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Die Wahrheit · 1936-12-25 · Heft 56 (25.12.1936) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 56 (25.12.1936)
Date
1936-12-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 56 — 25. Dezember 1936 DIE WAHRHEIT Cafe Buchsbaum IL Kleine Pfarrgasse SM Tel. A 43-5-19 Treffpunkt der guten jüdischen Gesellschaft Vollständig neu renoviert lesen waren . . . sind gegen die Männer gerichtet, die bewußt, wie der Anwalt Dr. Curti, oder unbewußt den Juden und Bolschewisten bei ihrem Versuch der Verschleierung des Komplotts halfen. Diese Männer werden ebenso wie die Ahnungslosen eines Tages merken, daß das Schweizer Volk mehr von der Wahrheit weiß, als die meisten seiner heutigen politischen Führer daß die Welt in diesen elf Monaten zwischen dem Mord in Davos und seiner Sühne viele Erkenntnisse über den Weltfeind mit dem Gesicht des Juden und der Maske des Bolschewisten erworben hat." „Kölnische Zeitung", Köln, 13. Dezember 1936, gleichfalls im Leitartikel, gleichfalls unter mehrspaltiger Ueberschrift: „David Frankfurter hat seine Tat wochenlang mit einer solchen Sorgfalt vorbereitet, daß sich auch die Frage erhebt, ob der Entschluß zum Mord in ihm allein gereift ist oder ob er sich der Hilfsstellung von Hintermännern sicher wußte." Fortsetzung dieser Propaganda nach dem Urteilsspruch. „Völkischer Beobachter", Berlin, 16. Dezember 1936: Ueberschrift des Leitartikels: „Die kriminelle Seite des Mordprozesses David Frankfurter ist erledigt, die politische steht noch offen: Deutschland will Genugtuung. — Die Hintermänner werden entlarvt!" Schluß des Artikels des Sonderberichterstatters Wolfgang Diewerge: „Wir werden nicht müde werden, bis nicht nur das Werkzeug David Frankfurter, sondern auch seine Helfershelfer, Hintermänner und Antreiber so bestraft worden sind, daß der Weltliga zur Abwehr des Antisemitismus für immer die Lust vergeht, das nationalsozialistische Deutschland durch Wort oder Tat anzugreifen." „Berliner Lokal-Anzeiger", Berlin, vom IS. Dezember 1936: Vierspaltige Schlagzeile: „Urteil in Chur: Nur 18 Jahre Zuchthaus für den Mörder David Frankfurter. — Der kriminell-prozessuale Teil des Falles erledigt, — Deutschland wird die politische Seite weiterverfolgen". — Ueberschrift des Leitartikels: „Die Drahtzieher in Freiheit" „Deutsche Allgemeine Zeitung", Berlin, vom 16. Dezember 1936: Ueberschrift: „Die Hintermänner Frankfurters." — Aus dem Text: „Eine Reihe von Fragen konnte freilich nach Lage der Dinge in dem Prozeß nur berührt werden. Vor allem der Frage der Hintermänner wendet sich nunmehr das leidenschaftliche Interesse der deutschen Oeffentlichkeit zu. ... Der Prozeß ergab als zweifelsfrei, daß Frankfurter Hintermänner gehabt hat. Die Schweizer Presse gegen die national-sozialistische Propagandataktik. „Rasier Nachrichten", Basel, v. 15. Dezember 1936. „Für ein jüdisch-bolschewistisches Komplott ist auch nicht der geringste Beweis erbracht worden. Die Davoser Mordtat ist die Tat eines Einzelnen. . . . Daß der politische Hintergrund nicht fehlte, . . . dafür hat in erster Linie das parteiamtliche Deutschland gesorgt. . .. Noch läßt sich nicht übersehen, welchem Zweck die einfach ganz unerhörte Hetze dieser kommandierten Prozeß-Berichterstattung dienen soll. . . ." „Der Bund", Bern, vom 16. Dezember 1936. „Wir verstehen die Not der deutschen Zeitungen. Wie sollen sie üiren Lesern die Tat Frankfurters erklärlich machen, wenn sie nichts sagen dürfen vom eigentlichen Einfluß der Judenverfolgungen, wenn sie die Ausführungen des Verteidigers pflichtbewußt