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Die Wahrheit · 1937-01-15 · Heft 2 (15.1.1937) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 2 (15.1.1937)
Date
1937-01-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 2 — 15. Jänner 1937 Seite JOSEF LEHMANN VORM.PAUL PLANER A.C.. WIEN 1I.,PRATERSTR.17, Tel. R47-5-10 Elektromaterial / Radio-Apparate / Beleuchtungskörper / Dauerbrandöfen / Gas-Apparate / Sprechmaschinen Elektro-Kosmetik / Elektro-Apparate Befugte Radio-Reparaturwerkstätte ♦ Günstige Tauschgelegenheiten ♦ Bequemes Teilzahlungssystem polnische Arbeiter durch wilde Streiks die Fabriksleitung zur Entlassung jüdischer Arbeiter und Angestellter zu zwingen. Die Anzahl der Juden in öffentlichen Diensten ist nicht erfaßt. Im Postdienst und im Bergbau gibt es keine Juden mehr und nur sehr wenige im Eisenbahndienst. Die Situation bei den städtischen Verwaltungen ist sehr kennzeichnend: ein Drittel der Bevölkerung Warschaus sind Juden. In der städtischen Verwaltung sind 20.000 Angestellte darunter 50 Juden. In Lodz bilden die Juden A6 Prozent der Bevölkerung — aber nur 4 Prozent der öffentlichen Angestellten. 20.000 Familien brotlos. In Polen trat am ersten Jänner das Gesetz in Kraft, das im Namen des Ideals eines „humanen" Schlachtens der Tiere das jüdische ritueHe Schlachten bedeutend einschränkt. Es werden Kontingente für Tiere, die auf die „barbarische Art" der Juden geschlachtet werden dürfen, und Konzessionen für den Vertrieb von koscherem Fleisch eingeführt. Die Höhe der Zahl der „unglücklichen Tiere", die vom jüdischen Schocheth geschlachtet werden, wird jeweils von der numerischen Stärke der jüdischen Bevölkerung im Orte abhängig gemacht. So wird eine Situation herbeigeführt, in der in manchen Orten ein Kilo koscheres Fleisch pro Familie pro Monat entfallen wird. Rund 20.000 jüdische Familien werden durch diese Maßnahme brotlos. Sejm und Senat, die öffentliche Meinung und eine „geistige Oberschicht" haben das vorgegaukelte Ideal der Tierliebe begeistert aufgenommen. Und da eine Frau an der Spitze dieser Bewegung steht, erhielt diese Ideologie eine besondere feinfühlende Note. Im Namen der Liebe zum Tier werden Zehntausende zarter Kinder, schwacher Väter, hungernde Mütter, gebrochene Greise und verwahrloste Kranke auf die Straße geworfen. Denn das ist das Ziel und die wirkliche Absicht dieser „progressiven" Maßnahmen — die Verdrängung der Juden aus den letzten Poren, der Wirtschaft. Auch aus dem Viehhandel und vom Fleischmarkt. Getroffen werden, wie immer, früher die — kleinen und kleinsten Fleischer, Viehhändler, die in direkter Berührung mit dem Bauern stehen, das Personal der jüdischen Schlachthäuser. Die deklassierten 20.000 Familien können in keinem Zweige der Wirtschaft sofort unterkommen, Sie sind der größten Not preisgegeben. Es ist ein Zeichen der Dekadenz, wenn sich die Liebe zum Nächsten in Polen nicht dem nächsten Menschen, sondern der nächsten Kuh und dem nächsten Ochsen zuwendet. Der Union«Frauen-Klub arrangiert jeden Donnerstag ab 4 Uhr nachmittags i Bridge-Cercle im Klubsaal, I., Schottenring 25. Gäste willkommen! i Wie eine „Assimilanten"- Gemeinde arbeitet Generalversammlung der Pester Israelitischen Kultnsgemelnde. Die Repräsentanz der Pester Isr. Religionsgemeinde hielt ani 11. d. M. unter dem" Vorsitz ihres verdienstvollen Präsidenten Hofrats Samuel Stern ihre ordentliche Jahresversammlung ab. In seiner Eröffnungsrede gedachte der Präsident der Toten des ungarischen öffentlichen Lebens, des Feldmarschalls Erzherzog Friedrich, des Ministerpräsidenten Gömbös, des ref. Bischofs Dr. Baltazär, des Oberbürgermeisters Dr. Sipöcz, sowie