Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 3 (22.1.1937)
- Date
- 1937-01-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 3 — 22. Jänner 1937 Seit« 5 JOSEF LEITMANN VORM.PAUL PLANER A.C., WIEN II..PRATERSTR.17, Tel. R47-5-10 Elektromaterial / Radio-Apparate / Beleuchtungskörper / Dauerbrandöfen / Gas-Apparate / Sprechmaschinen Elektro-Kosmetik / Elektro-Apparate / Glühbirnen in allen Stärken stets lagernd Befugte Radio-Reparaturwerkstätte ♦ Günstige Tauschgelegenheiten ♦ Bequemes Teilzahlungssystem Thomas Mann über Judentum und Antisemitismus. Der berühmte deutsche Schriftsteller und Nobelpreisträger Thomas Mann, der bekanntlich N i c h t j u d e ist, empfing anläßlich seines letzten Wiener Vortrages einen Mitarbeiter unser res Blattes, dem er erklärte, gerne zu jüdischen Lesern zu sprechen, da ihm das Schicksal der deutschen Juden nahegehe und ihn schmerzlich berühre. In seinem Interview äußerte sich Thomas Mann wie folgt: „Gewiß," meinte der Dichter, „habe ich auch einige Juden zu meinen Feinden, die, vielleicht schärfer als meine anderen Gegner, mich bekämpfen. Aber was will das besagen? Verdanke ich doch, besonders in den Anfängen, gerade den jüdischen Menschen die Erkenntnis und somit auch die Förderung meiner Werke. Antisemitismus ist wohl die dümmste Haltung, die ein aufgeweckter Mensch einnehmen kann. Antisemitismus ist die Schande jedes Gebildeten und kulturell Eingestellten. Es läßt sich doch nicht die Tatsache hinwegleugnen und aus der Welt schaffen, daß das Judentum, zu dem später das Griechentum hinzukam, die geistige Grundlage der abendländischen Gesittung darstellt. Was ist das Christentum denn anderes als eine geistige Frucht des Judentums?! Das Judentum in seiner religiösen Größe ist gesittungsgemäß die kulturelle Grundlage des Seins; denn es ist von seinen Anfängen an positiv. Daß gerade mir als Schriftsteller das Judentum äußerst sympathisch ist, wird jeder begreifen müssen; denn durch die religiöse Grundlage des Judentums ist den Juden difr tiefe Sympathie und Hingezogenheit zu allem Geistigen gegeben. Die Haltung der Juden zum Schrifttum muß für jeden schreibenden Menschen etwas Bestechendes haben. Ich möchte in diesem Zusammenhang sagen, daß eine gleiche Liebe zur Dichtung nur bei den Franzosen zu finden ist, denen diese Kunst fast als eine Nationalkunst gilt." IDer Union~Fr£kiieiiL~Kliil» arrangiert jeden Donnerstag ab 4 Uhr nachmittags k ein k Bridge-Cercle im Klubsaal, m I„ Schottenring 25. Gäste willkommen! i Brief aus der Türkei. Istanbul, den 26. Dezember 1936. Ich darf Sie bitten, so freundlich zu sein und die iolsenden Zeilen gefälligst erscheinen zu lassen. Mit Nr. 386 vom 13. Oktober 1936, die mir erst "heute durch Zufall in die Hand kam, erlaubte sich „Die Stimme", das Organ der Wiener Zionisten, die Türkei und die türkischen Juden anzugreifen und falsche Behauptungen aufzustellen, welche mit einem seriösen Blatt unvereinbar sind. Da ich zufällig ein genauer Kenner der Verhältnisse in Palästina bin, sowie der Einzelheiten, die dazu geiührt haben und die bis in den Vorkriegszeiten hineinreichen, muß ich, gleichzeitig auch als türkischer Jude, ..Die Stimme" ersuchen, die Türkei und den türkischen Juden mit ihrem Mißbrauch zu verschonen. Wenn die Führer der türkischen Juden den Minderheitenschutz des Völkerbundes, welcher im Gegensatz zu seinem Titel funktioniert, abgelehnt haben, so haben Sie das getan, weil Sie besser wußten als „Die Stimme", wo unsere eigentlichen und richtigsten Interessen und Pflichten liegen. Als ob die Juden in