Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 1 (8.1.1937)
- Date
- 1937-01-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 1—8. Jänner 1937 Seite 5 JUGEND-UNION. Generalversammlung der Jugend-Union. Am 16. Dezember fand in dem dicht gefüllten Festsaal des Heimes am Schottenring die Generalversammlung der Jugend-Union statt. Der Ohmann, Herr Dr. Bruno David, begrüßte in seiner Eröffnungsansprache die erschienenen Vertreter des Zentralvorstandes der „Union", u. a. die Herren Dr. F e 1 d s b e r g, Dr. G r ü n w a 1 d, Reg.- Rat Dr. L e n k, Börserat Popper und spnach sodann in herzlichen Worten allen seinen bisherigen Mitarbeitern seinen besten Dank für ihre Mithilfe am Aufbau der Jugend-Union aus. Hierauf erstattete Dr. Ernst Abeles Bericht über die Tätigkeit der Jugend-Union im abgelaufenen Jahr. Er erwähnte die Arbeit der Jugend auf kulturellem, religiösem und wissenschaftlichem Gebiete, hob die zahlreichen gelungenen ernsten und geselligen Veranstaltungen hervor und schilderte den Anteil der Jugend-Union an der Errichtung des neuen prächtigen Heimes am Schottenring und an dem für jeden objektiven Juden sichtbaren Wahlerfolg der „Union österreichischer Juden" am 8. November. Mit dem Wunsche, daß es der neuen Leitung der Jugend-Union gelingen möge, in Bälde der „Union österreichischer Juden" die Jugendbewegung zur Verfügung zu stellen, die sie benötige, um wieder die Majorität in der Wiener Kultusgemeinde zu erringen, beendete der Redner das mit großem Beifall aufgenommene Referat. Nach dem vom Kassier Herrn Ernst Bases gehaltenen Kassabericht überreichte Herr Kultusrat Dr. Ernst Feldsberg den Revisionsbericht. Sodann bittet der bisherige Obmann Herr Dr. Bruno David den Gründer und ersten Obmann der Jugend-Union, Herrn Chefredakteur Oskar H i r s c h f e 1 d, den Vorsitz zu übernehmen. In einem kurzen Rückblick auf die frühere Tätigkeit der Jugend-Union, die zufälligerweise genau vor 5 Jahren, am 16. Dezember 1931, ihre 1. konstituierende Versammlung abhielt, gibt Re- .dakteur Hirschfeld seiner Freude über den neuerlichen! Aufschwung der Jugend-Union Ausdruck und ermahnt sie, weiter kameradschaftlich zu arbeiten. Als nächster Redner sprach Herr Dr. Ernst Feldsberg in Vertretung des Präsidenten der „Union österreichischer Juden" Herrn Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim, der leider infolge beruflicher Verhinderung nicht bei der Generalversammlung erscheinen konnte. Herr Dr. Feldsberg schilderte in fesselnder Weise die Krise, in der die heutige Jugend lebt. Er fordert die Jugendlichen auf, die Krise durch Schulung in Seminaren und religiösen Uebungen zu überwinden, denn sie muß ja stets Vorkämpferin des Judentums sein. Aber auch politisch müsse die Jugend ertüchtigen. Es sei daher die oberste Pflicht der „Union österreichischer Juden", der Jugend in jeder Hinsicht zu helfen, durch Arbeitsbeschaffung etc. Die unionistische Jugendbewegung werde :am besten gedeihen, wenn die ganze Wiener Jugend aufgerüttelt werde. In der nun folgenden Generaldebatte beklagen sich die Funktionäre der Jugend-Union vor allem darüber, daß ihnen die Subvention der Wiener Knltusgemeinde entzogen, respektive bisher verweigert wurde. Es forderte sodann Herr Siegfried Mauner als Kassier des J. J. K. (Jüdischer Jugend-Kreis) die Jugend-Union auf, den J. J. K. alle nur mögliche moralische und finanzielle Unterstützung zuteil werden zu lassen. Im Namen der Bezirksgruppe VII. ersucht Herr Herbert -Krauser die Leitung der Jugend-Union, die neue Bezirksgruppe zu unterstützen, insbesondere