des Vizebürgermeisters Liber und widmete hierauf den Toten der Gemeinde- und der Glaubensgemeinschaft Worte der Pietät. Hierauf gratulierte er den Olympiasiegern Georg B r 6 d y, Andreas Kabos und Karl K ä r p ä t i. Präsident Stern gab sodann einen Ueberblick über die Arbeit der Gemeinde und ihre Finanzgebarung. Der Budgetvoranschlag für 1937 sieht eine Summe von 4,3 Millionen Pengö vor. Die Gemeinde ist gewillt, ungeachtet der schweren Verhältnisse ihre Institution nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern sogar weiterzuentwickeln. Als neue kulturelle und soziale Faktoren wurden die pädagogische Beratungsstelle und — zusammen mit dem Patronageverein — der soziale Lehrkurs ins Leben gerufen. Ferner neue Spitalsbauten und die Errichtung eines Tempels in der Josefstadt geplant. In intensiver Weise wird die religiös-ethische Organisierung der Jugend betrieben. Für die Kleinkindergruppen (3 bis 6 Jahre) wurden Tagesheime (Kindergärten) geschaffen; die Schulpflichtigen werden in Selbstbildungszirkeln zusammengefaßt und außerhalb der Schule für die jungen Leute bis zu 35 Jahren Jugendgruppen gebildet. Zehn junge Rabbiner arbeiten an diesem Jugendwerk, das bestimmt ist, eine Generation heranzubilden, die in ihren Gefühlen, sowie in ihrer Arbeit für Glauben und Vaterland würdig der Vorfahren sei. Der Präsident informierte dann die Generalversammlung über alle inner- und außenpolitischen Vorgänge, die auf die Konfession und das Gemeindeleben Bezug hatten, und gedachte mit besonderem Danke der im Interesse Ungarns erfolgten bedeutsamen Erklärungen des Duce wie auch des Besuches des Reichsverwesers in Italien und Wien. Das ungarische Judentum, führte Hofrat Stern u. a. aus, erhofft, mit dem gesamten Ungartum verschmolzen, auch unter Sorgen und Befürchtungen von den Leitern des Vaterlands eine Wendung zum Bessern im Schicksal Ungarns und stellt alle, seine Talente und Kräfte in den Dienst der frringotng einer besseren Zukunft. . r ' Präsident Stern teilte dann mit, daß die Geme'ndevorstehung den Ministerpräsidenten Doktor D a r ä n y i mit vertrauensvoller Zuversicht begrüßt und sein Wohlwollen für die konfessionellen Angelegenheiten erbeten habe. Hierauf skizzierte er die innere Lage der Glaubensgemeinschaft, dem Vertrauen Ausdruck verleihend, daß sich keine Ursache zur Befürchtung einer Entartung der Situation nach ausländischen Vorbildern ergeben werde. Die Führer der Konfession lassen im Interesse der Sicherung der Gleichheit der staatsbürgerlichen Rechte, sowie der Arbeitsfreiheit des ungarischen Judentums nichts unversucht, in der unerschütterlichen Ueberzeugung, daß nur die Gesamtheit des ohne Unterschied der Konfession gleichermaßen geschätz<efi ungarischen Bürgertums eine bessere und schönere Zukunft des Vaterlandes erkämpfen könne. Unter demonstrativem Beifall berichtete der Präsident über den Kampf gegen den Bolschewismus, an dem das ungarische Judentum mit allen seinen Kräften teilnehme, und verwahrte sich gegen die rechtsextremen Uebergriffe, die Gehässigkeit gegen das Judentum verbreiten. im weiteren Verlaufe seines Exposes protestierte der Vorsitzende gegen die ungarländische jüdischnationale Agitation, da diese geeignet sei, die Separationsbestrebungen zu fördern, die das ungarische Judentum auch ohnehin schon vom Körper der Nation abzusondern trachten. Die ungarischen Juden betrachten sich, wie dies schon unzählige Male erklärt wurde, als ungarische Staatsbürger jüdischen Glaubens und wenn sie auch Palästina mit der Ehrfurcht vor den religiösen Traditionen umgeben, so wünschen sie das Palästina-Aufbauwerk in erster Reihe für die dorthin auswandern wollenden heimischen Glaubensbrüder fortzusetzen. Deshalb übernehmen jetzt die offiziellen Führer des ungarischen Judentums die Leitung der Palästinaarbeit und rufen einen neuen Verein ins Leben, der zur Unterstützung der Interessen der ungarländischen Glaubens- ^EO feine schmackhafte Vegetarische Küche _ , , Fisch-Spezialitaten, gute Hautbackereien, Telephon reichhaltige Menüs v. S 1.