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Die Wahrheit · 1937-02-19 · Heft 7 (19.2.1937) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 7 (19.2.1937)
Date
1937-02-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 7 — 19. Februar 1937 Seite 3 „vor dem Schlimmsten, vor kultureller Schädigung und Aufsaugung durch die Mehrheit" dient. Vor dem Schlimmsten Gewähren uns die Einrichtungen des österreichischen Staates so wie jeden österreichischen Staatsbürger, der die Gesetze beachtet und sich in Treue mit dem Vaterlande verbunden fühlt. Unsere Kultur ist keine jüdische Kultur, sie ist eine österreichische Kultur. Wir brauchen vor der „Aufsaugung durch das österreichische Mehrheitsvolk" nicht bewahrt zu werden, weil es kein österreichisches Mehrheitsvolk für uns gibt, wir bilden mit den anderen Bürgern dieses Staates kein Mehrheits-, sondern ein österreichisches Einheitsvolk, nur unterschieden durch die Religion. Um was es sich Herrn Dr. Czermak handelt, das wird auch ohne Psychoanalyse und Individualpsychologie klar, wenn er von „Positioner." redet, die wieder zu erobern, db zu befestigen sind, und von „dem gewissen Maß" und von dem „gebührenden Maß" etc. „Positionen" — der „nationalbetonte" Herr Minister Czermak gebraucht dieses Fremdwort, um zu verschleiern und zu verbergen — heißt auf gut deutsch Stellungen, und um die von unseren Glaubensgenossen im schweren Existenzkampf errungenen Stellungen handelt es sich nach den Nazi-Theorien, die von Herrn Lothar von Miäs vertreten und von unserem Herrn Vorsitzenden des Niederösterreichischem Landesschulrates mit einem „Geleitwort" versehen werden, und „das gewisse, das gebührende Maß", das ist der Numerus clausus oder der Numerus nullus für die Juden, der hier wieder des Fremdwortes entkleidet und durch den Gebrauch deutscher Ausdrücke unkenntlich gemacht werden soll. Seine Ausführungen über die Minderheitenrechte schließt Herr Minister Dr. Czermak mit den Worten: „Wenn die Judenschaft eines Landes die Kodifizierung deT ihr g e r n gewährten Rechte einer Minderheit ablehnt, verliert sie das Recht, sich über Bedrängnisse irgendwelcher Art, soweit sie nicht kriminell sind, zu beklagen." Also gern gewährt Herr Minister Dr. Czermak den Juden die Minderheitenrechte. Wer denkt da nicht an den alten Vers: „Timeo Danaos et dona ferentes". „Ich fürchte die Danaer, besonders wenn sie Geschenke bringen". Nun kommt Herr Dr. Czermak mit der Begründung des Antisemitismus, den er „Spannungen zwischen Juden und Nichtjuden" nennt. „Uebervorteilung der nichtjüdischen Wirtschaft durch den außerordentlich starken händlerischen Geist der Juden, die rücksichtslos nur von Verstand und sehr selten von Herz und Gemüt geleitete Beherrschung der Massen durch jüdische Intellektuelle, die hemmungslose Neigung jüdischer Journalisten, Litertaten und Humoristen (wie wenn nicht auch christliche Humoristen „jüdische Witze" reißen) in die Sphäre der christlichen Weltanschauung einzugreifen", das ganze Wörterbuch des deutschen Nationalsozialismus wird von dem ehemaligen christlichsozialen Unterrichtsminister Dr. Czermak erschöpft, und natürlich kommt schließlich der österreichische „Geleiter" der deutschen Nazi-Literatur mit der neuesten Walze Adolf Hitlers, mit der Identifizierung von Judentum und Bolschewismus. Er macht den Juden zum Vorwurf, daß sie nicht begreifen, daß die abendländischen Völker größere und entscheidendere Aufgaben zu lösen haben als die Sicherung der jüdischen Positionen (als ob die Juden das je verlangt hätten und als ob nicht gerade Dr. Czermak zum Angriff auf die jüdischen Positionen — lies Stellungen — blasen würde), daß die Völker Europas „sich zur eigenen Rettung von den Resten des Liberalismus völlig frei machen und den entscheidenden gemeinsamen Kampf gegen den Bolschwismus führen müssen". Und wenn Herr Doktor Czermak von Liberalismus und Bolschewismus spricht, wird ihm ganz rot vor den Augen. Da verliert er die Besinnung und zählt den großen Führer der Tories, den erzkonservativen Disraeli, auf dessen Grabmal die Königin Viktoria den Psalmvers setzen ließ: „Die Könige lieben den, der für die