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Die Wahrheit · 1937-01-15 · Heft 2 (15.1.1937) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 2 (15.1.1937)
Date
1937-01-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 2 — 15. Jänner 1937 bei einem einzelnen Mann, sondern bei einem schlecht war? Man darf eben den mutigen -Geschlecht zu Tisch, und dieses Gefühl gab Bekenner seines eigenen Dilettantismus nicht ydem Augenblick etwas Großartiges. Bei mir perernster nehmen als er selbst. Houston Stewart sönlich wiegt das Gefühl des Dankes vor, weswegenich Ihren Wunsch* gern erfüllen werde". Muß man, wenn man diese Briefzeilen und sonst nichts von Chamberlain gelesen hat, nicht glauben, daß dieser nicht bloß ein Verehrer der Persönlichkeit Levis, sondern geradezu ein Be- _„jKunderer von dessen Rasse und Ge- Chamberlain an seinen Schriften messen, heißt, diese über- und den Mann unterschätzen. Er war ein ins geistige Gebiet versprengter Jockey. Als solcher hat er bravourös alle Hindernisse genommen, an denen die seriöse Wissenschaft, aber auch menschliche Charakterstärke niemals vorbeikommt. Dr. Hugo Spiegle r. Verwirrung der Gefühle. Von einer mit den rumänischen Verhältnissen gut vertrauten jüdisch-konservativen Persönlichkeit erhalten wir folgenden Aufsatz: In der „Stimme" vom 5. d. M. befaßte sich vor kurzem der Führer der jüdischnationalen Partei Rumäniens, Dr. Meyer-Ebner, mit einem merkwürdigen Ereignis. In Bukarest traten zweifiundert jüdische intellektuelle Familien (Aerzte, Rechtsanwälte. Bankiers u. a.) korporativ zur griechisch-orthodoxen Staatskirche über. Ihre Massentaufe soll angeblich demnächst in feierlicher Weise stattfinden. Zu diesem Ereignis nimmt Dr. Ebner in einem ausführlichen Aufsatz Stellung und, wie nicht anders zu erwarten war, schiebt er die Schuld an dieser höchst bedauerlichen Tatsache, auf die bekanntlich an allem schuld tragenden Assimilanten. Der Austritt eines oder mehrerer Assimilanten, die Taufe des einzigen Sohnes von Dr. Herzl und eine gewisse Bewegung in Palästina beweisen noch lange nicht, daß die Assimilation oder der jüdische Nationalismus unmittelbar zur Taufe führen. Die Abkehr eines Teiles der Judenschaft, •sowohl im assimilatorischen als nationalistischen Lager, vom traditionellen jüdischen ■Glauben und die mit ihr Hand in Hand gehende Verwirrung der Gefühle sind es, die zunächst zu Irrungen jeder Art und zuletzt zur Taufe führen. Daß Dr. Ebner nicht nur die Schuldigen an der bevorstehenden Bukarester Massentaufe, die Assimilanten, sondern auch den Stein der Weisen, den jedes Heil bringenden jüdischen Nationalismus fand, wundert uns nicht Die Selbstverherrlichung und die Aechtung Andersdenkender gehören bekanntlich in den Kram, einer, jeden nationalisti- Die besten Eiaittffl-iilSSiiiiii 3 mal täglich frisch bei »EBu Win fl., Pndrstmt 3i Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-JisroeHSchiffschul). Ausgezeichnete Köche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Hans elegantest ausgeführt. I sehen Bewegung. Was uns aber ja wundert, ist die Tatsache, daß Dr. Ebner trotz seiner Erkenntnisse nicht gleichzeitig für die Schaffung eines neuen iüdischnalfionalen Fonds eintritt und die Judenschaft der ganzen Welt aufruft, zum Zeichen des Protestes gegen dieses neueste „Teufelswerk der Assimilanten", für diesen Fonds zu spenden. Nein! Nicht im Nationalismus liegt das Heil. Das Heil der Irrenden, sowohl im assimilatorischen als nationalistischen Lager, liegt bei Gott, dem Hüter Israels. Dies verkündete uns der Prophet Hosea, indem er rief: „Kehre zurück, Israel, zum Herrn, deinen Gott, denn du bist gestürzt über deine Sünde." Wenn Dr. Ebner sagt: „Wir werden nicht auf der Erde sitzen, um die Ueberlebenden dem Brauche ge maß, als Tote zu beklagen. Wir