Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 6 (12.2.1937)
- Date
- 1937-02-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 6 — 12. Februar 1937 DIE WAHRHEIT Wir suchen zum baldmög ca. 50 Person« perfekte Köchin die auch Diätküche verste mit Bild, Zeugnisabschri des Schweizar Israelitiscl t. Angebote erbeten en an die Verwaltung in Altersasysl, Langnau, handel. Im Rahmen des Vierjahresplanes werden überall mit Einsatz der Hitler-Jugend und anderer Organisationen systematisch Sammlungen allen Altmaterials (Zinntuben, Flaschenkapseln, Konservenbüchsen, Altmetall u. a.) durchgeführt. Die Ablieferung der gesammelten Materialien soll unter Benutzung des vorhandenen Altmaterialhandels vor sich gehen. Im Preußischen Ministerialblatt erschien eine Verordnung, die die Einzelheiten regelt und verfügt, daß die Ablieferung an den nächsten nichtjüdischen Händler zu erfolgen habe. In gleicher Weise werden im Altmaterialgroßhandel die jüdischen Firmen a.usgeschaltet; da bei einer so durchorganisierten Altmaterialsammiung außerhalb der Sammlungen Geschäfte in Altmaterialien kaum noch eine Rolle spielen werden, bedeutet diese Maßnahme praktisch die geräuschlose Vernichtung des gesamten jüdischen Einzel- und Großhandels mit Altmaterial. Auf dem Lande, wo man nicht «o viel Rücksicht auf das Lautwerden judenfeindlicher Wirtschaftsmaßnahmen nehmen zu müssen glaubt, begnügt man sich nicht mit den geschilderten Maßnahmen, sondern geht zur offenen Enteignung jüdischer Firmen über. Im Bereich der Reichskulturkammer gehen die Ausschaltungen weiter. Am stärksten bedroht sind zur Zeit die jüdischen Buchhändler, die mit immer schärferem Druck zum Verkauf ihrer Firmen gezwungen werden sollen. Sie haben noch einmal eine Frist bis zum März 1937 erhalten. Es ist sehr fraglich, ob über diesen Monat hinaus die jüdischen Buchhändler sich werden halten können. Auch hier wird wieder das System der indirekten Vernichtung gewählt. Man teilt ihnen mit, daß die sich in Zukunft als jüdische Buchhandlungen deklarieren müssen und sich auf den Vertrieb rein jüdischen Kulturgutes zu beschränken hätten. Da keiner der betreffenden Buchhändler, mit Ausnahme von einigen ganz kleinen, auf dem Gebetbuch- und religiösen Schriftenhandel spezialisierten Firmen, bei dem ausschließlichen Verkauf von Büchern rein jüdischen Inhalts bestehen kann, bleibt diesen Firmen nur die Wahl zwischen raschem Zugrundegehen durch Verzehr des Geschäftskapitals oder sofortigem Verkauf. Aus dem Gebiet der Reidhspressekammer ist zu berichten, daß Ende 1936 die jüdischen Zeitungen und Zeitschriften mit sämtlichen in ihnen tätigen Personen aus den entsprechenden Fachverbänden der Reichspressekammer ausgegliedert und als besondere Abteilung dem „Reichskuaturwalter" Hinkel unterstellt wurden, der als Sonderbeauftragter des Propagandaministers bereits den Reichsverband der jüdischen Kulturbände beaufsichtigt. Es bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen diese Maßnahme für das jüdische Zeitungswesen haben wird, das bei der zunehmenden Erschwerung der Versammlungstärigkeit einer der stärksten Pfeiler jüdischer Zusammenarbeit in Deutschland bildet. 