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Die Wahrheit · 1937-02-19 · Heft 7 (19.2.1937) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 7 (19.2.1937)
Date
1937-02-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 : Nr.. 7 rr- 19. Februar 1937 i, den 27. Februar, 8 Uhr abends «ROlü PMR1M PI I I R im Klubheim der „UNION", I., Sdiottenriog 25 AKAfriMli Conference: Hans Kolisdier Renee Gärtner, Klavier Fritz Grünbaum, „Simphässimut" Hans Kolisdier, Heiteres Nach der Akademie : Tanz Gesellschafts kieidung. Entree S 2 50 \ Klubmitglieder S 2 — / Jugend-Union S 1*50 Trade Roth, Chansons Bela, Musi.cal-Clown Edoatd Jokers \ im Sketch „Wien-Genf" Benno Feldmann > Jazz: „Fuks witty wexers" Reichhaltiges Büffet. Kartenbestellungen im Sektetafiat. antisemitische Praxis von vornherein unterbunden werde. Denn hier wurde von einem niederösterreichisohen Bürgermeisteramt zur Erlangung einer öffentlichen Stelle zum erstenmal „gutchristliche Tatgesinnung" verlangt, wo ein andermal in durchaus verfassungswidriger Weise als Erfordernis der Taufschein begehrt wurde, ja einmal sogar, und zwar ebenfalls von einer rtiederösterreichisdhen Gemeinde, nämlich von Mönichkirchen die Qemeindearztstelle an einen „Arier" vergehen werden sollte. In allen derartigen Fällen hat die „Union", ihrer statutarischen Verpflichtung «ermaß, diese der Verfassung widersprechenden Ausschreibungen den zuständigen Stellen zur Kenntnis gebracht, und es ist interessant festzustellen, daß das Präsidium der Landeshauptmannschaft Niederösterreich, also dieselbe Behörde, die «die „Reichspost" gegen unsere Eingabe sozusagen in Schultz nehmen zu müssen glaubt und die uns übrigens selbst bisher wegen der iMelker Angelegenheit keinen Bescheid zukommen ließ, uns im Mönichkürchner Falle bescheinigte, daß diese Ausschreibung „mit Rücksicht auf die gewählte Textierung verfassungsmäßig nicht gedeckt" gewesen sei. Uebrigens kann die „Reichspost" an dem Echo, das ihr Vorstoß iri den deutschen Nazizeiitungen fand, sehen, wessen Geschäfte sie durch soJche Exkurse betreibt, der „Völkische Beobachter", der .Angriff" und die „Essener Nationalzeitiing" bezeichneten unseren berechtigten Schritt ab „echt jüdische Frechheit". Neben diesen Aktionen, an denen ein HauptveTdienst unserem Vizepräsidenten, Herrn Dr. KarfSt einer, gebührt, liefen verschiedene Unternehmungen der „Union" gegen judenfeindliche Bestrebungen, so anläßlich der vom „Freiheitsbund" nach der ganzen Art der Vorpropaganda zu antisemitischen Zwecken geplanten Maifeier. Diese Aktion der „Union" war von Erfolg begleitet. Nicht unwesentlich war die von der „Union" ausgehende, an zuständiger Stelle vorgenommene Feststellung, daß gewisse, in judenreicheren Bezirken verbreitete Streuzettel mit dem Texte „Juden, kauft nur bei Juden" nicht von jüdischer Seite stammen; die eingeleitete polizeiliche Untersuchung ergab die Richtigkeit unserer Feststellung, daß diese Propaganda von Nazäkreisen ausging. Auf der anderen Seite mußten wir wiederholt antisemitischer Boykottpropaganda entgegentreten, die leider sogar in Druckerzeugnissen zu konstatieren war, welche von Organisationen herausgegeben werden, die das unverdiente Wohlwollen maßgebender Kreise genießen. Auf solche Weise war die „Union" bemüht, Erscheinungen hintanzuhalten, die ihr trauriges Vorbild in den judenf eindlichen Maßnahmen des Dritten Reiches haben, die unkluge Politik „des Wind aus den Segeln nehmen" wind noch immer meist von getarnten Nazikreisen propagiert. Die „Union" wäl auch die heutige Generalversammlung nicht vorübergehen lassen, ohne in Trauer der schweren Leiden unserer deutschen Giaubensbrüder zu gedenken, die mit Würde dSese unverschuldete Heimsuchung ertragen und ihren einzigen Trost darin erblicken können, daß mit der gesamten Judenschaft auch hochherzige und hochstehende Männer anderer Bekenntnisse ihrem Albscheu über das Wüten der deutschen Judenhasser Ausdruck verliehen haben. (Beifall.) Es gereicht der ruhmreichen ö^erreidüsch-ungarischen Armee zur Ehre, daß sich aus ihren höchsten Reihen ein