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Die Wahrheit · 1936-12-04 · Heft 53 (4.12.1936) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 53 (4.12.1936)
Date
1936-12-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite-4 Nr. 53: — -4. Dezember 1936 DIE WAHRHEIT DIE \ Aus den Vereinen. 11 Der Verein „Ferienheim" (Präsidentin Sofie Grünfeld) veranstaltet Samstag, den 5. Dezember, in allen Sälen des Handelsmuseum, IX. Berggasse IG, einen G e s e 11 s c h a f t s a b e n d unter Mitwirkung hervorragender Künstler. Nach den Vorträgen Tanz, .Jazz Elite-Kiddies, erstklassiges Büffet, Bridge etc. Das Reinerträgnis wird für Freiplätze im „S o f i e Grünfeld-Ferienheim", Bad Vöslau, verwendet. Karten im Vereinsbüro, IX. Türkenstraße 17. Tel. R-51-5-63, und bei allen Komiteemitgliedern. Chanukkafeiern. Paznianitentempel. Das unter der Leitung von Frau Bundesfürsorgerat Ottilie Politzer und des Vereinsobmannes Oskar Schramek stehende Komitee veranstaltet am 8. Dezember, 4 Uhr nachmittags im Pazmaniten-Tempel eine C h a n u k k a f e i e r. Der bekannte Gelehrte Herr Prof. Dr. A. Kamin k a wird die Festpredigt halten. Die Gebete und Gesänge werden von Herrn Oberkantor J. M ü 111 e r und Herrn 1. Kantor A. Stift mit dem verstärkten Tempelchor (Leitung: Chordirigent B. Hirschmann) vorgetragen. Der Erlös der Feier, zu der Eintrittskarten zu S 2.— und S 1.— bei den Vorstandsmitgliedern, bei den Komiteedamen, sowie im Sekretariat, II. Pazmanitengasse 6, Telephon R-47-8-63, erhältlich sind, wird zur Chanukka-Bekleidting von etwa 120 armen Schulkindern verwendet. Das „Dr. Krüger-Heim", Gemeinnützige Fürsorgeinstitution für der Schule entwachsene, verwaiste oder verlassene Mädchen (II., MaLzgasse 7), veranstaltet am Dienstag, den 8. Dezember, Beginn 16.30 Uhr nachmittags, eine Chanukka-Feier mit großem abwechslungsreichem Programm. Jause und Büffet aus der Kochschule. Der Humanitäre Frauen-Verein Josefstadt veranstaltet am Montag, den 7. Dezember 1936, um 5 Uhr abends im Tempelgebäude, Wien VIII., Neudeggergasse Nr. 12, eine Kinderbekleidung. Talmud Thora Schülerausspeisung, IL, Malzgasse 16. Nach, langen Jahren ist für die Schülerausspeisung eine eigene Küche wieder in Betrieb gesetzt worden. Die große Anzahl der bedürftigen Kinder, die zu berücksichtigen sind, weil sie in ihrem Eiternhaus einen warmen Mittagstisch entbehren, lassen es wirtschatlicher erscheinen, das Essen am eigenen Herd zu bereiten. Die Qualität und Zusammenstellung der Mahlzeiten konnte so ganz den Forderungen der Schulärzte angepaßt werden. Damit diese wahrhaft wohltätige Institution während des ganzen Schuljahres in Betrieb bleiben kann, wird der Ertrag des Chanukkafestes, das am Dienstag, den 8. Dezember, 7 Uhr abends, im Hotel Post, I., Fleischmarkt 24, startfindet, auch heuer restlos diesem edlen Zweck dienen. Der H. G. V. Mariahilfer Kinderfreunde für den VI. und VII. Bezirk bekleidet am 8. Dezember (1 Tag Chanukka) in den Räumen des Cafe P a I a c e, VI. Mariahilferstraße 99, zirka 1Q0 jüdische Schulkinder, verbunden mit einer Chanukkafeier. „Ohel Rachel". Sonntag, den 29. v. M., fand im Schwarzenberg-Casino .;>eme Akademie mit Tanz zugunsten der Schützlinge\< des so segensreich wirkenden Ausspeisungsvereines .;,Ohel Rachel" statt. Dank den eifrigen Bemühungen des Festkomitees, insbesondere der rührigen Präsidentin Frau Henriette Fuchs konnte' der Verein an diesem gediegenen : Abendeinen schönen moralischen ""Hind materiellen Gewinn verzeichnen. Ein überaus Zahlreiches distinguiertes Publikum füllte die herrlichen Räume des Casinos, man sah u. a. Rabbiner Dr. M. Rosenmann, die Kultusvorsteher' Frieäfich Feuer und Dr. Jacques Weiger mit ihren' Gattinnen, Funktionäre vieler Wohltätigkeitsvereine k. a. In herzlichen Worten begrüßte Frau Prräsidentin Fuchs die Anwesenden und dankte ihnen dafür, daß sie durch ihr Erscheinen der guten Sache, der der Verein sich widmet, einen großen Dienst geleistet haben!'