Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 56 (25.12.1936)
- Date
- 1936-12-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 56 — 25. Dezember 1936 Gedenket der Winterhilfe der Bundesregierung! „Wahrheit" von der „Union" publizierte Aufsichtsbeschwerde im Wortlaut nachlesen wird, und beim Verleumden bekanntlich immer etwas hängen bleibt, lügt „Die Neue Welt" ruhig weiter: „Es wurde angeführt, daß die .vaterländisch' gesinnte Jüdenschaft aus dem Vorstande verdrängt worden sei und die Gemeinde von Elementen beherrscht werde, welche lediglich .Ausländern' und .nichtbodenständigen' Juden ihre Wahl verdanken, daß die Jugend nicht religiös und nicht vaterländisch erzogen werde." So ähnliche „Unstimmigkeiten" sind auch in dem Schreiben des Listenführers der „Zionistischen Liste" vom 14. Dezember 1936 enthalten, in dem gesagt wird, „daß die .Union' jüdische Gruppen nach ihrer Herkunft diskriminiert habe und Unterseheidxingen nach der .Bodenständigkeit' vornehme und die Vaterlandstreue der Zionisten anzweifle." Daß die „Union" jüdische Gruppen nach ihrer Herkunft nicht diskriminiert, geht aus. der Zusammensetzung ihrer Mandatare hervor, die aus allen Teilen des alten Oesterreich ohne Ausnahme ihre Herkunft ableiten. Der „Union" kommt es eben nicht auf die Herkunft, sondern auf das Bekenntnis, auf das Gefühl und auf die Empfindung an. Wer sich als aufrechter Jude zum österreichischen Volke bekennt und nach seinen Kräften bestrebt sein will, vor allem für den Wiederaufbau Oesterreichs zu wirken, wer mit seinem Vaterlande Oesterreich sich unlösbar schicksalsverbunden fühlt, dabei treu zu seinem Glauben hält und an dem Schicksal seiner Glaubensgenossen, wo immer in der Welt, Anteil nimmt, der ist in den Reihen der „Union" gleichgültig, ,„woher, er, kam der ..Fjihrt" jederzeit willkommen. Wir haben es immer gesagt und haben es nicht nötig, das in Sondererklärungen zu bestätigen und zu wiederholen, daß wir damit nur getreulich das fünfzigjährige Programm der „Union" betätigen und zum Ausdrucke bringen, daß es eine Unterstellung ist, wenn in diesem unseren Bekenntnis der Anzweiflung der Vaterlandstreue politisch anders eingestellter Gruppen unserer Glaubensgenossen erblickt wird. Wir werden durch solche Unterstellungen und Insinuationen uns aber nicht abhalten lassen, unser Bekenntnis und unser Programm zum Ausdrucke zu bringen, wann und wo wir dies für notwendig oder zweckmäßig finden. In ihrer tödlichen Verlegenheit, die Entrechtung der „Union" und der hinter üir stehenden 12.000 Wähler — abgesehen von den -1000 Wählern, die hinter den Mandataren stehen, die, ohne zur „Union" zu gehören, ihre Forderungen unterstützen — ihren eigenen Anhängern plausibel zu machen, wissen sich die Jüdischnationalen nicht anders zu helfen, als den Briefwechsel zwischen der „Zionistischen Liste" und der „Union" zu veröffentlichen. Dafür gebührt den Jüdischnationalen unser besonderer Dank. Sie glauben, dadurch auf die Leser den Eindruck hervorrufen zu können, daß sie nichts zu verbergen haben. „Die Stimme" macht den vergeblichen Versuch, den Lesern zu suggerieren, daß die „Union" selbst daran Schuld trägt, daß sie die ihr gebührenden Stellen im Präsidium und im Vertreterkollegium nicht erhalteji habe. Herr Präsident Dr. Desider Friedmann hat sich dazu hergegeben, Bedingungen zu stellen, unter welchen der „Union" die ihr gebührenden Rechte zuteil werden sollen. Dazu können unsere Leser die Ansicht desselben Herrn Dr. Friedmann aus Anlaß des angeblichen Präzedenzfalles im Jahre 1929 hören: „Ich wiederhole, daß der Zionistische Klub, insolange ihm der gebührende proportioneile Anteil an der Leitung und Verwaltung der Gemeinde sowie der Kontrolle und der Gebarung nicht eingeräumt wird, es ablehnen muß, zu anderen Fragen