Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 55 (18.12.1936)
- Date
- 1936-12-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 55 — 18. Dezember 1936 DIE WAHRHEIT DIE > wir, die nachfolgenden, nachlebenden Kameraden, ehrfürchtiger sprechen, weil wir sie in ihrer Tat verstehen." Die zur Erläuterung der „Dokumentensammlung" dienende photographische Sammlung wirkt besonders eindringlich durch die Bilder, die die ersten Monate der Judenverfolgung 1933 und des Generalangriffes im Sommer und Herbst 1935 wiedergeben. Verschiedene Bilder aus dem bekannten Nürnberger „Stürmer" erweisen die Beschimpfung der jüdischen Religion, aber auch katholischer religiöser Einrichtungen. Vor dem Rathaus in Breslau ist unter Bewachung von SA- Leuten ein Pranger errichtet, auf dem Juden und christliche Mädchen mit Namen und Adresse verzeichnet sind, von denen die Rede geht, daß sie Beziehungen irgendwelcher Art zueinander unterhielten. In einem anderen Bilde wird die „Austreibung" der Juden, insbesondere jüdischer Kinder, aus einem Mannheimer städtischen Bade dargestellt. Diese beiden Dokumentensammlungen, die nur Tatsachenberichte, kein Wort der Verteidigung oder gar des Angriffs bringen, werden als unbestreitbare Zeugen der Wahrheit über die Judenverfolgungen in Deutschland zur Erkenntnis der nationalsozialistischen Weltanschauung jeden» Vorurteilsfreien dienen. David Frankfurter, der Mann, der wegen des Mordes an Wilhelm Gustloff zu 18 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, bewies in einem Interview, das wenige Tage nach dem Mord in der schweizerischen Zeitung („Gazetta üadina", Schuls) erschienen ist, Qualitäten, die man Mördern sonst nicht zuzubilligen? pflegt Der Mitarbeiter der romanischen Zeitung fragte ihn, ob er die Tat nicht bereue, worauf Frankfurter antwortete: „Die Witwe Gustloffs tut mir sehr leid." Auf den Einwand, noch vielmehr leid sollten ihm seine eigenen Angehörigen tun, brach Frankfurter in Tränen aus. faßte sich aber bald und sagte: „Es ist ein großes Glück, daß meine liebe Mutter es nicht mehr erlebt hat." Von der Tat selbst sagte Frankfurier, es käme ihm nun alles vor wie ein Traum. Er wisse aber genau, daß er nicht habe anders handeln können. Die Unterdrückungen und Mißhandlungen, die in Deutschland nicht nur an Juden, nein, auch an Katholiken und Protestanten begangen würden, nur wenn sie mit der nationalsozialistischen Theorie nicht einverstanden seien, hätten ihn tief empört. Ein Vertreter dieser Theorien in der Schweiz sei eben Gustloff gewese,n. „Er hat aus der Schweiz einen Vasallenstaat Deutschlands machen wollen." Als Medizinstudent habe er (Frankfurter) die Vorstellung eines gefährlichen Bazillus gehabt, der in der Person Gustloffs auch in der Schweiz die Pest des Nationalsozialismus verbreiten wolle. Diesen habe er treffen wollen, nicht die Person des Getöteten. Caft Pension Echsfein Semmering (Rassenftagen unter feelenarzten. Offenbar induziert durch die reichsdeutsche Gesetzgebung gegen die Juden, hat die unter dem Vorsitz von Dozent Dr. Kogerer stehende „Ueberstaatliche allgemeine ärztliche Gesellschaft für Psychotherapie, Landesgruppe Oesterreich", wüe „Der Tag" berichtet, es für gut befunden, gelegentlich der allerdings recht spärlich besuchten Hauptversammlung durch Professor Dr. Erwin Stransky, einen „Vollblutjuden" — wie er selbst immer wieder in seinen Ausführungen betonte.