Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 54 (11.12.1936)
- Date
- 1936-12-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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»HE1T DIE WAHRHEIT Seite 7 Sthmflchona von orfliteo and Gräbern LeopoldDeutsGhJienXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor. Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor. Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen Geweiht aber seien die folgenden Blätter dem Andenken der auf den von mir beschriebenen Friedhöfen Begrabenen, die ja auch gleichzeitig Zeugnis davon ablegen, daß wir Juden hier in Graz keine Fremdlinge sind. Denn schließlich bin ich der Meinung, daß ein geschichtlich erwiesener Ablauf von fast 800 Jahren ein Anrecht auf „Bodenständigkeit" verleiht. Graz, am 7. November 1936. Herzog. Äraberf ührer wieder am grünen Tisch. Wie aus Jerusalem berichtet wird, hat sich der hohe arabische Ausschuß in seiner Mehrheit für das Aufgeben der bisherigen Haltung gegenüber der königlichen Kommission entschieden und wird wieder an ihren Beratungen mitwirken. Der Ausschuß hat jedoch gleichzeitig beschlossen, Sendboten nach dem Irak, dem Hedschas, nach Syrien, Transjordanien und Aegypten zu entsenden und dort mit den Königen oder andern in Frage kommenden maßgebenden Stellen über die arabischen Forderungen zu verhandeln. Neill Malcolm in Wien. Ueber Einladung des vom Völkerbund eingesetzten Hohen Kommissärs für die Flüchtlinge aus Deutschland, Generalmajor Sir Neill Malcolm, der einige Tage in Wien weilte, haben sich Dienstag von Seite der Kultusgemeinde Präsident Dr. F r i e d m a n n, Amtsdirektor Dr. Löwenhe.rz.und Amtsvorstand Engel, seitens der Israelitischen Allianz Präsident Dr. O r n s t e i n und Vorstandsmitglied Ernst Simon bei ihm zu einer Besprechung eingefunden. Bei dieser Rücksprache wurde die Lage der jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland dargelegt, worauf die in Betracht kommenden Hilfsmaßnahmen erörtert wurden. Der Hohe Kommissär nahm die Mitteilungen der Abordnung mit Interesse entgegen und sagte zu, im Rahmen seines Mandates die vorgebrachten Anregungen bei den maßgebenden Stellen zu befürworten. Arabisches Mordattentat auf Kinder. Ein feiger Angriff wurde in der Nacht vom 6. Dezember auf das Kinderdorf Ben Stiemen verübt. Eine Bande bewaffnete Araber schlich sich an das Dorf heran und gab Schüsse auf die Häuser ab. Die Kugeln drangen durch die Wände dicht an den Betten der schlaienden Kinder vorbei, die wie durch ein Wunder unverletzt blieben. Die Täter entkamen. Fußspuren führen nach anliegenden arabischen Dörfern. Lloyd George und die Juden. Als Lloyd George vor einigen Monaten den „Führer" in Berchtesgaden besuchte, wurde sein staatsmännisches Genie von der Nazi-Presse in allen Tönen gepriesen. Seine ganzen deutschfeindlichen Sünden der Kriegszeit waren großmütig vergeben und vergessen. Aber die Nazi müssen jetzt erfahren, daß auch Lloyd George kein zuverlässiger Verbündeter ist. Anläßlich einer Versammlung seines „Council of Action" hat nämlich Lloyd George dem Rabbiner von Manchester einen Brief geschrieben, der eine ganz unnationalsozialistische Stellungnahme zur Rassenfnage enthält. Denn es stand in diesem Brief: „Ich hätte es besonders gern gesehen, wenn meine jüdischen Freunde an der Versammlung teilgenommen hätten. Ich war stets ein e h r 1 ilicher Freund dieser großen Rasse und meine Gefühle ihr gegenüber sind unverändert; die Zivilisation schuldet ihr ungeheure Dankbarkeit". Die „zionistische" Einheit. Schneller als man geglaubt hat — so lesen wir jn der letzten Nummer des „Juden" —, wirkt sich das Bündnis der allgemeinen Zionisten mit den größten Feinden der zionistischen Organisation aus. Jabotinsky war in Wien, und hat eine jener seiner Reden gehalten, die eine Mischung von Demagogie und Arroganz darstellen. In einem wirklich vortrefflichen Artikel hat der Chefredakteur der „Stimme", Herr Bruno Heilig, über den Vortrag des „Führers" berichtet, er hat die Verantwortungslosigkeit