Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 5 (5.2.1937)
- Date
- 1937-02-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 5 — 5. Februar 1937 Seite 5 JOSEF LEITMANN VORM. PAUL PLANER A.C.. WIEN H.,PRATERSmi7, Tel. R47-5-10 Elektromaterial / Radio-Apparate / Beleuchtungskörper / Dauerbrandöfen / Gas-Apparate / Sprechmaschinen Elektro-Kosmetik / Elektro-Apparate / Glühbirnen in allen Stärken stets lagernd Befugte Radio-Reparaturwerkstätte ♦ Günstige Tauschgelegenheiten ♦ Bequemes Teilzahlungssystem 1^3 feine schmackhafte Vegetarische Küche Fisch-Spezialitaten, gute Hausbäclrereien, Telephon reichhaltige Menüs v. S1— aufwärts, bei Ver- 4 «.o 1? wendnng feinster Zutaten A M ö *6 schöne Arrangements f. Sudes u. Bar Mizwoh'» GRETE STERN, II., Hermlnengasse 10 unter Aufsicht der Adas Jisroel_ Die Juden Rumäniens wehren sich gegen verfassungswidrige Gesetzesvorlagen. Im Namen des Zentralrates der Juden in Rumänien, der von der Union rumänischer Juden und der Jüdischen Reich&partei geschaffenen obersten Vertretung der rumänischen Judenheit, hat der geschäftsführende Vorsitzende Dr. Wilhelm Fildermann dem Ministerpräsidenten Gheorghe Tatarescu drei bedeutsame Denkschriften überreicht, in denen die Verfassungswidrigkeit einer Reihe beabsichtigter Maßnahmen, durch die die jüdische Minderheit in Rumänien benachteiligt werden würde, nachgewiesen wird. Die erste Denkschrift befaßt sich mit der geplanten Ueberprüfung der Staatsangehörigkeit von Einwohnern der nach dem Kriege angeschlossenen Provinzen. Es wird betont, daß alle betreffenden Einbürgerungen bereits zweimal bestätigt wurden und daher auf Grund des Gesetzes von 1934 endgültig geworden sind. Eine neue Ueberprüfung der Bürgerschaftszertifikate nach dreizehn Jahren würde die der jüdischen Minderheit im Friedensvertrag und in der Verfassung zugesicherten Rechte schwer beeinträchtigen. Die zweite Denkschrift bezieht sich auf einen von dem Führer der antisemitischen Christlich- Nationalen Partei und ehemaligen Innenminister Octavian Goga im Parlament eingebrachten Gesetzesvorschlg, demzufolge das Einbürgerungsgesetz in der Weise abgeändert werden soll, daß Ausländerinnen bei Verehelichung mit rumänischen Staatsangehörigen die rumänische Staatsangehörigkeit nur dann automatisch erwerben, wenn der Ehegatte ethnisch rumänischer Her- Der Jude im Sport - eine Kette Die Antisemiten lehnen die Juden nicht nur auf geistigem Gebiet ab, sondern auch im Sport, für den sie den Juden für absolut ungeeignet erklären. Diese falsche These ist schon oft widerlegt worden. Durch Aufzählung der verschiedenen jüdischen Sportcracks, die sich in allen Gebieten des Sports einen Namen gemacht haben. In der Leichtathletik wie im Boxen, im Ringen wie im Schwimmen, im Tennis wie im Kunstlauf, im Eishockey wie im Fußball. Leider fehlt bei der Entgegnung auf den Vorwurf auch eine Begründung der sportlichen Fähigkeiten des jüdischen Sportmannes. Die Haupteigenschaft des jüdischen Athleten ist sein Kampfgeist, sein Mut und sein Herz. Betrachten wir einmal den männlichsten Sport, wie seine Anhänger ihn zu titulieren pflegen, den Boxsport. Die jüdischen Boxer zerfallen in zwei Kategorien, in die Techniker, mit welchem etwas verbildeten Ausdruck die Boxstilisten gemeint sind, und in die Schläger. Beste Vertreter der Techniker sind, aus verschiedenen Generationen herausgegriffen, die Boxer Joe B 1 o o m f i e 1 d, Abe A 11 e 1, Benny Leonard und Erich S e e 1 i g. Einen Boxer wie Benny Leonard gab es selten. Leonard war ein ausgesprochener Boxkünstler, der seinen Stil auf den Grundbegriff des Boxens, auf die „noble art of selfdefense" aufgebaut hatte. Leonard lieferte ästhetische Kämpfe, sein Gesicht war trotz jahrelanger Tätigkeit im Ring keineswegs deformiert und als er ungeschlagen als Weltmeister abtrat, war er im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen im vollen Besitz seiner geistigen und körperlichen Kräfte. Interessanterweise stellt Benny Leonard und der Typ, den er verkörpert, eine Ausnahme dar. Die Mehrzahl der