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Die Wahrheit · 1937-01-29 · Heft 4 (29.1.1937) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 4 (29.1.1937)
Date
1937-01-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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B1E WAHRHEIT Nr. 4 — 29. Jänner 1937" Seite 3 $)as (ßeste vom Guten zu Sessadi Udimidt- JUazzoth „Schxnidl-Uazzoth." sind eine wunderbare Delikatesse von besonderem Wohlgeschmack. „Sohniidl-Mazzoth" werden aas nur alleifeinstem Weizenmehl erzeugt. „Bohmldl Mazzoth." werden in peinlichst sauberen modernsten Fabriksräumen erzeugt „Sohmidl-Mazzoth" sind verläßlich streng koscher. Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babad Sdiinidl Jlatnam förodetztzy niombie/ten ^cntrafc: l^ien. 2. Sezirfe, Xeovofds&asse *3 Särtren Telephone: A 46-1-90, A 48-4-48, A 60-2-63 Die fcfkmidl-Jllaxxottk und das Fabrikat Marfie Stfitnidt JH. ». {Mazzoth, Grieß und Farwel) sind außerdem erhältlich in allen besseren Geschäften. Die Gefahren der jüdischnationalen Propaganda. Eine bemerkenswerte ungarisch-jüdische Stimme. In der bekannten ungarisch-jüdischen Zeitschrift „Egyenlöseg" veröffentlicht das ungarische OberhausmitgHed Dr. Leo v. Buday- Göldberger einen Appell an das ungarische Judentum, den Versuchungen der jüdischnationalen Agitation zu widerstehen und mit der ganzen Kraft seiner Seele der Zugehörigkeit zur ungarischen Nation treu zu bleiben. Er verurteilt in 'scharten Worten das Vorgehen der jüdischnationalen Gruppe in Ungarn, die in der jüngsten Versammlung der Pester Religionsgemeinde den Versuch unternommen hat, die Einheit dieser großen Körperschaft zu sprengen, indem sie die Religionsgemeinden, die bisher dem ungarischen Staatsgedanken treu anhingen, zu jüdischen Volksgemeinden und dadurch diese Gemeinden zu politischen Körperschalten umzugestalten wünscht Gegen diesen Plan, fährt Dr. Leo Buday- Goldberger fort, gegen diese Agitation, gegen diese Wühlarbeit will ich den schärfsten Widerstand anmelden. Die Jüdischnationalen drohen die ungarische Judenheit in eine tödliche Gefahr zu verstricken, unsere Rechte zu gefährden, unsere bürgerliche Sicherheit zu untergraben. Ich finde nicht Worte scharf und energisch genug, um solches Streben zu brandmarken. Aus dem Ungartum jüdischen Glaubens will die jüdischnationale Propaganda irgendeine in der Luft schwebende Minderheit von Juden gestalten, die nicht in Religionsgemeinden ihr Glaubensbekenntnis hegen, sondern in sogenannten Volksgemeinden Politik treiben möchten. Ich werfe die Frage auf: Darf das sein? Ist das überhaupt möglich? Ist es nicht Pflicht eines jeden einzelnen ungarischen Patrioten jüdischen Glaubens, zusammen mit mir schärfsten Protest zu erheben gegen diese böswillige und schädliche Agitation? Die Nationialjuden möchten glauben machen, daß im Auslande jeder hervorragende Glaubensgenosse sich als jüdischnationaler Zionist bekenne. Das ist nicht wahr! In England sind die Montefiores und die Readings nicht jüdischnationale Zionisten, in Frankreich sind die Reinachs und Dreyfus nicht jüdischnationale Zionisten. In Amerika sind die Lehmann und die »■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■anaus Cafe Pension Ecb§!cin Semmering Adler nicht jüdischnationale Zionisten. Wenn wir im Interesse* des ungarisch'e^i^-Vat'öflartdes mehr als einmal uns an unsere ausländischen Glaubensgenossen mit der Bitte wandten, Ungarn oder den ungarischen Minderheiten in den abgetrennten Gebietsteilen beizustehen, so waren wir wahrlich durch keinerlei sogenannte jüdischnationale oder