Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 1 (8.1.1937)
- Date
- 1937-01-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE_WAHRHEIT Nr. 1 — 8. Jänner 1937 Seite 7 Schmockang von Grünen und Gräbern LeopoldDeufschJiBnXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel- U 17-0-08 Eigene Kulturen Problematik des Religionsunterrichtes. In der vorletzten Nummer der „Stimme" unternimmt Herr Dr. Zwi Kanner gelegentlich einer Besprechung der von Dr. B. Kurzweil erschienenen Arbeit „Zur Problematik des Religionsunterrichtes" wieder eine seiner berühmten Attacken gegen den Religionsunterricht. Dabei möchte er alles in nationalem Ungestüm und in nationaler Ueberheblichkeit niederrennen. Es ist interessant, daß er seine Gesinnungsgenossen für die Zustände an den Wiener Schulen verantwortlich macht und den von jüdischnationalen Lehrern — nach Weisung und Beeinflussung der jüdischnationalen Machthaber der Kultusgemeinde — erteilten Religionsunterricht als eine „Karrikatur des lebendigen Judentums" bezeichnet. Die jüdischnationale Lehrerschaft verdient diese öffentliche Züchtigung, denn diese kann ja nur den national gesinnten Lehrern gelten. Für die nichtrtational eingestellten Lehrer ist der Religionsunterricht niemals ein Gegenstand der „Problematik" gewesen. Wir halten uns an die bewährten Methoden unserer alten Weisen. Der Religionsunterricht hat die Aufgabe, den Kindern ein Mindestmaß von Wissen und Kenntnissen zu vermitteln, das sie befähigt, am jüdisch-religiösen Leben aktiv teilzunehmen. Die Thora ist die Urquelle, aus der alle theoretischen Kenntnisse für die Jugend geschöpft werden müssen. Das Problem der Jugenderziehung kann niemals vom grüneii Tisch und vom Lest die,Wahrheit* l~| Sie schafft Klarheit■ _| Parteistandpunkt aus gelöst werden. Die hiezu berufenen Rabbiner und Lehrer müssen als charakterfeste, freie, von keiner „Parteien Gunst und Haß" abhängige, mit dem notwendigen religiösen und weltlichen Wissen ausgestatteten Persönlichkeiten eine Arbeitsgemeinschaft bilden, die nach gründlicher Beratung eine gesunde Lösung finden wird. Das Erziehungsp roblem darf niemals zur ^Problematik" werden. m. p. Eine Blamage der Rassenschnüffler. Das „Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel" hatte bereits gemeldet, daß das Werk „Verzeichnis juristischer und nationalökonomischer Schriften jüdischer Autoren", das den arischen Rechtsbeflissenen als Behelf zur Fernhaltung jüdischen Einflusses dienen hätte sollen, zunächst aus dem Buchhandel zurückgezogen sei, weil irrtümlicherweise darin Namen arischer Professoren unter den jüdischen Rechtsgelehrten genannt worden seien. Ein geradezu vernichtendes Urteil über dieses Werk, das mit großem Tamtam auf der Tagung der Reichsgruppe Hochschullehrer angekündigt worden war, muß nun der Verlag selbst abgeben. Er erläßt jetzt im Heft 23/24 des Zentralorgans des Nationalsozialistischen Rechtswahrerbundes „Deutsches Recht" vom 15. Dezember folgende Bekanntmachung: „Erklärung. Das „Verzeichnis juristischer und nationalökonomischer Schriften jüdischer Autoren", das am 17. und mit Streichungen am 25. November 1936 zur Auslieferung gelangte, ist auf Anordnung des Reichsrechtsführers am 30. November aus dem Buchhandel zurückgezogen worden; es enthielt einige Namen, die auch in den Prospekten genannt waren, die zu Unrecht in ihm aufgeführt "wurden. Das gilt insbesondere von dem im Jahre 1924 verstorbenen Senatspräsidenten am Reichsgericht a. D., Wirklichem Geh. Rat, Dr. Justus v. Olshausen, Exz., dem Verfasser des Kommentars zum Reichsstrafgesetzbuch. Der Verlag bedauert aufs tiefste die auf einer falschen Information beruhende schwere Verunehrung des Andenkens gerade dieses hervorragenden deutschen Juristen, der durch das Lebenswerk seines Kommentars und seine