-<'Die Akademie, die von Maria West launig konferiert' wurde, stand auf beachtenswerter Höhe. Die Klaviervirtuosin Rene Gärtner, Opernsängerin Else C^aarmi, die Violinkünstlerin Lilly P o 11 a k-R u d i n, Opernsänger Hugo Sterne begeisterten das Publikum im gediegenen ernsten Teil des Abends, während die Vorträge von Hilde D u I i z k a j a und der Humoristen Bela L e n a r d und Eugen Hoffmann im heiteren Teil' viel belacht wurden. Es war ein wirklich gelungener Abend, der mit Tanzvergnügen zu den Klängen der Kapelle Max Geiger seinen schönen Abschluß fand. Verein für judische Geschichte und Literatur in Wien. Montag, den 7. Dezember, 'AS Uhr abends, im Klubsaale, I. Wiesingerstraße 11 (Cafe Atlashof, eigener Eingang, Souterrain), Vortrag des Herrn Dr. phil, et jur. Paul J. Diamant:;,Geschichte einer Millionenerbschaft vor 100 Jahren". .Eintritt frei.. Gäste willkommen. Die besten Eisen worst-iB^S(elivarM 3mal täglich'frisch'tiei imMlMmw Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiifschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Spelsen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten. Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. Wiener Montagblatt" auf dem Kriegspfad. fi Seit einiger Zeit erscheinen in der Montagsausgabe der Wiener „Reichspost", dem „Wiener Momitagblatt", Artikel, die sich mit dem angeblichen Ueberhandnehmen des jüdischen Einflusses im Wiener Kunstleben beschäftigen. Erst waren es die Einflußreichen bei den Kinos, die dem Blatte ein Dorn im Auge waren, dann kam eine Artikelserie gegen verschiedene Künstler, die an einzelnen Wiener Theatern gastieren. Die Melodie war dieselbe wie damals, als von antisemitischer Seite gegen die Erteilung einer Arbeitsbewilligung an Künstler wie Hansen, Wallburg. Bressart usw. Stellung genommen wurde. Man kennt die Tonart des „Wiener Montagblattes", es ist traurig, daß ein Blatt den Vorzug genießt, in Oesterreich in Antisemitismus zu ..machen", das durch die „Reichspost" öffentlichen Mandataren nahesteht. Ein Staatsrat, ein Kultusrat und die Spitzen der Pressekammer sind gerade dort, tätig, wo entgegen den Richtlinien des Führers dieses Staates und der Vaterländischen Front in versteckter oder offener Form antisemitische Ausfälle vorkommen. Das ist aber schon zur Gewohnheit geworden, nimmt also nicht weiter Wunder. Was wirklich zu verwundern ist, ist die Kurzsichtigkeit des Blattes, mit der es durch solche Ausfälle Interessen österreichischer Arbeitnehmer effektiv schädigt. Jeden Moment liest man von der Sperre eines Theaters. Auf der anderen Seite gehen manche Theater sehr gut vornehmlich durch die Zugkrait von Stars aus dem Auslande, die aber zum Verdruß antisemitischer Kreise Juden oder — wie im Falle Hansen — nicht ganz rassenrein sind. Diese Juden oder Nichtarier sind aber die Existenzgrundlage für so und so viele Arier. Daß hier Rassenf ragen ausschlaggebend sind, zeigt deutlich der Umstand, daß gegen arische Gäste noch nie ein Wort geschrieben 'wurde. Aber wenn es sich um Juden handelt, dann bleiben künstlerische Gesichtspunkte außer Frage, dann wird gegen einen Regisseur vom Range, eines Bachenheimier intrigiert, auch wenn diesem durch' seine einzig dastehenden Inszenierungen gelungen ist, die Wiener Operette wieder auoias frühere hohe Niveau zu stellen. In der letzten Nummer des ..Wiener Montagblattes" sind es die jüdischen (besser gesagt jiddischen) Theater in Wien, bzw. die in denselben auftretenden jüdischen. Schauspieler, gegen die öffentlich Stellung genommen wird. Es wurde; dieser Tage bereits in einem anderen jüdischen Blatte« richtig vermerkt, daß es sich hier um ein spezielles Theater handelt, das in jiddischer Sprache vor einem Publikum spielt, das diese Sprache versteht. Ueberall in der Welt wird das Theater anderer Sprachgruppen geehrt. Auch in Oesterreich. Anläßlich des kürzlich in Wien stattgefundenen Theaterkongresses wurden offizielle Vorstellungen in französischer und italienischer Sprache auf den Spielplan genommen. Die „English Players" gastierten zu anderer Zeit Tschechische Gastspiele sind an der Tagesordnung. Nur das jiddische Theater, das ist eine Ungehörigkeit, das soll nicht sein. Daß es! auch in den Augen der Herren der „Reichspost"-oder des „Wiener Montagblattes" nicht für die breite Oeffentlichkeit bestimmt