Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 55 (18.12.1936)
- Date
- 1936-12-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. Nr. 55 — 18. Dezember 1936 DIE WAHRHEIT DIE W halten, dann kann man sogar mit Anblick eines toten Opfers einen kleinen Gewinn buchen." Damit ist die juristische Frage „cui prodest?" einleuchtend beantwortet. Den Nutzen von Frankfurters Tat hat einzig und allein die Schweiz und nicht der Täter oder gar geheimnisvolle Hintermänner desselben. Das Schweizer Gericht hat ausdrücklich festgestellt, daß trotz eingehender Untersuchung keine Anstifter der Tat eruiert werden konnten. Aber damit gibt sich der „Völkische Beobachte r", der ja die ganze Weltgeschichte als das Ergebnis jüdischer Geheimverschwörungen auffaßt, nicht zufrieden. Er schreibt — und der Deutschlandsender hat es gefunkt — folgenden romantischen Galimathias: „Jetzt nach Beendigung des Prozesses muß die Frage der Hintermänner aufgeklärt werden, denn es steht außer Zweifel, daß Frankfurter Hintermänner hatte, und es ist nur die Frage, wo sie sitzen. Die politische Seite der Mordtat Frankfurters ist nicht erledigt, aber das ist eine Angelegenheit, die nicht die Schweiz angeht, sondern allein das nationalsozialistische Deutschland und das Weltjudentum." Wenn es den Nazis wirklich ernst mit der Frage wäre, wer den Frankfurter zu seiner Tat gereizt hat, dann müßten sie sich die Weisheit der Inschrift über dem Portal des Apollo-Tempels von Delphi zu eigen* machen: „Erkenne Dich selbst!" Das ,ist aber wenig wahrscheinlich, selbst wenn der ziemlich aussichtslose Versuch gelänge, die heutigen Lenker der deutschen Politik zu überzeugen, daß-der Tempel mit dieser anzüglichen Aufforderung kein Judentempel war. Uns läßt der Fehdehandschuh, der da dem Weltjudentum hingeworfen wird, kalt. Der Krieg des Hakenkreuzes gegen die deutschen Juden hat schon zu einer Zeit den Gipfel von Roheit und Gemeinheit erreicht, als noch keine Frankfurter-Tat den V6rwand hiezu bot. Er wäre auch ohne diese Tat brutal fortgesetzt worden. Wer in diesem Krieg schließlich siegen wird, das lehrt uns unsere jüdische Geschichte. Es war stets der jüdische Geist, der über die rohe Gewalt unserer Hasser triumphierte. Voraussetzung für die Wiederholung dieses traditionellen Sieges in der Zukunft ist unsere Treue zum jüdischen Geist. Das Aufheben des Nazi-Fehdehandschuhs in der Art Frankfurters bedeutet ein gefährliches Abirren von dem uns vorgezeichneten Wege. Man rettet das Judentum nicht, indem man seinen Geist verleugnet: den Geist der Nächstenliebe und der Menschlichkeit. Dieser Geist wird siegen und wir mit ihm. Die Vergewaltigung der „Union". Mit Gewalt haben die Jüdischnationalerl in der abgelaufenen Wahlperiode die Kultusgemeinde geführt Unter Mißbrauch der Majorität haben sie einzelne Parteigenossen und Mitglieder des Kultusvorstandes zu pensionsberechtigten hohen Beamten der Kultusgemeinde gemacht, ohne Rücksicht auf deren Eignung und Fähigkeiten zum Amte, mit allen Mitteln des Terrors haben sie den Wahlkampf geführt und die Wähler an der freien Ausübung ihres Wahlrechtes gehemmt. Und nun haben sie in Fortsetzung dieses Gewaltsystems in der konstituierenden Sitzung des Kultusvorstandes das Präsidium, bestehend aus dem Präsidenten und den beiden Vizepräsidenten, mit ihren Parteigenossen besetzt und auf diese Weise alle diejenigen Wiener österreichischen Juden, welche sie nicht gewählt haben, und das ist die Majorität der österreichischen Juden, von der Teilnahme an der Repräsentanz und Führung der Gemeinde und vor allem von der Kontrolle der Führung selbst ausgeschaltet. Gegen den von den Jüdischnationalen präsentierten Vizepräsidenten Dr. Jakob Ehrlich wurden 15 Stimmen abgegeben; rechnet man zu diesen noch hinzu die Stimmen der beiden der „Union" angehörigen abwesenden Kultusvorsteher, so haben 17 Kulhisvorsteher von 36 gegen die Besetzung der Vizepräsidentenstelle durch Dr. Ehrlich und für die Besetzung dieser Vizepräsidentensteile durch einen Mandatar der „Union" gestimmt. Rechnet man dieses Stimmenverhältnis von 17:19 um auf die Zahl der abgegebenen Stimmen, so haben 16.000 Wiener jüdische Wähler sich dafür entschieden, dem Proportionalsystem entsprechend, dem Vertreter der nichtjüdischnationalen Partei im Kultusvorstande eine Stelle im