irgend welche Stellung zu nehmen." Oder noch schöner am 22. Jänner 1929: „Wir bestreiten auf das Entschiedenste das Recht, Zusicherungen und Zurückstellung programmatischer Forderungen dafür zu verlangen", daß der seit Jahren im Kultusvorstande anerkannte selbstverständliche Grundsatz der proportionellen Verteilung der leitenden Stellen, „welcher heutzutage in der Gemeindevorstehung des letzten Gebirgsdorfes respektiert wird", anerkannt wird. Die „Union" verlangte nämlich nach dem Ausgange der Wahlen des Jahres 1928, welche 18 unionistische Mandatare, 13 zionistische, vier sozialdemokratische und einen unpolitischen Mandatar in die Kultusgemeinde brachten, die sofortige Ausschreibung von Neuwahlen wegen der von den .Jüdischnationalen um ihrer Bundesgenossenschaft mit den Sozialdemokraten willen aufgestellten Parole der Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechtes ohne Unterschied des Geschlechtes in die Kultusgemeinde. Aber damals las man's eben anders. Im Jahre 1936 wird von der jüdischnationalen Majorität der Israelitischen Kultusgemeinde Wien der „selbstverständliche Grundsatz der Gemeindevorstehung des letzten Gebirgsdorfes" nicht mehr respektiert. Der Dank des Vaterlandes. England ein Beispiel. In der Cricklewood Synagogue in London fand unter der Leiung des Feldoberrabbiners der englischen Armee, Dajan M. G o 11 o p, zum dreiunddreißigstenmal der Chanukka-Gottesdienst für Angehörige der Flotte, des Heeres und der Luftwaffe statt. Dem Gottesdienst in der überfüllten Synagoge wohnten u. a. Feldmarschall Sir William R. B i r dw o o d, General Sir lan Hamilton und der Bürgermeister von Willesden bei. Im Rahmen des Gottesdienstes fand eine Huldigung für den neuen König Georg VI. statt, dem Fekloberrabbiner Gollop im Namen der jüdischen Mannschaften Treue auf vollem Herzen gelobte. Zu Beginn der anschließenden Kameradschaftsfeier in den Wharncliffe Sälen wurde von dem Vorsitzenden, Major F. C. Stern, folgendes Telegramm König Georg VI. verlesen: Bitte übermitteln Sie den jüdischen Angehörigen der militärischen Kräfte den aufrichtigen Dank des Königs für ihre freundliche und loyale Glückwunschbotschaft. Der Marquis of Reading sprach den Toast auf die kgl. Streitkräfte. Ein englischer Ministerpräsident (Disraeli) habe einst gesagt: Welchen Zweck hat es, ein Volk vernichten zu wollen, das über zweitausend Jahre landlos ist und noch immer ein Erntefest feiert. Ebenso könne man sagen: Es ist zwecklos, ein Volk vernichten zu wollen, das nach zweitausend Jahren der Wehrlosigkeit noch immer ein Siegesfest, Chanukka, begeht. Die Heere des Juda Makkabi, fuhr Lord Reading fort, sind schon lang zu Staub geworden und das Volk, dem er seine Kämpfer entnahm, ist seit Jahrhunderten über die ganze Erde zerstreut. Aber wäre es vor zwanzig Jahren möglich gewesen, alle jüdischen Kontingente der britischen Streitkräfte an einem Ort zu sammeln, so hätte es eine Parade gegeben, bei deren Anblick selbst Juda Makkabi sich vor Staunen die Augen gerieben hätte. Denn die jüdische Gemeinschaft hat den Streitkräften des Britischen Reiches allein 50.000 Mann gestellt und Ihr seid die Ueberlebenden oder die Nachfolger dieses großen Heerbanns und den gleichen Ueberlieferungen von Dienst und Opfer geweiht. Lord Reading sprach dann davon, daß das Vaterland den Kämpfern zu Dank verpflichtet sei, daß aber noch größer die Dankbarkeit der jüdischen Gemeinschaft gegenüber dem Vaterland sein müsse, das seinen Bürgern Rechte gewährt und Pflichten von ihnen fordert. Die jüdischen Soldaten seien die beste Antwort an die, die böswillige Legenden über Mangel an Staatstreue bei den Juden verbreiten. Allzu sehr werde es von vielen jungen Leuten angestrebt, politische Uniformen, allzu wenig jedoch, die militärische Uniform zu