Jabotinskys, der in diesem historischen Augenblick einen jüdischen „Imperialismus" begründet hat, gebrandmarkt und gegen die Bezeichnung der allgemeinen Zionisten und ihrer Journalisten als Idioten mit feiner Ironie Einspruch erhoben. Man sollte glauben, daß eine derartige Stellungnahme mit keinem Wort gegen die Prinzipien des allgemeinen Zionismus verstößt und auch von jedem B-Zionisten gebilligt werden muß. Man sollte glauben . . . Tatsächlich wurde Herr Bruno Heilig von seinen Parteigenossen desavouiert, und er mußte in einer der letzten Nummern der „Stimme", die Feststellung abdrucken, daß es sich lediglich um seine persönliche Ansicht gehandelt hat und sich „das Landeskomitee mit dem Vortrag Jabotinskys noch nicht befaßt hat".' Es bedarf keines Beweises, daß dieser Rückzug unter dem Drucke der beiden revisionistischen Mandatare angetreten wurde, und die allgemeinen Zionisten zu Kreuze gekrochen sind. Es ist unerfindlich, wie ein Vortrag Jabotinskys Gegenstand einer allgemeinzionistischen Parteiberatung werden kann. Es handelt sich um die von uns vorausgesagte Kapitulation des allgemeinen Zionismus vor dem Revisionismus. Jüdischer Jugend-Kreis. Sonntag, den 6. d. M., fand im Festsaal der „Union" ein „lustiger Nachmittag", vom J. J. K. (Jüdischer Jugend-Kreis) veranstaltet, statt. Es war eine Werbeveran'Staltung, die ein ausgezeichnetes Ergebnis aufwies. Es waren zahllose Jungen und Mädchen von: zehn bis vierzehn Jahren erschienen, die alle Darbietungen mit großem Beifall quittierten. Die' Darsteller waren Mitglieder des J. J. K. und der Jugendunion. Ihre Leistungen verdienen volles Lob. Herr Reg.-Rat Dr. Lenk hielt am Schlüsse der Veranstaltung an die jungen Burschen und Mädel eine kurze Ansprache, in der er sie zu kameradschaftlichem Zusammenhalten aufforderte. Der Jugendführer des J. J. K. Ulrich Pick setzte in schönen klaren Worten Ziel und Zweck einer jüdischen Jugendbewegung auseinander und verwies ganz besonders auf die Zielsetzung des J. J. K., die jüdische Jugend zu vaterlandstreuen Oesterreichern und aufrechten Juden zu erziehen. Die Veranstaltung hatte den Erfolg, daß viele Jungen und Mädchen ihren Beitritt zum J. J. K. (IX., Berggasse 4) anmeldeten. M. P. Gemeindechromk. Der Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs veranstaltet, wie alljährlich, am Samstag, den 12. Dezember d. J., halb 9 Uhr im Großen Musikvereinssaal seine repräsentative Chanukkah- Feier. Mitwirkend: Kammersängerin Marie Gerhart, Kammersänger Simon Dermanis, das Symphonieorchester des Bundes jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs unter Leitung des Bundeskapellmeisters Dr. Kurt P a h 1 e n. Lest die .Wahrheit' Sie schafft Klarheit ü Radio Wien. Sonntag, den 13. Dezember, 11 Uhr 20 vorm., hält Frau Bundesstaatlicher Fürsorgerat Ottilie Politzer in der Wiener Ravag einen Vortrag über „Die Frau und die soziale Arbeit". Auszeichnung. Der Bundespräsident hat dem Oberstadtarzt i. R. Medizinalrat Dr. Ludwig Pohl taxfrei den Titel eines pbermed'izinalrates verliehen. Obermedizinalrat Dr. Ludwig- P o h 1 ist ObmantisteHvertreter des Bethausvorstandes für den XVI. und XVII. Bezirk. fiifitojIM Wien I., Seitenstettengaftse 2 XI., Zentralfriedhof neben dem L Tor ^m~mm—^^JtS2!!iUL!!i£l2mS!S^—^^mm~mmm Trauungen. Sonntag, den 6. Dezember, fand im Stadttempel die Trauung der anmutigen Tochter Ilse des in weiten Kreisen bekannten Herrn Kotnmerzialrates Leopold S t i a s s n y und seiner Gattin, mit Herrn Fabrikanten Franz Kraus, Sohn des Herrn Josef Kraus aus Prag statt. In dem festlich beleuchteten Tempel fand sich ein sehr zahlreiches, den distinguiertesten Kreisen angehörendes Publikum ein. Mit einem Orgelpräludium (Professor Herz) mit Cellosolo des Virtuosen Salzmann fand der Einzug der Trauungsgäste in das Gotteshaus statt. Oberrabbiner Dr. Taglicht hielt, nach dem feierlichen Matauwo, — vorgetragen von Oberkantor Fischer und dem trefflichen Chor unter Leitung des Kapellmeisters Fuchsgelb — an das Brautpaar eine inhaltsreiche innige Ansprache. Das Brautpaar und die