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Die Wahrheit · 1936-12-25 · Heft 56 (25.12.1936) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 56 (25.12.1936)
Date
1936-12-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 56 — 25. Dezember 1936 Seite 5 Schmuchung von Grüften und Gräbern LeopoldDBUtschJienXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor. Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen schlachten, Brunnen vergiften etc. Man kennt die Liste, die Eisenmenger in bewundernswürdiger Vollständigkeit zusammengesucht hat. Noch staunenswerter sind seine Beweise und die hundert Anekdötchen, die er dafür zusammenträgt (viele aus dem grauen Altertum, andere von dritter Hand, wieder andere aus Flugschriften dunkelster Provenienz etc.). Sehen wir uns das an •einem von unzähligen Fällen an: „Die Juden thödten auch ihre eigene Kinder, wann sie die Christliche Religion annehmen wollen und ist solches zu Prag anno 1694 geschehen. Ueber das lehret uns die Erfahrung / dass die Juden ihnen kein Gewissen machen ' wann sie einen oder mehr Christen umbringen." Beweis: „Im Jahr Christi 1349 haben die Juden zu Meiningen... die Christen als sie in der Kirchen waren überfallen / und alle tödten wollen / es hatt aber eine Magd solches vorhaben an der Juden Synagogen gehöret / und entdecket / darauf die Christen alle auss ihrer Kirch gegangen / das Gewehr ergriffen / und alle Juden getödtet haben .../" So sehen Eisenmengers Beweise aus, die selbstverständlich mit hebräischen Zitaten von Zeitgenossen mehrfach belegt werden. Wir könnten ihm sogar guten Glauben zubilligen, hätte er nicht bei den meisten seiner Zitate als gelehrter Mann der Wissenschaft um deren Verlogenheit wissen müssen. Für die Tatsache, daß jüdische Aerzte ihre christlichen Patienten umbringen, gibt er etwa das folgende Beispiel (belegt natürlich!): ---- - " „... dass alss der Keyser Carolus Calvus im Jahr Christi 877 von einem Fiber angegriffen worden / ihm von einem Jüdischen Medico... in einem Pulver... mit Gifftyvergeben..worden seye. Halt sich nun ein Jud erkühnet / ein so hohes Haupt umb das leben zu bringen, was kann geringen menschen geschehen / wann sie sich •der Judischen Aertzten bedienen wollen? ..." Nachdem er den ganzen Hexenhammer, sämtliche Verbrechen der Carolina aufgezählt und als Gebot der Rabbiner bezeichnet hat, fragt er sich und die Leser, „wie der sach zu helffen seye" und warnt davor, die Juden „wie vorzeiten hin und wieder geschehen ist" „durch betrohung des Feuers und Schwerts darzuzuzwingen", sondern man möge durch Theologen „sanfftmutige Unterredung" mit den Juden pflegen lassen. Ferner müsse man ihnen „ihre Freyheiten nehmen": „Mann lasse sie / umb ihr brod zu gewinnen, das feld bauen / holtz und stein hauen / und andere schwehre arbeit thun / so wird ihnen ihr hochmuth vergehen..." Ferner sperre man die Synagogen, und „sollte mann ihnen alle bücher / in welchen gegen die Christliche Religion disputieret... auss den Händen reissen / und leuthe welche die hebreische Sprach verstehen / darzu bestellen / dass sie die Häuser der Juden bissweilen ganz unvermutheter weise visitiren". Endlich: „was der Juden erhöhung und befürderung zu ehrenämtern angehet, so wäre zu wünschen, dass solches nicht mehr geschehen mögte..." Ob Herr Eisenmenger aus der Unter- oder Oberwelt die Erfüllung seiner Postulate lächelnd mitansieht? Ob er dann und wann in Rotationstiefdruck seine eigenen Anschuldigungen lesen darf? Ob. dieser vorwärts gewandte Historiker nach mehr als zweihundert Jahren sich bestätigt findet? Eines ist gewiß: sein Sammelwerk ist unübertrefflich, und seit dem erzwungenen Erscheinen (Friedrich I. von Preußen hatte sich mehrmals vergeblich bei den Kaisern Leopold 1. und Joseph I. um die Aufhebung des „Arrests" bemüht) ist es ein Lexikon für alle kleinen und großen Judenhasser. Vergeblich haben sich Tausende, gelehrte und ungelehrte, um den höchst einfachen Nachweis der Dummheit seiner Beschuldigungen bemüht, vergebens haben die großen Aufklärer gewirkt: Voltaire, d'Alembert, Lessing, Diderot, sie alle sind vergessen — Johann