Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 6 (12.2.1937)
- Date
- 1937-02-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 — 12. Februar 1937 VO^ÄNIZED^I Samstag, dan 27. Februar 8 Uhr abends, PUßlMßiliR im Klub heim der „UNION" I., Schottenring 25 Akademie und Tanz Nähere Ankündigungen folgen wortlich machen werde. Das Gleiche habe ich auch gegenüber dem Rädelsführer bei den Vorfällen in Czycew, Organinski, getan. Jetzt, nachdem in jener Gegend eine Beruhigung eingetreten ist, habe ich ihre Freilassung angeordnet. Ich muß alles tun, um sicherzustellen, daß in Polen Ruhe und Ordnung herrschen. Anflscmmsdier Terror in Wllna. Die antisemitischen Unruhen an der Wilnaer Universität dauern an. Besonders blutig verlief am Dienstag ein von den naäonaldemokratischen Studenten arrangierter „Tag ohne Juden", an dem 50 jüdische Studenten verletzt wurden. Während einer Vorlesung von Prof. Rudnicki fielen die Natäonaldemokraten über die Juden, die sich weigerten, auf Eine unter dem Vorsitz des Dekans der B ukarester Advokatenkammer, Prof. Istfate Micescu, abgehaltene Sitzung der Kammer nahm eine Resolution an, der gemäß die rumänischen Advokatenkammern keine Juden mehr ais Mitglieder aufnehmen sollen. Micescu und eine Reihe anderer Redner erklärten, „rumänische Bürger" seien nur „reinblütige" Rumänen; die Juden aber seien Parasiten, deren man sich enttedigen müsse. Die gefaßte Resolution wurde dem Verband der rumänischen Advokatenkammern unterbreitet. Der Beschluß ist illegal, weil er gegen die rumänische Verfassung verstößt, doch ist zu befürchten, daß aus der Weigerung gewisser Advokatenkammern, Juden aufzunehmen, dem jüdischen AnwaJtsstande große Schwierigkeiten erwachsen werden. In einer den speziellen jüdischen Aufgaben gewidmeten Zusammenkunft haben hervorragende Vertreter der Warschauer jüdischen Gesellschaft über den Rahmen dieser besonderen Aufgaben hinaus die allgemeine jüdische Lage in Polen einer Betrachtung unteizogen und darauf aufmerksam gemacht, daß alle Arbeiten der bestehenden Organisationen aufs schwerste durch die tragische Situation, in der sich die gesamte jüdische Bevölkerung Polens befindet, betroffen werden. Der europäische Direktor des American Joint Distribution Committee^ Dr. Bernhard Kahn, erwiderte auf diese allgemeinen Ausführungen u. a.: Joint und das amerikanische Judentum sind, wie ich mich bei meiner Anwesenheit in Amerika vor sechs Wochen überzeugen konnte, tief erschüttert durch die schwere Not der polnischen Judenheit. Joint ist seit mehr als 20 Jahren mit den jüdischen Gesellschaften in Polen in enger Arbeit verbunden. Ebenso wie für andere Organisationen, deren Mitwirkung dem Joint immer willkommen ist, ergibt sich für Joint ganz besonders die Aufgabe, das, was er in Polen bei aufopfernder Mitwirkung der Juden in Polen selbst geschaffen, gestützt und ausgebaut hat, weiter zu erhalten und den Aurgabenkreis aller bestehenden Organisationen auf sozialer, kultureller und ökonomischer Basis, wie Erziehung der Jugend, Produktivierung der Heranwachsenden, Gesundheitsschutz der jüdischen Bevölkerung, Kredithilfe in jeder Form und alle anderen konstruktiven Hilfsarbeiten in erheblicher Weise zu erweitern. Der Joint setzt hiermit eine Tätigkeit fort und vergrößert solche Tätigkeiten, zu denen er in langwieriger Arbeit die Grundlagen gelegt