zerreißen nicht unsere1 Kleider und keinen Kadisch wird man sagen, mißachtet er die heiligsten Güter unserer Tradition. Denn mit diesen Bräuchen beklagen wir nicht r.ur die von uns Gegangenen, sondern klagen uns selber an. Wir zünden schwarze Kerzen an, zerreißen unsere Kleider, setzen uns auf den Boden, streuen Asche auf unser Haupt und klagen uns an, an dem Geschehenen mitschuldig zu sein. Mitschuldig: in unserer Gemeinde nicht solche Bedingungen geschaffen zu haben, die den Irrungen der Verwirrten eine Grenze gesetzt hätten. Bedingungen: selbstverständlich geistiger -Natur, die geeignet gewesen wären, ein jedes Mit- -glied mit unseren felsenfesten Glauben und unserer sicheren Ueberzeugung zu durchdringen. Zum Zeichen, daß wir diesbezüglich Wandel schaffen wollen, zum Beweis, daß wir den Namen des Ewigen in unserer Mitte verehren und heiligen wollen, stimmen wir zum Abschluß genannter Bräuche das Kadisch-Bekenntnis an. Liebe war es nicht, in diesem Punkt stimmen wir mit Dr. Ebner vollkommen überein, die die zweihundert Bukarester Familien bestimmt hat, ihren Glauben zu ändern. Denn wirkliche religiöse Ueberzeugung anerkennen wir, und von jenen, die der Religion wegen übertreten, sei hier überhaupt nicht die Rede. Vielmehr handelt es sich in diesem Falle um das Schulbeispiel einer Vernunftehe, die diese Familien mit der neuen Konfession einzugehen vermeinen. Das Los der spanischen Maranen und in jüngster Zeit das Schicksal der getauften Juden in Deutschland zwingt uns allerdings, die" Vernunft dieser Ehe zu bezweifeln. Aber schließlich haben die vom traditionelle» Glauben sich abwendenden, in Verwirrung der Gefühle und auf Irrwege geratenen Juden so manches Unvernünftige für vernünftig gehalten. Sie haben Tempel gebaut in welchen die Gebote de« Sabbaths am Sonntag verrichtet wurden, und geglaubt, vernünftig zu handeln. Sie haben im heiligen Lande den. Sabbath öffentlich entweiht und geglaubt, vernünftig zu handeln. Warum muß dann ausgerechnet ihr letzter Schritt, den sie für vernünftig halten, auch tatsächlich vernünfig sein? „Der Mensch-sündigt nur dann, wenn er vom kranken' Geist befallen wird", sagt der Talmud; Angesichts dieser Tatsache fragt es sich, ob wir in Dingen der Vernunft, wie unsere Gesundheit, Verteidigung und Geld, diesen „Vernünftigen" glauben sollen. — a. Die Lage der Juden In Polen. Von Abraham G. Düker. sozialen Probleme durch Vertreibung der Jude» aus der Oekonomie zu lösen. Die neuesten Mefthoden des „kalten Terrors" hat man aus Deutschland bezogen. Arbeitslose werdieW vor jüdischen Geschäften aufgestellt. Polen, die in jüdischen Läden kaufen, werde» photographiert, klassifiziert und ihre Namen iH schwarzen Listen veröffentlicht. Bauern, die an Juden liefern, wterden verprügelt Der polnisch© Handwerker wird veranlaßt, seine Produkte mit eine Spezialmarke zu versehen, so daß kei» „Patriot" jüdische Ware versehentlich zu kaufe» braucht. Die Regierung der „nationalen Interessen" vergibt Lizenzen und Lehrbriefe an Handwerker und Kaufleute, in den maßgebende* Instanzen sitzen wieder polnische „Patrioten".. Versucht der gewandte jüdische Händler, diesem Kreislauf zwischen i unlauterer Konkurrenz und Boykott zu entrinnen, indem er zum Großhandel übergeht, wo die Konkurrenz weniger akut ist, so hat er neben dem Boykott mit den regierungsseitig unterstützten Gesellschaften zu rechnen. Aber wenn es ihm gelingt, durch billigere Preise de» Boykott zu umgehen, so steht er bald vor dem Kreditproblem. Ueber 65 Prozent der Kredütvergebung ist in Regierungshänden, und es ist eine ungeschriebene Politik, daß Juden, die mit Patrioten konkurrieren, keine Anleihen erhalten. Dennoch kommen eftliche jüdische Kaufleute durch. Der Boykott kann nicht völlig durchgeführt werden, und der jüdische Händler kann seinen