ihr bei der Errichtung eines neuen Bezirksheimes behilflich zu sein. Der nächste Redner, Herr B er 1stein, (Mitarbeiter; der Bezärksgruppei IL, gibt wertvolle Anregungen. Nun bringt Herr G r ü n w a 1 d die Liste der neu zu wählenden Leitungsmitglieder vor, welche in der folgenden en block-Abstimmungen einstimmig angenommen wird. Im letzten Punkt der Tagesordnung wird eine Statutenänderung dahingehend angenommen, daß dem Obmann ein engeres Komitee zu Vorberatung aller wichigen Fragen, deren endgültige Entscheidung der Leitung obliegt, zur Seite steht. Darauf schließt Dr. David nach herzlichen Dankesworten an den Versammlungsleiter Chefredakteur Oskar Hirschfeld die eindrucksvoll verlaufene Generalversammlung, worauf die neuen Leitungsmitglieder sofort zur konstituierenden Leitungssitzung zusammentreten. In dieser Sitzung wird Herr Dr. Bruno David neuerlich zum Obmann der Jugend-Union, zu seinen Stellvertretern die Herren Dr. Ernst Abeles und Ernst Bases gewählt. Der Schriftführerposten wird mit Fräulein Gerti Grün, das Amt des Kassiers mit Herrn Fritz Stern besetzt. Das Bildungsreferat überiZ'D feine schmackhafte Vegetarische Küche GRETE STEBN, IL, HerminengasselO unter Aufsicht der Adas Jisroel nahm Herr Hans Lenk, das Propagandareferat Herr Bernhard Frommer und das Vergnügungsreferat Herr Willy Rosenberger. J. J. K. Gudischer Jugend-Kreis.) Das Heim der Heimgruppe II befindet sich IL, Ferdinandstraße 19, 2. Stock (Montefiore). Heimabend: Samstag 5—7. Die Zentrale befindet sich sich wie bisher IX., Berggasse 4. Die Lords des Bileam. Wie die Revisionisten über die Aussichten der Arbeiten der Königlichen Kommissionen denken, geht aus folgender, unter obigem Titel in der Prager revisionistischen Zeitschrift „M e d i n a i w r i t h" erschienenen Glosse hervor. Die Londoner Regierung entsandte eine Expedition zur Erforschung Palästinas. Dies ist seit 10 Jahren bereits die vierte Kommission, die Palästinas „Geheimnisse" erforschen will. — Diese Kommissionen — darunter auch die neulich entsandte Königliche Kommission — wollen durchwegs Dinge erforschen, die der ganzen Welt bekannt sind. Man darf nicht einen Augenblick daran zweifeln, daß die Lord Peel'sche Königliche Kommission auch altes weiß. Diese Kommission weiß sogar schon, welches „Fachgutachten" sie der Londoner Regierung unterbreiten wird, denn zuerst war doch das Gutachten da. und nachher schuf man die Kommission dazu. Was sucht also noch diese Königliche Kommission in Palästina? Ganz klar: sie sucht Vorwände. Freilich ist das keine leichte Arbeit, denn ein englischer Vorwand muß aalglatt, ölig, schmiegsam, unklar und doch klar'sehi. Er muß das gestecke Ziel erreichen, muß aber alle Hintertüren offen lassen. Das Ziel der Königlichen Kommission ist: die Drosselung des praktischen Zionismus und des jüdischen Palästina-Werkes, aber doch so, daß England der jüdischen Finanzen und Arbeit nicht verlustig werde. Die Sache steht nämlich so, daß von den einigen hunderttausend Juden in Palästina und der hinter ihnen stehenden übrigen Judenwelt 1. die ganze englische Administration, 2. alle englischen Garnisonen, 3. alle Araber in Palästina, 4. alle aus den übrigen Ländern einströmenden Araber, 5. der Emir von Transjordanien, 6. die nach der heiligen Stadt Mekka führenden Hedschas-Bahnen und 7. alle strategischen Bauten der Engländer erhalten werden. Jeder muß doch einsehen, daß man dies alles nicht einbüßen darf. Dagegen muß aber auch jeder einsehen, daß es für unser englisches Herz unerträglich ist, daß die Juden ein gesichertes und noch