Präsidium einzuräumen. Das Votum dieser 16.000 Wähler wurde unberücksichtigt gelassen, der Wille von fast der Hälfte der Wiener Wählerschaft wurde nicht respektiert. Durch diese Tat haben die Jüdischnationalen nunmehr vier jüdischnationale Präsidenten mit der Führung der Wiener Kultusgemeinde betraut, und zwar den Oberpräsidenten und geistigen Führer, den Vizepräsidenten im Ruhestande und derzeitigen provisorischen Amtsdirektor Dr. Josef Löwenherz, den Präsidenten der Kultusgemeinde, Dr. Desider Friedmann, und die beiden Vizepräsidenten Oberbaurat Ing. Robert Stricker und Dr. Jakob Ehrlich. Die Vertreter der österreichischen Judenschaft haben sie aus der Führung der Wiener Kultusgemeinde ausgeschaltet. Die „Union österreichischer Juden" hat kein Mittel unversucht lassen, um den Frieden in der Kultusgemeinde herzustellen. Die Mandatare der „Union" haben in stundenlangen Verhandlungen ihre Friedensbereitschaft betont und haben versucht, den jüdischnationalen Unterhändlern Dr. Friedmann, Dr. Ehrlich und Oberbaurat Stricker klar zu machen, daß es keine Gnade ist, daß die unionistischen Mandatare einen rechtlichen Anspruch, der sich aus dem Geiste des Proporzwahlsystems zwangsläufig ergibt, auf eine Vizcpräsidentenstelle besitzen. Es wurde den Jüdischnationalen vor Augen geführt, daß die „Union" die größte Zahl einheitlicher Mandate auf ich vereinigt, während die „Zionistische Liste", zu Wahlzwecken gebildet, aus den heterogensten Parteien, u. zw. nicht weniger als sechs an der Zahl, sich zusammensetzt. Alle diese Bemühungen waren vergebens, die Jüdischnationalen beharrten auf ihrem Gewaltstandpunkt und lehnten die Wahl des von der „Union österreichischer Juden" präsentierten Kultusvorstehers Dr. Josef Ticho, der bisher die Stelle des Vizepräsidenten inne hatte, ab, mit der Begründung, daß „für die Stelle des Vizepräsidenten solche Personen nicht in Betracht kommen, welche die gegen den Kultusvorstand beim Magistrate der Stadt Wien, zu Händen des Herrn Bürgermeisters, überreichte Beschwerde vom 5. Februar 1936 unterfertigt haben". Dr.f Jösef Ticho war einer von denjenigen, die diese Beschwerde mitunterfertigt haben, und dafür, daß ein österreichischer Staatsbürger von dem ihm gesetzlich zustehenden Rechte der Ergreifung eines Rechtsmittels Gebrauch macht, wird1 er von der in der Auf Sichtsbeschwerde angegriffenen Partei, die sich zum Richter in eigener Sache aufwirft, diskriminiert, für unwürdig befunden, die Stelle eines Vizepräsidenten in der Wieher Kultusgemeinde zu bekleiden, entgegen dem, Votum von 16.000 Wählern, und zwar von denen für unwürdig befunden, die selbst in öffentlichen Wiener und österreichischen Körperschaften als öffentliche Mandatare die Wiener österreichische Judenschaft, allerdings mit Unrecht, vertreten sollen. Der Herr Rat der Stadt Wien, Dr. Jakob Ehrlich, bezeichnet einen Wiener österreichischen Juden, der an die Gemeinde Wien, deren Rat er selbst angehört, eine Aufsichtsbeschwerde richtet, als unwürdig, die Wiener österreichische Judenschaft im Präsidium des Kultusvorstandes zu repräsentieren. Und diesen Widerspruch in sich selbst bestätigt der dem österreichischen Staatsrate, allerdings ebenfalls mit Unrecht, angehörige Präsident der Kultusgemeinde, Dr. Desider Friedmann. Mit einem Janusgesicht sind diese Herren ausgestattet, das auf der einen Seite die gesetzliche Anrufung einer Behörde als einen Grund zur Diskriminierung bezeichnet, und das auf der anderen Seite mit dem Ehrentitel der Zugehörigkeit zu diesen Staatsämtern auf Wählerfang ausgeht. Diese Tatsache ist keine Einzelerscheinung, denn dieselben Herren, die für die Minoritätsrechte der Juden als Nation schwärmen, die gegen die Vergewaltigung der jüdischen Minoritäten kämpfen, die von England den Schutz der Minorität in Palästina verlangen, dieselben Herren vergewaltigen — weil es ihnen paßt — die jüdisch-österreichische Minorität in der Wiener Kultusgemeinde. Dieses Doppelspiel hat nur einen Zweck, die Wiener österreichische Judenschaft im Wiener Kultusvorstande mundtot zu machen, der Wiener österreichischen Judenschaft die Kontrolle im Wiener Kultusvorstande zu entziehen. Die Wiener österreichische Judenschaft behält nur eine Pflicht, die Mittel bereit zu stellen für die Wiener Kultusgemeinde, damit diese Mittel unkontrolliert