jüdisch-völkische Bande miteinander verbunden, und als Graf Stefan Bethlen als Ministerpräsident dem Führer der englischen .luden, Luden W o 1 f, den Dank dafür aussprach,' daß er mit seinem großen Einfluß im Völkerbuntle im Interesse der ungarischen Minderheit sein Wort erhob, da konnten wir mit Recht darauf hinweisen, daß Luden Wolf ein ebenso entschlossener Gegner des politischen Zionismus ist wie wir selber. Dazu, daß jemand die palästinensischen Auswanderer unterstützt, daß er im Interesse der verfolgten ausländischen Juden sein Mitgefühl dokumentiert, dazu, daß man iür *den Wiederaufbau des Heiligen Landes Opfer bringe, dazu braucht man kein jüdischnationaler Zionist zu sein. Als Mitglied des ungarischen öffentlichen Lebens, als treuer Sohn meiner ungarischen Nation und meiner jüdischen Glaubensgemeinschaft weise ich gleichmäßig die jüdischnationalen Tendenzen zurück. „Der politische Zionismus ist nur dazu gut. die Judenheit dem Messer des Antisemitismus auszuliefern," schrieb an dieser Stelle vor - drei Jahrzehnten mit prophetischer Sehergabe Josef V e s z i. und man erinnere sich, daß in den . Motiven der Nürnberger judenfeindliohen Gesetze in der Tat zu lesen war. die Judenheit müsse aus. dem deutschen Volkskörper ausgeschlossen werden, schon weil auch die jüdischnationale Tendenz die Juden als besondere Nation, als besonderes Volk hinstellen will. Auf Grund aller dieser Motive empfinde ich die Notwendigkeit, mein Wort zu erheben und meine ungarischen Glaubensgenossen vor dieser Gefahr zu warnen. Im Kreise unserer Hochschuljugend, deren Fürsorge ich als meine Lebensaufgabe betrachte, lasse ich die jüdischnationalen Ideen nicht Wurzel fassen. Es wäre mein Wunsch, daß alle meine ungarischen Brüder und Glaubensgenossen, jeder an seinem Platze, diesem Beispiel nacheifern möge. Idiotisch. „A f f a r i E s t e r i" ist ein bedeutendes italienisches Blatt. Es hat die besten Beziehungen zum römischen Außenministerium. Und Professor Italo T o v a 1 a 11 o ist einer der bedeutendsten Publizisten, die in diesem Blatte schreiben. Nebenbei ist er ein guter Kenner Deutschlands und jüdischer Fragen. Darum ist es vielleicht von Interesse, seine Meinung über die „Protokolle deT Weisen von Z i o n" wiederzugeben. Prof. Tovalatto schreibt im „Affari Esteri": „Es erscheint fast unwahrscheinlich, daß in der heutigen Zeit des kulturellen Fortschrittes eine öffentliche Debatte über ein vertrottelt geheimnisvolles und komisch argumentierendes Pamphlet möglich war. Der Inhalt der .Protokolle der Weisen von Zion' ist zu idiotisch, sogar für Gehirne kranker Phantasten, aber verschiedene Herren, wie Feder, Rosenberg und andere, nehmen dieses .Machwerk ernst und' betreiben mit dessen Hilfe antisemitische Propa- ' ganda in Deutschland." Mit beißender Ironie bespricht dann der italienische Publizist die widersinnigen Thesen der „Protokolle", erzählt über die Entstehung des Falsifikats, berichtet über den Berner Prozeß und kommt zum folgenden Schluß: „Das moralische Prestige, das die .Protokollenoch in manchen Kreisen genossen, ist weg und kann nicht mehr wiederhergestellt werden. Nach dem Berner Urteil hat dieses dumme Pamphlet auch als Mittel der Hetzpropaganda seine Bedeutung für immer verloren." dende Kunst entscheidend beeinflußt. Den politischen Zielen jener Zeit getreu, strebte die bildende Kunst nach Wahrheit und Klarheit. Die Kunst des objektiven Ausdruckes, der Impressionismus, beherrschte bald das Feld. Die deutsche Malerei blieb zunächst von dieser Kunstrichtung unberührt. Dem großen Deutschen vom Stamme Jakob. Max Liebermann, blieb