als Greuelmärchen abtun müssen? Es tönt sehr freundlich, wenn da und dort geschrieben wird, das schweizerische Gericht habe ohne Schuld die Frage des Komplotts nicht abgeklärt. Der Vorwurf, daß unsere Behörden nicht alles zur Abklärung getan hätten, bleibt bestehen. Zu Unrecht. . . . Der Präsident hat öffentlich festgestellt, daß alles, was auf Hintermänner hinzudeuten schien, gründlich untersucht worden ist. . . . Wir haben uns bei der Bundesanwaltschaft bestätigen lassen, daß den verschiedensten Dingen, die als Anzeichen eines Komplotts genannt worden waren, mit größter Aufmerksamkeit nachgegangen wurde. Mit dem Erfolg, daß nichts an den Tag gefördert werden konnte, was wirklich auf ein Komplott hingedeutet hätte. Diese Nachforschungen nach dem Komplott waren zu einem guten Teil der Grund dafür, daß die Untersuchung sich über den ganzen Sommer und den Herbst hinzog. Die deutsche Presse mag für ihre Propagandazwecke im Innern des Landes behaupten, was sie will, wir dürfen in der Schweiz die sichere Ueberzeugung haben, daß unsere Behörden pflichtgemäß handelten." „Neue Zürcher Zeitung", vom 15. Dezember 193(5, Abendausgabe. Meldung des Korrespondenten des Blattes aus Berlin: „Bei der Aufnahme, die das Churer Urteil in der deutschen Oeffentlichkeit (genauer gesagt: beim Reichspropaganda-Ministerium und bei der Auslandsorganisation der N. S. D. A. P.) findet, sind zwei Ueberiegungen maßgebend. ... In erster Linie wird die Einsetzung eines neuen Landesgruppenleiters für die Schweiz angestrebt . . . Hier stößt man auf die zweite Ueberlegung, die von der nationalsozialistischen Propaganda zur Nutzbarmachung des Churer Prozesses angestellt wird. Der Fall Frankfurter ist dafür bestimmt, der Kristallisationspunkt der von Deutschland aus betriebenen antisemitischen Agitation zu werden. Wir leben in einem Zeitpunkt, wo die deutsche Außenpolitik keine zugkräftige Parole bietet und die innere Politik stagniert. Was liegt vom Standpunkt der nationalsozialistischen Regie aus, um die Bevölkerung von ihren täglichen Sorgen abzulenken, näher, lalt Pension Echstcin Semmsring als wieder auf die" jüdischen Sündenböcke zurückzugreifen und den Zeitungen durch die Ausmalung einer Weltverschwörüng eine Beschäftigung zu verschaffen?" „National-Zeitung", Basel, vom 14. Dezember 1936. Wir langsamen Hirtenknaben können doch von unseren fixen Kollegen der Feder von den Ufern der Spree allerhand lernen. Neiderfüllt blicken wir beim fleißigen Notizenmachen während der Verhandlungen hinüber zu den deutschen Kollegen, die stundenlang zuhörten, ohne sich nur ein einziges Stichwort aufnotieren zu müssen. Welch ein Gedächtnis! Und wenn man dann am nächsten Tage die deutschen Zeitungen aufschlug, fand man darin ganz ausführliche Berichte über den Gang der Verhandlungen. . . . Einem hübschen Zufall verdanken wir die Kenntnis einer 63-seitigen, von den beiden Vertretern der Zivilpartei verfaßten und in Maschinenschrift ver- Ab morgen SMRLEY TEP1M.E in Shirley Ahoi! Burg-, Imperiale Stafa-, Votivpark-Kino vielfältigten Broschüre „Der Fall Gustloff". Wenn man diese Darlegungen mit deutschen Zeitungsberichten vergleicht, findet man verblüffende, oft weitgehende wörtliche Wiedergaben aus der Broschüre, die sich bis auf die Druckfehler erstrekken. . . . Selbst die Schreibfehler werden gleichgeschaltet. . . ." „Basler Nachrichten", vom 14. Dezember 1936. „Seit Beginn des Churer Prozesses führt die National-Sozialistische Presse eine Kampagne, die weit über den gewohnten Antisemitismus hinausreicht. . . . Die Schweiz verwahrt sich mit aller Entschiedenheit gegen