Lebensstandard herabsetzen. Aber die Reaktion erwidert das auf ihre Weise mit dem Programm: „Ladenpogrom". Kein Mensch kümmert sich darum, wenn in einem jüdischen Geschäft eine Bombe explodiert, wie erst dieser Tage wieder in dem großen jüdischen Kolonialwarengeschäft der Gebrüder Hirsehfeld im Zentrum von Warschau, wenn ein paar Läden demoliert, die Waren und oft auch der Verkäufer mit Säuren Übergossen werden. Dergleichen offener Terror kommt alle Tage vor. Polen entwickelt sich auf der Linie der verstaatlichten oder vom Staat kontrollierten Industrie. Industrie und Handel unter Staatskontrolle kamen schon 1931 auf mehr als 22 Prozent des Gesamtumsatzes, und die Ziffer ist inzwischen gesifciegen. Die Regierung beschäftigt nur sehr wenige Juden, und auch von diesen wenigen verliert einer nach dem anderen seinen Posten. Ehe sie unter Regierungskontrolle kam, beschäftigte zum Beispiel die .Tabakindustrie 3000 Juden, heute 102. Sogar in Fabriken, die in jüdischen Händen sind, versuchen Während der letzten Monate hat die Regierungspresse in Polen heftige Debatten mit der reaktionären Presse über das Problem von drei Millionen jüdischer Bürger im Lande durchgeführt. Es ging um die offene Frage, ob man sie aus Polen leicht ausbefördern könne. Die Reaktionäre glauben, mit Fortsetzung des antijüdischen Boykotts und häufigen gewalttätigen Attacken auf die Juden sie zur Auswanderung zwingen zu können. Die Pro-Regierungspresse hingegen beruft sich auf Realität, mit „Pogromen" könne man die Juden nicht austreiben, solange man kein Land für sie hat, wohin sie geherr können. Was ist das ifüri ein Land, das zehn Prozent seiner Einwohner, ohne Rücksicht! auf seine ökonomische^ SrMäfibn Tür1 überflüssig erachtet? Polen ist ein besonders armes Land. Drei Viertel seiner Bevölkerung sind Bauern, vielleicht die Aermsten von Europa. Andererseits besitzen etwa 6000 Großgrundbesitzer, zwei Prozent der landwirtschaftlichen Bevölkerung, rund ein Viertel des Kulturlandes. In dem Städten treibt die Arbeitslosigkeit in letzte Armut Die Lage der mittleren Kaufleute und Handwerker ist wenig besser. Der Konsum geht dauernd zurück, sogar beim Notwendigsten. Im Wettbewerb um den schwachen Handel finden ständig wahre Verzweiflungskämpfe um Subsistenzen statt. Damit strömt> beständig Bevölkerung vom Lande in die Städte, denn wenn der Steuereintreiber das letzte Schwein beschlagnahmt hat, ist die Stadt die einzige Zuflucht Die Tragödie der polnischen Juden ist, daß sie Handwerker in einem Lande sind, in dem 'Regierungskartell und Genossenschaften die besten Märkte weggenommen haben, und wo der Boykott den Rest nimmt. Die Eliminierung der Juden aus dem produktiven Leben schreitet an zwei Fronten vorwärts. Einmal der wilde Boykott gegen jüdische Händler und Handwerker, zum anderen die Verdrängung der Juden aus öffentlichen Diensten und aus der von der Regierung kontrollierten Industrie, der bedeutendsten in PoJen. Der Boykott ist älter und nicht weniger rigoros als in Deutschland, wenn er auch nicht von oben legalisiert ist. Er wird von allen Parteien der Rechten und der Mitte gefördert. Bedeutende Kirchenfürsten, wie die Kardinäle Chloud und Kakowski oder der Bischof Sapieha, unterstützen ihn. Die anwachsende städtische Be- . völkerung versucht die Juden von ihrer Beschäftigung zu verjagen.- Alle Gesellschaftsschichten, insbesondere die Studenten, die fortwährend randalieren, sind sich in der Demagogie einig; die jüdische IlttteatehtMe*.! Denkt an die jüdisdieh und fordert anläßlich der Winiersalson den Bedarf an An- _ ___ gestellten und ArbeUern aller Kategorien beim jüdischen H^|| WH0■ WSlOSßn Verein für unentseltlidien Arbeitsnachweis, Wien /., Kohlhtessergasse 4 / Fernruf U 27-0-65 Arbeit

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