Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1937-01-22 · Heft 3 (22.1.1937) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 3 (22.1.1937)
Date
1937-01-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3064663-3064666--21002-3086310
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 3 — 22. Jänner 1937 ___________________________ ______DiE WAHRHEIT J3ereza Menschen zu verschicken, die als Offiziere das Land verteidigt haben. Das ist kein ernstes LArgument: wir müßten sonst aus den Gefängnissen die Häftlinge befreien, die einmal an der Front gekämpft haben. Sich an den Deputierten Budzinsky wendend, der bekanntlich in einer der letzten Sitzungen das Andenken der gefallenen jüdischen Soldaten geschmäht hatte, erklärte der Ministerpräsident: Ihr habt, nach dem Tode des Marschalls Pilsudski dem Marschall Rydz-Smigly zugejubelt, als er sagte: i,Die Politik werde ich führen!" Ist das noch verpflichtend für Euch oder nicht? Wenn ja, warum die Unruhe? Ihr sagt, Polen sei krank. Ich aber Sage Euch als Kollege und als Arzt: Ihr seid krank, fhr habt schwache Nerven, kuriert Euch! Polen aber ist gesund und geht einer lichten Zukunft entgegen." Bombenanschlag auf den Wilnaer Tog. In W.ilna explodierte am Montag, den 18. Januar, im Keller des Hauses, in dem sich die Redaktion und Druckerei des Wilnaer Tog befinden, eine Höllenmaschine. Das Redaktionslokal und die Druckerei wurden zerstört. Da in den frühen Morgenstunden in der Redaktion niemand anwesend war, liat die Explosion, die das Haus zu einem großen Teil zerstört hat, keine Menschenleben gefordert. Es ist dies der dritte Bombenanschlag, der in den letzten Monaten gegen jüdische Unternehmen verübt wurde. Aus dem Wiener Kultusvorstand. In der am 19. d. M. stattgehabten Plenarsitzung des Wiener Kultusvorstandes folgende Obmänner, bzw. Obmannstellventreter der Kommissionen gewählt Obmann Komm.-Rat Siegmund Fei Kultuskommission: Dr. Rosenberg, Stellvertreter: a n n (Union). * Schulkoinmission: Obmann: Dr. Klaber, Stellvertreter: Börserat Heinrich Popper (Union). Friedhofskommission: Obmann: Dr. Ernst Feldsberg (Union), Stellvertreter: Dr. Plaschkes. Spitalskommission: Obmann: Dr. Körner, Stellvertreter: Dr. Leonhard M a i e r (Union). - Kommission für das Altersheim: Obmann: Dr. Leonhard Maier (Union), Stellvertreter: Dr. J. H. Körner. Fürsorgekommission: Obmann: Dr. Landau, Stellvertreter: Geza K 1 i n g e r (Union). Finanzkommission: Obmann: Präsident Dr. Desider Friedmann, Stellvertreter: Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim (Unioni). Baukomitee: Obmann: Baurat Ing. Wilhelm Kempler (Union), Stellvertreter: Baurat Dr. Karplus. Statutenkommission: Obmann: Dr. Grünbaum, Stellvertreter: Doktor Maximilian Stiglitz (Union). Statistische Kommission: Obmann: Baurat Dr. Karplus, Stellvertreter: Dr. Maximilian Stiglitz (Union). Jödisdie Emigranten m die französlsdien Kolonien. Der französische Minister für die Kolonien Marius M o u t e t empfing einige Vertreter der Presse, unter ihnen den Korrespondenten der Jüdischen Telegraphen-Agentur, um ihnen eine Erklärung über bestellende Möglichkeiten der Einwanderung und Seßhaftmachung von Juden in französischen Kolonien abzugeben. Minister Moutet erklärte unter anderem: Ich möchte vorausschicken, daß man sich, was Massenansiedlungspläne in unseren Uebersee- Territorien betrifft, keinen übertriebeinen Illusionen hingeben soll. Zeugt ja auch schon das Palästinawerk davon, daß für Massenansiedlungen beträchtliche finanzielle Mittel erforderlich sind. Anderseits muß man in Betracht ziehen, daß es heute bereits an geeigneten Siedlungsterritorien mit einem dem Europäer zuträglichen Klima mangelt. Eine Massenkolonisation planen hieße, die Entstehung politischer Schwierigkeiten riskieren; leider bietet auch hierin Palästina ein Beispiel. Unter solchen Vorbehalten, fuhr der Minister fort, bin ich des Glaubens, daß eine Anstrengung mit Nutzen versucht werden kann. Die französische Regierung ist geneigt, Menschen, die guten Willens sind, zu einer Ansiedlung in ihren Kolonien zu verhelfen. Uebrigens — ich kann es Ihnen mitteilen — haben Untersuchungen bereits begonnen, mir liegen Berichte der Chefs der Kolonien hierüber vor. Eine Reihe dieser Chefs, zum Beispiel der Gouverneur von Madagaskar, stellt dem Projekt durchaus wohlwollend gegenüber. Außer den hochgelegenen Gebieten von Madagaskar kämen für eine Ansiedlung von Juden noch Gebiete in Neu-Kaledonien, auf