amtliche Tätigkeit in der Rechtsprechung, als Richter wie als Oberreichsanwalt, jahrzehntelang einen bestimmenden Einfluß auf das deutsche Rechtsleben ausgeübt hat. Der Verlag hat der Familie v. Olshausen sein Bedauern unmittelbar ausgesprochen. Berlin, den 2. Dezember 1936. Deutscher Rechts-Verlag, Verlagsleitung, gez. Michligk." Die antisemitische Bewegung in Rumänien Der frühere Ministerpräsident und Präsident der nationalzaranistischen Partei Juliu Maniu äußerte sich in einem Interview, das er einem Redakteur der „Dimineata" gewährt hat, über die hitlerische und antisemitische Bewegung in Rumänien wie folgt: „Das tolerante und sanfte Wesen des rumänischen Volkes schließt eine ernste antisemitische Bewegung allgemeinen Charakters aus. Die antisemitische Bewegung im Norden der Moldau und der Bukowina findet ihre Erklärung i:i den wirtschaftlichen und sozialen Zuständen und dem vergeblichen Streben einiger Politiker, die antisemitische Diktatur I> e u i s c h i n u d s nachzuahmen, welche Hoffnungen von keinerlei Bedeutung sind. Wenn sich diese Bestrebungen doch fühlbar gemacht haben, ist dies der Unterstützung durch die Regierung zuzuschreiben, die aus Anlaß der letzten Ergänzungswahlen offenbar geworden ist. Die demokratische Strömung und das na tionaldemokratische Empfinden sind aber in Rumänien so mächtig, daß sie durch diktatorische Bestrebungen und Verfolgung der Minoritäten nicht unterdrückt werden können. Ein solches Regierungssj'stem könnte in Rumänien nur durch einen Staatsstreich von oben eingeführt werden, es würde sich aber nicht lange Zeit halten können." Der Kulturwert der jüdischen Rasse. Aus der Feder des römisch-katholischen Vv'e.'tpriesters Dr. Ladislaus A j t h a y, emer. Theologieprofessor, ist in Budapest unter dem Titel „J udenspiegel" eine Schrift erschienen, die im Hinblick auf die Aktualität des Rassenproblems starkes Aufsehen erregt. Der Verfasser schöpft seine Daten aus Ergebnissen von Forschungen in den Bibliotheken zu Rom, Jerusalem und Budapest und weist in untrüglicher Weise jene Blutmischungen auf, die sich im Laufe der Jahrhunderte in der Bevölkerung aller Kontinente vollzogen haben. In drei Gruppen sind alle jene urkundlich nachgewiesenen in- und ausländischen Familien aufgezählt, die im Laufe der Zeit zu einem oder beiden Elternteilen jüdische Ahnen aufzuweisen haben. In der Reihe dieser Familien und Namensträger finden sich außerordentlich zahlreich solche, die es zu den höchsten Ehren gebracht haben. Bis zu den höchsten Spitzen weltlicher Geltung steigt diese „jüdische" Blutsverwandtschaft, da der Verfasser auch von den italienischen, griechischen, preußischen Königsfamilien, vom Hause Habsburg, Bonaparte, Romanow nachweisen will, daß sie in ihrer Ahnenreihe jüdisches Blut rollen haben. Als Priester weist Dr. Ajthay schließlich darauf hin, daß die Apostel und Evangelisten mit dem heiligen Petrus an der Spitze, dessen Hirtenstab das jeweilige Oberhaupt der katholischen Kirche für ewige Zeiten führt, aus den Reihen der Juden hervorgegangen sind. Jüdische Jugend in Deutschland. Sir Norman Angell schrieb an die „Times": „Während des Krieges war unsere Presse voll von Greuelmärchen, die den Deutschen Grausamkeiten andichteten. Damals gab es Männer unter uns (der Unterzeichnete gehörte zu ihnen), die gegen diese Greuelmärchen protestierten. Was uns heute aber die Zeitungsberichte über Deutschland erzählen, das sind keine Erfindungen der Feinde Deutschlands, das sind Vorgänge, zu denen sich die Führer des neuen Deutschlands selbst bekennen. Ein Augenzeuge hat erzählt, wie jüdische Kinder, die von der Lebensmittel- und Milchverteilung in den Schulen ausgeschlossen sind, nichtsdestoweniger gezwungen werden, auf das Käthe- 8r^$l(iii(^^M Wien I., Seitenstettengasse 2 XI., Zentralfriedhof