nach t SEEFELD, WINTERSPORT, heilklimatischer HÖHENKURORT, Waldspaziergänge schneesicher PENSION GESCHWISTER SCHEER jetzt Haus Waldruhe, direkt am See und Wald, vorzüglidie Küche, streng Saisonbeginn Mitte Dezember parteipolitischen jüdischnationalen Grundsätzen verwaltet werden. Der Präsident Dr. Desider Friedmann, der sich dagegen gesträubt hat, daß Dr. Josef Ticho Vizepräsident werde, derselbe Präsident hat irj seiner Antrittsrede erklärt, daß eir sich befleißigen werde, die Gemeinde „objektiv" zu führen. Den besten Beweis seiner „Objektivität" hat er durch die Ausschaltung der Minorität aus der Führung und Repräsentanz der 'Kultusgemeinde erbracht Seine unbedingte „Objektivität" hat er während seiner letzten vierjährigen Amtsführung am besten dadurch bewiesen, daß er durch seine „bewährten" Dirimierungen zu Gunsten seiner Parteifreunde und vor allem seines Freundes Dr. Löwenherz de; Willen einer bedeutenden1 Minorität ausgeschaltet hat. Durch diese „Objektivität" hat es Herr Präsident Friedmann dahin gebracht, daß Dr. Jos?: Löwenherz mit 17 Stimmen von 36 Kultusvorständen zum provisorischen Amtsdirektor bestell! wurde. Die „objektive" Haltung des Präsidenten ist der Auftakt zur Zertrümmerung der Autonomie der Kultusgemeinde. von dem Erhaltung er in seiner Antrittsrede gespro chen hat. Autonomie kann es nur dort geben, w die Führer der autonomen Körperschaft darauf be dacht sind, das Interesse aller dieser Körperschaft angehörigen Personen zu wahren. Dia Autonomie der Wiener Kultusgemeinde kann nur bestehen, wenn alle Wiener österreichischen Juden ein Recht haben, an der Verwaltung dieser Gemeinde im Verhältnis der abgegebenen Stimmen zur Wahl teilzunehmen. Eine Autonomie darf nur dann be stehen, wenn die Führer der Gemeindet sich nicht von persönlichen Parteiinteressen, sondern vom Gesamt'interesse leiten' lassen. 12.000 Wiener Jude haben den unionistischen Mandataren ihre Stimm gegeben, eine geschlossene Front von dreizehn unionistischen Mandataren steht sechs jüdisch nationalen Parteien gegenüber, die nur nach außen hin scheinbar eine Einheitsfront bilden. Diese ge schlossene Front der „Union österreichischer Juden", deren Wähler vor allem jene Juden sind, die zum größten Teile materiell und moralisch die Kultusgemeinde erhalten, sind vom „objektiven' auf die Erhaltung der Autonomie bedachten Präsi denten Dr. Friedmann aus der Führung der Ge meinde ausgeschaltet worden. Drei Vertreter, der Präsident der „Union Reg.-^Rat Dr. Hermann Oppenheim, Dr. Josei Ticho und Dr. Ernst Feldsberg, wurden ins Vertreterkollegium gewählt; alle drei haben die Aufsichtsbeschwerde unterschrieben. Es wird die Aufgabe dieser Herren sein, im Vertreterkollegium die Kontrolle nach Möglichkeit auszuüben, obwohl diese Kontrolle im Vertreterkollegium durch die Verweigerung der Stelle im Präsidium nur unvol! kommen sein kann. Nach außenhih wird die Kul tusgemeinde von jüdischnationalen Mandatare repräsentiert werden, nach außenhin wird der Geist der jüdischnationalen Volksgemeinde die Wiener österreichische Judenschaft vertreten. Ein Sturm der Entrüstung wird sich innerhalb der Wiener Judenschaft ohne Rücksicht auf ihr politisches Parteibekerantnis erheben, einzig aus dem Grunde, weil keiner verstehen kann, wohin diese von den Jüdischnattonalen geübten und pro pagierten Gewaltmethoden führen sollen. Die Rufer zum Streite, diejenigen, welche neuerlich di Brandfackel des innerjüdischen Kampfes entzündet haben, diejenigen, die die Fortsetzung des erbitterten Kampfes innerhalb der Wiener Judenschaft wünschen und heraufbeschworen haben!, sind die Jüdischnationalen; die Verantwortung für die Folgen dieser Taktik für die Wiener israelitische Kultusgemeinde und für die österreichische Juden Übe schaff, Kul Zionisl .Union' Gef reichisc eiterh { allei fegt Boden 8 uchhaUertn ■■ bewandert in allen Bilanz, und Büroarbeiten, 30 Jahre alt, geb. u. zust. nach Wien, sucht Posten. Anfragen unter „Verläßlich' an de Administration. £ Es D. E sich nci rdni atze: , interess ist, zeig rechnet einmal inge z cheM piiischer zu mehr issen haupt k chon Czerma inn fü immer ileißig c geschicl seiner \ ist der heutiger aus Spa ir uns nen Art: er poli nsereo Dr umg, di im Fall teht, ai tierten iicli nie! 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