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Die Wahrheit · 1937-02-19 · Heft 7 (19.2.1937) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 7 (19.2.1937)
Date
1937-02-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 7 — 19. Februar 1937 DIE WAHRHEIT SecUe^e^ KJkldu*i^ 3t£rtM/ru,)CYuii2>eri/ i^.K^ck/t: % kiun^ (SViäaS'jIk. vwt. -W- S •'B^lSot, k Wotfcenfee/lfc wUni e^. 3 Hakenkreuzler sind. Ungarn hat beide Extreme in der Nachkriegszeit schon an der Macht gesehen und die Auswirkungen dieser radikalen Regimes hinlänglich ausgekostet. Der rote Terror war dort durch den weißen, extrem antisemitischen abgelöst worden. Die Urteile ungarischer Staatsmänner in verantwortlicher Stellung über diese beiden Bewegungen sind daher gewiß sehr beherzigenswert. Der österreichische Bundeskanzler hat denn auch erfreulich scharf gegen den Bolschewismus Stellung genommen. Daß er dem Nazismus größere Chancen zu bieten geneigt wäre, ist nach seiner oben zitierten Ablehnung national betonter Vereinsgründungen noch weniger zu glauben. Dr. Schuschnigg hat sich vielmehr ausdrücklich zum Ausbau der Verfassung bekannt, die die Gleichberechtigung aller Staatsbürger ohne Unterschied des Glaubens anerkennt. Dieses staatsrechtliche Prinzip wird sehr wirksam durch jüngst gefallene Aeußerungen des Papstes über das mit Oesterreich geschlossene Konkordat unterstrichen. Er betonte, d,-jß die Stellung, die dieses Konkordat der katholischen Kirche einräume, nichts mit Unterdrückung der anderen Konfessionen und Religionen zu tun habe. Dazu kam in den letzten Tagen eine sehr bezeichnende Verurteilung der nazistischen Rassenlehre durch das vatikanische Organ „Osservatore Romano": „Rasse bedeutet Teilung, die Rassentheorie führt zu einer Scheidung der Menschen und hindert die Verständigung zwischen Völkern, das sieht man am besten aus der Stellung des Nationalsozialismus zum jüdischen Volk." Das Blatt des Papstes bedauert also die Scheidung zwischen Christen und Juden und spricht ihrer Verständigung das Wort. Das muß in einem christlichen Ständestaat auf fruchtbaren Boden fallen. Um so mehr, als es auch den praktischen Bedürfnissen der österreichischen Wirtschaft entspricht. Als deren wichtigste Aufgabe hat der Bundeskanzler den Abbau der Arbeitslosigkeit bezeichnet. Es ist klar, daß dieses Problem nur durch Zusammenfassung aller schöpferischen Kräfte erzielt werden kann. Wenn Dr. Schuschnigg darum jetzt auch den bisher abseits gestandenen nationalistischen Kreisen den Weg zur österreichischen Werksgemeinschaft ebnen will, kann er dies unmöglich auf Kosten jener Oesterreicher beabsichtigen, deren Wille und Fähigkeit zu praktischer Aufbauarbeit bereits längst aufs glänzendste bewährt ist, sondern nur im Sinne des erprobten Wahlspruchs einer schöneren Vergangenheit: „Mit vereinten Kräften!". Caf€ Pension Eckstein Semmering Generalversammlung der „Union66. Die „Union österreichischer Jud e n" hielt am Sonntag, den 14. d. M. ihre diesjährige Generalversammlung ab. Das überaus lebhafte Interesse, das jetzt in weitesten Kreisen der Mitgliedschaft der „Union" besteht, manifestierte sich in dem ganz ausgezeichneten Besuch der Versammlung. Der große Festsaäl des Klubheims der „Union", in dem zum ersten Male eine Generalversammlung dieser Organisation abgehalten wurde, war gesteckt voll, mit großem Interesse folgten die zahlreichen Teilnehmer den Verhandlungen und gaben wiederholt ihrer Zustimmung durch starken und anhaltenden Beifall Ausdruck. Der Vorsitzende, Herr Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim, eröffnet die nach seiner Errechnung 52. Jahresvolversammlung der „Union österreichischer Juden", begrüßt die Erschienenen, namentlich die Witwe nach dem verstorbenen unvergeßlichen Präsidenten der „Union", Frau Präsidentin Sofie Grünfeld, Frau Hofrat Löwy als Witwe des verdienstvollen, durch seine Kenntnisse, Ueberzeugungskraft und Beredsamkeit hervorragenden Vizepräsidenten, Hofrat Ing. Josef LöTvy, den Ehrenpräsidenten der „Union", Herrn Dr. Jakob Ornstein, den Vizepräsidenten der Chewra Kadischa, Herrn