-^, einen Vortrag über das Thema „Rasse und Psychotherapie" halten zu lassen. Unter dem Motto „Primum non nocere!" (Vor allem nicht schaden!), gestützt auf Ansichten von Eugen Fischer, Menghin und Günther über „Rasse" und auf Aeußerungen von C. G. Jung und von einem deutschen Nervenarzt Göring über „Psychotherapie", kam der Vortragende, der sich bemühte, möglichst „komplexfrei" die Dinge, wie sie sind, unter die kritische Lupe zu nehmen, zu der Feststellung, daß es wohl „judeotrope" Arier und „ariotrope" Juden gebe, daß aber der Seelenarzt seine Patienten, die ihn in freier Arztwahl aufsuchen, über seine „Rasse" informieren müsse, um eine etwa aus diesem Faktum später auftretende Vertrauenskrise zu verhüten. Es gebe eine gewisse Intelligenzschichte unter Ariern, die sich nur von gleichrassigen Psychotherapeuten führen las sie. Mit Hinweisen auf die „Spannung" zwischen verschiedenen Rassen, auf die Psychologie der „Ghettoseele", auf die Neurosen der Juden, auf die Frage, ob bei Juden eine besondere Eignung zum Psychotherapeuten vorliege, schloß Professor Stransky seinen Vortrag über „ein recht heikles Thema". Also: durch einen jüdischen Professor dozierte, gefühlspsychologisch motivierte, rassische Autarkie in dier Psychotherapie . . . Ergebnis der Diskussion: die „arischen" Psychotherapeuten gaben lobend ihre Zustimmung zu den vorgetragenen Ansichten Professor Stranskys, die „jüdischen" Psychotherapeuten hielten mit ihrer ablehnenden Stellungnahme nicht zurück. Sie verwiesen auf die Tatsache, daß „Rasse" und Volk nicht identisch sei, daß der „Rassismus" anthropologisch auf schwachen Füßen stehe, daß die Psychotherapie als Wissenschaft international sei und man höchstens von „Rasse und PsychotherapeuteB" sprechen könne, wobei man auf Grund von Tatsachen die Formulierung prägen dürfe, daß die Juden durch ihr psychologisch and soziologisch begründetes. Einfühlungsvermögen ei. <iPlus für die Tätigkeit in der Psychotherapie haben, wenn sie auch als Objekt der Psychotherapie5 gewiß die unangenehmeren Patienten sind. Auch auf die soziologische Bedingtheit des ganzen Fragenkomplexes wurde gebührend hingewiesen, wenn auch von allen Rednern peinlichst vermieden wurde, darauf hinzuweisen, was der Kern des Jahrzehnte nicht aktuell gewesenen, heute! aber durch Schlagworte aktuell gewordenen PröbjMns; ist: Politik in der Heilkunde . :' ß!v '^■'.^^^J^^S^^ß^&s.So, daß die wichtigsten psycnoVherapeutischen Methoden, die ja auch von vielen „arischen" Psychotherapeuten gehandhabt, mit Erfolg gehandhabt werden, von'Juden stammen. Weiters, daß selbst prominente „nicht-pro-jüdisch" gesinnte1 — diese Umschreibung prägte Professor Stransky für das populärere Wort „antisemitisch" — Zeitgenossen sich ohne Die besten 1 Eisen Wirstul Seliwarei 3 mal täglich frisch bei IKELHiU IL, PrMBKB Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten. Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Maas elegantest ausgeführt. Vertrauenskrise von jüdischen Aerzten behandeln und „psychotherapieren" lassen. Nicht gesagt wurde, daß es außer Jung, dem „klugen, aber undankbaren Sprößling der Lehre Freuds", außer Günther und den anderen Kronzeugen der Thesen Stranskys doch auch Männer wie Thomas Mann, wie die namhaftesten Psychotherapeuten der gesamten gebildeten Welt — abgesehen vom totalitär rassistisch induzierten deutschen Raum — gibt, die die Auffassung des Schweizer Psychotherapeuten Mauer hofer vertreten, die hier zitiert sei: „Freud treibt nicht jüdische Psychologie; das heißt Psychologie des Juden, sondern er treibt Psychologie des Gegenwartsmenschen, und deshalb ist er für uns verbindlich. Jede andere Auffassung einer Jüdischen