es vorbehalten, diese wahre Kunst in seinem Vaterlande zum Ausdruck zu bringen, für sie zu kämpfen, zu leiden und zu siegen. Zunächst wurde Liebermann vorgeworfen, er sei der Maler des Häßlichen. Um diesen Vorwurf zu verstehen, muß man sich vergegenwärtigen, wie in Deutschland in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts gemalt wurde: süße Genrebildchen und Anekdoten, Illustrationen zur Geschichte. Die Landschaftsbilder gaben meist nur Veduten- oder einen Bericht von fremden Ländern und Menschen. Um ihrer selbst willen märte niemand die Natur. In diesem Rahmen erschien Liebennann mit seinen „Gänserupferinnen". Von der Geistigkeit wurde er jedoch„bald,_ erkannt. Lehbach, Kaulbach, Zügel und viele andere stritten mit und für ihn. Bald war es Liebermann auch gelungen, den einfachen Mann zu überzeugen, daß nicht das Geputzte und Geschminkte, sondern das Einfache und Natürliche schön sei. „Nicht das sogenannte Malerische, sondern, die Natur malerisch aufzufassen ist's, was ich suche," sagte Liebermann, „die Natur in ihrer Einfachheit und Größe ohne Atelier und Theaterkram und Hadern — das Einfuchste und das — Schwerste." Nach einer Reihe von Lehr- und Wanderjalnen, die Liebermann von Berlin, über Weimar. Paris, Holland. Tirol. Venedig, München, nach Berlin führten, begann sein unaufhaltsamer Aufstieg. Und in dem Moment, in welchem Herr Goebbels Liebermann die Ausübung des Berufes in Deutschland verbot, sein Wiederaufstieg. Denn dort, wo Goethe des Mordes bezichtigt werden konnte, hat Liebermanns Geist nichts zu suchen. Die Offenbarung der Natur und des menschlichen Alltags erleben wir in Liebermanns Landschafts- und Arbeitsbildern. „Bauern beim Flachsbrechen" (2. dies die Ausstellungsnummer in der Neuen Galerie), „Studie zur Flachsscheuer" (13), „Studie zu den Netzflickerinnen" (16), „Nähende Mädchen in Huyzen" (23), „Dorfstraße in Katwijk" (29). „Große Seestraße in Wannsee" (47), . „Gemüseauktion in Delft" (41), „Terrasse im Garten des Künstlers" (.51), und viele andere Gemälde bestätigen unsere obige Auffassung. Man beachte „Mutter und Kind" (6) sowie „Frau mit Säugling" (26). Die Zärtlichkeit, mit welcher die Mutter ihr Kind hält (linke Hand) und der Blick der Frau auf ihren Säugling wirken rührend. Gemälde mit jüdischen Motiven: „Synagoge in Amsterdam" (3), „Die Judengasse in Amsterdam" (37); Handzeichnung mit jüdischen Motiven: „Judetigasse" (66). Von den Bildnissen nennen wir: „Bildnis des Bruders" (1), Bildnis der Eltern des Künstlers" (28), „Selbstbildnis" (21). ..Bildnis üeheimrat Sauerbruch" (54), „Porträt Gerhart Hauptmann" (57). Eine ganze Reihe weiterer Oelgemälde und Handzeichnungen, in Kreide.. Kohle und Blei schmücken die äußerst gelungene Ausstellung. Ueber sein Verhältnis zum Judentum lassen wir Liebermann selbst sprechen. In seinem Lebenslauf schreibt IS66 Liebennann: „Ich. Max Liebermann, bin den 20. Juli 1847 zu Berlin geboren. Mein Vater. Louis Liebennann. erzog mich,, treu dem Glauben der Väter, in der jüdischen Religion." Und im reifen Alter: „Mit Professor Einstein habe ich oft über die Judentrage gesprochen. Mein ganzes Leben lang habe ich immer zuerst gefragt: Was bist du für ein Mensch? Niemals aber: Bist du Jude. Christ oder Heide? Ich bin als Jude geboren und werde als Jude sterbe n." Am 8. Februar 1935 wurde das Irdische an Max Liebermann am Berliner israelitischen Fried-' hoi zur ewigen Ruhe gebettet. Sein großer Geist, erhalten in seinem Werk, steht jedem Menschen, welcher Konfession er auch angehört, offen. —n.

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