— aufwärts, bei Ver- A AT. a AI Wendung feinster Zutaten *ä-a-*~ Schöne Arrangements f. Sudes u. Bar Mirwoh"« GRETE STERN, II., Herminengasse 10 unter Aufsicht der Adas Jisroel genossen sich in das Palästinawerk einschalte« werde. Das Expose des Präsidenten wurde mit langanhaltendem Beifall aufgenommen. Dann unterbreiteten Generalsekretär E p p 1 e r und Oberfiskal Dr. Munkäcsi die Anträge zur Tagesordnung. An der sich anschließenden Debatte beteiligten sich die Reichstagsabgeordneten Dr. Fabiä« und Dr. Väzsony i, Stadtrepräsentant Doktor Klär u. a. Die Generalversammlung genehmigte schließlich einstimmig das Budget für 1937 und die übrigen Punkte der Tagesordnung. ßie cftund&peUscfie xds sMaq= Acäfityes Acgument. Im Nachhang zu unserem vorwöchentlichen Artikel „Ein jüdischnationaler Ableger" erfahre« wir von vertrauenswürdiger Seite, daß in einer am Montagabends stattgehabten Sitzung des „Jüdisch-Kulturellen Elternbundes", deren Zweck die Besprechung einer von diesem Vereine abzuhaltenden Purimfeier war, sich der geschäftsführende Vizepräsident des „Elternbundes", der als Jüdischnationaler radikalster Spielart bekannt» Herr Richard Stössel, ohne vom Vorsitzenden. Herrn Dr. Klaber zur Ordnung gerufen zu werden, folgendermaßen geäußert hat: Wer keine zionistische Gesinnung hat, den muß man mit der Hundspeitsche regalieren! Wir begnügen uns heute mit diesem Zitat, das für sich und den Mann, der es von sich gab, spricht. Das Ist die Kultur, die in diesem „Kulturellen Elternbund" herrscht, das ist der Geist, von dem die jüdischnationalen Herren dieses „} Mdischen Bundes" getragen sind. Hundspeitscb» als Argument — das hat noch gefehlt Bezeichnend für diesen Herrn Stössel ist auch die Antwort, die er einem Herrn, der ihn darauf aufmerksam machte, daß die Hundspeitscb» aus dem Arsenal der Nazis stamme, erteilte. Nicht verlegen, erwiderte er: In diesem Punkte hat Hitler recht! Jüdischer Zeichner porträtiert Bundeskanzler Schhschnigg. Der Wiener jüdische Zeichner Arthur Stadler hat den Bundeskanzler Schuschnigg in mehreren Sitzungen porträtiert. Die verkleinerte Wiedergabe des ausgezeichnet gelungenen Porträts wird in Form von Ansichtskarten zugunsten der österreichischen Winterhilfe im offiziellen Auftrag der Vaterländischen Front verbreitet werden. Eine generöse Stiftung. Leopold Aschner, Generaldirektor der Vereinigten Glühlampen-A.-G., hat 300.000 Pengö zwecks Errichtung eines Lehrstuhls und Instituts für Atom-Physik an der Budapester Technischen Hochschule gestiftet. Leopold Aschner ist ein prominentes Mitglied der Neupester Israelitischen Kultusgemeinde und hat für die Wohlfahrtseinrichtungen der Gemeinde, wie des ungarischen Judentums überhaupt, in den letzten Jahren große Summen gespendet. Er ist auch ein großer Förderer des ungarischen Sportes. Zum 70. Geburtstag Krakauers. Zu unserem vorwöchentlichen Leitartikel „Keine Phrasen" werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß anläßlich des 70. Geburtstages des verstorbenen Wiener Voiksliedersängers Krakauer die Ravag am 30. v. M. dessen Schaffen in einer Sendung würdigte, in der Prof. Hirsch die einleitenden Worte sprach und Richard Waldemar einige Lieder Krakauers zum Besten gab.

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