die Hetze gegen die schweizerische Justiz, die den Vergleich mit dem, was heute im Dritten Reich teils auf Grund der Gesetzgebung, teils auf Grund der Rechtsprechung die Justiz repräsentiert, aber sehr wohl aushalten kann. ... Die Komplott-These wird von der ganzen deutschen Sonntagspresse mit laufreizender Hartnäckigkeit wiederholt. . . . Selbst Blätter wie die „Frankfurter Zeitung", die sich bis heute um eine ruhigere Berichterstattung bemühten, sind nun gezwungen, diese Vorwürfe und Verdächtigungen ebenfalls aufzustellen." „Neue Zürcher Zeitung", vom 14. Dezember 193G, Morgenausgabe. „Nach dem Plaidoyer des Amtsklägers, das mit der Komplottheorie tabula rasa machte, hoffte der biedere Schweizer, daß nun endlich auch die dieses Plaidoyeir lobende deutsche Presse vor den Tatsachen nicht mehr die Augen verschließen werde und daß irgendein Einsichtiger — und hieße er Wolfgang Diewerge — es des grausamen Spiels mit der Berufsehre der deutschen Journalisten genug sein lassen und ihnen die Permanenzerklärung des sacrificio dell' intelleto verbieten werde. Aber seither hat man aus Berlin gehört, daß alle Komplottheorie amtlich als zu Recht weiterlebend erklärt worden ist, und es ist nicht vorauszusehen, daß einer der freundlichen Herren, mit denen wir hier in Chur unter dem Dache des Hotels Steinbock genächtigt haben, gegen den Stachel des Propagandaministerium löken wird." Die Jüdischnationalen verletzen die Grundsätze der Verwaltung des „letzten Gebirgsdorfes". Die Aeußerungen der jüdischnationalen Blätter zur Vergewaltigung der „Union" und zum Mißbrauch des Majoritätsrechtes in der „Stimme" und in der „Neuen Welt" bemänteln nur sehr dürftig die rücksichtslosen Gewaltmethoden, welche die Jüdischnationalen in- und außerhalb des Kultusvorstandes anwenden und angewendet haben. Die Jüdischnationalen, das merkt man den Publikationen an, sind in der größten Verlegenhent, wie sie, die Hüter des Minoritätsrechtes, den Mißbrauch der Majorität rechtfertigen sollen. Sie winden sich und drehen sich, den Grundsätzen der Demokratie und des Proporzes irgendwie öffentlich Verbeugungen zu machen, um sie hinterrücks zu verleugnen und ihnen ein Schnippchen zu schlagen. „Die Neue Welt" glaubt aus Lügen, wenn man sie mit Anführungszeichen versieht, Wahrheiten machen zu können. Aber die Falschmünzermethoden dieses Blattes sind wohl bekannt und es wird ihm unvergessen bleiben, daß es aus der Aufsichtsbeschwerde der „Union" im Falle Löwenherz, in welchem die Demokraten und Hüter der Selbstverwaltung das Kunststück zustande brachten, mit 17 von 36 Stimmen, also mit der Minorität, den ehemaligen Vizepräsidenten Dr. Löwenherz zum provisorischen Amtsdirektor der Kultusgemeinde zu bestellen, eine „Denunziation" und eine „Anzeige".,gemacht hat, um .die Aufmerksamkeit der Wiener österreichischen Judenschaft von der Tatsache der politischen Korruption in der Kultusgemeinde abzulenken, die Herrn Oberbaurat Stricker zum Vizepräsidium und Herrn Doktor Josef Löwen herz zur Amtsdirektion verhalt. Und so wird flott weiter gelogen, daß die Aufsichtsbeschwerde, „wie bekannt", die Forderung nach Auflösung des Vorstandes und Einsetzung eines Regierungskommissärs enthielt. Und auf eine Lüge mehr oder weniger kommts nicht mehr an: „Die Neue Welt" schreibt, daß „die Führer der .Union' Argumente unsacldicher Art benützt haben, welche die Ehre und die Sicherheit der österreichischen Judenschaft in höchste Gefahr brachten". Und da das Lügen zur Gewohnheit geworden ist und man annimmt, daß niemand die in der

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