tragen. Wenn Ihr, rief Lord Reading den Versammelten zu, euch nicht beruflich der soldatischen Laufbahn widmen NEU SOEBEN ERSCHIENEN MOT HEIHKEI1R Ein Roman ans der Geschäftswelt von Mor Naumann Kein Alltagsroman, sondern ein Buch, das dadurch an Wart gewinnt, weil es das Schicksal eines ganzen Standes behandelt. Ganzleinen S 9.30 Kartoniart S 6.70 . FlBA-YEMAti, Wien VI.. Gumpendorferattafc 10 wollt, dann steht euch der Landsturm offen, wo Ihr nicht abgesondert, sondern Seite an Seite mit euren Mitbürgern einen Platz in den historischen Regimentern der Armee finden werdet, in der wir in vergangenen Tagen mit Stolz gedient haben. Wenn wir wünschen, daß Juden als Soldaten, Matrosen oder Flieger Dienst tun, dann wünschen wir auch, daß sie damit erweisen, daß ihre Hingabe für das Vaterland nicht geringer ist als die anderer. Nach dem Trinkspruch Lord Readings sprach für die Kriegsflotte Admiral Sir William W. F i s h e r, im Namen des Heeres Feldmarschall Sir William R. Birdwood, der darauf hinwies, daß von den 50.000 Juden, die auf englischer Seite am Weltkrieg teilgenommen haben, 10.000 ihr Leben für das Vaterland opferten. Es sprach ferner Gruppenkapitän A. C. Wright, Feldoberrabbiner Gollop, Lord-Richter Greene, General Sir Walter M. St. K i r k e ah Oberkommandant des Landsturms und Oberst R. H. Joseph. Zur Nachahmung empfohlen 1 Sperre der tschechisch-jüdischen Schwimmer aufgehoben. Die Generalversammlung des Tschechoslowakischen Schwimmerverbandes befaßte sich dieser Tage mit der Suspendierung der jüdischen Schwimmvereine, die kurz vor den Olympischen Spielen wegen der Weigerung, jüdische Schwimmer nach Berlin zu entsenden, ausgesprochen worden war. Es wurde beschlossen, die Sperre in eine Geldstrafe von 1000 tschech. Kronen umzuwandeln, nach deren Erlag die jüdischen Schwimmvereine den Verkehr mit in- und ausländischen Klubs in vollem Ausmaße wieder aufnehmen können. Man hat sich in Prag vernünftigerweis© zu der Aufhebung eines Zustandes entschlossen, der in gleicher Weise die von der Suspens Betroffenen als auch jene, welche sie aussprachen, schädigte. Die jüdischen Schwimmer der Tschechoslowakei gehören zu den kampfstärksten ihres Landes, und ihre Kaltstellung würde auf die Dauer eine schwere Einbuße für den tschechoslowakischen Schwimmsport bringen. Aehnlich sind auch die Verhältnisse in Oesterreich. Die jüdischen Schwimmer Judith Deutsch, Langer und Go 1 dne r, wurden wegen ihrer Weigerung, nach Berlin zu fahren, auf zwei Jahre suspendiert, und der Schwimmverband glaubte, noch ein übriges tun zu müssen, indem er die Strafe auf zweieinhalb Jahre erhöhte, eine Maßnahme, die dann allerdings übet Einspruch der Sportfront wieder rückgängig gemacht werden mußte. Immerhin ist aber auch die Sperre von zwei Jahren für die Schwimmerinnen gleichbedeutend mit der Beendigung ihrer sportlichen Karriere. Da man scheinbar nun auch gewillt ist, jene Athleten, die sich wohl nicht weigerten, nach Berlin zu gehen, aber sich dann dort schwere disziplinare Vergehen zuschulden kommen ließen, zu p a r - d o n i e r e n, scheint es nun an der Zeit, auch an eine Liquidierung der Schwimmerangelegenheit zu denken. Denn höher als die rein physische Eignung zum Sportler steht unzweifelhaft die moralische: die jüdischen Schwimmerinnen hätten einen erstaunlichen Mangel an Ehrgefühl deklariert und damit nur einen anderen, ebenso unwahren Vorwurf der Antisemiten rechtfertigt, hätten sie in einem Lande das in Theorie und Praxis die Menschenwürde der Juden mit Füßen tritt, nach dem Oelzweige gerungen, der im alten Griechenland als ein Symbol der menschlichen Vollkommenheit gewertet wurde. Das müßten die österreichischen Sportbehörden nun, da auch die tschechoslowakischen Einsehen bekundet haben, berücksichtigen. tm^m^^!i&W¥ *