Brauteltern waren Gegenstand der herzlichsten Anteilnahme und Glückwünsche seitens der sehr zahlreich erschienenen Tempelbesucher. — Sonntag, den 6. Dezember, fand im Tempel, H., Pazmanitengasse, die Trauung des Herrn Wilhelm Bugzester mit Fräulein Regina B r e s s statt. Den Trauungsakt vollzog Rabbiner Dr. M e h r e r, der an das Brautpaar eine herzliche Ansprache hielt, in der er insbesondere auf die künstlerisch-musikalische Begabung des Bräutigams hinwies. Oberkantor Müller rezitierte, begleitet von dem Chore unter Leitung des Dirigenten H i r s c h m a n n die Gesänge in vorzüglichster Weise. Sehr schön klang auch ein Solo des Tenoristen Revesz. — Brautpaar und Eltern waren Gegenstand herzlicher Gratulationen. Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Montag, den 7. d. M., fand der dritte Vortragsabend statt. Ein zahlreiches, distingiertes Publikum hatte sich eingefunden und konnte der Vorsitzende, Rabbiner Doktor Rosenmann, den erschienenen Präsidenten Staatsrat Dr. Friedmann und dessen Frau Gemahlin begrüßen. Der Vortragende, Dr. Paul Diamant, sprach über „Eine Millionenerbschaft im 18. Jahrhundert". In einer überaus ansprechenden Weise schilderte er. wie in den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts eine Erbschatt von zweieinhalb Millionen Gulden einigen jüdischen Familien in Preßburg zuteil wurde. Auf Grund archivarischer Studien vermochte er den Zuhörern Einblick zu gewähren in sehr interessante Familienverhältnisse der damaligen Zeit. Das Publikum nahm den Vortrag mit starkem Beifall auf. worauf der Vorsitzende Rabbiner Dr. Rosen mann dem Vortragenden Dank und Anerkennung zollte. H. H. Der Verein „Ferienheim" (Fräsidentin Soiie Grünfeld) veranstaltete Samstag, den 5. Dezember d. J., in allen Sälen dos Handelsmuseums seinen diesjährigen Gesellschaftsabend, der — man kann es vorweg nehmen — einen ganz ungewöhnlichen Ertolg hatte. Ein elegantes Publikum, unterhaltungsbereit und beifallsireudig, füllte die Sälo in solchen Mengen, daß es unmöglicn war, eine Liste der prominenten Persönlichkeiten, die das Fest durch ihre Anwesenheit beehrten, aufzustellen. Die Vorträge im großen Saale erötinete Hugo K n e p 1 e r als Conierencier, der im Verlauie der Akademie mit Frl. Mella Brady und Frl. Gerda U b e r t einen launigen Sketch brachte, der Lachstürrae im Saale auslöste. Opernsängerin Ilona T u t s c h e k, begleitet von Generalmusikdirektor Dr. K tt n. erfreute durch den Vortrag von Opernarien und schönen Liedern, Fritz B e r g e r. ein Tänzer von Format, zeigte seine große Kunst. Alice Markstein vom Staatsopernballett entzückte durch ihre anmutigen Tänze. Die blendenden lustigen Vorträge von Else Rambausek, die elektrisierenden Jazzl'ieder von Vera W a 1 e w s k a zünduten und rissen das Publikum zu immer neuem Beifall hin. Nach der Akademie zerstreute sich das Publikum in den zahlreichen Sälen, deren einer von Fräulein Gncki Weiss mit künstlerischem Verständnis und moderner Verve entzückend als Heurigenschänke dekoriert war. Die Jugend huldigte dem Tanze bis in die irühen Morgenstunden, während der andere Teil des Publikums das Büfett frequentierte, das durchaus gespendet und von exquisiter Qualität war, so daß alle Teile auf ihre Rechnung kamen. Das Reinerträgnis der Veranstaltung wird zur Schaffung von Freiplätzen im „Sofia Grünield-Ferienheim", Bad Vöslau. verwendet. Isr. Kinderbewahranstalt, IL, Schiiiamtsgasse 15. Der Vorstand des diese Anstalt erhaltenden Vereines „W o h 1 i a h r t" hat während der Sommerferien das seit mehr als 80 Jahren bestehende Anstaltsgebäude einer grundlegenden Renovierung unterzogen, alle Räume den neuesten hygienischen Anforderungen angepaßt und wird nunmehr dieselben Sonntag, den 13. Dezember, 4 Uhr nachm., dem vollen Betriebe übergeben. Verbunden wird diese Feier mit der seit Bestand der Anstalt alljährlich stattfindenden Chanuka-Kind e r - B e k 1 e i d u n g für die hundert kleinen Schützlinge. Festrede, gehalten vom Ehrenpräsidenten Rab^ biner Dr. Max G r u n w a 1 d. Festgesänge dos Herrn