3. Kampf gegen ausgewanderte Juden. Es ist für die innere Unlogik und für das Gegeneinanderarbeiten der verschiedenen Parteiinstanzen bezeichnend, daß man von der einen Seite alles unternimmt, um Juden zur Auswanderung aus Deutschland zu veranlassen, auf der anderen Seite ihnen draußen das Leben so schwer wie möglich zu machen versucht. Wenn man ein paar Wochen lang die deutschen Zeitungen gelesen hat, dann stößt man immer wieder auf Nachrichten, in denen dem deutschen Leser gezeigt werden soll, wie unerwünscht die jüdischen Emigranten im Ausland sind. Die Gleichförmigkeit dieser Nachrichten in den verschiedenen Zeitungen zeigt ihre einheitliche Herkunft. Mit größter Sorgfalt werden judenfeindliche Aeußerungen aus Zeitungen, die oft in den betreffenden Ländern kaum ein Mensch kennt, zusammengestellt und wiedergegeben. Darüber hinaus aber versucht "man, ausgewanderten deutschen Juden durch entsprechende Hinweise in ihrem Zufluchtslande so viel wie möglich zu schaden. Ein Beispiel möge dies zeigen, das der „Deutschen Wochenschau" entnommen ist; „Die sonst so hellsichtigen und hellhörigen J apan er scheinen der Juden frage noch wenig Bedeutung beizumessen, qbzwar sie doch die warnenden Beispiele der Zersetzung Europas und Amerikas vor Augen haben sollten. So ist nach Ausführungen des .Welt-Dienst' kürzlich der ehemalige Musikdirektor der Aiannheimer Oper, der Jude und Freimaurer Josef Rosenstock, als Leiter des „Neuen Symphonie-Orchesters" in Tokio, des größten Orchesters Japans, engagiert worden. Zuletzt hat Rosenstock die Opernaufführungen des „Jüdischen Kulturbundes" in Berlin geleitet. Am 1. März ist der bekannte jüdische Freimaurer Dr. Paul Weingarten, Professor an der Wiener Musikakademie, ebenfalls nach Japan abgereist, wohin er für zwei Jahre als Leiter einer feine schmackhafte Vegetarische Küche „ , . Fisch-Spezialitaten, gute Hansbäckereien, Telephon reichhaltige Menüs v. S 1.— aufwärts, bei Ver- A 43-S-4? Wendung feinster Zntaten Schöne Arrangements i. Sudes u. Bar Mizwöh's GRETE STERN, II., Herminengasse 10 unter Aufsicht der Adas Jisroel Metsterschule für Klavier an der dortigen Musikhochschule berufen wurde. Auch jüdische Wissenschaftler bezieht Japan seit einiger Zeit im großen aus Europa. Der Hauptschrittmacher für die Musikjüden in Japan ist offensichtlich der Pianist Leo Sirota. — Japan erfreut sich bereits eines reichen Segens an .Auserwählten', die den Weg für Nachschübe ebnen und Keimzellen bilden, den » gesunden Kern des japanischen Volkes zu zerstören und von innen heraus zersprengen sollen." (Ein zweiter Artikel folgt.) Der Fluch der bösen Tat. Auf der Tagesordnung der für den 8. Februar einberufenen Plenarsitzung des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien stand als einziger Punkt „Definitive Anstellung des Amtsdirektors". Diese Tagesordnung, die das Schlimmste befürchten ließ, wurde durch einen Antrag des Vertreterkollegiums dahin abgeändert, daß die provisorische Anstellung des Herrn Dr. Josef L ö w e n b e r z als Amtsdirektor bis zum 31. März 1. J. verlängert werden soll. Inoffiziell wurde diese Verlängerung des Provisoriums mit den Budgetarbeiten begründet, die noch durch Herrn Dr. Josef Löwenherz vorgenommen werden sollen. Dem wiederholt eingenommenen Standpunkt entsprechend, haben alle Mitglieder des Klubs der unionistischen Mandatare auch gegen diese kurze Verlängerung des Provisoriums gestimmt, während die Gruppen des Herrn Dr. Plaschkes und des „Arbeitenden Palästinas" mit der „Zionistischen Liste" für die Verlängerung des Provisoriums ihre Stimmen abgaben. Herr Dr. Plaschkes und seine Gruppe sind mit derfadenscheifligen Begründung, daß sie durch die Abgabe der; Stimme gegen die Verlänge- Die besten Eisofl Wirstul Settwar» 3mal täglich frisch bei IHEl,HiulL,rnl«stnK8 Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. rung des Provisoriums „nicht den Eindruck einer feindseligen Handlung gegenüber Herrn Dr. Löwenherz" erwecken wollen, ihrem bisher eingenommenen Standpunkt untreu geworden. Niemand wird annehmen, daß bei der Entscheidung dieser Frage eine persönliche Angelegenheit zur Austragung gelangt, in der von „feindseligen Handlungen" gegen die Person des Dr. Löwenherz die Rede sein kann. Es handelt sich um ein Prinzip, um