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Die Wahrheit · 1936-12-04 · Heft 53 (4.12.1936) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 53 (4.12.1936)
Date
1936-12-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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RHETT DIE WAHRHEIT Nr. 53 — 4. Dezember 1936 Seite 5 Vor dem Prozeß Frankfurter. Aus Chur trifft die Nachricht ein, daß der deutsche Rechtsanwalt Dr. Grimm nunmehr doch als zweiter Vertreter der Frau Gustloff neben Dr. Ursprung zugelassen wird. Es habe sich kein weiterer Anwalt finden lassen, der, statt Frau Gustloff, den „Fall Gustloff" vor dem Gericht vertreten will. Mit dieser Zulassung ist dem Prozeß der p o 1 itische Charakter gegeben worden und es sind anscheinend auch nicht die Bedenken der Verteidigung berücksichtigt worden. Wie wird diese reagieren? Das ist die Frage, die augenblicklich die Churer Kreise stark beschäftigt. Wird auch sie vielleicht einen Antrag auf Zulassung eines weiteren Verteidigers stellen und vielleicht einen jener international bekannten Advokaten vorschlagen, die sich m so großer Anzahl freiwillig aus allen Teilen der Welt gemeldet haben? Es ist bedauerlich, daß die Intransigenz der deutschen Kreise überhaupt erst zu " solchen Gedankengängen zwingt, denn die Familie des Angeklagten und auch die jüdischen Freunde haben zu dem Schweizer Verteidiger Dr. C u r t i das volle Vertrauen. Dem Gericht selbst scheint die deutsche Forderung, die im Namen von Frau Gustloff gestellt wurde, auch nicht sehr angenehm gewesen zu sein, und so hat es dem Dr. Grimm zwei Einschränkungen mit als Richtlinie gegeben. Doktor Grimm darf sich nur zum Zivilanspruch äußern, sali nichts Politisches reden und hat überhaupt nur eine Redezeit von einer Viertelstunde zugebilligt bekommen. Ob Dr. Grimm das einhalten wird? Das Einschränken auf eine Viertelstunde Redezeit ist wohl auf die schlechten Erfahrungen zurückzuführen, die man im Berner Protokoll-Prozeß mit dem Nazi-Sachverständigen Fleischhauer gemacht hat, der einen Rederekord aufgestellt hat, ohne dem Gericht etwas sagen zu können. Jener Prozeß sollte auch als Warnung dienen, was man mit einem Entgegenkommen den Nazileuten gegenüber erreicht Herr Fleischmann hat in besonderer Dankbarkeit eine Broschüre herausgegeben, in der er die Berner Justiz auf die infamste Weise schmäht und kurzer Hand den Spruch als „Fehlurteil" behandelt. DAS „ISRAELITISCHE ERHOLUNGSHEIM" in eröffnet seine diesjährige Wintersaison am 1. Dezember 1936 Aufnahmebedingungen durch : „Casa Israelitica di salute", MBRANO, (Italien) Via Manzoni 6 _;_ MERANO (ITALIEN > Moses Mendelssohn-Feier im Union-Klub. Am Montag, den 30. d. M., fand im Festsaal des „Union-Klub" eine Feier aus Anlaß der 150. Wiederkehr des Todestages Moses Mendelssohns statt. Die Festrede hielt der Ehrenpräsident der „Union" Herr Dr. Jakob 0 r n s t e i n vor einem zahlreich erschienenen Publikum, das seinen Ausführungen mit gespannter Aufmerksamkeit lauschte. Zunächst machte der Redner die Zuhörerschaft mit dem Leben des Gefeierten bekannt und führte das Publikum gleichzeitig in die Geschichte der damaligen Zeit ein. Sodann besprach er die philosophischen Werke Mendelssohns in deutscher Sprache, sowie seine zahlreichen Freunde und Bewunderer, unter denen besonders Lessing hervorragt, der ihm in „Nathan, dem Weisen" ein unvergängliches Denkmal gesetzt hat. Von gelegentlichen Anfeindungen judenfeindlicher Natur seitens Herders und selbst Goethes abgesehen, fand seine Wertschätzung darin ihren besonderen Ausdruck, daß ihm das protestantische Konsistorium die damals nötige Vorlagepflicht