hat und die im Leben der jüdischen Bevölkerung Polens große Bedeutung gewonnen haben. Darüber hinaus stellt sich der Joint die weitere Aufgabe, gemeinsam mit allen bestehenden wirtschaftlichen Organisa- Ghettobänken Platz zu nehmen und lieber stehend der Vorlesung beiwohnen wollten, her und mißhandelten sie barbarisch. Auf die Frage des Professors, warum sie über ihre Kollegen herfallen, erwiderten die Nationaldemokraten: „Weil wir eben Christen sind!" Daraufhin erklärte Prof. Rudnicki: „Würde Christus heute leben, er würde nebtn den Juden auf der Ghettobank Platz nehmen müssen." In dem Stiegenhaus eines Wohnhauses in Wilna, in welchem sich die Wohnung und die Kanzlei des jüdischen Sejmdeputierten Rabbiner Rubinstein befinden, explodierte am Dienstag, den 9. Februar, eine Höllenmaschin e. Die Explosion demolierte das Stiegenbaus und drückte sämtliche Fensterscheiben des Wohnhauses ein. Es kam niemand zu Schaden. Das Bukarester Ministerium für Volksgesundheit führt jetzt einen Kampf gegen die erschrekkende Ausbreitung von epidemischen Krankheiten in verschiedenen Teilen des Landes. In Bessarabien hat besonders der Typhus eine besorgniserregende Ausdehnung angenommen. Nach einem Bericht der „Gazeta Basarabiei" sind 120 Mediziner, unter ihnen 36 jüdische Aerztle, in den verseuchten Gebieten bei der Bekämpfung der Seuche tätig.; Die antisemitische Presse, besonders das Orgän des früheren Innenministers Octavian Goga, führt nun — man sollte das nicht für möglich halten — eine giftige antisemitische Hetze gegen diese jungen jüdischen Aerzte, die dem Rufe des Gesundheitsministeriums gefolgt sind und unter Lebensgefahr an der Wiederherstellung der Volksgesundheit arbeiten. tionen und interessierten jüdischen Persönlichkeiten Mittel und Wege zu finden, den jüdischen Massen, die ihre wirtschaftliche Existenz verloren haben, neue Existenzen, wenn auch in bescheidenem Maße, zu schaffen und die geschwächten Wirtschaften zu stützen. Wir können nicht glauben, daß die polnische Regierung untätig zusehen wird, wie ein Zehntel der Bevölkerung verarmt und zugrunde geht. Das könnte nicht ohne ernste Rückwirkung auf die gesamte ökonomische Lage des Landes bleiben. Joint hofft im Gegenteil, daß auch von Regierangsseite eine Mitwirkung erfolgen wird, wie sie bereits einmal in Aussicht gestellt war, um den verarmten Juden zu helfen, sich wieder bescheidene Existenzen aufzubauen und Arbeiten, für die unserer Ansicht nach großer Bedarf vorhanden ist, zum Nutzen des ganzen Staa- Die Bezirksgruppe IV-V der Union veranstaltet am 13. März I. .1., 8 Uhr abends, in den Prachtsälen des Hotel Münchnerhof, Wien VI., Mariahifferstraße 81 eine FEST AKADEMIE (Gründungsfest) MIT TANZ, Kapeile Isy Geiger, erstklassigste Kunstkräfte. Es liegt im Interesse der „Union", daß dieses repräsentative Fest gut besucht werde. Die Bezirksgruppe IV-V ersucht deshalb alle Wiener Bezirksgruppen der „Union", zum Zeichen der Zusammengehörigkeit beim Feste korporativ zu erscheinen. Eintrittskarten ä S 2.— beim Obmann D. Wollner, V. Schönbrunnerstraße 61, Tel. A 35-4-25 und bei sämtlichen Komiteemitgliedern. Die Karten werden auf Wunsch auch ins Haus zugestellt. DIE WAHRHEIT GROSSFLEISCHHAUERE* flEGM, KORNMEHI WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für Koscherfleisch unter Aufsieht des ehr«. