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Die Wahrheit · 1936-12-11 · Heft 54 (11.12.1936) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 54 (11.12.1936)
Date
1936-12-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 54 — 11. Dezember 1936 DIE WAHRHEIT Nachbarländer Deutschlands und wir verspüren es bereits deutlich, wie große Massen auf dieses gefährliche Betäubungsmittel reagieren. Wenn wir auch nicht sehr vertrauensvoll in die Zukunft blicken können, wollen wir trotzdem nicht an einen dauernden Rückfall ins Hunnentum glauben. Wir wollen nicht glauben, daß eine Stabilisierung dieser Entartungserscheinung unserer aus den Fugen geratenen Zeit überhaupt möglich ist. Mag der nationalsozialistische Wahnsinn noch so sehr triumphieren, mag die Verwirrung der Geister noch so riesengroß emporwachsen, mögen die politischen Bauernfänger. Marktschreier und falschen Gassenpropheten einer verwirrten Heiislehre das Judentum mit ihrem blöden Hohn und kläglichen Haß noch so sehr verfolgen, mag zu den zahlreichen Verfolgimgsmethoden auch noch der Rassenhaß mit seiner zur Universitätsfakultät erhobenen Afterwissenschaft hinzukommen, uns .luden wird all dies nur zur Selbstbesinnung führen. Wir, die die Judenverfolgungen der ägyptischen Pharaonen, assyrischen Könige, römischen Kaiser, skandinavischen Kreuzfahrer, gotischen Fürsten und der heiligen Inquisition überdauert haben, werden auch das Nazi-Zwischenspiel überwinden. David Groß. Die maßgebende englische tiolontalzeltung fordert: Losung des Paläsfinaprobleins nur unter dem Gesidifspunhf der strategischen Interessen Englands. Die Zeitschrift „ü r e a t B r i t a i a and t h e liast" veröffentlicht unter der Ueberschritt „Wurzeln des Palästina-Problems" einen Artikel, in dem die Forderung erhoben wird, daß bei der Lösung dieses Problems in erster Reihe die britischen Reichsinteressen und ganz besonders die strategischen Interessen Englands im Auge behalten werden sollen. Ist es nicht richtig zu sagen — schreibt die Zeitung —. daß Großbritannien sich in Palästina in erster Reihe zu strategischen Zwecken befindet? Die besondere Lage des Heiligen Landes, insbesondere seine Lage zum Suez- Kanal, kann nie vergessen werden, während man von arabischem Nationalismus oder von jüdischem Nationalismus oder von mohammedanischen Riten, von christlichen oder jüdischen Riten spricht. Das Britische Reich sendet nicht aus gefühlsmäßigen Gründen Tausende Mann nach Palästina. Das ist aber nur der Rahmen des Problems. Nimmt man die strategischen Ziele Englands als gegeben an. so muß man fragen, wie sie gewahrt werden können. Hier kommen wir zu dem Kern. Es gibt zwei augenscheinlich entgegengesetzte ideologische Richtungen. Die eine sagt, daß wir zwar alles tun sollen, um die Freundschaft der längs der Reichsstraße nach dem Osten lebenden nichtjüdischen Völker zu gewinnen und zu erhalten, daß es aber eine gebieterische Notwendigkeit für uns ist, in Palästina eine Bevölkerung zu haben, die in ihrer Existenz und Sicherheit dauernd vom Britischen Reich abhängt. Eine solche Bevölkerung kann diesen Argumenten gemäß nur von den Juden gestellt werden: denn wer könne sagen, ob nicht einmal die in dieser Angelegenheit in Betracht kommenden Nichtjuden eine antibritische Haltung einnehmen würden. Die andere Richtung stellt eine doppelte Behauptung auf: erstens, daß arabische Freundschaft und Kooperation mit England eine Bedingung sine qua non für die Aufrechte rhalttmg des Einflusses und des Prestiges Englands im Osten ist. und zweitens, daß es zwecklos sei, von den Juden in Palästina, die aus allen Teilen der Welt zusammengekommen sind, und hauptsächlich aus solchen Teilen, die England keine Treue schuldig sind, eine solche Freundschaft zu erwarten. Das ist, unverhüllt dargestellt, das Di- 1 e m m a. Dem Bericht der Kgl. Kommission sieht fast die ganze Welt entgegen: das Britische Reich, die Welt des Islam, die Welt der Judenlieit und viele andere. Es ist eine schicksalschwere Zeit für das Heilige Land. Wenige Beobachter zweifeln daran, daß im nächsten Jahr die Unruhen wieder ausbrechen werden, wenn nicht treffende Vorschläge gemacht werden. Und zu den Zweiflern gehören bestimmt nicht die englischen Militärbehörden in Palästina. Laßt uns darum gerade denken und alle unsere Karten ohne Leidenschaft oder Schwäche auf den Tisch legen. Das englische Volk wird kein unehrliches Spiel oder irgend einen Trumpf in dem Stoß dulden. Wenn jemals ein Reichsschicksal ein Reichsvolk erfordert hat, dann ruft Palästina im Namen der Religion, der Menschlichkeit und sogar der Zweckmäßigkeit laut nach fairer und aufgeklärter Behandlung aller, die für die Zukunft des Heiligen Landes in Betracht kommen. Großbritannien hatte in Palästina viele Verpflichtungen; aber seine größte, dauerndste Verpflichtung ist es, seinem höchsten Selbst treu zu sein. I Die besten Eisen Wursl- und Seimwareo 3mal täglich frisch bei KäEEb, Wien iL, Fratirstrale 33 Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschui). 