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Die Wahrheit · 1936-12-04 · Heft 53 (4.12.1936) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 53 (4.12.1936)
Date
1936-12-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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3HEIT DIE WAHRHEIT Nr. "53. — 4. Dezember 1936 Seite 3 5-19 idiaft e und )ft, das is umat dem ist Nur - nicht meinde sterrei- Kultusrhalten, schnüt Valet nd. - österlle Kulnd mosse des isdruck, Juden" diesem Löwenekannte „errunifgeben, isknecht fürchtet jüdisch n zeigt werden sein. Je idischen jen und der Erjüdisch der Aaneinde" logische Austroenschalt ung iren I N IUI Hause. versuche r welch jemals zi ■äfft, wii ektor de und Ken eL seinen ihen Tod Achtung! Achtung! Vormerken! "' *.!U Samstag, den 12. Dezember, präzise 8 Uhr abends GROSSE CHANUKAFEIER des „UNION-KLUB" im Heim!., Schottenring 25 RELIGIÖSE FEIER: Licbteranzünden: Oberkantor Glück mit Chor. * Festrede: Rabbiner Prof. Dr. J. Drobinsky. Festgedicht, vorgetragen von Susi Widrich. ^v Begrüßungsansprache: Präsident Reg.-Rat Dr. H. Oppenheim. AKADENiE : jalia Röhler . . . ehem. I. Koloratursängerin derpJfesduer Staatsoper. am Flügel Kapellmeister Adolf Brenner. * Ernst Heinrich Schrenzel . . . diesmal lustig. Raoul Lange, Mitglied des Deutschen VolkstheatersV singt spanische und argentinische Volkslieder; um Flügel: Herta."Länge. Anny Singer, Klavier. <•-.■. Conference: E. H. Schrenzel. Nach der Akademie: TANZ Gedenket Justiztragödie in Polen. Berufungsverfahren im Przvtlk-Prozeß endet mit Strafverschärfung. Vor dem Gericht in Lublin fand in der Vorwoche das Benifungsverfahren im Prozeß gegen die Teilnehmer an dem Judenpogrom hn Städtchen Przytik, sowie gegen eine Reihe Juden, die sich zur Wehr setzten, statt. Im erstgerichtlichen Verfahren wurden 35 Nichtjuden zu meist geringfügigen Geiiingnisstrafen verurteilt; die vier Rädelsführer des Pogroms wurden sogar freigesprochen; dagegen wurden elf Juden zu meist recht harten Kerkerstrafen verurteilt. Das Urteil hatte seinerzeit unter der polnischen Judenheit einen über alle Maßen deprimierenden Eindruck gemacht Das Berufungsgericht hat die harten Strafen, die das Kreisgericht in Radom gegen die jüdischen Hauptangekagten am 26. Juni gefällt hat, bestätigt. Die Strafen aller übrigen jüdischen Angeklagten wurden wesentlich erhöht. Die in Radom freigesprochenen vier nichtjüdischen Angeklagten, die des Mordes an dem Ehepaar Minkowski beschuldigt wurden, wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die auf ocht Jahre Kerker lautende Strafe gegen den jüdischen Hauptangeklagten Schalom Jechiel Lesko bleibt bestehen, ebenso die über Elieser Kirszenzweig verhängte Kerkerstrafe von sechs Jahren. Die Strafe für Jtzchak Friedman, der in erster Instanz zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden war, ist auf fünfeinhalb Jahre erhöht worden. Es wurden weiter erhöht die Strafen für Abraham Haberberg von zehrt Monaten auf anderthalb Jahre, für Elieser Feidberg von zehn Monaten auf anderthalb Jahre, für Jizchak Banda von acht Monaten auf zwei Jahre, für Leib Lenga von acht Monaten auf anderthalb Jahre. Saul Krengel. der vom Kreisgericht in Radom sechs Monate Gefängnis erhalten hatte, wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Die weiteren jüdischen Angeklagten Moses Ferszt. Raphael Honig und Leib Zeide, die in Radom sechs Monate Gefäng:üs erhalten hatten, bekamen jetzt zehn Monate Gefängnis. Die des Mordes an dem jüdischen Ehepaar Minkowski beschuldigten vier nichtjüdischen Angeklagten Antony Fronczkiewicz, Stanislaw Der ... Union-Frauen-Klub arrangiert jeden Donnerstag ab 4 Uhr nachmittags ein Bridge-Cercle im Klubsaal, L, Schottenring 25. Gäste willkommen! ichen An s dränff ten diese mographii über de! m. ich bishff;chaft ffl der eine literatur nbaum s äußere) rkanteste die allge Weitöffent it", Nr. 3 liebkeit, das „gewaltige geistige und moralische Kapital", das Uriel Birnbaum darstellt, nicht ungenutzt zu lassen. Graf Polzer-Hoditz, den wir schon seit Jahren als mutigen Vorkämpfer iür die Durchsetzung Birnbaums kennen, hat mit dieser Schrift zweifellos einen entscheidenden Schritt getan. Wir aber müssen wieder fragen: Wie kommt es, üaß es ein Nichtjude war, der das bisher maßgebendste Wort über Uriel Birnbaum zu sagen wußte? Wie kommt es, daß ein Mann aus anderen Kreisen, anderen Lebensformen und Lebenssphären berufen erschien, den jüdischen Künstler zu verkünden? Wir kennen wohl die unerschütterliche Ueberzeusungstreue dieses altösterreichischen Aristokraten, dieses treuen Diener seines Herrn, des verewigten Kaisers Karl, wir bewundern die Schärfe der politischen Erkenntnis des Verfassers des „Kaiser Karl"-Buches, wir anerkennen seine Unnachgiebigkcit im Verfolgen des einmal für richtig und wahr Erkannten; sein mannhaftes Eintreten für den großen jüdischen Künstler in der heutigen, nicht sehr judenfreundl ichen Zeit mag zweiiellos mit allen diesen edlen Eigenschaften in Verbindung stehen, sie bieten aber keine hinreichende Erklärung dafür. Sollte Vielleicht gerade diese naturgegebene Distanz die rechte Perspektive für das restlose Erfassen des großen Künstlers darbieten? Oder ist es die beiderseitige Adeligkeit, das Gefühl des wirklichen, des durchkultivierten Aristokraten für den wahren Wert, für den Edelgehalt und den Adelswert geistiger, künstlerischer und sittlicher Größe? Den Anhang zur Monographie des Grafen Polzer-Hoditz bildet ein Verzeichnis der Werke. Bücher und Bilder von Uriel Birnbaum. Dieses Verzeichnis umfaßt allein nicht weniger als viereinhalb Seiten. Unter den Büchern befinden sich viele Sammelwerke, wie Gedichtbände, Növellenbände, Kurzdramen. liesammelte Aufsätze politischen, historischen und kriti-;-chen Inhaltes etc etc., die nicht einzeln angeiiihrt sind. Die Bilderwerke bestehen aus reichhaltigen Zyklen, deren jeder eine Unzahl von Blättern oder Taieln enthält, die ebenfalls nioht einzeln benannt erscheinen. Eine namentliche Aufzählung jeder einzelne.i. in sich abgeschlossenen Arbetty würde ein stattliches Bändelten ergeben.;.■ Aber innerhalb dieses Verzeichnisses enthalten iast zwei volle Seiten „die fertig vorliegenden ungedruckten Werke" und „in Arbeit befindfiClie Werke"....... Wann wird sich endlichunsere Zeit darauf besinnen, diese iertig vorliegenden ungedruckten Werke ans Licht des Tages zu bringen und wann endlich es dem großen Künstler ermöglichen, die in Arbeit befindlichen Werke einem glücklichen Ende entgegen zu führen? Es sind hier einige Probleme aufgeworfen worden, deren praktische Lösung wichtiger und dringlicher sind, »is vielleicht ihre rein theoretische Auflösung. Eines aber ist klar. Die Bemühungen des Grafen Polzer-Hoditz dürfen nicht ergebnislos bleiben. Jetzt, nachdem wir so scharf darauf hingewiesen worden sind, ist die jüdische Verantwortung iür die Hebung und Wahrung dieses außerordentlichen Kulturgutes"'viel größer geworden. Wir werden uns vor der Nachwelt nicht darani berufen können, daß wir nicht gewußt haben, um was es ging. der Winterhilfe der Bundesregierung! Fronczkiewicz, Gustaw Iwonski und Franciszek Kwietniewski, die in Radom freigesprochen wurden, erhielten je eineinhalb Jahre