jüdischen Kämpfer waren Schläger (Slugger), die ' den Erfolg im harten Kampf Mann an Mann nicht auf Grund der Technik, sondern eben mit der größeren Kraft und verbissenem Mut herbeizuführen suchten. Die besten Vertreter dieser Gruppe waren Daniel M e ndoza, Ted Kid Lewis und Max Baer, um nur drei der bekanntesten Boxer herauszugreifen. Man sagt auch Dempsey jüdisches Blut nach, doch ist dies nicht ganz bewiesen. kunft ist. Andernfalls wird die Einbürgerung an die Bedingung zehnjähriger Seßhaftigkeit in Rumänien geknüpft. Die Denkschrift setzt auseinander, daß eine derartige Abänderung des Gesetzes eine Verletzung der Verfassung darstellen würde, die keine Unterscheidung zwischen Staatsbürgern auf Grund der ethnischen Zugehörigkeit kennt. Die dritte Denkschrift des Zentralrates befaßt sich mit dem Antrag des rumänischen Anwalts- Der Uiilon~FraLiien~Kliil> arrangiert jeden Donnerstag ab 4 Uhr nachmittags L Bridge-Cercle im Klubsaal, L, Schottenring 25. Gäste willkommen! i Verbandes. die Zulassung jüdischer Rechtsanwälte einzuschränken. Eine derartige Bestimmung, so wird in dem Memorandum ausgeführt, wäre verfassungswidrig. Es würden damit einer Berufsvereinigung Rechte zugestanden werden, wie sie das Parlament besitzt. Dies widerspräche aber dem geltenden öffentlichen Reoht Rumäniens. Abschriften der drei Memoranden wurden gleichzeitig den Ministern für Inneres, Justiz und auswärtige Angelegenheiten ^überreicht.... von Höchstleistungen. Der bedeutendste jüdische Faustkämpfer der Sluggerkategorie war Ted Kid Lewis. Ein beispielloser Kämpfer, ein Mann, der sich in jedem Kampf restlos ausgab und dennoch weder „weich" geschlagen noch verbraucht war. Lewis, Baer, Mendoza stellen einen Typ dar, wie ihn jeder Boxanhänger gern sieht. Es sind Kämpfer, die einen Boxkampf nicht nur aus Genugtuung über die Gage, sondern vor allem aus Freude am Kampf austragen. Sie schlagen sich ohne Rücksicht darauf, ob sie selbst geschlagen werden, sie gehen im Gegenteil das Risiko eines gegnerischen Treffers ein, um nur selbst ihre gewaltigen Schläge an den Mann bringen zu können. Lewis war Weltklasse und nach dem Krieg Englands berühmtester Boxer. Er wurde, obwohl nur ein Mittelgewichtler, doch gegen den Halbschwergewichtler (etwa 15 Kilo Differenz!) Georges Carpentier gestellt, der damals auf der Höhe seiner Form war. Lewis verdrosch Carpentier 3 Runden lang und man gab nichts mehr für den Franzosen, der, als Favorit gestartet, hilflos den Schlagserien des Engländers gegenüberstand. Ein Mißverständnis kostete Lewis den Kampf. In einer Nahkampfszene forderte der Ringrichter ihn auf, vorsichtig zu kämpfen, da ein Treffer leicht „tief" gegangen war. Lewis drehte sich zum Ringrichter um, da er die Worte in der Kampfhitze nicht richtig verstanden hatte. Diesen Moment benutzte Carpentier, um den Deckungslosen mit einem schweren und genauen Treffer zu Boden zu schlagen. Carpentier gewann durch diesen Schlag den Kampf, dessen sensationeller Ausgang lange Zeit diskutiert wurde. Interessanterweise gab der Franzose Lewis niemals eine Revanche, obwohl dieser sich verpflichtete, dem Sieger die volle Gage zu geben. Der jüdische Sportsmann ist in der Mehrzahl ein Draufgänger, ein Kämpfer, der niemals kneifen wird und der seine Aufgabe darin erblickt, den Gegner vor allem körperlich zu schlagen. Sein Ehrgeiz erlaubt ihm nicht, seine Gegner zu schonen. Er ist ein Mann, der seine Gegner ebensowenig schont wie sich selbst. Urwüchsige Kraft verbindet sich mit verbissenem Vernichtungswillen. Sein Draufgängertum ist beispiellos. Der beste deutsche Hindernisjockey ist der Jude Willi" Wolff, ein Jockey, der auch heute noch in Deutschland reiten darf. Wolff reitet wie der Teufel gegen die Hindernisse, er stoppt seine Pferde nicht, wie es die anderen Jockeys tun, vor dem Hindernis ab, sondern er wirft sie in vollem Tempo über die Hindernisse, durch seinen Wagemut kostbaren Boden gewinnend, der ihm oft den Sieg bringt. Wenn auch mehrfach gestürzt, läßt er dennoch nicht von seinem kühnen und riskanten Stil — er kann eben nicht anders und er braucht das Fluidum der Gefahr, das Risiko und den Einsatz. Genau so „arbeiten" die jüdischen Ringer, die fast durchweg aus dem Osten Europas kommen. Hier wächst ein eigenartiger Stamm von Juden, riesige Erscheinungen, muskelbepackt, gewaltige Urwaldsöhne, deren Kraft unbändig ist. Da ist Leo P i n e t z k i, der den klassischen Stil, das Griechisch-Rümisch bevorzugt. Pinetzki ringt mit der Kraft, weniger mit der Technik. Sein Spezialgriff ist der Doppelnelson, ein furchtbarer Strangulationsgriff, der aber ein zweischneidiges Schwert ist. Der Griff, bei dem beide Hände im Genick des Gegners verankert werden, strengt außerordentlich an, da man, solange man den Doppelnelson hält, beide Hände zusammenpressen muß. Es ist ein Kraftgriff und alles kommt darauf an, wer den Griff länger aushält: der ihn angelegt hat oder der ihn ertragen muß. Manchmal wird dieser Griff auch gesprengt, dann wendet sich das Blatt. Durch die außerordentlichen Anstrengungen sind dem Ringer beide Arme sekundenlang wie gelähmt, er kann sich nicht verteidigen und nun ist es dem Gegner, sofern er noch genügend Kraft aufbringt, ein Leichtes, ihn zu werfen. Der Pole Czyganiewicz dagegen ist Freistilringer. Er kämpft in jenem Sport, der von unseren bestimmt nicht verweichlichten Sportlern als der härteste und brutalste bezeichnet wird. Freistil wird durch seinen Namen „catch as catch can": pack wo du kannst, genügend illustriert. Hier ist jeder Griff und jeder Schlag erlaubt, unerlaubt sind eigentlich nur die erlaubten Griffe, weil diese zu harmlos sind. Die Freistilringer halten nicht lange durch, sie treten nach kurzer Tätigkeit bald ab. Zu groß sind die Strapazen, denen sie ausgesetzt sind. Sie werden auf den Kopf geworfen, manchmal auch in die Stuhlreihen am Ring geschleudert, sie werden getreten und geschlagen und es bedarf wirklich einer eisernen Konstitution, um diesen Sport überhaupt ausüben zu können. Frank Czyganiewicz war Weltmeister, er hielt sich lange Jahre hindurch, bis Strangler Lewis — der Name kennzeichnet den Kampfstil — ihn entthronte. Man kann über diesen Sport verschiedener Meinung sein, bezeichnend ist jedoch, daß Juden, denen man doch seitens der Antisemiten die Zivilcourage abspricht, zahlreich unter den Kämpfern zu finden sind. Ein junger Ringer, der sich zur Zeit in beiden Sportarten einen Namen macht, ist der Estländer Markus Passmann, ein 22jähriger Bursche, dessen Kraftleistungen 1933 ihn zu einem der populärsten Ringer Berlins stempelten. Passmann besitzt außerordentliche Kräfte, der junge Student weiß gar nicht, wie stark er ist, und wo er auch immer kämpft, muß er eine Sonderschau seiner Kunststücke geben. Passmann läßt in de: Brücke vier Ringer sich auf ihn setzen, er läßt eiserne Stangen auf seinem nur aus Muskeln und Sehnen bestehenden Genick krumm schlagen. Seine Kragennummer beträgt 56 — bitte sich dies vorzustellen und die eigene, bescheidene Kragenweite damit zu vergleichen. Im Fußballsport sind viele Juden anzutreffen. Dieser Sport, den auch eigene jüdische Vereine, u. a. der ehedem berühmte Wiener jüdische Fußballklub „H a k o a h", pflegen, liegt ihnen, da es hier darauf ankommt, Mut, Technik, vor allem aber Ueberlegung und Geistesgegenwart zu zeigen. Der bekannteste jüdische Fußballspieler, ein Name, den jeder Junge kennt, ist der Ungar Kaiman Konrad, ein wundervoller Techniker, wie es ihn selten gab. Dabei aber auch ein Kämpfer, ein Mann, der sich nicht vor den harten Verteidigern des Gegners scheute, wenngleich er diese in der Mehrzahl durch seine überlegene Technik und schon wissenschaftliche Spielweise matt zu setzen pflegte. Kaiman Konrad wurde mit Recht als der bekannteste europäische Fußballspieler bezeichnet, sein witziges Spiel, aber auch seine kämpferischen Eigenschaften, die sich besonders dann hervortaten, wenn ein Spiel schlecht stand, schufen ihm einen Anhängerkreis, der sich auch heute noch, da er schon viele Jahre nicht mehr aktiv tätig ist, seiner mit Freude und wehmütiger Sentimentalität erinnert.