Palästina mit einem Liebesbrief Lord Balfours, Mandatsbestimmungen, Völkerbund, Polizei und Militär und die Juden anderer Länder, durch den Zionismus, besser geschützt sind, als wir in der Türkei ohnedem es tatsächlich sind. Gerade die türkischen Minoritäten (also Juden, Armenier und Griechen) sind es, die von einem „europäischen Schutz" eines Besseren belehrt worden sind. Wenn schon „Die Stimme" dabei ist, von einer türkischen Gesetzesmaschine zu sprechen, die ja nur erdichtet ist, so muß ich hier die Tatsache der ungeheuer großen Gesetzesmaschine Palästinas, die mustergültige gesetzlose Gesetze druckt, um das Publikum verrückt zu machten, hervorheben. Weder Richter noch Rechtsanwälte finden sich zurecht. Vieles hängt auch von der Witterung, Stimmung und Laune ab, Englische, ottomanische und Palästina-Gesetze, sofern die letzteren es tatsächlich sind, kreuzen sich mit den unendlichen polizeilichen gesetzlosen oder willkürlichen Gesetzen, was schließlich zu einem gewaltigen Chaos fiih t und ins Irrenhaus. Um so mehr muß mit ganz besonderem Nachdruck betont werden, daß die türkischen Juden einer ordentlichen, zivilisierten, modernen und gerechten Verwaltung sich erfreuen. Handel und Wandel sind für die Juden vollkommen frei. Unsere Gebethäuser werden mit Steinen nicht beworfen und unsere Feiertage nicht gestört, was in Palästina gerade von Juden mit besonderer Vorliebe durchgeführt wird. Wir werden weder demoralisiert, entrechtet, unterdrückt, geschwächt oder gar in bestialischer Weise oder überhaupt des Landes verwiesen, was in Palästina zur alltäglichen Politik gehört. Keinem Polizeiofiizier, Schutzmann oder Staatsbeamten wird es je einfallen^einerrr Juden oder überhaupt dein Publikum ein Haar zu krümmen. Die Türkei ist kein Polizeistaat und irgend welche Vorwürfe, die den Türken gemacht werden, können die Betreffenden für sich selber in Anspruch nehmen. Wir brauchen falsche Denunziationen oder Verleumdungen und „administrative" Massendeportationen nicht zu fürchten. Wir können uns überall, auch in den entlegensten Provinzen, frei, sicher und zu jeder Zeit bewegen. Wir erfreuen uns einer würdigen und gewissenhaften Verwaltung und werden als würdige Menschen, nicht etwa als Sklaven oder „nattves" betrachtet und behandelt. Der Verkehr mit den Behörden ist der denkbar aufrichtigste und angenehmste. Der Türke und der türkische Staatsbeamte sind, entgegen dem jüdischen und englischen Beamtenstab, gewissenhaft, höflich, angenehm und zuvorkommend. Kein Jude Wird hier schmachten, hungern oder unter freiem Himmel schlafen müssen, wie es leider in Palästina der Fall ist. Die Gerichte sind hier vollkommen unabhängig. Staatsbeamte werden, im Gegensatz zu Palästina, ebenso abgerichtet wie jeder einfachste Mann. Der Richter richtet nach Gesetz und nicht nach Willkür. Für uns Juüen silt noch immer der alte, bewährteste Grundsatz: Bekenntnis zum Staate, in welchem wir geboren sind und Erfüllung unserer Pflichten gegenüber demselben, sind noch die einzigen und noch immer besseren Fundamente als der Zionismus. Zum Schluß muß ich noch mit Nachdruck betonen, daß ich als Neutraler, der ich 'immer war, spreche. Ich habe ich nie von Politik gelebt und mich nie damit beschäftigt. Mit vorzüglicher Hochachtung J. SI i m o v i c. Jüdischen Exporteuren gibt Deutschland keine Devisenbewilligung. Wie dem Wiener Ita-Vertreter von informierter Seite mitgeteilt wird, mehren sich in letzter Zeit Fälle, wo große Exportgeschäfte von Oesterreich nach Deutschland deswegen storniert werden müssen, weil die deutsche Devisenbehörde an österreichische Exporteure, die Juden sind, keine Devisenbewilligung erteilt. lüD feine schmackhafte Vegetarische Küche _ , Fisch-Spezialitaten, gute Hansbäclcereien, Telephon reichhaltige Menüs ». S 1.