Andreä Eisenmenger lebt! Es kann mitgeteilt werden, daß zur Zeit bei einem großen deutschen Verlag eine Prachtausgabe seines „Entdeckten Judentums" im Druck ist. (Mit Illustrationen diesmal!) Und sicher gibt es heute in ganz Europa keine große Autorität mehr, die es, wie im dunklen Jahre 1700 der deutsche Kaiser, unter „Arrest" setzen würde. („Das Neue Tagebuch", Paris) Ehrungen des Nobelpreisträgers Professor Dr. Löwi. Im Stockholmer Konzerthaussaal fand die feierliche Ueberreichung der Diplome für die Nobelpreise an die diesjährigen Nobelpreisträger durch den König Gustav V. von Schweden statt. Als der König dem diesjährigen Nobelpreisträger für Medizin, Prof. Dr. Otto Löwi aus Graz, das Diplom und die goldene Nobel-Medaille überreichte und dazu dem jüdischen Gelehrten den persönlichen Glückwunsch aussprach, erhob sich das Publikum und applaudierte stürmisch dem Forscher. Die Begrüßung Prof. Löwis Üurch die anwesenden Gäste uneirschied sich von der Begrüßung der übrigen Nobel-Preisträger durch eine besondereHerzlichkeit, was allgemein als Demonstration gegen den nationalsozialistischen Rassenwahn empfunden wurde. Der Preisverteilung wohnte auch der schwedische Oberrabbiner Doktor Marcus Ehrenpreis bei. Der Vorsitzende des Nobel-Komitees, Regierungspräsident Hamme r s k j ö 1 d, erinnerte in einer Rede an die Worte in Nobels Testament, daß bei Verteilung der Preise keine Rassen - und Völkerunterschiede gelten sollen. Professor Löwi befand sich auch unter den fünf österreichischen Gelehrten, die dieser Tage vom Bundeskanzler Dr. Schuschnigg besonders geehrt wurden. Boykoftmärchen. Unter dem Titel „Solidarität" veröffentlicht „Die Stimme" vom 15. d. M. folgende Notiz: „Ein zionistischer Gewerbetreibender stellte für den Wahltag seine Betriebsstätte als Agitationslokal der Zionistischen Liste zur Verfügung. Nach Bekanntwerden dieser Tatsache war die erste Wirkung die. daß eine ganze Reihe unionistischer Hausbesitzer unserem Gesinnungsgenossen die Nachricht zukommc-ü ließ, daß sie ihn mit Rücksicht auf seine politische Einstellung nicht mehr beschäftigen werden. Dieser Solidarität der niedrigen Gesinnung kann nur durch wirkliche Solidarität begegnet werden. Wir geben den Namen des betroffenen Gewerbetreibenden hekänn! um! erwarten, daß jüdische Hausbesitzer und Hausver.-. riStcr bei Vergebung von einschlägigen Arbeiten ihn berücksichtigen und ihn so für den Ausfall entschädigen werden." Diese Nachricht soll wohl die Antwort sein auf den berechtigten Unwillen und die Empörung die der Versuch der Jüdischnationalen, während des Wahlkampfes den Boykott gegen unionistische Kandidaten und Vertrauensmänner bei ihren Parteigenossen zu erwecken, hervorgerufen hat. Das ist aber ein Versuch mit untauglichen Mitteln. Die Unionisten, die auf dem Standpunkte stehen, daß sie jedeArt wirtschaftlichen Kampfmittels verabscheuen, mag es von welcher Seite immer geübt werden, können solche Methoden — am alterwenigsten Glaubensgenossen gegenüber, mögen sie welcher politischen Ueberzeugung immer sein — billigen. Die ganze Geschichte ist ein Märchen und ein R e k 1 a m e- Manöver. „Die Stimme" soll die „ganze Reihe unionistischer Hausbesitzer" nennen, die aus dem Gesichtspunkte der politischen Gesinnung ihre Arbeiten vergeben. Die Großmutter genügt nicht. In der Berliner „Zeitschrift für Rassenkunde" wird eine Zusammenstellung über die Anzahl der Menschen jüdischer Abstammung gegeben, wird hervorgehoben, daß innerhalb der letzten 2000 Jahre die Zahl der Juden nur um das Dreifache gestiegen ist, während sich die Gesamtbevölkerung Europas fast verzehnfacht hat. Der Autor der Publikation nimmt an, daß infolge Assimilation und Vermischung die gesamte vorhandene jüdische Erbmasse mindestens mit dem Zweieinhalbfachen der Gesamtzahl der Glaubensjuden (16,000.000) zu veranschlagen ist. Er meint weiters, daß diese Vervielfachungsziffer in Osteuropa mit zwei, in Mitteleuropa mit vier und im übrigen Europa mit acht zu veranschlagen ist, so daß für Deutschland mit 0.5 Millionen oder 0.75 Prozent Glaubensjuden sich die Zahl von 2,000.000 gleich drei Prozent Blutsjuden ergebe. Um im großen Durchschnitt jüdisches Erbgut mit entspre- Ii wiiniiinniiiiiiiiiiiuiiiiiiroiiiii Wien I.