Gerechtigkeit eintritt", zu den Liberalen. (Gelächtei?). Disraeli, so ruft er aus, habe das rasche Erwachen der Völker aus dem Taumel und Wahn (fes*£iberalismus nicht geahnt. Und welche Lösung der seiner Ansicht nach auch in Oesterreich akuten Judenfrage schlägt er also vor: Dieselbe wie unsere jüdischen Gegner, die jüdischnationalen Zionisien, den Judenstaat in Palästina und zur Vorbereitung dieses politischen Warum verlangen alle zu <?essa& fiAmidl-Jflazzoth? „Sohmidl-Vazzoth." sind eine wunderbare Delikatesse von besonderem Wohlgeschmack. „Sohmidl-aUzzoth" werden aus nur «llexfelnstem Weizenmehl erzeugt. „BohmidlM&zsoth." werden in peinlichst sauberen modernsten Fabriksräumen erzeugt „Sohmidl-MaKoth" sind verläßlich streng koscher. Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babad Sdimldl Grleft nur In plombierten satten Jlatthan Girodetz&y Zcmttate: Wien, 2. Sezlrft, Xeavotasgasse 43 Telephone: A 46-1-90, A 48-4-48, A 60-2-63 Die SdwmiM-yKwtxottk und das Fabrikat JfWlawfie. StAmUMr 3fl. ». (Mazzoth, Grieß und Farwel) sind außerdem erhältlich in allen besseren Geschäften. Zieles in den Heimatländern, also auch in Oesterreich, die Minoritätsrechte, naturgemäß verbunden mit dem Numerus clausus, die politischen Judengemeinden als Organisationen der jüdischen Nation. Es tut in der Seele weh, wenn wir die Jüdischnationalen in dieser Gesellschaft sehen, aber die Frage ist berechtigt, ob nicht eine jüdische Partei im selben Augenblick ihre Berechtigung verloren hat, da ihr Standpunkt von notorischen Antisemiten geteilt wird. (Sehr richtig). Entschuldigen Sie, wenn ich mich solange mit diesem scheinbar mit der Tagesordnung unserer Generalversammlung nicht zusammenhängenden Thema befaßt habe. Aber es gehört zum Thema. Wir haben den Feind und den Gegner über unsere Grundsätze und Ziele gehört, und wir haben seinen Darlegungen entnehmen müssen, daß wir auf dem rechten Wege sind, (Beifallf) daß wir unsere Regierung in ihren Bestrebungen, ein freies, selbständiges, unabhängiges Oesterreich zu erhalten, mit allen Kräften unterstützen müssen, daß wir unsere von falschen Ideen erfüllten Glaubensbrüder zu uns bekehren müssen, damit überall klar ist, was heute noch vernebelt wird: In unserem Lager steht das österreichische Judentum. (Stürmischer, lang anhaltender Beifall.) Der Präsident, Regv-Rat Du Hermann Oppenheim erteilte hierauf Herrn Sekretär Oskar Hirschfeld das Wort zur Erstattung des Tätigkeitsberichtes, dem wir u. a. entnehmen: Der heutige Tätigkeitsbericht umfaßt die Zeit seit der am 24. Oktober 1935 abgehaltenen Generalversammlung der „Union". Die „Union" feierte bekanntlich am 24. April des Vorjahres das fünfzigjährige Jubiläum ihrer Gründung. Mit Rücksicht auf die bekannten Vorkommnisse des vergangenen Jahres hielten wir es nicht für angebracht, im Jubiläumsjahre eine Feier zu veranstalten. Die durch diese Verschiebung gewonnene Zeit hat unser allverehrter Ehrenpräsident, Herr Dr. Jakob 0 r nstein, dazu benützt, um in seiner bekannt meisterhaften Weise die Festschrift der „Union" anläßlich ihres fünfzigjährigen Jubiläums zu verfassen, unti wir dürfen heute -mit tiefstem Danke an den Autor, der Jahrzehnte lang, und zwar in schwersten Zeiten die Geschicke der „Union" leitete, feststellen, daß ihm mit seiner Schrift ein Werk gelungen ist, das nicht nur eine ausgezeichnete Geschichte der „Union", sondern auch eine für jeden Historiker bedeutsame Geschichte des Wiener, des österreichischen Judentums beinhaltet. (Stürmischer Applaus.) Die Leitung der „Union" ist in der Berichtsperiode besondere bestrebt gewesen, von ihren Aktionen nicht nur Ihre Mitglieder und Freuade, sondern darüber hinaus auch die gesamte Wiener Judenschaft in Kenntnis zu setzen. Diesem Zwecke dienten sowohl die vielen Versammlungen, dl» in der Berichtsperiode auch in den zu nener Aktivität gebrachten Bezirksorganisationen der „Union" stattfanden, sondern auch verstärkte publizistische Methoden. Die Presse wurde, soweit dies angängig erschien, über unsere Aktionen informiert, „Die Wahrheit", die während der Kintuswahlen oft mehrmals in der Woche erschien, ist in dieser Zeit selbstverständlich