Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 5 (5.2.1937)
- Date
- 1937-02-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3064663-3064668--21022-3086332- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 Nr. 5 — 5. Februar 1937 DIE WAHRHEIT Außer ihm sind noch MeisI, Raszo, Szigmondi zu nennen, keiner von ihnen erreichte jedoch das Format dieses einmaligen Könners. Interessanterweise sind die jüdischen Sportler für das Wasserballspiel sehr begabt. Dieser Sport ist nicht gerade sanft, wenngleich Verletzungen selten vorzukommen pflegen. Aber da es ein Spiel ist, in dem Mann gegen Mann anzutreten hat und jeder Spieler seinen Gegner hat, den er stoppen, also lahmlegen muß, gibt es eine Unzahl grober Tricks, die an die Kämpfenden außerordentliche Anforderungen, besonders aber au ihren Mut stellen. Was die jüdischen Schwimmer in diesem harten Kampfspiel zu leisten vermögen, beweist abgesehen von den Spitzenleistungen ungarischen Juden der Prager jüdische Klub Hagibor, der schon oftmals die tschechoslowakische Staatsmeisterscliaft gewann und dessen Spieler immer in der Nationalmannschaft zu fin- Außerordentlichen Mut verlangt das Fliegen. Zwar hat sich das Risiko gegen frühere Jahre schon außerordentlich gesenkt und senkt sich täglich weiter. Dennoch ist gerade das Fliegen eine Uebung, in der es mehr als wo anders darauf ankommt, seinen Mut zu beweisen. Wir wollen aus der Liste der Flieger nur die zwei besten Namen nennen. F r a n k 1 erhielt den Orden „Pour le Merite", also den höchsten deutschen Orden, der zu vergeben ist. Noch ^größer als seine Leistungen waren aber die des Oesterreichers K r o n f e 1 d, des ersten großen Segelfliegers überhaupt. Als das Segelfliegen aufkam, stand man diesem neuen Sport sehr mißtrauisch gegenüber, da er stündlich Opfer kostete. Da kam Kronfeld, ein junger Wiener, und vollbrachte Leistungen, die das Segelfliegen mit einem Schlage zu einem populären Sport machten. Kronfeld war ein kühner, unternehmungslustiger Flieger, der in Deutschland bis zum Jahre 1933 als der Segelflieger galt. Er setzte sein Leben täglich aufs Spiel, ein echter Pionier seiner Passion, ein kühner Segler der Lüfte, der leider jetzt etwas in Vergessenhei; gerät. Vielleicht können diese Zeilen die Erinnerung an ihn wieder etwas auffrischen . . . Endlos ist die Liste der großen jüdischen Kämpfer. Sollen wir an Daniel P r e n n erinnern, an den großartigen, nervenlosen deutschen Tennisspieler, der solange Nr. 1 der deutschen Tennisrangliste war, solange man ihm erlaubte, zu spielen? Erst als er abtrat, konnte von Cramm, der bis dahin im Schatten seines großen Rivalen gespielt hatte, aufkommen. Sollen wir an Carrs sensationellen Weltrekordlauf bei den Olympischen Spielen 1932 in Los Angeles erinnern, als er die 400 Meter in der damals für unmöglich gehaltenen Zeit von 46,2 herunterrasselte, die bisher kein weißer Sportler zu verbessern vermochte? Sollen wir an den Schwimm-Weltrekordmann Kojac erinnern, der 1932 ebenfalls in Los Angeles einen Rekord aufstellte, an Irving Jaffe, den Olympiasieger im Eisschnellauf 1932 bei der Winterolympiade in Lake Placid, an den Radrennfahrer Gottfried, der mit einer beispiellosen Leistung 1926 die deutsche Meisterschaft über 1000 Meter gewann? „Jüdische Revue" Tod des Baron Adolf Kohner. Samstag Abend ist Baron Adolf Kohner, einer der namhaftesten Repräsentanten des ungarischen Judentums, im Alter von 72 Jahren in Budapest gestorben. Er hatte sich sowohl als Großgrundbesitzer, wie als Großindustrieller und Bankier, als Kunstkenner und Mäzen einen Namen gemacht. Ein volles Vierteljahrhundert lang war er Präsident der „Pester Lloyd"-Gesellschaft. Zahlreiche Bewegungen des jüdischen Lebens knüpfen sich an seinen Namen. Im Jahre 1911 wurde Baron Kohner Präsident der Pester Isr. Kultusgemeinde. Während des Weltkrieges, im Jahre 1917, wurde er Präsident des Landesfonds Ungar. Juden, der unter seinem Regime die in den Karpathen von den Russen zerstörten jüdischen Gemeinden und Schulen wieder aufbaute. Gleichzeitig war er Mitglied des leitenden Kollegiums der Franz Josef-Landesrabbinerschule. Im Jahre 1927 wurde