« Seitenstettengasse 2 XI.) Zentralfriedhof neben dem L Tor Samatag gewhlow 1_ chend großer Sicherheit ausschließen zu können, müßte nach seiner Meinung bisin diesechste Ahnenreihe zurückgegriffen werden. Kurz gesagt: die arische Großmutter genügt eigentlich den „Rassenforschern" nicht mehr. „Auf Kosten der Juden.'4 Der Palästina-Korrespondent der Prager revisionistischen Zeitschrift „M e d i n a I w r i t" erfährt, daß der bekannte Zionistenführer Dr. Arthur R u p p i n bei seiner Einvernahme in der geschlossenen Sitzung der Kgl. Kommission seinen Fünf-Jahresplan über die Ansiedlung von 160.000 jüdischen und 80.000 arabischen Familien unterbreitete. Die Ansiedlung der Juden und A ra be r soll auf Kosten der Juden vorgenommen werden . . . Einsteins Gattin gestorben. In P r i n c e t o w n ist Frau Einstein, die Gattin Professor Dr. Albert Einsteins, des Schöpfers der Relativitätstheorie, gestorben. Frau Einstein, die ihren Gatten auf fast allen seinen Reisen begleitete, war bereits seit längerer Zeit schwer leidend. Semeinde&ronik. Trauung. Sonntag, den 27. d. M., 3 Uhr nachmittags findet im Seitenstettentempel die Trauung des Frl. Gertrud T i c h o, Tochter des Vizepräsi, deuten der „Union österreichischer Juden", Herrn Dr. Josef T i c h o und Frau, mit Herrn Rechtsanwalt Dr. Ernst Politzer, Sohn des Herrn und Frau. Hermann Politzer, statt. Todesfälle. Am 17. Dezember verschied Frau Lina Kiirmendi und wurde ihrem Wunsch gemäß nur von zwei Neffen zu Grabe geleitet. Aus alten Preßburger-Eisenstädter Familien (Jelenko-Benedikt) stammend, war sie eine der letzten Wienerinnen, die sich mit Andacht an Mannheimers Predigten erinnern konnte. Mutig griff sie als eine der ersten Mittelstandsmädchen zu einem Beruf im Weithause E. & G. Spitzer, wo sie in den Chefinnen Ernestine Spitzer und Ida Kuranda mütterliche Freundinnen fand. Ihr lag die Bedienung der Monarchinnen ob, so brachte sie die Ausstattung der Konigin Christine nach Madrid. Dann heiratete sie einen kaufmännischen Anfänger und sie und ihr Gatte erwarben sich in kurzer Zeit durch Fleiß und gute kaufmännische Ideen ein großes Vermögen. Die Oeffentlichkeit würde es kaum glauben, wie viel Gutes das kinderlose Ehepaar in tiefster Stille vollbrachte, wie viel Familien sie erhielten, wie viel Existenzen sie gründeten, wie viel tüchtige Menschen sie studieren ließen, wie sie für ihre Angestellten sorgten. Dabei lebten sie äußerst bescheiden, nur Reisen in vier Weltteile bildeten ihre Erholung; so haben sie auch Jerusalem lange vor dem Zionismus besucht. Witwe geworden, widmete sich Frau Körmendi vollkommen mit Zeit, Arbeit und Mitteln der Israelitischen Volksküche und der Mittelstandsküche der Frau Kadisch am Franz Josefskai, bis sie beide dem zionistischen Vorstande weichen mußten. Frau Körmendi machte eine große Stiftung bei der Kultusgemeinde für verarmte Kaufleute, die leider durch die Inflation ganz entwertet wurde. Auch in den Tagen des Alters und bescheiden gewordener äußerer Verhältnisse blieb sie der gute Engel ihrer Familie und widmete sich der Blindenfürsorge. Schon todkrank hat diese intelligente und tatkräftige Frau mit Schrift und Telephon sich an den letzten Kultuswahlen agitatorisch betätigt und das Haus zum letzten Male verlassen, als sie sich zu den Wahlen führen ließ. Von einer 28 Jahre bei ihr gewesenen christlichen Hausgehilfin auf das aufopferndste gepflegt, verschied die fromme und edle Frau, die trotz ihres Alters eine unersetzliche Lücke in ihrem Verwandten- und Freundeskreise hinterläßt. — Nach kurzem schwerem Leiden ist hier Frau Hermine N e u m a n n, die Gattin des Regierungsrates Wilhelm N e u m a n n, im 69. Lebensjahr gestorben. Das Leben dieser gütigen Frau war ganz erfüllt von einer stillen und um so edleren karitativen Wirksamkeit. Die Verblichene, die auch im Vorstand des Jüdischen Frauenvereins Leopoldstadt überaus ersprießlich wirkte, wurde mit dem Elisabethorden und anderen Auszeichnungen geehrt.

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