Psychologie' ist gleich krypto-antisemitisch wie etwa jüdische Physik, jüdische Mathematik, jüdische Chemie und vom Standpunkt der Wissenschaft aus unhaltbar." mtmmßimm Lloyd George und die Juden. In der vorigen Nummer der „Wahrheit" wurde ein Brief Lloyd Georges von höchst philosemitischem Charakter zitiert, den er" an den Rabbiner von Manchester geschrieben hat. Viel interessanter ist aber noch diie Feststellung, die er in dem soeben erschienenen letzten Band seiner „M emo.iren" macht. Er, der Organisator des englischen Widerstandes im Weltkriege, widmet — ob mit Recht oder Unrecht, vermag der Laie nicht zu beurteilen — Kapitel um Kapitel der Unfähigkeit der englischen und französischen Feldmarschälle. „Es hat sich zu spät erwiesen", sagt er wörtlich, „daß der einzige findige (resourceful) englische General des Weltkrieges der Australier M o n a s Ii war, wie die größte Heldentat im ganzen Kriese nach dem Urteil aller unserer Feinde sein Untergebener Oberst Rosenthal bei der Erstürmung eines Forts in Nordfrankreich vollbrachte." Lloyd George erwähnt nicht, daß beide Männer australische Abkömmlinge deutscher Juden waren, aber diese Tatsache allein erklärt schon die Judenfreundlichkeit des rassenreinen Kelten. Es hat sich vielleicht an Deutschland furchtbar gerächt, daß in dem wilhelminischen Preußen kein Jude Offizier werden konnte, während in den Ententeheeren zahlreiche Juden hohe und höchste Posten inne hatten. Cl. Benedikt. Eingesendet. Einer von vielen. Wir erhalten folgende Zuschrift: Das Unglaubliche ist wahr geworden. Die jüdischnatiönale Majorität hat beschlossen, den Unionisten, die ihnen gebührende Stelle im Präsidium zu verweigern. Ich war bei der Wahlrede des Herrn Dr. D. F r i e d m a n n anwesend, die er am 1. November im Imperial-Kino hielt, und notierte mir seine folgenden Worte: „Wir hassen nichi, sondern wollen Solidarität!" Kommentar überflüssig! Die Majorität ist blind gegenüber der Tatsache, daß sie durch dieses brutale, rücksichtslose Vorgehen dem Gesamtjudentuin furchtbaren Schaden zufügt, denn -sier entzündet dadurch bei den 12.000 Wiener Juden einen fanarischen Haß gegen die Jüdischnationalen. Es wäre doch das einzig richtige, sich nur aui rein jüdische Interessen zu einigen und den Nationalismus beiseite zu lassen, denn dieser führt, wie Grillparzer sagte, zur Bestialität. Hochachtungsvoll R. Roth, I. UNION-KLUB. Es war ein glücklicher Gedanke des Kulturreferates des „Union-Klubs", den berühmten Internisten Prof. Dr. H. S c h u r zu bitten, den Mitgliedern und Freunden der „Union" einen Vorira.; über „Die Ernährung des gesunken und des kranken Menschen" zu halten. Der am 14. Dezember im Festsaal des „Union-Klubs; abgehaltene Vortragsabend war denn auch gut besucht, unter den Anwesenden bemerkte man Prof. Dr. A. Pick, den der Vorsitzende Dr. R Brichta besonders herzlich begrüßte. Prof. Dr. H. Schur verstand es, mit seinen tiefgründigen Ausführungen die Anwesenden vom ersten bis zum letzten Moment in Spannung zu halten. Sie hatten da Gelegenheit, von einem anerkannten Fachmain Fragen beantwortet zu erhalten, die so mancher Hausfrau schwere Sorgen bereiten. Die Beantwor tung dieser Fragen erfolgte in einer durchaus populären Form, das Wissen der Zuhörer wurde gewiß stark bereichert. Sie dankten dem beliebten Arzte durch reichlichen Beifall und bereiteten ihm große Ovationen. JUGEND-UNION. Mittwoch, den 16. d. M. fand die Generalver Sammlung der Jugend-Union statt; wir werden unserer nächsten Nummer einen ausführlichen Be rieht darüber bringen.