Mann gefunden hat, der die Schande des Göbbels-Erlasses, nach dem die Namen der deutsche Kriegsgefallenen jüdischen Glaubens von den deutschen Kriegerdenkmälern zu entfernen seien, öffentlich in einer Wiener Tageszeitung brandmarkte. Die „Union österreichischer Juden" hat sdoh gedrängt gefühlt, Herrn Feldmarschallleu tnant Franz Ritter Weihs-Tihanyi von Mainprugjg (Stürmischer Beifall) Dank aus tiefstem Herzen für diese Worte zu sagen, die er als wahrer Katholik, als österreichischer Offizier, voll Empörung über die Schandtat eines Mannes geschrieben, hat, der nie für sein Vaterland an der Front gekämpft hat. Die Betrachtung der Ereignisse des abgelaufenen Jahres zwingt uns auch, in glaubensbrüderlicher Trauer-derjenigen zu gedenken, die als Opfer des mörderischen Guerillakrieges in Palästina im Sommer 1936 gefallen sind. (Die Versammlung erhebt sich von ihren Sitzen.) Viele von ihnen kamen ins Heilige Land als Flüchtlinge aus ihren Heimatländern, aus denen judenfeindfiche Strömungen sie vertrieben hatten, und mußten in jenem Lande, dass "sine übertriebene Propaganda ihnen sogar als eigenen nationalen „Judenstaat" vorgegaukelt hatte, . sich neuen, noch ärgeren Judenfeinden entgegenstellen. Die „Union" hat diesen heroischen Kampf jüdischer Menschen mit warmer?T^T3| " V J Die besten EiSHWlfSl-lÜSßlto 3 mal täglich frisch bei HiEl, Will IL Pill!« 3J Unter Aufsicht?;des Rabbinates der -Adas-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und . sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen imi Menüs von'/S 2.— ätifw." Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. ] Anteilnahme verfolgt:und ihre Kultusvorsteher haben gerne die Gelegenheit ergriffen, gemeinsam mit Dr. Plaschkes, Dp Kreppel und den Mitgliedern des „Arbeitenden Palästinas" den Dringlichkeitsantrag zu stellen, den Opfern dieses Kampfes seitens der Wiener Kidtv&gerrieinde einen Betrag von S 10.000 zu bewilligen. Diese Tat bildet die beste Widerlegung für die ^während des Wahlkampfes gefallene verleumderische Behauptung der „Stimme", daß „diev!Unionisten sich über jeden Schuß freuen, den die' Araber auf einen Juden abgeben, und über jede Bombe, die jüdische Frauen und Kinder zerreißt."' (Pfuirufe.) Die „Union", die, wie in der Festschrift ausführlich nachgewiesen wird, seit jeher Förderin des Gedankens einer jüdischen Heimstätte für heimatlose Juden in Palästina und in anderen SiedJungsländern war und ist, hat auch durch den einstimmig angenommenen Antrag ihrer Kuitusvoriteher diese Behauptung der „Stimme" Lügen gestraft. Die Ereignisse in Palästina aber, die sich leider in den kaum für die Juden günstigen Entscheidungen der Königlichen Kommission auswirken dürften, setzen die maßlose jüdischnationale Propaganda, wonach der politische Zionismus die Lösung der Judenfrage bedeutet, ins rechte Licht. Wir hatten im Berichtsjahre bedauerlicherweise wiederholt Gelegenheit nehmen müssen, uns gegen diese parteipolitische Propaganda mit aller Entschiedenheit zu wenden. Eine Veranlassung hiezu bot u. a. der im August des vorigen Jahres in Genf abgehaltene „Jüdische Weltkongreß", den die „Union" ebenso wie andere namhafte jüdische Organisationen, so das American Jewish Comittee, der englische Board of Deputies, die Pariser AJliance Israelite, die Agudas Isroel etc., ja sogar auch die Revisionisten als eine überflüssige und schädliche jüdischnationale Manifestation ablehnte. Damit kommen wir zur Behandlung der innerjüdischen Gegensätze, zu deren Austragung die Kultuswahlen Veranlassung bot. Die Ereignisse vor den Kultuswafalen und der Wahlkampf selbst stehen uns allen noch in lebhafter ErinneigO feine schmackhafte Vegetarische Küche _ , , " Fiscb-Spezialitaten, gute" Hausbackereien, Telephon reichhaltige Menüs v. S1.