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Die Wahrheit · 1937-02-12 · Heft 6 (12.2.1937) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 6 (12.2.1937)
Date
1937-02-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 6 — 12. Februar 1937_ Seite 7 Junget-- JCandeisakademiepcafessoc erteilt Unterricht in Bnchhaltung und anderen kaufmännischen Fächern Unter „Mäßiges Honorar" an die Administration des Blattes. Erfindung eines jüdischen Arztes. In eiiter Sitzung der Wiener Gesellschaft der Aerzte berichtete der jüdische Chirurg Dozent Dr. Felix Mandl über eine bahnbrechende Methode zur Behandlung der gefürchteten Schultergelenksverrenkungen und Kreuzbandfverletzung des Kniegelenkes. Statt der bisher schweren Operationen bei diesen Erkrankungen, die bei 50 Prozent der Fälle mit Komplikationen verbunden waren, fand Dr. Mandl eine hundertprozentige Heilung durch Anwendung von Eigenblutinjektionen in die erkrankten Gelenke. Diese neue Methode hat sich bereits in Wiener Spitälern glänzend bewährt. Ein Doppeljubiläum des Entdeckers von Selma Kurz. Prof. Heinrich Glücksmann schreibt uns: Wie ich soeben erfahre, rüstet die Israelitische Kultusgemeinde von Bielitz-Biala zur festlichen Feier der 50jährigen ehrenreichen Amtswirksamkeit ihres weitgeschätzten Qberkantors Ignaz Goldmann, der zugleich seine diamantene Hochzeit begehen wird. Der jetzt 83jährige Mann, der schon seit 65 Jahren in seinem Berufe tätig ist und bereits als Anfänger im Kantorat, dann sein Vorbild und Meister der berühmte Oberkantor der großen Synagoge in Budapest, Prof. Friedmann, Vater des bekannten Musikschriftstellers Hofrat Ludwig Karpath, war, nach sorgsamer musikalischer Ausbildung an der von Franz Liszt geleiteten dortigen Musikakademie sowohl in der ungarischen Metropole, wie in anderen größeren Städten des Landes und Siebenbürgens große Erfolgte errungen hatte, trat an seinem 23. Geburtstage die Oberkantorstelle in Bielitz an und wahrte ihr trotz manchen lockenden Rufen, so nach Kattowitz und sogar nach Berlin, die Treue. Heute noch von einer geradezu wunderbaren Frische des Geistes, wie auch der körperlichen Mittel, wird er allen Anforderungen seines Amtes mit hingebendem Eifer und tiefster künstlerischer Wirkung gerecht und vermehrt mit jeder gottesdienstlichen Funktion die große Zahl seiner Anhänger und Verehrer, die ihn absolut nicht in den Ruhestand entlassen mögen. Er fand stets auch über den Kreis der jüdischen Gemeinde hinaus enthusiastische Schätzer. Zu diesen gehörte u. a. der frühere Statthalter von Galizien, Geheimrat Witold von Korytowsky, der kein seltener Gast des Bielitzer Tempels war. lieber die Stätte seines gegenwärtigen Wirkens hinaus dürfte jedoch die bedeutsame Tatsache wenig bekannt geworden sein, daß Oberkantor Goldmann der Entdecker und erste künstlerische Erzieher der österreichischen Patti, der unvergessenen und unvergeßlichen, leider allen Freunden edelsten Kunstgesanges viel zu früh entrissenen Selma Kurz war, deren gottbegnadete Nachtigallenseele in ihrer einzigen Tochter Daisy Halban- Kurz auferstanden zu sein scheint. Durch viele dankbare Briefe der verewigten Künstlerin selbst und solche von Prof. Gänsbacher, Graf Nikolaus Eßterhäzy, Gustav Mahler u. a. ist dieses historische Verdienst bescheinigt, das eine vielleicht übertriebene Bescheidenheit bisher der Kenntnis eines weiteren Publikums vorenthalten hat. Bei der Aufstellung und Schulung eines gemischtea Tempelchors, den Goldmann als einer der ersten Kantoren in den