dazu ein blühendes Heim besitzen. Also wird den Göttern von Manchester die Aufgabe anheimgestellt, unseren Geist so zu erleuchten, daß wir eine Formel ausfindig machen, mittels welcher wir die Juden ausspielen, was ihnen jedoch nicht das Recht gebe, über uns Engländer öffentlich behaupten zu können, daß wir sie betrogen haben. Diese Formel sucht jetzt die Königliche Kommission in Palästina. u beweisen Sie noch heute Ihr Abonnement! Die Araber benehmen sich recht klug auch in dieser Frage. Sie verachten offen die ganze Königliche Kommission; und gestehen wir es uns ein: ihre Verachtung ist ganz und gar begründet. Nicht so aber die Juden! Die erbärmlichen Lämmer der Zionistischen Exekutive erscheinen vor der Kommission und liefern mit knechtischer Unterwürfigkeit das Material, aus welchem die Königliche Kommission dann die Vorwände schmiedet, mit denen das Palästina-Werk der Juden geknebelt wird. Dr. Viktor Seitz. Judisches Gesetz. Kreise, die jüdischen Dingen fernstehen, verkennen nicht selten die Grundlagen der religiösen Gesetze des Judentums, indem sie annehmen^ daß das jüdische Reügionsgesetz seinen Anhängern alle Bindungen und Verpflichtungen nur im Leben untereinander und miteinander auferlegen wollte, während im Verkehr mit Nichtjuden andere Bestimmungen gelten sollten. Eine derartige Auffassung vom Wesen der religiösen Gesetze im Judentum verkennt deren: sittlichen Gehalt in allen entscheidenden Punkten. Das Judentum stellt an die Spitze aller seiner sittlichen und ethischen Forderungen die klare und durch nichts verdunkelte Erkenntnis, daß es einen Unterschied zwischen den Juden und dem Fremdling, der in seiner Mitte wohnt, nicht gibt. Alle Bestimmungen, die für das Zusammenleben unter Juden gelten, erstrecken sich auch auf Handel und Wandel von Juden mit Nichtjuden, und überall, wo die Bibel von Rechten spricht, vergißt sie nie hinzuzufügen, daß diese Rechte auch für alle Geltung haben, die inmitten der jüdischen Gemeinschaft wohnen. In ganz besonderem Maße gilt dieser Grundsatz von den sozialen Gesetzen des Judentums. Ist von der Sabbatruhe die Rede, dann wird mit selbstverständlicher Konsequenz ihre Anwendung auf Juden und Nichtjuden als religiöse Pflicht stabilisiert, und alle Gebote und Verbote, die den Schwachen vor der Uebervorteilung durch den sozial Stärkeren schützen sollen, sind nicht für Juden allein ergangen, vielmehr ist ihr Sinn und ihr Wortlaut immer, auch die nichtjüdischen Menschen an den gleichen Wohltaten teilnehmen zu lassen. In keinem Punkte ist das religiöse Gesetz des Judentums von einer solchen Empfindlichkeit wie in dem des Schutzes des bedürftigen Menschen, und die Bibel regelt die Pflichten des sozial Bessergestellten in eindringlicher Weise, sowohl in ihrer Auswirkung gegenüber dem einzelnen Bedürftigen wie auch in Bezug auf die Auswirkung einer wahrhaft sozialen Haltung gegenüber der Gemeinschaft. Unter der Gemeinschaft versteht das jüdisch-religiöse Gesetz die Gemeinschaft der Menschen und nicht allein die der Juden. Diese ewigen Grundlagen der jüdisch-religiösen Sozialgesetze verdienen es, immer wieder hervorgehoben zu werden. Mit besonderer Strenge verwirft das Judentum jeden Egoismus in der Gemeinschaft, ganz klar lehnt es in Zeiten allgemeiner Notlage eine Einstellung ab, die dem Einzelnen erlauben wiHrde, an seinen Pflichten gegen die Gemeinschaft vorbeizugehen'. Gegenüber diesen klaren und eindeutigen Forderungen der religiösen Lehre im Judentum gibt es keine Ausnahmen, und auch die Geschichte erzählt häufig genug von den Fällen, in denen