neben dem I. Tor Samstag y «dilomsen I der zu gehen und den Lehrer um Nahrungsmittel und Milch zu ersuchen, damit ihre öffentliche Abweisung vor der versammelten Schulklasse für die Schüler eine Lektion darstelle, wie Juden zu behandeln seien. Monat um Monat, Jahr um Jahr wird dieser Kampf gegen eine wehrlose Minderheit geführt. Es handelt sich hierbei nicht um „innere deutsche Angelegenheiten". Das Christentum hat, wenn auch nicht eine kollektive Verantwortung für den Juden, so doch eine kollektive Schuld an das Judentum. Können wir vergessen, daß die religiöse Literatur, in die wir uns tiefer als in jedes andere Geistesprodukt versenkt haben, eine jüdische Literatur war? Heutzutage besteht die Gefahr nicht darin, daß wir vielleicht die deutschen Vorgänge übertreiben, sondern vielmehr darin, daß wir durch ihre Verschleierung und Bagatellisierung den Unterschied zwischen Gut und Böse verwischen und so dazu beitragen könnten, einer solchen Politik Eingang in unser Land zu verschaffen." 9emeindedkwonik. Trauung. Sonntag, den 10. d. M., 1 Uhr nachmittags, findet im Tempel zu Wr.-Neustadt die Trauung des Fräulein Gertl Popper, Tochter der Rechtsanwaltswitwe Frau Valerie Popper, mit Herrn Dr. Arpad Neu mann, Sohn des Herrn und Frau David N e u m a n n, statt. Gänserndorf. Am 26. v. M. fand im Tempel der israelitischen Kultusgemeinde Gänserndorf die Feier des 70. Geburtstages des Herrn (osef Schwarz statt Im Rahmen des Festgottesdienstes wurde die Feier, zu der sich ein zahlreiches Publikum einfand, im prächtig geschmückten und festlich beleuchteten Tempel abgehalten Der Jubilar wurde vom Funktionär Herrn fakob Klein feierlich aufgerufen und eine zu diesem Anlaß abgefaßte Mischeberach vorgetragen. Sodann richtete der Schwiegersohn des Jubilars Herr Otto W o 11 m a n n herzliche Worte an ihn. Nach der Haftorah, welche der Jubilar selbst vorzüglich rezitierte, folgte von dem allgemein verehrten Funktionär Klein eine überaus herzliche Ansprache. Herr Josef S c h w a rz, der seit 43 Jahren hier als bekannt reeller Kaufmann tätig ist, hatte sich schon bei der Gründung der hiesigen Kultusgemeinde große Verdienste erworben, er ist ein überzeugter Jude daher auch ein guter Mensch im wahrsten Sinne des Wortes. An seinem Jubeltage wurde ihm seitens der Kultusgemeinde und von ihren sämtlichen Mitgliedern große Ehrungen zu teil. Der Verein „Hachnusas Kalu" (Obmann Cafetier S- Buchsbaum) veranstaltete am 20. Dezember v. J. im Theater Reklame eine Wohltätigkeits-Theatervorstellung, die einen glänzenden Verlauf nahm. Der vom Obmann-Stellvertreter Josef Stapler geleitete Abend hat nicht nur einen moralischen, sondern auch einen künstlerischen und materiellen Erfolg zu verzeichnen. Bei ausverkauftem Hause unterhielt sich das Publikum glänzend. Dank wird allen ausgesprochen, die zum Erfolge verholfen haben. Hilferuf des Hilfsvereins der jüdischen Blinden! Wien IL, Rembrandtstraße 18, Tel. A 47-2-77, Postspark. A 133.213. Jüdische Frauen und Männer! Nahezu lo0 jüdische Blinde sind heute mehr denn je auf Eure gütige Hilfe angewiesen. Der Winter mit allen seinen Härten verschärft das ohnebin schon schwere Los der Bedauernswerten um ein Bedeutendes; die Lage ist trostlos. Um die Aermsten der Armen vor der äußersten Verzweiflung zn schätzen, ertaubt sich die gefertigte Vereoisleitung am Geld- und Kielderspenden ganz ergebenst zn bitten. Tüchtige Musiklehrer, Klavierstimmer, SesseHlechter und Bürstenmacher sind auch unter unseren Bünden, welche um Arbeit bitten! hn Namen der Humanität bitten wir, diesen Zeilen ganz besondere Beachtung zu schenken. (Briefkasten. An einen anonymen BrtefSchreiber! Die geschmacklose Inschrift der Weihnachtskrippe im Geschäfte, Liturgia wird auch guten Christen nicht gefallen. Etwas anderes ist kaum darüber zu sagen.