erließ und ihn die Akademie der Wissenschaften in Berlin zu ihrem Mitgliede vorschlug, was allerdings König Friedrich nicht bestätigen wollte, der sich, wenn er auch „der Große" hieß, ihm gegenüber manchmal kleinlich zeigte. In jüdischer Beziehung hob der Redner Mendelssohns große Frömmigkeit hervor, die darin zu erkennen war, daß er zum Beispiel Reisen in dem Zeitpunkte, da der Sabbath seinen Einzug hielt, unterbrach. Als ihm einmal der König eines Samstags seinen Wagen sandte, beriet er sich erst mit dem Rabbiner, ob dieser es ihm gestatte, den Wagen zu benützen. Er schrieb auch viele Werke jüdischen Inhaltes, die — wie ein Lesebuch für Kinder — noch jetzt erhältlich sind und ihre Lebenskraft noch nicht eingebüßt haben. Das zahlreiche Publikum zollte den ausführlichen Darlegungen Herrn Dr. Ornsteins langanhaltenden Beifall. Der Vorsitzende, Herr Dr. Rudolf B r i c h t a, Obmann des „Union-Klubs", verwies nach innigen Dankesworten an den Referenten darauf, daß der Aufstieg Moses Mendelssohns aus kleinen Verhältnissen zu überragender Größe symbolhaft für das Judentum, dem er seine besten Kräfte gewidmet habe, sein dürfe: Auch das Judentum wird hoffentlich aus dem Drangsal der Anfeindungen, denen es heute wieder in erhöhtem Maße ausgesetzt ist, den Weg zu Frieden und Gerechtigkeit finden. Mit einer lebhaften Beifallskundgebung der Zuhörer an den Vortragenden, der wieder einmal durch sein staunenswertes Gedächtnis und die Klarheit der Diktion das Publikum begeistert hatte, schloß die schöne Feier. « Dr. J. 0 r n s t e i n hat den gleichen Vortrag bereits Montag, den 23. d. M., im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" unter dem Vorsitz von Rabbiner Dr. M. Rosenmann gehalten; auch dort fanden seine Ausführungen starken Beifall des illustren Publikums. Schönes, pcinlidi reines, gro&es Gassenzimmer TaborstraSe Aussicht, separierter Eingang, für 1—a Personen iu vermieten. Wien IL, Glodwngasse 1. 3. Stiege, 2. Stock, Tür 10. Telephon R 49 8-15 ^^^^^ta^^^^^^j Am 26. November hat auf dem Zentralfriedhof die Beerdigung des im 60. Lebensjahre verstorbenen Direktors der Mercurbank Herrn Jacques K ah a n e stattgefunden. Direktor Kahane gehörte dem Verbände der Mercurbank seit dem Jahre 1902 an und hat sich in diesem Institut von der Pike auf bis zum leitenden) Direktor hinaufgearbeitet. In den letzten Jahren stand er an der Spitze der Direktion. Er hat über profundes Wissen in allen Zweigen des Bankgeschäftes verfügt und die Bank mit großer Umsicht und Sachkenntnis m schwierigen Zeiten erfolgreich geleitet Als scharfsinniger, großzügiger Bankier und geistig hochstehender Mensch erfreute er sich weit über den Rahmen der Mercurbank hinaus in Fachkreisen großen Ansehens. Die Wertschätzung, die dem Verblichenen gezollt wurde, kam in der überaus großen Beteiligung an seinem Leichenbegängnis zum Ausdruck. Nach einem ergreifenden Nachruf des ObeaTabbtners Dr. Taglicht würdigten Vizepräsident Neu mann namens des Verwaltungsrates und der Direktion, Direktor Dr. Aufrichtig namens der Funktionäre und Obmann des Vertrauensmännerkollegiums Schwarz die Verdienste des Verblichenen um die Mercurbank. Neben den Mitgliedern des Verwaltungsrates, der Direktion und dem Großteil der Angestellten und Pensionisten des Instituts waren unter anderen zu sehen: Sektionschef Dr. Kempf, Ministerialrat Börsekommissär Dr. Gfittl, Präsident des Bankenverbandes Generaldirektor Dr. Joham; Vizepräsident der Börsekammer Breisach mit den Börseräten Hock, Friedenstein, Pappenheim und Generalsekretär Dr. Ernst; die Bankdirektoren Bergler, Eisenstuck, Fischer, Hausner, Kubie, Marquet, Nollstadt (Berlin), Oppenheim, Pelikan, Placca, Pollak, Rosenfeld (Budapest), Hof rat Dr. Rottenberg, Dr. Schmidt, Dr. Schnürer, Simelis, Dr. Sokal, Stierhol. Turnauer, Weniger und Komm.