Gottesdienst einführte, prüfte er die Stimme eines blutjungen Nähermädels, Tochter eines sehr armen jüdischen Kleinbürgers, die trotz der Not, in der sie lebte, den ganzen Tag über frisch und fröhlich ihre Liedchen schnatterte, und fand sie bildungsfähig. So nahm er die Kleine in den Chor auf, wurde ihr Lehrer, förderte ihre angeborene Musikalität und den Ausbau der Stimme, wies dem Mädchen bald Solo- Aufgaben zu, die ihr die Aufmerksamkeit und das Interesse der Gemeinde gewannen, und rang den Eltern die Erlaubnis ab, sie für den Operngesang ausbilden zu lassen. Das war leichter gedacht als getan. Nur mit schwerer Mühe wurden vorerst die Mittel zu den Reisen nach Wien aufgebracht, wo er seinen Schützling durch den damals berühmtesten Stimmbildner, Prof. Gänsbacher, prüfen ließ, der wohl Qualitäten erkannte und anerkannte, aber Goldmanns Glauben an eine große Zukunft der jungen Sängerin nicht zu teilen vermochte. Das machte diesen aber nicht wankend, und er brachte einige Monate später die schon zaghaft gewordene Selma zu dem ihr gewogenen Gönner, dem kunstbegeisterten Grafen Niki Eßterhäzy, der ihr für die Studienzeit ein ansehnliches Stipendium aussetzte und sie auch schon zu Mitwirkungen bei den musikalischen Veranstaltungen auf seinem Haustheater im Schlosse Toris heranzog. Auch für die Bestreitung der Unterhaltskosten während der Lehrjahre trug der wackere Oberkantor Sorge. So konnte aus der kleinen Bielitzer Näherin die große Selma Kurz werden, die hervorragendste Koloratursängerin ihrer Zeit. Semeindedktonik. PersonalnacbiichL Der Bundespräsident hat dem ehemaligen Präsidenten des bestandenen Gremiums der Wiener Kaufmannschaft Kommerzialrat Leopold Langer in Wien das Komturkreuz I. Klasse des österreichischen Verdienstordens verliehen. Die Fürsorgezentrale der Israelitischen Kultusgemelnde Wien teilt mit: Seit einiger Zeit ist unter den Deutschlands-Emigranten das irrtümliche Gerücht verbrefitet, daß der Völkerbund nunmehr für sie sogenannte „Hansson-Pässe" ausstelle, auf Grund derer sie berechtigt seien, in eine große Anzahl von Ländern, angeblich in 28, frei einzureisen. Dieses Gerücht ist in jeder Hinsicht unzutreffend. Hansson ist wohl der aus Norwegen stammende derzeitige Leiter des sogenannten „Nansen- Amtes", das in den meisten Staaten offizielle Vertretungen besitzt; die von diesen Vertretungen ausgegebenen Pässe heißen nach wie vor „Nansen-Pässe", werden jedoch ausschließlich an russische; syrische und seit einiger Zefit auch an Flüchtlinge aus dem Saargebiete unter gewissen Bedingungen ausgegeben, jedoch nicht an Emigranten aus dem Deutschen Reiche. Für Deutschland-Emigranten besteht ein eigenes Hochkommissariat beim Völkerbund, das jedoch keine Pässe ausgiibt Hingegen haben einige Staaten, und zwar bisher Belgien, England, Dänemark, Frankreich und Norwegen ein am 4. Juli 1936 in Genf beschlossenes Abkommen ratifiziert, auf Grund dessen diese Staaten an Deutschlands-FKichtfinge Mentitätszeugnisse ausstellen. Dies gilt aiber nur für jene,.Emigranten, die bereits zu einem bestimmten Termin 'm~- Jahre 1936 (beispielsweise in Frankreich am 5. August 1936) ansässig waren, nicht aber für neu Zureisende. Der Inhaber dieses Identotätszeugnisses kann sich frei auf dem Territorium des 'betreffenden Staates bewegen und nach erfolgter Ausreise wieder in jenen Staat zurückkehren, der das Zeugnis ausgestellt hat. Die Einreise in andere Staaten list auf Grund dieses Papiers nur dann möglioh, wenn das Einreiseland — mag es auch dem