Baron Kohner Präsident des 6. Pester Gemeindedistrikts und einen Monat später der Israelitischen Landeskanzlei. In dieser Eigenschaft arbeitete er das große Memorandum über die Durchführung des Gesetzartikels XX vom Jahre 1848 aus. Im Jahre 1929 wurde auf seinen Antrag der Landeskongreß der neologen Judenlieit einberufen, der die Neubearbeitung der jüdischen Landesstatuten beschloß. Ein Jahr später wurde er Präsident der Ungarischen Jüdischen Union. Infolge seines geschwächten Gesundheitszustandes trat er 1932 von seinen Ehrenposten zurück. Baron Adolf Kohner spielte in der Landesgesellschaft für bildende Künste eine hervorragende Rolle; er war Gründer der bekannten Szolnoker Künstlerkolonie im Jahre 1902. Den Schwerpunkt seiner bedeutenden Kunstsammlungen bildeten die Werke der modernen französischen Impressionisten und Postimpressionisten. Im Kriege verlor er seinen Sohn Karl, der sich trotz seiner Kurzsichtigkeit zum Frontdienst gemeldet hatte. Das Mustergut Baron Kohners in Szäszberek bildete jahrzehntelang neben der Staatsdomäne Mezöhegyes eine Sehenswürdigkeit für ausländische Landwirte. Die mehr als hundertjährige Firma Kohner spielte in der industriellen Wollverarbeitung eine Rolle. Bereits im Jahre 1924 hatte Kohner erkannt, daß die Ueberdimensionierung der ausländischen Kredite für Ungarn eine Gefahr bedeute. Ohne weiteres hätte er sich mit großem Vermögen ins Privatleben zurückziehen können, sein Traditionsgefühl der Firma gegenüber und sein Patriotismus ließen dies jedoch nicht zu. Dies wurde von der Regierung auch anerkannt, was die sogenannte „Lex Kohner" vom Jahre 1931 bewies, die die Liquidierung von Privatbanken dem Kreditschutzinstitut übertrug. „Pester Lloyd" v/eist im Nachruf auf Baron Kohner darauf hin, daß der Verstorbene, als die altehrwürdige Firma Kohner nach dem Verlust des einst stattlichen Vermögens in Zahlungsschwierigkeiten geriet, um den Namen und die Ehre der Firma zu retten, den Rest seiner letzten privaten Habe hergab. Nach dieser Katastrophe hat er sich vom öffentlichen Leben zurückgezogen. Auszeichnungen und Ordensverleihungen in England. Das soeben veröffentlichte Verzeichnis der anläßlich des Neujahrs ausgezeichneten und in den Adelsstand erhobenen Personen enthält auch die Namen einer Reihe jüdischer Persönlichkeiten. Der konservative Abgeordnete Sir Arthur Michael Samuel wurde zum Lord mit dem Range eines Barons ernannt; der neue Lord war 1927 bis 1929 Finanzsekretär des Schatzamtes, 1924 bis 1927 Parlamentarischer Sekretär des Handelsministeriums und Minister für Ueberseehandel, 1912 bis 1913 Oberbürgermeister von Norwich. — Mit dem Bath-Orden HI. Klasse, wurde der vor kurzem in den Ruhestand getretene Bibliothekar des Abteilung für orientalistische Druckwerke und Manuskripte des Britischen Museums, Lionel David B a r n e 11, mit dem Orden des British Empire der palästinensische Verwaltungsbeamte Alexander Epstein ausgezeichnet. Der stellvertretende Polizeikommissar von Haifa, Kaiman Jacob Cohen, wurde Ehrenmitglied des Ordens des British Empire. Schließlich wurde lsaac R a b b i n ow i t c Ii für hervorragende Tapferkeit bei der Beförderung englischer Truppen im Feuer in Palästina mit der Medaille des British Order ausgezeichnet. Einschränkung der Palästina-Einwanderung? „Manchester Guardian" bringt eine längere Mitteilung seines Palästina-Korrespondenten, in welcher nach einer Zusammenfassung der jüdischen und arabischen Aussagen vor der Königlichen Kommission der Korrespondent zu der folgenden Schlußfolgerung kommt: Man hat hier das Gefühl, daß die Königliche Kommission, wenn sie nicht überhaupt das Mandat in seiner jetzigen Form als unanwendbar deklariert, eine schärfere Beschränkung der jüdischen Einwanderung empfehlen wird. Die hohe Autorität der Königlichen Kommission gibt ihren Schlußfolgerungen ein solches Gewicht, daß eine Opposition gegen eine von ihr empfohlene Einwanderungspolitik eine Aufgabe darstellt, welche die äußerste Anstrengung erfordern würde. Generalversammlung des Verbandes der tschechischen Juden. Am 30. und 31. Januar fand in Prag die ordentliche Vollversammlung des Verbandes der