— aufwärts, bei Ver- A 43-8-42 Wendung feinster Znuten ■ ° Schöne Arrangements f. Sudes u. Bar Mizwoh'c GRETE STERN, II., Herminengasse 10 unter Aufsiebt der Adas Jisroel rung. Es ist bekannt, wie schwer sich die „Union" dazu entschlossen hat, aus der durch den Fall Löwenherz besonders kraß dokumentierten Parteiwirtschaft der J üdischn a t ion a 1 e n im Wiener Kultusvorstand die letzten Konsequenzen zu ziehen, wie oft sie vorher die Gegenseite warnte, es nicht durch ihr Verschulden zum Bruch kommen zu lassen. Alle diese, Warnungen waren vergeblich, die „Union" mußte, nachdem sie vorher den Entschluß in eingehenden Beratungen ihres Zentralvorstandes reiflich erwogen hatte, ihre Mandatare aus den Kultitevorstand abziehen, eine sehr stark besuchte Vertrauensmännerversammlung hat den Schritt gebilligt, und von diesem Momente an begannen für uns die Vorbereitungen für den schweren Wahlkampf. Sechs verschiedene einander sonst heftig befehdende jüdischnationale Gruppen haben sich unter dem zur Irreführung bestimmten Namen „Zionistische Liste" vereinigt, um — selbst mit nicht einwandfreien Mitteln — die „Union" zu bekämpfen. Die „Union" nahm den schweren Kampf auf und ging als stärkste einheitliche Partei aus dem Wahlkampf hervor. 12.000 Wiener österreichische Juden folgten unserer Parole: Für Oesterreich und für das Judentum. (Stürmischer Beifall.) Die Jitdischnationalen, die diesen Erfolg der „Union" nicht nur nicht erwartet, sondern sogar vorausgesagt hatten, daß die „Tischgesellschaft" der „Union" nicht einmal so viel Stimmen erhalten würde, als Kultuswähler unseren Wahlaufruf unterschrieben hatten, nämlich 3000, versuchten noch bei der Konstituierung ihre Gewaltmethoden anzuwenden, indem, sie den von uns präsentierten Kandidaten für die Stelle eines Vizepräsidenten ablehnten . und sich weigerten, dem Ausgang der Wahl durch Anwendung des Proporzes in den Vertreturigskörpern der Kültusgemeinde, insbesondere im Präsidium Rechnung zu tragen. Doch gar bald machte sich in immer weiteren Kreisen der eigenen Parteigenossen die Opposition gegen die unberechtigte eigensinnige Haltung einzelner führender Mitglieder des jüdisohnationalen Klubs geltend. Dazu kam — abgesehen von Zerfalserscheimingen innerhalb der mit solcher Mühe errichteten antisemitischen Einheitsfront der „Zionistischen Liste" — dfle Erkenntnis, daß die „Union" nicht gewillt ist, die Gewaltmethoden der Jüdischnationalen länger ruhig hinzunehmen, und in mehreren Fällen, insbesondere anläßlich der Abwehr des am 28. Dezember — drei Tage vor Jahresschluß — erfolgten Anschlages auf die Wiener Kultussteuerzahler in Form eines zwanzigprozent'bgen obligatorischen Steuerschlages pro 1936 mit Erfolg den jüdischnationalen Aspirationen entgegengetreten war. So entschlossen sich denn die Jüdischnationalen zu einer neuerliehen Konstituierung des Kultusvorstandes, in der nach dem Rücktritt des Herrn Dr. Jakob Ehrlich Herr Dr. Josef TÜcho zum Vizepräsidenten gewählt wurde. (Lebhafter, anhaltender Beifall.) Dem Vertreterkollegium gehören nunmehr die Herren Dr. Feldsberg, Geza Klinger und Dr. Stiglitz (lauter Beifall) an, außerdem stellen wir im Baiukomitee, :in deT Altersheüukommission und in der Friedhofskommission den Obmann, in den übrigen Kommissionen den Obmannstellvertreter. Jeder Kommission gehören weiters je drei Mitglieder der „Unüon" an. Die allerdings sehr spät gereifte Erkenntnis der Führer der „Zionistischen Liste" von der Unmöglichkeit ihrer parteipolitischen Herrschaft ist gewiß zu begrüßen, wir wollen hoffen, daß sie die BasSs bilden wird, für ein gedeihliches, einvernehmliches Wirken zum Wohle der Wiener Judenschaft unter voller Wahrung unserer Prinzipien. Die aus den Kultuswahlen gewonnenen organisatorischen Erfahrungen haben uns sofort nach Beendigung des Wahlkairtpfes zu eineT Reorganisation unserer Bezirksorganisatonen veranlaßt, welche Aktion heute zum größten Teile schon mit Erfolg abgeschlossen ist. In fast allen Wiener Bezirken wurden die Ausschüsse unserer Bezirksorganisationen neu konstituiert und überall haben sich Männer und Frauen gefunden, die neben den bewährten bisherigen Kräften die Arbeit im Bezirke im Interesse der „Union" oirfd damit der österreichischen Judenschaft aufnahmen. Bisher wurden folgende Bezirksorganäsationen neu konstituiert: I. (Ob-

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