Abkommen vom 4. Juli 1936 beigetreten sein — ein Visum erteilt hat. Es sei noch bemerkt, daß die Schweiz und die Tschechoslowakei das Abkommen vom 4. Juli 1936 gezeichnet, aber nicht ratifiziert haben. Der Weltverband der jüdischen territorialistischen Organisationen (JTO) versendet aus P a r i s einen Aufruf, in dem es u. a. heißt: „Im schwierigsten Moment unserer Geschichte, da das verfolgte Judentum nirgends einen Zufluchtsort finden kann, schlägt der französische Kölonialminister eine Möglichkeit vor, ein Territorium in seinem ausgedehnten Kolonia'limperium zu wählen, das für die Kolonisation geeignet wäre. Die .Freilamtliga' hat bereits die Präliminar-Verhandlungen mit dem Kolonialminister Herrn Marius Moutet geführt." Die österreichische Freilandliga, IX., Porzelfangasse 22 (A 16-5-91) gibt Interessenten bereitwilligst Auskünfte und versendet auf Wunsch kostenlos Druokmaterial. Gründung einer Gesellschaft jüdischer Alkoholgegner. Medizinalrat Dr. Paul Strasser sprach in der B. 0. G. HI des „Bundes jüdischer Frontsoldaten" über die Alkoholfrage in der Bibel und führte unter anderem aus: Noa war der erste Alkoholiker. Im Kapitel 9 Genesis ist zu lesen: Noa, der Ackerbauer war, pflanzte einen Weinberg. Da er die Wirkung nicht kannte, trank er viel und ward berauscht. In Jeremia 35 wird zum ersten Male die Alkoholfrage erörtert. Wie die Rechabiter müssen wir uns denken. Mose als den Führer eines Nomadenvolkes, in einem Zelte schlafend, die Reben des Fruchtlandes meidend als etwas mit einer fremden Religion Zusammengehöriges, mit einem anderen Gott Vereinigendes. An zahlreichen Stellen im alten Testament wird der Wein mit den notwendigen Nahrungsmitteln, Getreide, Brot, Oel, aber auch mit Fleisch und Milch gemeinsam genannt. Der Wein gehörte eben an und iür sich zur Nahrung. Sicherlich hat man auch in früheren Zeiten schon bisweilen den Weingenuß bis zum Eintritt des Rausches und der Unbesinnlichkeit scbmiciuiiut?•■ «raues and Griftcra LeopoldfleutsCuJißnXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor. Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Halloren übertrieben, aber das Ueberhandnehmen der Zechgelage scheint doch erst in der Periode der altjüdischen Geschichte zu beginnen, welche dem Untergange der politischen Selbständigkeit unmittelbar vorangeht Die überraschende Zähigkeit der jüdischen Rasse, die sie in den Stand gesetzt hat, siegreich Jahrhunderte lang den erbittertsten Verfolgungen zu widerstehen, ist zweifellos nicht zuletzt der Enthaltsamkeit zuzuschreiben, die die Juden kennzeichnet. Bei den Schichten der Juden, die sich mehr zu den Christen halten und sich von Tradition zu befreien trachten, ist nicht dieselbe Enthaltsamkeit festzustellen. Tatsächlich ist festgestellt worden, daß von den New Yorker Juden die jüngere Generation, die sich leichter den Sitten des sie umgebenden Milieus fügt, sich mehr und mehr dem Alkoholismus ergibt Einer Statistik, die die kürzlich eingewanderten und die schon längere Zeit in Paris ansässigen Juden betrifft, ist zu entnehmen, daß der Alkoholismus die Juden nur solange, wie sie ihrem traditionellen Leben treu bleiben, verschont. In der Anpassung liegt zweifellos eine Gefahr und ist auch anzunehmen, daß der Alkoholgenuß in Oesterreich, vielleicht noch nicht der Alkoholmißbrauch, bei den Juden zunimmt. In der österreichischen Abstiuenzbewegung ist gegenwärtig eine Reihe von Verbänden tätig. Die besten Erfolge erzielen die konfessionellen Verbände, die in der Sittlichkeit der Religion Stütze findea Zu erwähnen ist der katholische Kreuzbund, und das „Blaukreuz" der evangelischen Kirchengemeinde. Interessenten einer zu gründenden Gesellschaft jüdischer Alkoholgegner wollen ihre Anschrift Med.