tschechischen Juden unter zahlreicher Beteiligung von Delegierten aus allen Gebieten der Tschechoslowakei statt. Am Samstag sprach der Verbandsvorsitzende Viktor L e d e r e r, der in seinem Referat die wichtigsten politischen Ereignisse des vergangenen Jahres zusammenfaßte und in diesem Zusammenhang auf die Beziehung der tschechischjüdischen Bewegung zu den gegenwärtigen politischen Problemen hinwies. Das Referat klang in ein spontanes Bekenntnis der tschechischen Juden zum gegenwärtigen Regierungssystem aus, welche Linie auch eindeutig in den Kundgebungen der teilnehmenden Delegierten unterstrichen wurde. Am Sonntag referierten die Delegierten der tschechisch-jüdischen Kommissionen aus GROSSFLEISCHHAUEREi* flEGM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE: XVIII., WÄHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant ffir Hellanstalten AbteilungenfurKoscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Nordböhmen, Mähren und der Slowakei, welche mit Befriedigung die systematische Entfaltung der tschechischjüdischen Arbeit in ihren Gebieten konstatierten. Zum Vorsitzenden des Verbandes für die nächste Funktionsdauer wurde einmütig der bisherige Vorsitzende Viktor L e d e r e r gewählt. Zionistische „Einigkeit". Dreihundert Mitglieder des revisionistischem Brit Trumpeldor und anderer der Neuen Zionistischen Organisation angeschlossener Organisationen stürmten am Dienstag die Büroräume des Warschauer Palästina-Amtes, zertrümmerten die Inneneinrichtung und griffen die Angestellten der Zionistischen Organisation an. Herbeigerufene Polizei drängte die Angreifer zurück und verhaftete 46 von ihnen. Ursache der Unruhen ist der bekannte Konflikt um die Alija-Rechte des Betar. Das Palästina-Amt erkennt dem Betar, seitdem er aus der Zionistischen Organisation ausgetreten ist, nicht mehr Alija-Rechte zu, sondern will einzelnen Betarim auf Grund des Hachschara-Schlüssels ' Zertifikate geben, während die Betar-Leitung auf dem Standpunkt steht, daß diese Praxis einer Verweigerung der Alija-Rechte überhaupt gleichkommt, weil ja das Palästina-Amt keine Kontrolle über die Hachschara-Kibbuzim des Betar haben kann. Die Betar-Leitung fordert, daß ihr die dem Betar zukommenden Zertifikate kollektiv zur Verteilung an die einzelnen Betarim übergeben werden. Immer wieder Mendelssohn. Das Mendelssohn-Denkmal kann wohl verschwinden, Moses Mendeissohn's Phoedon kann aus Schillere Sterbezimmer, dessen allerletzte Lektüre er bildete, entfernt werden: Alle Hitlerei konnte nicht verhindern, daß sowohl bei der protestantischen Hochzeit der Kronprinzessin Juliane von Holland, als bei der nicht minder glanzvollen des ersten Peers von England, des Herzogs von Norfolk, die in der katholischen Kirche stattfand, kein anderer Marsch gespielt wurde, als der unverwüstliche Mendelssohns aus dem „Sommernachtstraum". Die junge Herzogin von Norfolk ist übrigens die Stiefurenkelin des Londoner verstorbenen Baron Rothschild. C. Benedikt. Qemeindedkvonili. Salzburg. Am 25. v. M. nahm im Festsaal des Salzburger Rathauses der Bürgermeister die feierliche Dekorierung des Tempelvorstehers und Ehrenmitgliedes der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, Herrn Daniel B o n y h a d i mit der demselben vom Bundespräsidenten verliehenen goldenen Verdienstmedaille vor und gedachte in anerkennenden Worten der Verdienste, die sich der Ausgezeichnete in mehr als vier Jahrzehnte langer Tätigkeit um die Salzburger Kultussgemeinde erworben hat. Auch die vom Bundespräsidenten, dem Unterrichtsminister und dem Landeshauptmann Dr. R e h r I erhaltenen Gratulationsschreiben sind Beweise, wie sehr das selbstlose und von edler Nächstenliebe durchdrungene Wirken des Herrn Bonyhadi von den höchsten Stellen unseres Vaterlandes gewürdigt wird. — Wir freuen uns der Herrn Bonyhadi zuteil gewordenen hohen Ehrung und gratulieren demselben herzlichst; zählt doch derselbe seit vielen Jahren zu den rührigsten und eifrigsten Mitgliedern der Salzburge? Ortsgruppe der „Union österreichischer Juden". Frömmigkeit, Wohltätigkeit und Nächstenliebe sind die vornehmsten Eigenschaften dieses allgemein beliebten