S. Oesterreicher, Herrn Stadtrat Dr. Oskar H e i n, den verdienstvollen Kämpfer für die Rechte der österreichischen Juden in der Aera der Lueger-Herrschaft, und die so zahlreich erschienenen Mitglieder und Freunde der „Union österreichischer Juden". Herr Dr. Oppenheim führt aus, daß die Generalversammlung die willkommene Gelegenheit gibt, von jüdischen Freunden zu hören und überprüfen zu lassen, ob die Grundsätze, Ziele und Zwecke der „Union" noch unverändert aufrecht bestehen und ob die Wege, auf denen die Erreichung dieser Ziele und Zwecke angestrebt werden, die richtigen sind und auf die Genehmigung und Zustimmung der Freunde der „Union" stoßen. Aber auch den Feind muß man hören: „Lehrt Dich der Freund, was Du mußt, lehrt Dich der Feind, was Du sollst." Und da brachte mir der Zufall gerade am heutigen Tage eine Broschüre, genannt „"Die. jüdische We11 her r sch a f t", „dargestellt von Benjamin D i '3 r a e 1 i (Lord Beaconslield, englischer Ministerpräsident), übersetzt und erläutert von Lothar Mitis, Wien", .was aber alles hier wenig interessiert, weil diese Schrift im Verläge Von Otto Hifimann in Leipzig, selbstredend einem Nazi-Verlag, erschienen ist, und daher „unverfälschte deutsche" Worte" im Sinne Schönefers und-Hitlers enthält, als der Umstand,, daß der Vorsitzende des n i ed erösterreichischen Landesschulrateis, der ehemalige Unterrichtsmiriister, Dr. Emerich Czermak (Hört-Hört-Rufe), ein Geleitwort zu diesem antisemitischen Machwerk geschrieben hat;; das ihn als unverkennbaren Verfasser des Entwurfes''der berüchtigten „Oesterreichischen Studentenordnung" enthüllt. Es gehört im Sinne der einleitenden Ausführungen, so sagte Dr. Oppenheim, durchaus zum Gegenstand der Generalversammlung, sich ausführlich mit diesem Geleitwort zu befassen, welches, und das ist das Traurigste an der Sache, zum größten Teil auch einen jüdischnationalen Zionisten zum Verfa/sser haben könnte. Ich erinnere daran, daß schon einmal Minister Dr. Czermak gemeinsam mit einem jüdischnationalen Zionisten, Herrn Dr." Karbäclh, eine Broschüre zur Lösung der Judenfrage veröffentlicht hat, von der wenig mehr erwähnenswert ist als die Tatsache, daß Herr Minister Dr. Czermak damals das österreichische Wirtsvolk von dem angeblichen jüdischen Gastvolk nicht unterscheiden konnte, weil er über Sinn und Begriff beider Ausdrücke sich selbst nicht klar war. Aber Dr. Czermak behairrt dabei, wiewohl wir seither im Mai 1934 eine neue Verfassung bekommen haben, die nach wie vor keinen Unterschied in den politischen Rechten nach dem Glaubensbekenntnis macht, daß es trotzdem für Oesterreich eine Judenfrage gebe, von der er glaubt, daß ihre Lösung ihm vom Schicksal besonders anvertraut ist. Deshalb beginnt er auch sein Geleitwort damit, daß es eine Judenfrage gibt, daß die Judenfrage eine die Gesamtheit aller Völker betreffende Angelegenheit ist und daß der Völkerbund, so vermittelt es Dr. Czermak der Ignoranz seiner Leser, eine eigene Kommission, die sechste Kommission, eingesetzt hat, um die Judenfrage zu lösen. Er bedauert — man merkt es ihm an — den „sehr freundlichen und respektvollen Ton", der dort gegenüber den Juden vorherrscht. Alis Beweis für die Existenz einer die Gesamtheit aller Völker betreffenden Judenfrage erwähnt er die judengegnerischen und die judenfeindlichen Aeußerungen in der Presse aller Erdteile und Völker. Mit demselben Rechte könnte Herr Minister Dr. Czermak von einer brennenden katholischen Frage reden, weil auch diese seit Hitler Gegenstand der Erörterung in der Weltpresse ist; aber niemand wird deshalb daran denken, daß eine neue Lösung der katholischen Frage gefunden werden muß, die in ihren Einrichtungen und Dogmen Jahrhunderte überdauert hat. Dr. Czermak lenkt , die Aufmerksamkeit der Leser der Broschüre „Die jüdische Weltherrschaft" darauf, daß in der letzten Völker, bundsitzung von Polen der Antrag gestellt wurde, Vorkehrungen zur Aufnahme jüdischer Wanderer zu treffen. Er verbirgt seinen Leisem, daß dieser Vorstoß in Polen selbst, bei Juden und Christen, mit Ausnahme der eingeschworenen