-Rat Dr. Paul Strasser, Wien III., Seidigasse 2, mitteilen. Vortrag. Im Rahmen der vom Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien veranstalteten wissenschaftlichen Vorträge sprach am 1. d. M. im Festsaale der „Hakoah" unter dem Vorsitze des Vizepräsidenten des Vereines, Frau Dr. Henny Lichtenstein-Rappaport über „Die goldene Rose — eine Frauengestait des 17. Jahrhunderts". In fesselnder Weise schilderte die Rednerin das Leben und Wirken dieser Frau, die sich nicht nur als Gattin und Geschäftsfrau als eine „Escheth Chajil" großen Stils erwies, sondern auch segensreich zum Wohle ihrer Mitbrüder und ihrer Gemeinde Lemberg tätig war. An den Namen der „goldenen Rose", der Frau des Gemeindevorstehers Nach man, knüpfen sich zahlreiche Legenden, die sich auf den Kampf der Lemberger Judengemeinde um die Erhaltung ihrer durch die Jesuiten gefährdeten Synagoge beziehen. In diesem Kampfe spielt die „goldene Rose" dank ihrer einflußreichen Beziehungen zu Adel, Hof und Geistlichkeit eine bedeutungsvolle Rolle. So wird denn auch das alte Bethaus, um das sie sich so große Verdienste erworben hatte, vom Volke bis auf den heutigen Tag „die Schul' der goldenen Rose" genannt. Ihr Grab aber bildet auch jetzt noch eine Wallfahrtsstätte frommer jüdischer Frauen, die in der „goldenen Rose" ihre Beschützerin und Fürsprecherin sehen. Die zahlreiche Zuhörerschaft folgte dem über eine Stunde währenden Vortrage, der sich auf wen« bekanntes Quellenmaterial stützte und die Persönlichkeit der „Goldenen Rose" historisch und psychologisch lebendig werden ließ, mit größtem Interesse. Der Vorsitzende, Herr Rabbiner Dr. M. Rosen mann, sprach der Rednerin für diesen genußreichen Abend in Worten herzlichsten Lobes seinen Dank aus, welchem das Publikum in nicht zu verkennender Weise beipflichtete H. H. Die Kreditkassa für Kleingewerbe und Kleinhandel in Wien hält Donnerstag, den 18. Februar 1. J., um 6.30 Uhr abends, in den eigenen Räumen (II., Praterstraße 9) ihre ordentliche Generalversammlung ab. Sind Sie Üemschmecket? Dann müssen Sie die mit Recht so beliebten delikaten „S c h m i d 1 - M a z z o t h" versuchen. Dieses österreichische Qualitätserzeugnis ist mit anderen Mazzoth nicht zu vergleichen, weil diese sie in Hygiene, Bekömmlichkeit und erlesenem Geschmack nicht erreichen. Der ausgezeichnete Ruf, den die „Schmidl-Mazzoth" seit Jahrzehnten genießen, hat sich in den letzten Jahren zu einer Popularität und Beliebtheit gesteigert, die nicht nur alle Bezirke Wiens, sondern auch viele Provinzorte umfaßt. Es ist dies das Verdienst des neuen Inhabers der „Schmidl-Mazzoth"- Fabrik, Herrn Nathan Brodetzkys, den Wiener jüdischen Hausfrauen seit Jahrzehnten als der liebenswürdige und tüchtige Chef der großen Lebensmittelhandlung, 11., Leopoldsgasse 43, bekannt. Elegante neue Badeanlagen, eine durchgehende Reinigung und Adaptierung der Fabriksräume bieten Gewähr für unbedingte Reinlichkeit und einwandfreies Kaschruth. Die religiösen Vorschriften werden unter Autsicht des Herrn Oberrabbiners B a b a d strenge eingehalten. Die Wiener Juden werden heuer mit den beliebten „Schmidl-Mazzoth", insbesondere mit der bekannten Spezialmarke „N. B."-Mazzoth, -Grieß und -Farvel, besonders zufrieden sein.

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