ist, geht wohl am besten daraus Itervor, daß anläßlich des eine Weltsensation darstellenden Gastspieles von Morris Schwärtz und seinem: Ensemble In diesen Blättern nicht eine Zeile einer Kritik zu lesen war. Obwohl bekannt ist, daß der Chef des Theaterteiles der „Reichs- Unlon österreichischer Juden Jugend-Union Klubheim u. Sekretariat: Wien I.. Sdiottenring 25. Tel. A 19-2-77 Mittwoch, den 9. Dezember Ys 8 Uhr abends, im Klubsaal der „Union österreichischer Juden", Wien I., Sdiottenring 25, VORTRAGSABEND Eli RUBIN (Sozius) liest aus einer demnächst erscheinenden aktuellen Schrift. Post" ein Kritiker ist, der sich für alle künstlerische Ereignisse lebhaft interessiert. Auch im jiddischen Theater müssen Ausländer gastieren, um das Niveau der Aufführungen und deren Zugkraft zu erhöhen und weil in Oesterreich nicht genügend vollwertige, die jiddische Sprache beherrschende Künstler vorhanden sind. Aber die einzig richtige Frage muß aufgeworfen werden: Wer wird durch ein solches Engagement geschädigt? Welcher christliche österreichische Schauspieler ist dadurch arbeitslos? Und umgekehrt, wieviele Existenzen werden dadurch gefördert, wie viele Menschen beschäftigt, die ansonsten dem Staate durch Bezug der Arbeitslosenunterstüzung zur Last fallen würden. Uns sind die Verhältnisse der „Jüdischen Künstlerspiele" bekannt. Dort haben in diesem kleinen Theater 20 österreichische Arbeitnehmer Existenz. Und man weiß sehr wohl, wieviel Protessionisten und andere Kreise an dem Bestand eines Theaters profitieren. Sollen vielleicht alle diese Leute dem Staate wieder in den Taschen liegen? Aber wieder muß die Kurzsichtigkeit der für den Artikel Verantwortlichen Wunder nehmen. In Polen und Rumänien, also in jenen Ländern, aus denen die jiddischen Schauspieler zu Gastspielen nach Wien kommen, gastieren im Jahr hunderte österreichische Schauspieler. In deutscher Sprache. Für Gastspiele. in polnischer oder rumänischer Sprache ist in Oesterreich kein Interesse vorhanden. Also istdas einzige Kompensationsaktivum die Gastspiele polnischer oder rumänischer Staatsbürger im jiddischen Theater,. Wenn, wie das „Wiener Montagblatt" behauptet, Unzukömmlichkeiten vorgekommen sind so sind die Behörden hier, um nach dem Rechten zu schauen. Es geht aber nicht an, daß ein Blatt in polemischer Weise einen Hetzartikei schreibt, noch dazu mit Material und Namensanführungen, also in ganz konkreter Form. Und es ist mehr als verwunderlich, daß hieT die Familiennamen, also nicht etwa die Künstlernamen ver^ öffentlicht werden, mit einer derartigen Genauigkeit,, wie sie nicht einmal dem Direktor eines Theaters, sondern nur einem Amte bekannt sein können! Das erhöht die Gefahr, die von diesem Artikel ausgeht. Und deshalb kann eine solche Art der Berichterstattung nicht genug zurückgewiesen werden Die Herren befinden sich auf einem falschen Ge; leise, sie können das Kind mit dem Bade ausschütten und durch solche Ausfälle österreichische Interessen schädigen. Modeschau im Union-Frauen-Klub. Nach dem schönen Erfolgder in der vorigen Saison in den herrlichen Räumen des „Union- Klubs", 1., Schottenring 25, arrangierten Mode schau war der Wunsch nach Wiederholung einer solchen Veranstaltung auch heuer rege geworden, und es war naheliegend, daß an die bewährten Arrangeurinnen des damaligen gelungenen Nachmittags, Frau Thekla Widrich und Frau Dr. K o r k u s, die Bitte erging* auch dies mal die Regie der Modeschau mit Bridge Tee, die am 24. d. M. stattgefunden hat. zu übernehmen. Den überaus dankenswerten Bemühungen der beiden Damen gelang wieder eine ausgezeichnete Veranstaltung, der das sehr zahlreiche Publikum, unter dem sich prominente Vertreterinnen vieler jüdischer Frauenvereine befanden, berechtigten Beifall zollten. An den hübschen Vorführungen beteiligten sich folgende erste Firmen: Kleider: R. & L. Rosenberg, I., Häbsburgergasse 3; Hüte: Mademoiseile Geor gette, I., Seilerstätte 7; Pelze: Biermann, V.. Franzensgasse 17; Sport: Sporthaus Lazar IX., Kolingasse 13- Die Conference hatte Man/ von Lind inne, die sich sehr gut ihrer Aufgabe entledigte.

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