Gefängnis. Das Gericht stellte in seiner Urteilsbegründung fest, daß die vier on der Stätte des Mordes waren, es konnte ihnen aber nicht nachgewiesen werden, daß sie den Mord tatsächlich verübten. Die Strafen verschiedener nichrjüdischer Angeklagter sind nur unwesentlich erhöht worden. Das Urteil hat auf die jüdische Bevölkerung von Lublin, die das Gerichtsgebäude lange vor Verkündung des Urteils umlagert haue, einen niederschmetternden Eindruck gemacht. Auch in Warschau und im übrigen Polen ist die Erregung unter den Juden über dieses Urteil ungeheuer. „Ghettobänke i.t Witna". Die nationaldemokratischen Studenten üi Wilna, die mehrere Tage lang einen sogenannten Hungerstreik durchführten, um ihre Forderungen nach Einführung von „Ghettobänken" iür jüdische Studenten durchzusetzen, haben einen vollen Erfolg errungen. Nachdem die Universitätsbehörden zugesichert haben, daß sie die: Forderungen der Studenten erfüllen werden, ist der Hungerstreik abgebrochen worden. Die Studenten haben das Universitätsgebäude, das sie sieben Tage lang besetzt gehalten hatten, verlassen. Für die Forderungen der Studenten hatte sich der Erzbischoi von Wilna, Jabrizykowski. bei den Universitätsbehördeni eingesetzt. Der Rektor der Universität Wilna, Proiessor Jakowski, empfing eine Abordnung jüdischer Intellektueller aus Wilna und besprach mit ihnen die Lage. Er erklärte, die Regierungsbehörden seien entschieden gegen weitere (!) Beschränkungen jüdischer Studenten. Man werde es auch nicht zu neuen Ausschreitungen kommen lassen. Der Rektor erklärte aber, es würde gut sein, wenn die ganze Angelegenheit auf gütlichem Wege gelöst werden köron©. Die Studenten sollten unter sich eine Verteilung der Plätze in den Hörsälen vornehmen. Dabei sollten die jüdischen zusammen mit den polnisch-progressiven Studenten und den den anderen Minderheiten angehörenden Studenten Plätze erhalten. Die Sehdit von Polzer-Hc.ditz ist eine Tatsache, die nicht uingangen werden kann, die reine Begeisterung, von der sie erfüllt ist, bedeutet iür uns eine unablehnbare Aufforderung, die vom Verfasser der Monographie auch mit diesen schütten und eindringlichen, ja beschwörenden Worten zum Aufdruck gebracht worden ist: „D e r v e r b o r g e n e u n e h;> b e ne Sc h a t z v o n L'riel Birnbaums Werk maß ans Licht g e-!t o b e n, mui! allen suchenden Seelen erreichbar gemacht werden, um unserer selbst willen, damit sein Leben, das eine Ehre für seine Zeit ist. nicht zur Schande .eines Zeitgenossen w e r d e." Dazu tniizuhelicn, ist unabweisbare Pflicht seines österreichischen Vaterlandes ist vor allem aber auch, wenigstens in den Augen eines Nichtjuden, jüdische Pflicht. So wenig Oesterreich reich genug ist, -um das gewaltige geistige und moralische Kapital, das dieser Oesterreicher Uriel Birnbaum darstellt, ungenutzt lassen zu dürfen, so wenig ist wohl die Judenheit reich genug an künstlerischen und sittlichen Kräften, um diesen Juden Uriel B i r n b a u tu vernachlässigen zu dürfen! Daß ein Jude das erhabene Kriegsbuch „In Gottes Krieg" gedichtet hat, daß ein ■Jude den großartigen Bilderzyklus ..Moses'* gescitaifen hat, daß ein Jude ein gleichzeitig so umiangreiches wie reines Lebenswerk gestaltet hat — das bedeutet iür alle Zeiten eine derartige Stärkung der moralischen Stellung der gesamten ladenheit, daß schon einfachste Dankbarkeit alle Juden Uriel Birnbaum gegenüber dauernd verpflichtet. Und die Juden würden nur sich selbst ehren, wenn sie den Dichter, den Künstler, den Denker Uriel B i r tili a u m fördern und feiern!" Samuel.

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