Antisemiten, die der nationaldemokratischen Partei angehören, auf die schärfste Opposition gestoßen ist und Phantasten, wie Jabotinsky, die von der Evakuierung der Juden Polens träumen, mögen daraus lernen, wie sehr sie duroh solche unbedachte und mißdeutete Aeußerungen den eingefleischten Judenfeinden seibat die Schlagworte liefern. (Sehrrichtig-Rufe.) Das Kernstück der Ausführungen des Geleitwortes bildet die Behandlung der Judenfrage als Minderheitenproblem. Und die Jüdischnationalen, die von Minderheitsrechten schwärmen, mögen lernen, wie sie dadurch zu Schrittmachern des krassesten Rassenantisemitismus geworden sind. Irreführenderweise stellt Dr. Czermak seinen Ausführungen voran, daß unbestrittenerweise die Juden überall eine Minorität sind. Aber darum handelt es sich nicht, es handelt sich um die Frage, ob sie eine nationale Minorität sind. Wie gewaltig der Schutz ist, der den Juden durah die Minderheitenrechte zuteil werden soll, charakterisiert Minister Dr. Czermak selbst mit den Worten: „Diese Beistimmungen seien doch geeignet, die Juden überall, zumindest vor dem Schlimmsten zu bewahren." Also vor Mord, Totschlag und Pogrom. Mehr wünscht Herr Dr. Czermak nicht. Natürlich macht Herr Minister Dr. Czermak eine tiefe Verbeugung vor dem ihm so sympathischen jüdischnationalen und politischen Zionismus. Er sagt: „Die heute ohne Zweifel stärkste jüdische Richtung, der Zionismus, strebt in der Erkenntnis, daß dais Wesen der Judenfrage eben darin besteht, daß die Juden überall eine Minderheit darstellen, einen Platz an, auf dem die Juden die Mehrheit bilden und sich zu Hause fühlen." Und was hat Herr Dr. Czermak gesagt, als Herr Oberbaurat Stricker fälschlicherweise von den Hausherren'rechten und von dem Eigenbedarf der Juden in Palästina sprach? Er konnte nicht genug sich über die jüdische Üeberheblichkeit alterieren. Schöne Mehrheit, schöne Herrenrechte, die in Palästina durch britische Armeen „vor dem Schlimmsten" bewahrt werden müssen. Ein Sechstel der bewaffneten Macht Großbritanniens mußte zum Schutz der Juden in Palästina herangezogen werden! Es zeigt von dem tiefen Verständnis des Herrn Dr. Czermak, daß er es begreift, daß einzelne Gruppen, vor allem die Assimilanten „vor der Deklaration der jüdischen Volksgruppe als Minderheit eine panische Angist zeigen und immer noch den verzweifelten Versuch machen, sich als konfessionelle Gruppe des Gesamtvolkes zu erklären, innerhalb dessen das konfessionelle Moment keinerlei antreibende Rolle spielen dürfe". In diesem Zusammenhang wird von der „Union österreichischer Juden" (Hört- Hört-Rufe) als „der einst allmächtigen, nun aber zur Minderheit gewordenen" gesprochen. Herr Minister Dr. Czermak weiß genau, daß die „Union österreichischer Juden" noch heute die Mehrheit der österreichischen Juden repräsentiert und daß sie nie weniger Mitglieder hatte als zu den glücklichen Zeiten, da Oesterreich noch eine Monarchie war und daß nur die Not der Zeit und die Bedrohung der politischen und bürgerlichen Rechte unserer Glaubensgenossen im kleineren Oesterreich durch die Infektion mit dem Nazi-Deutschland, der Kampf gegen die falschen Prinzipien der Jüdischnationalen den Zustrom der Mitglieder zur „Union österreichischer Juden" hervorgerufen hat. (Stürmischer Beifall). Die „Union österreichischer Juden" klammert sich nicht in der Auseinandersetzung mit ihren Gegnern an die Behauptung, das Minderheitenrecht „sei doch nur minderes Recht" — ein Wahrwort, das unser verehrter Ehrenpräsident Dr. Ornstein gefunden hat, — sie ist immer auf dem Standpunkt gestanden und wird immer auf dem Standpunkt stehen, daß sie für,die österreichische Judenschaft keine anderen Rechte beansprucht, als sie die übrige Bevölkerung Oesterreichs genießt, und daß sie die gleichen Pflichten zum Wohle des österreichischen Staates freudig auf sich nehmen will wie die andersgläubige Bevölkerung Oesterreichs. (Lebhafter, anhaltender Beifall). Wir brauchen kein Minderheitenrecht.das dem Schutz und der Sicherung der Minderheit

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