-Rat Dr. Herglotz; die Bankiers Hoffmann. Kantor, Kraus, General- Donnerstag, den 10. Dezember, Vi9Uhr tbends, im Heim des .Bundes jüdischer Frontsoldaten'. lV.Hauslabg.2 (Garteneingang) VeisammliiiHi der Bezirksorganisation Wieden-Margareten Über den Ausgang der Kultuswahlen spricht Reg.-Rat Dr. H. Oppenheim über die Aufgaben der „UNION" Reg.-Rat Dr. Max Lenk konsul Josef Stein; die Industrieilen Baurat Ingenieur Brausewetter, Richard Berl, Dr. Dukes, Generaldirektor Leopold Fischer, Generaldirektor Ingenieur Furnica, Artur Hämmerte, Vizepräsident Emil König, Komm.-Rat Kühles, Regierungsrat Lemberger-Markus, Komm.-Rat Lüftschitz, Baurat Ingenieur Nemetschke, Imre Pirnitzer, Baurat Dozent Soeser, Komm.-Rat Richard Stein, Komm.- Rat Winternitz, die Rechtsanwälte Dr. Kammann, Hofrat Dr. Weiß, Notar Dr. Schenk u. v. a. JUGEND-UNION. Mittwoch, den 18. November, sprach Herr Reg.-Rat Dr. Max Lenk über „Jüdische Jugend im christlich-deutschen Staat". In seinen Begrüßungsworten wies der Vorsitzende, Herr Bernhard Frommer, auf die Bedeutung des Referates hin; es sei das erste in einem Zyklus, in dem eine Reihe von Referenten die Jugend-Unionisten mit der Gedankenwelt des Unionismus tiefer vertraut machen sollen. Ausgehend von dem Niedergang des Liberalismus und des Individualismus auf allen Gebieten des Lebens im Staate lieferte der Referent eine zwingende Darstellung der historischen Situation, der Motive und der bewegenden Kräfte, die zur Konstituierung des neuen christlich-deutschen autoritären Ständestaates führten. Er wies unter Anführung von allseits bekannten Tatsachen nach, daß die Reaktion eines Teiles der jüdischen Bevölkerung, die das neue christlich-deutsche Regime nur mit einer Betonung ihres politisch-jüdischen Nationalismus beantworten zu müssen glaubt, abwegig sei. Wenn „christ- 1 i c h" in der Nomenclatur „christlich-deutsch" — im Gegensatz zum neudeutschen Heidentum und marxistischer Areligiosität — soviel wie „a b e n d- 1 ä n d i s c h" bedeute und soweit sich „d e u t s c h" Hegen den Monopolanspruch des Nationalsozialismus auf das Deutschtum richte und nicht mit „a r i s c h" gleichgesetzt werde, liege für die jüdische Bevölkerung kein Anlaß vor, eine gegen sie gerichtete Absonderungstendenz festzustellen und daraus unangebrachte Schlüsse zu ziehen. Unter den gegebenen Umständen können jüdische Oesterreicher unionistischer Einstellung nur mit aufrichtiger Genugtuung die Absicht begrüßen, auf allen Gebieten des staatlichen und bürgerlichen Lebens religiös-ethische Grundsätze wirksam werden zu lassen. Eine Reaktion darauf soll und könne auf Seiten der jüdischen Oesterreicher nur auf religiösem Boden, in der Vertiefung und Beobachtung der eigenen religiös-ethischen Grundsätze platzgreifen, nicht aber auf nationalem Boden. Auch die Bezeichnung unseres Staates als „deutsch" in kultureller Hinsicht berechtige nicht zu irgend einer Reaktion aui politisch-nationalem Gebiete, denn auch die jüdischen Oesterreicher gehören dem deutschen Kultur kreise an, womit vertiefte Pflege jüdischer Tradition und Gemein- GROSSFLEISCHHAUEREI flEGH. K0RNMEHI WER IX., BERGGASSE MR. 19 FILIALE i XVIII., «AHRIMCERSTRA38E 9? Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-0-34 Lieferant Kr HelUaitaltes AbteilungenffirKoscherfleisch Mtep Aafsteht das thni. Rafcblaates dar Isr. K«jlta»atHMiad«> Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen

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