Schönbrunnerstraße 61 Telephon A 35-4-25 FESTAKADEMIE HIT TANZ (GRÜNDUNGSFEST DER BEZIRKSGRUPPE WIEDEN — MARGARETEN) Samstag, den 13. Marx, s Uhr abends im Festsaale des Hot-el* Münchnerhot, VI.. MariahilferstraBe 81 FESTAKADEMIE: Conferencier: Paul Si-egner. OTTO WALLBURG Eugen Hoffmann, Humorist. Cilli Wang, .„Der liebe Augustin". Charlotte Almert, Jaro Khiger, <5rete Weiler, Chansons, Arminio Prendi, Tenor, Paul Siegner (ehemals Deutsche Volksbühne, Berlin), Büa, Musik-Clown. Am Hüffe!: Kapellmeister Piessner. Jazzkapelle Isy OeigeT, unter persönfiotoer Leitung. Karten im Vorverkauf in der „Union öster. Süden" (Zentrale). 1., Schotteming 25, Tel. A 19-3-77, und bei sämtüdhen Komiteemitgliedern. aROSSFLEISCHHAUEira flEGM. KORNMEHI WIEN IX., BERGGASSE HR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-31 Lieferant ffir Hellanstalten Abteilungen für Koscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen rein menschlichen Bedürfnis, irgendwo Verwurzelung und Entfaltungsmöglichkeiten ihrer geistigen und manuellen Kräfte zu finden, würde sich niemand widersetzen. Es ist aber ein Widerspruch, einerseits an die Menschlichkeit der Staatslenker zu appellieren, wie es auch Jabotinsky tut, um sie zu höherem Schutze der Juden anzuspornen, und gleichzeitig mit politischen Forderungen aufzutreten, die in die heute ohnehin genug aufgewühlte Welt ein neues Element der Beunruhigung und des Mißtrauens — es sei sachlich noch so unberechtigt — bringen und so alten, leider nun einmal vorhandenen Haßkomplexen auf einer neuen Grundlage Fortdauer verleihen. steller Thomas Mann folgendes mit: „Im Einverständnis mit dem Herrn Rektor der Universität Bonn muß ich Ihnen mitteilen, daß die Philosophische Fakultät sich nach Ihrer Ausbürgerung genötigt gesehen hat, Sie aus der Liste der Ehlrendoktoren zu streichen. Ihr Recht, diesen Titel zu führen, ist gemäß Art. VIII unserer Promotionsordnung erloschen." Thomas Mann antwortet: „Die schwere Mitschuld an allem gegenwärtigen Unglück, welche die deutschen Universitäten auf sich geladen haben,, indem sie aus schrecklichem Mißverstehen der historischen Stunde sich zum Nährboden der verworfenen Mächte machten, die Deutschland moralisch, kulturell und wirtschaftlich verwüsten, — diese Mitschuld hatte mir die Freude an der mir einst verliehenen akademischen Würde längist verleidet und mich gehindert, noch irgend welchen Gebrauch davon zu machen. Den Ehrentitel eines Doktors der Philosophie führe ich auch heute, da die Harvard-Universität ihn mir aufs neue verliehen hat." — „Als Deutschland dann wirklich in diese Hände gefallen war, gedachte ich zu schweigen." „So meine Vorsätze. Sie waren undurchführbar. Ich hätte nicht leben, nicht arbeiten können» ich wäre erstickt, ohne dann und wann zwischenein, wie alte Völker sagten, »mein Herz zu waschen«, ohne von Zeit zu Zeit meinem unergründlichen Abscheu vor dem, was zu Hause in elenden Worten und elenden Taten geschah, unverhohlen Ausdruck zu geben." — „Der einfache Gedanke daran, wer die Menschen sind, denen die erbärmlich-äußerliche Zufallsmacht gegeben ist, mir mein Deutschtum abzusprechen, reicht hin, diesen Akt in seiner ganzen Lächerlichkeit erscheinen zu lassen." — Und abschließend: „Gott helfe unserem verdüsterten und mißbrauchten Lande, und lehre es, seinen Frieden zu machen mit der Welt und mit sich selbst!" —n. Revisionistischer Oberfall auf das Jerusalemer Büro der Jewish Agency. 70 Mitglieder des revisionistischen Brrt Tram« peldor drangen In das Jerusalemer Büro der Jewish Agency ein und forderten Zerrtficate. Die eingedrungenen Betarim demolierten die Inneneinrichtung des Einwanderungsamtes der Jewisb Agency, zertrümmerten Türen und Fenster, 'vernichteten zahlreiche Dokumente und verletzten vier der anwesenden Beamten. Den Angestellten gelang es zu flüchten und die Eingedrungenen von draußen einzusperren. Die Eingesperrten schleuderten Telephonapparate und Schreibmaschinen zum Fenster hinaus auf die Straße. Die herbeigeeilte Polizei verhaftete 37 Betarim. „Ein Briefwechsel."

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