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien« Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-QualitSt zu den billigsten Marktpreisen tes durchzuführen. Auch ist es möglich, einen Export- und Importausgleich zum Nutzen Polens durch eine organisierte jüdische Arbeit zu schaffen. Das ökonomische Leben der Juden kann nicht erstickt werden, ohne daß schädliche Wirkungen auf das gesamte Land spürbar werden. Die Erneuerung des ökonomischen Lebens der Juden muß versucht werden. Ohne heute in Details einzugehen, kann ich nur sagen, daß neben allen bisherigen Arbeiten, die auf erweiterter Grundlage fortgeführt werden sollen, ein großer Teil der Mittel des Joint einer ökonomischen Stärkung der jüdischen Massen gewidmet sein wird. Wir werden bei diesen Aufgaben die Mitwirkung jener jüdischen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kräfte suchen, die wir bei früheren Arbeiten gefunden haben. Ich meine: die hundertdreißigtausend Mitglieder, die in den Gemilass-Chassodim-Kassen organisiert sind, und die gesellschaftlichen Kräfte, die um TOZ (OSE) und um den Kinderschutz gruppiert sind, sowie viele andere konstruktiv arbeitende Gruppen. Hitler gratuliert Streicher. Wie die „Deutschen Informationen" berichten, hat Hitler seinem Freunde Julius Streicher zu dem im Verlag des „Stürmer" erschienenen „Bilderbuch für Groß und Klein", welches den Titel trägt: „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid4 und keinem Jud' bei seinem Eid", gratuliert. Streicher war auch schon im Begriffe, den Brief des Führers zu veröffentlichen, als das Propagandaminisiterium davon erfuhr und mit Rücksicht auf die A u s 1 a n d s w i r k u n g die Veröffentlichung verhinderte. Verfasserin der Verse und Zeichnerin der Bilder dieses pornogaphischen antisemitischen Hetzbuches ist bekanntlich die I8jähige Elvira Bauer, von der Streicher mit Stolz erzählt, daß sie seit mehrleren Jahren Leserin des „Stürmer" ist. Errichtung jüdisch-christlicher Klubs in London. Der Rat der Bürger Ostlondons hat in einer unter dem Vorsitz des Erzbischofs von Canterbury abgehaltenen Sitzung eine planmäßige Aktion gegen die Verbreitung des Antisemitismus in London East End beschlossen. Im Zuge dieser Aktion sollen zunächst gemischte jüdischchristliche Klubs errichtet werden, um einen engeren gesellschaftlichen Kontakt der verschiedenen Bevölkerungsschichten zu erwirken. Der Beschluß des Rates wurde von seinem Sekretär, Dr. J. J. Mallon, bekanntgegeben, der bei der Ausarbeitung des Gesetzes zum Schutz der öffentlichen Ordnung Berater der Regierung war. In einer öffentlichen Sitzung erklärte Doktor MaMon, dem East End selbst sei Judenfeindschaft fremd. Dr. Mallon wandte sich sodann gegen die Tätigkeit der British Union of Fascists und ihres Führers, Sir Oswald Mos?ey, und erklärte, die letzten Ausschreitungen würden auch ihr Gutes haben, denn sie hätten den Anstoß dazu gegeben, die Fremdheit zwischen Juden und Nichtjuden im East End zu beseitigen. Abnahme der jüdischen Bevölkerung Budapests. Die Zahl der Juden in Budapest hat sich weiterhin verringert. Während im Jahre 1920 215.512 Juden (23,2 Prozent) in der ungarischen Hauptstadt wohnten, im Jahre 1930 204.358 (20,3 Prozent), befanden sich dort Ende 1935 bloß 201.069, d. s. 19 Prozent, Juden. Antisemitismus in Rumänien. Gegen Advokaten. Gegen Xrzte. Hilfe für die Juden in Polen.