das Prinzip der Reinhaltung der Personalpolitik der Kultusgemeinde von parteiischen Einflüssen. Die in Frage kommende Person und ihre Qualitäten können dabei fast zur Gänze aus der Diskussion ausgeschaltet werden; nur ihre Rolle als jüdisohnationaler Parteiführer kommt in Betracht. Die Gerüchte wollen nicht verstummen, daß für die definitive Anstellung des Dr. Löwenherz die Stimmen der sogenannten kleinen Gruppen durch „Kompensationen" gewonnen werden sollen. Wir wollen diesen Gerüchten vorläufig keinen Glauben schenken, aber wir halten uns für verpflichtet, rechtzeitig unsere warnende Stimme zu erheben. Jeder kann sich in dieserprinzipiellen Frage verhalten, wie es seinen Gefühlen für die Ehre und Würde der Kultusgemeinde entspricht. Aber daß die Zustimmung der „kleinen Gruppen" für die Bestellung des Dr. Löwenherz zum definitiven Amtsdirektor auf Kosten der Kultusgemeinde eingehandelt wird, dagegen würden wir — man möge sich die Ereignisse des letzten Jahres vor Augen führen — wieder nur im Interesse des Ansehens der Kultusgemeinde mit den schärfsten Mitteln reagieren. Discite moniti. Die Gemeinde muß von dem „Fluch der bösen Tat" befreit werden, „die fortzeugend Böses muß gebären". Ein trauriger Berieht über die Palästina-Unruhen. Auf Grund eines seit dem Ausbruch der letzten Unruhen in Palästina am 19. April 1936 geführten Tagebuches erschien soeben in Buchform ein Bericht über diese Unruhen, der die Ereignisse bis Oktober 1936 einbegreift. Das von der Jewish Agency herausgegebene Buch stützt sich auch auf offizielle Dokumente der Regierung und auf Presseberichte, wobei alles genau auf die Wahrhaftigkeit hin kontrolliert wurde. In dem Buch wird berichtet: Im Verlauf des Unruhe-Halbjahres wurden 82 Juden ermordet; die Ursache des Todes weiterer 9 Juden hängt direkt mit den Unruhen zusammen, so daß 91 jüdische Todesopfer gezählt werden. Außerdem gab es 405 Verwundete, von denen 36 starben (die Zahl dieser Toten ist in die obige Totenzahl eingerechnet). 1996 Ueberfälle auf Juden in den Städten, Kolonien usw. wurden gezählt. In 895 Fällen wurde jüdisches Eigentum beschädigt; u. a. wurden vernichtet über 200.000 Frucht- und Waldbäume, Getreide auf 17.000 Dunam Land, Hunderte Wohnungen, große Quanten Waren usw. Die Zahl der Ueberfälle auf Polizei und Militär beträgt 795, Angriffe und Sabotageakte auf Eisenbahnen, Autobusse usw. zählte man 380. Es kamen 305 Terrorakte von Arabern gegen Araber vor, sowie auch Vernichtung viel arabischen Eigentums. Bei 1369 der Ueberfälle bedienten sich die Terroristen militärischer Bomben und Minen; bei Hausdurchsuchungen wurden 263 Bomben beschlagnahmt. Verhaftet wurden 3111 Araber, dazu kommen viele Araber, die in Konzentrationslager gebracht oder wegen Uebertretung der Vorschriften des Ausnahmezustandes festgenommen wurden. Angefangen haben die Unruhen in Jaffa, wo elf Juden ermordet wurden. Es folgten die Morde an acht Juden an der Grenze zwischen Jaffa und Tel-Aviv. In Jerusalem wurden elf, in Haifa acht, in Kfar Saba sechs, in Safed vier Juden ermordet. Die übrigen jüdischen Todesopfer fielen in Tiberias, Mizpa, Jedda, Jacnes, Sichron-Jaakob, Chedera, Kfar Witkin, Ewen-Jehuda, RamaMiakowesch, Rischon4e-Zion, Ness-Ziona, Reohobot, Kirjat Anawim und Atarot. Bei Ueberfälen von Terroristen auf Autos und Autobusse auf Verkehrswegen wurden 17 Juden ermordet. Auch in der Zahl der verwundeten Juden nimmt Jaffa den ersten Platz ein: 90 in Jaffa und 60 an der Grenze zwischen Jaffa und Tel-Aviv. Demnach wurden im ganzen 19 Jaffaer Juden ermordet und 150 verwundet. In Jerusalem zählte man 43, in Haifa 22 verwundete Juden. Auf ihren Arbeitsplätzen oder auf dem Wege zu und von der Arbeit wurden 41 Juden ermor-