den Neu-Hebriden, ja sogar in Guyana in Betracht, dessen Klima keineswegs so schlecht ist, wie man allgemein glaubt. Ich persönlich würde sehr glücklich sein, wenn ich einerseits zu diesem Kolonisationswerk Nutzbringendes beitragen und andererseits so vielen Menschen helfen könnte, die in ein unverdientes Elend geraten sind. Meine Sympathie gilt den Opfern politischer oder religiöser Leidenschaften und der Rassenvorurteile. Auf Befragen der Journalisten erklärte Minister Moutet, die französischen Behörden werden sich auf individuelle Kolonisation nicht einlassen. Vorbedingung müsse die Konstituierung eines mächtigen Organismus sein, der über finanzielle Mittel verfügt und auch sonstige Garantien für die Solidität seines Unernehmens bietet. Angemessene finanzielle Mittel, vorangehende Erforschung des in Betracht kommenden Territoriums und sorgfältige Auswahl der Kolonisten — damit eine Rückwanderung ungeeigneter Elemente vermieden wird —, das sind die Bedingungen für eine erfolgreiche Arbeit. Eine finanzielle Beihilfe könnte schließlich auch von der französischen Regierung ins Auge gefaßt werden, dies aber nur dann, wenn die Regierung die Siehe rh eit hat, daß das Unternehmen einen Erfolg bringen wird. Die besten Eisea UsrstebI SelAvaree 3 mal täglich frisch bei 1A6EL, HIU H., FiHtrsffile 33 Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aafw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. 2)ie JtitqUedec der Bezirksorganisation III der „Union österreichischer Juden" treffen sich jeden Dienstag, ab 20 Uhr im Klubzimmer des Cafe Ilion), III., Löwen; Aussprach« rsse 39,; Fragen. Südafrikanische Regierung gegen judenfeindliche Tendenzen bei der Neuregelung der Einwanderung. Judenfeindlichkeit „abstoßend" für das südafrikanische Volk. Das südafrikanische Parlament hat den Gesetzentwurf der Regierung, durch den die Einwanderungsbestimmungen' neu gefaßt werden sollen, in zweiter Lesung angenommen. Die Forderung des Führers der antisemitischen Nationalisten, Dr. Mal an, daß seine im besonderen gegen jüdische Einwanderung und die Gleichberechtigung der Juden in Südafrika gerichteten Anträge gleichzeitig mit der Neuregelung der Einwanderung erledigt werden sollen, blieb unberücksichtigt. Die judenfeindlichen Tendenzen der Malanschen Anträge wurden anläßlich der Begründung des Gesetzesvorschlages der Regierung von dem Justizminister und früheren Ministerpräsidenten General Smuts aufs schärfste zurück g/e wiesen. General Smuts trat der Auffassung entgegen, als ob auch der Entwurf der Regierung gegen die Juden gerichtet sei. Die Neuregelung der Einwanderung ziele keineswegs darauf ab, jüdische Einwanderer vom Lande fernzuhalten. Vielmehr sei auch weiterhin in Südafrika iedermann willkommen, der den Erfordernissen der Einwanderungsvorschriften genüge. Der Minister erklärte weiter, volles Verständnis und Mitgefühl für die bedrängten Juden zu haben und volle Sympathie für die Bestrebungen zur Lösung der Judenfrage zu besitzen. In diesem Zusammenhang hob der Minister die hervorragenden Leistungen der Juden im nationalen Leben Südafrikas und die Beiträge hervor, mit denen sie die kulturelle Entwicklung des Landes gefördert hätten. Der Minister fügte hinzu, die vom Rassegesichtspunkte ausgehenden Anträge des Abgeordneten Malan würden von dem Volke Südafrikas als abstoßend empfunden. David Frankfurter lebensgefahrlich erkrankt. Urteil definitiv in Kraft. David Frankfurter ist lejjensgefährlich erkrankt und mußte ins Inquisitenspital überführt werden. Das auf 18 Jshre Zuchthaus lautende Urteil des Gerichts in Chur ist nun rechtskräftig geworden. Die Frist von fünf Tagen seit der schriftlichen Urteilsausfertigung, während der der Verteidigung das Recht zusteht, Kassationsbeschwerde einzulegen, ist nicht ausgenutzt worden, weil im Kanton Graubünden Revision, gestützt auf sachliche Gründe, nicht zulässig ist, sondern nur formelle Rechtsverstöße seitens des Gerichtes geltend gemacht werden können. Die Verteidigung hat die Erfolgsmöglichkeiten zu tief eingeschätzt, um damit das Los des Verurteilten verbessern zu können, und hat auf die Ueberreichung einer Kassationsbeschwerde verzichtet. Das Buch, das jeder Jude kennen sollt Illusion judenstaat Palästina! Ein notwendiges Buch von ELI RUBIN (Sozius) S 2.50 S 2.50 Zu beziehen durch alle Bachhandlangen oder dnrdi die „Voiksschriffen", Wien XIII., Leegasse 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.