— aufwärts, bei Ver- A Ii « Wendung feinster Zutaten A 43-8-42 Scllöne Arrangements f. Sudes u. Bar Mizwahs GRETE STERN, II., Herminengasse 10 Abschluß der VernehmuBgen der Königlichen Kommission. Die Araber vor der Kommission. Anläßlich der Vernehmung des Sekretärs des Obersten Arabischen Ausschusses, Adv. Auni B e y Abdul H a d i. sprach dieser die „k a t egorische Forderung der Araber" aus, daß alle Juden in Palästina, die noch nicht Bürger des Landes geworden sind, des Landes verwiesen werden. Jamal e l Hussein i, der Präsident der Palästinensisch-Arabischen Partei (sog. Mufti- Partei), erklärte als Zeuge vor der Königlichen Kommission, daß die Araber das Palästinamandat als illegal betrachten. Er widersprach sich selbst, als er gleich darauf behauptete, die Paläsltinaregierung fül'.re das Mandat nicht gerecht durch. Weiter behauptete er. die Fellachen würden durch üebersteuerung zu Grunde gerichtet. Auch tue die Palästinnregierung nichts, um die Entwicklung von Selbstverwaltungseinrichtungen zu fördern. Lord Peel machte den Zeugen darauf aufmerksam, daß die Araber die Teilnahme an einer geplanten gesetzgebenden Versammlung immer wieder verweigert hätten. Jamal Husseini antwortete, das sei geschehen, weil man ihnen nicht die gleichen Rechte zubilligen wollte, wie den Arabern im Irak und in Syrien. Der Zeuge befaßte sich weiter mit der jüdischen Einwanderung und behauptete, daß durch die Juden das „sittliche Niveau Palästinas henabgedrückt" werde. Zum Schluß kündete er an, daß die Araber sich aktiv gegen das Mandat wenden würden. Kgl. Kommission verläßt Palästina am 24. Jänner. Die Kgl. Kommission hat die Vernehmungen in ihrer Sitzung am Montag, den 18. Januar abgeschlossen. Die Rückreise der Mitglieder .der Kommission erfolgt am Sonntag, den 24. Januar, über Aegypten. Ein neues englisches Weißbuch Aber Palästina im Äpsril? Der Londoner „Daily Telegraph" will erfahren haben, daß der Bericht der Königlichen Kommission im April vorliegen wird. Gleichzeitig werde die englische Regierung ein Statement or Policy über das Palästinatnandat veröffentlichen. Damit würden alle Vorbereitungen für die im Juni stattfindende Tagung der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes getroffen sein, bei der von dem Vertreter der Britischen Mandatarmach fc die schon bei der vorletzten Tagung der Kommission verlangten Auskünfte über die Ursachen der Palästinaunr u h e n geben soll. Inzwischen werden die vor der Kommission abgelegten Zeugenaussagen sofort nach dem Eintreffen des offiziellen Protokolls in London in Druck gegeben. Jubiläum eines Wiener jüdischen Forschers. Der Entdecker der Röntgentherapie, die bahnbrechend die ganze moderne Medizin beeinflußt hat, Prof. Leopold Freund, feierte jüngst das 40jährige Jubiläum des Tages, an dem er zum erstenmal in der Wiener AerztegeseHschaft von der therapeutischen Wirkung der Röntgenstrahlen Bericht erstattete. Anläßlich des Jubiläums wurde Professor Freund bei einer Festsitzung der Wiener AerztegeseHschaft in besonderer Weise geehrt. Der Vorsitzende der Gesellschaft, Prof. Hofrat Eiseisberg, beglückwünschte in seiner Rede Prof. Freund nicht allein im Namen der Wiener Aerzte, sondern auch in dem der gesamten medizinischen Welt und der vielen Millionen Patienten, die durch die Groß-, tat des jüdischen Gelehrten Heilung gefunden haben.