an alle Kultuswähler versendet worden, aber auch bei anderen Gelegenheiten, wSe anläßlich des Austrittes der mrionistischen Kultusvorsteher aus dem Kultusvorstand und anläßlich der Abwehr des von jüdischnationaler Seite geplanten Anschlages auf die Wiener Kultussteuerzahler durch die von ihnen beantragte Einführung einer zwanzigprozentigen linearen Steuererhöhung pro :1°36 am 28. Dezember 1936 haben wir eine Massenversenduog der „Wahrheit" veranlaßt. Ebenso wurde Gelegenheit genommen, durch Flugschriften, die .:n großer Anzahl verbreitet wurden, die Wiener Judenschaft über Ziele und Tätigkeit der „Union" in Kenntnis zu setzen. Die Berichtsperiode stand, was unser Vaterland Oesterreich anbelangt, im Zeichen des schweren Kampfes des neuen Oesterreich um seine Selbständigkeit und Unabhängigkeit. Die „Union österreichischer Juden" hat diesen Kampf mit hingebungsvoller Anteilnahme und gespannter Aufmerksamkeit verfolgt, aus heißer Liebe für unser Vaterland, mit dessen Schicksal wir dauernd verbunden sind, und im Vertrauen auf die öffentlichen Erklärungen unseres Bundeskanzlers Doktor Schuschnigg, daß „die Bundeisregierung selbstverständlich auf dem Boden des Verfassungsgrundsatzes der Gleichheit und Gleichberechtigung aller Bundesbürger vor dem Gesetze zu stehen gesonnen sei". Die „Union österreichischer Juden", die bereits im März des Jahres 1934 in einer großen Vertrauensmännerversammiung einstimmig den korporativen Anschluß an die Vaterländische Front beschlossen hat, hat wiederholt an ihre Mitglieder und Freunde mit Erfolg den Appell ergehen lassen, dieser Körperschaft beizutreten, die nach dem Worte des Bundeskanzlers vom 11.* Juli 1936 „für alle Oesterreicher geschaffen wurde, die bereit sind, sich zu Oesterreich zu bekennen". Das Exekutivkomitee der „Union" hat anläßlich der im Vorjahre vollzogenen Einführung der allgemeinen Dienstpflicht in einer auch in den Tagesblättern veröffentlichten Resolution seiner Freude über diese kraftvolle Aeußerung des staatlichen Daseinswillens und des wiedererwachten Selbstvertrauens unseres Bundesstaates Ausdruck gegeben. Durch diese und manche ähnliche Manifestationen hat die „Union" bekundet, daß es unerschütterlicher Wunsch und Wille der österreichischen Judenschaft ist, nach beteten Kräften an dem von dem Märtyrerkanzler Dr. Dollfuß begonnenen Werke mitzuarbeiten. (Lebhafter Beifall.) Mit um so größerem Bedauern müssen wir feststellen, daß auch in dieser Berichtsperiode die „Union" wiederholt die unerwünschte Gelegenheit iand, gegen judenfeindliche Bestrebungen und Maßnahmen einzuschreiten und die Aufmerksamkeit der zuständigen Stellen auf diese Verstöße gegen die staatsbürgerlich gewährleistete Gleichberechtigung der österreichischen Juden zu lenken. Diese Aktionen erfahren, soweit dies möglich gewesen ist, in der eingangs erwähnten Festschrift unseres sehr verehrten Herrn Ehrenpräsidenten Dr. OrnsteLn eine besonders ausführliche Darstellung. Wir halten es für richtig, diesen Teil der Tätigkeit der „Union" nicht an die große Glocke zu hängen. Wir wählen damit mit Absicht eine Redewendung, die kürzlich die „Reicbspost" in einer Polemik gegen die „Union" und dbe „Wahrheit" glossierte, als sie eine Eingabe der „Union" an das Präsidium der Landeshauptmannschaft Niederösterreich zum Anlaß einer feindseligen Stellungnahme benützte. In dieser Eingabe, die auf ganz merkwürdige Weise der „Reichspost" zur Kenntnis gelangt ist, hat die „Union" Protest dagegen erhoben, daß in einer Ausschreibimg eines Betaniefosleiteroostens beim Elektrizitätswerk der Stadt Melk vom dortigen Bürgermeisteramt u. a. „besonders guter Leumund hinsichtlich vaterlandstreuer und gutchtfstficher Tatgesinnung" verlangt wurde. Die „Union österreichischer Juden" war verpflichtet, das Präsidium der tandeshauptmanosohaft Niederösterreich darauf aufmerksam zu machen, daß hier eine der Verfassung nicht entsprechende Ausschreibung einer öffentlichen Stelle erfolgt ist, und zwar nicht nur von dem Standpunkt der Berufung auf die Verfassung, sondern auch von dem Gesichtspunkt, daß eine neu formulierte

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