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Die Enquete kam bis heute nicht zustande. Wenige einzelne in der Tschechoslowakei standen Dr. Zolischan zur Seite, dagegen verhielten sich fast sämtliche jüdische Institutionen der Welt voll- 8 uchhatteriti ■■ bewandert in allen Bilanz- und Büroarbeiten, 30 Jahre alt, geb. u zust. nach Wien, sueht Posten. Anfragen anter „Verläßlich' an de Administration __________________ ständig ablehnend.*) Dieser unglaubliche Widerstand wäre vielleicht verständlich, wenn man behaupten dürfte, daß eine wissenschaftliche Ergründung des Rassenproblems für das Judentum keinen besonderen praktischen Wert aufzeigen würde; zumal von Jahr zu Jahr es notwendiger sei, der immer steigenden wirtschaftlichen Not der Judenschaft zu steuern. Liegt es aber nicht auf der Hand, daß die wissenschaftliche Beweisführung der Sinnlosigkeit der Nordic-Theorie von größtem Erfolge begleitet wäre für die Bekämpfung des Rassenwahns, wenn schon nicht unter dem derzeitigen Regime in Deutschland selbst, so doch in vielen anderen Ländern1? Hier aber predigte Dr. Zollschan tauben Ohren und hämmerte vergeblich an den mächtigen Tresors der jüdischen Reichen. Es ist geradezu tragisch, dieses Verbrechen am Judentum. Man glaubt eben nicht, daß die Wisse nschaft von entscheidender Bedeutung werden kann auch für die politische und soziale Wirklichkeit. Da belehrt uns der deutsche Nationalsozialismus eines besseren. Und wir sollten auch von ihm lernen. Vor allem hat er sich zur Erstarkung seiner Thesen Männer der Wissenschaft *) Zu diesen jüdischen Institutionen gehört merkwürdigerweise auch die Wiener Israelitische Kultusgemeinde. D. Red. i Der Union-Frauen-Klub arrangiert jeden Donnerstag ab 4 Uhr nachmittags Bridge-Cercle im Klubsaal, I., Schottenring 25. Gäste willkommen! verschrieben, die sein Rassenideal wissenschaftlich fundieren sollten. Er ist von der Leistung seiner Wissenschaftler befriedigt. Nun geht er weiter in dem Rechtfertigungsversuch seiner Theorie. Vor kurzem fand in der großen Aula der Universität München' die feierliche Eröffnung der Forschungsabteilung „Judenfrage" des Reichs instituts für die Geschichte des neuen Deutschland. Die behandelnden Themen sind reichhaltig zusammengestellt und große Preise sind den besten Arbeiten zugesagt, deren Einreichungs termiu, wahrscheinlich dem Vierjahrplan zu Ehren auch für das Jahr 1940 festgelegt ist. Wessen wir uns da vorsehen müssen, da der Bock zum Gärtner bestellt wird, können wir uns vorstellen. Es ist auch sehr interessant, daß di er.ste Aufgabe, die gesteilt wird, die Bearbeitims; des sogenannten „H o f j u d e n s y s te m" ist, ein sicherlich in mancher Hinsicht recht schlüpfri ges Thema. Wie dem aber auch immer sei, eines IBB Caie Pension Echsfein Semmering müssen wir dem deutschen Nationalsozialismus zubilligen: es steckt in ihm noch immer trotz allem und allem eine gute Dosis des deutschen Respekt vor der Wissenschaft an sich, mag auch der einzige Hintergedanke des ganzen Unternehmens die „T enden z" sein, das Bestreben die Schädlichkeit der Deutschen Judenheit ad ocülos zu demonstrieren. Ist das aber nicht beschämend für das We'tjudentum? Wir, das „Volk des Buches", das Volk des Geistes, bringen es aus purer Nachlässigkeit und Ghettoangst nicht zu jener zweifellos für das Judentum und die ganze Menschheit wichtigen Enquete, für die Dr. Zollschan alle notwendigen Vorbereitungen getroffen hat, und stehen mit verschränkten Armen vor der gigantischen Aufgabe mit deren Lösung der Nationalsozialismus dem Weltjudentum den Garaus zu machen beabsichtig und die Vernichtung der deutschen Judenheit rechtfertigen will. Wahrlich: „wir haben Augen und sehen nicht, Ohren und hören nicht". Es ist die zwölfte Stunde! Caveant consules! Dr. Ignaz Z i e g 1 e r. Aus dem Wiener Kultusvorsfand. Die für den 10. d. M. einberufene konsti tuierende Sitzung des Kultusvorstandes wurde vom Vorsitzenden, Alterspräsidenten Dr. Maxitni Han S t i g 1 i t z, vertagt. Keine Neuorientierung Italiens in der Judenfrage. Von einem hohen italienischen Staatsbeamten wurde es in einem Gespräch mit einem Vertreter der ITA entschieden in Abrede gestellt, daß die italienische Regierung, wie dies von dem sowjetrussischen Blatt „Iswestja" behauptet worden ist, eine Aenderung ihrer bisherigen Haltung gegenüber den Juden und einen judenfeindlichen Kurs einzuführen beabsichtige. Die Meldung dieser Zeitung, erklärte der Gewährsmann, sei so lächerlich, daß die italienische Regierung es nicht für erforderlich gehalten habe, sie zu dementieren. In Italien werde zwischen den Bürgern kein Unterschied gemacht, welcher Rasse oder welchem Glauben immer sie angehören mögen.

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