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Die Wahrheit · 1936-12-04 · Heft 53 (4.12.1936) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 53 (4.12.1936)
Date
1936-12-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 53 — 4. Dezember 1936 DIE WAHRHEIT DIE\ Kommission außerordentlichen Eindruck gemacht. Wenn, was sehr zu wünschen wäre, der politische Erfolg: diesem rhetorischen und moralischen halbwegs entsprechen wird, dann wird man bildlich von dem Aufflammen des ersten Lichtleins in dem Winter unseres Mißvergnügens sprechen dürfen. Denn manchen von den vielen Juden, die sich heute in ihren Heimatländern nicht assimilieren können oder dürfen, wird da neben den anderen Auswanderungsmögüchkeiten, die nicht unbeachtet bleiben dürfen, ein Ausweg aus ihren inneren und äußeren Nöten sich eröffnen. Noch sehen wir schwach das erste Lichtlein im nächtlichen Dunkel unserer Tage, aber der erste Erfolg jüdischen Rechtes in einer Welt, in der sich die rohe Gewalt das Diktat anmaßt, wird — das lehrt uns die Menora — nicht lange vereinzelt bleiben, sondern als Verheißung leuchten, daß es allmählich wieder heller, immer heller wird auf Erden . . . Cafe Bvd&sbavm 11. Kleine Pfarrgasse 01 Tel. A 43-5-19 Treffpunkt der guten jüdischen Gesellschaft VoUttlndlg neu renoviert &ew (Raub des Vizeprasidiums oder Die jüdistfknationalen Demokraten! Wie wir hören, hat der zionistische (lies jüdischnationalfi) Klub, der unter der falschen Flagge des Zionismus die heterogensten Elemente und im 19 Mandaten nicht weniger als sechs verschiedene, aber sehr verschiedene Parteisn vereinigt, mit Majorität den Beschluß gefaßt, den Mandataren der „Union österreichischer Juden", welche die größte einheitliche Partei im Kultusvorstande darstellt, die ihr gebührende Stelle im Präsidium der Kultusgemeinde zu verweigern. Man muß die jüdische Oeffentüchkeit daran erinnern, daß die Allgemeinen Zionisten, die Herren Dr. Desider Friedmann, der jetzige provisorische Amtsdirektor Dr. Josef Löwenherz, der Klubobmann Dr. Jakob Ehrlich, der ernannte Rat der Stadt Wien, und Herr Ingenieur Robert Stricker sich vor dem 14. Februar 1934 an demokratischem Allüren nicht genug tun konnten. Bei Zusammentreten des Kultusvorstandes im Jahre 1932, das den Jüdischnationalen ■zum ersten Male — zum Unglück für die österreichischen Juden — die Majorität brachte, lautete der erste Dringlichkeitsantrag der Jüdischnationalen auf Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechtes. Natürlich schon damals nur eine Demonstration und ein Liebäugeln mit den damaligen zionistischen Freunden von Paole-Zion, die die Herren nach den Februarereignissen vollständig fallen ließen und gegen die sie sich nun wendeten. Dem „Dringlichkeitsantrag" wurde ein Begräbnis I. Klasse in der Statutenkommission — gegen die sonstigen Prinzipien der jüdischnationalen Finanzpolitik ohne Vorauszahlung der Taxen — bereitet; nie wieder war im alten Kultusvorstande von diesem „ernstgemeinten" Antrag die Rede. Wie am 8. November, am Wahltage, wieder zu Bewußtsein kam, beruht das Wahlrecht in den Vorstand der Kultusgemeinde auf dem hyperdemokratischen Prinzip des Listenwahirechtes und des Proportionalwahlrechtes. Ganz Wien bildet einen Wahlkreis; das Wahlergebnis richtet sich nach der Gesamtzahl der für die einzelnen Listen abgegebenen Stimmen. .Damit ist klar und deutlich zum Ausdruck gebracht, daß auch in den Verwaltungsorganen der Kultusgemeinde, im Präsidium, im Vertreterkollegium und in den Kommissionen das Proportionalwahlrecht zur Anwendung zu kommen hat. Nach der Zahl der aus den einzelnen Listen gewählten Mandatare besteht ein Rechtsanspruch auf eine proportionale Vertretung in den Verwaltungskörpern der Kultusgemeinde; da die Liste der „Union" mit zirka 38 Prozent der abgegebenen Stimmen gewählt wurde, haben die Mandatare der „Union österreichischer Juden" Anspruch auf mehr als ein Drittel der Mandate im Präsidium, im Vertreterkoilegium und in den Kommissionen. So wurde das auch seitens der „Union" seit Einführung des neuen Wahlrechtes im Jahre 1918 nach Recht und Gesetz und loyal gehandhabt Das ging so weit, daß die „Union" in einem Zeitpunkte, als die Jüdischnationalen mit nur drei Mandaten im Kultusvorstande vertreten waren, ihnen eine Stelle im Verrreterkollegium zugebilligt hat. Dabei hat die „Union" keine ununterbrochenen Verbeugungen vor der Demokratie gemacht, als es noch zum guten Ton gehörte. Die „Union" ist immer gegen das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht zur Kultusgemeinde; aufgetreten, weil die Voraussetzungen, die für seine Einführung i*2 die öffentlichen Vertretungskörper gegeben waren, in der Israelitischen Kultusgemeinde Wien nicht vorhanden sind. Dort handelt es sich nicht um politische Rechte, sondern um die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse und um die Fürsorge in weitestem Umfange, auf die zweckmäßigerweise die Befürsorgten nicht den entscheidenden Einfluß nehmen sollen. Uebrigens ist das Wahlrecht an eine einmalige Steuerleistung von sage und schreibe 60 Groschen in drei Jahren geknüpft, das ist 20 Groschen pro Jahr, so daß ein Kreis umspannt wird, der — wie bei den Wahlen seit dem Jahre 1924 sich ergeben hat — viel zu groß ist Nur dadurch kommt es, daß die Demagogie — nicht einmal die Demokratie — in der Kultusgemeinde zur Herrschaft gelangt ist, und daß diei österreichischen Glaubensgenossen, welche die Kultusgemeinde durch ihre Steuerleistung erhalten, wenn sie es nicht vorziehen, ihr Ranzel zu schnü ren und einer solchen Zwangsgemeinschaft Valet zu sagen, zur EinfluBlosigkeit verurteilt sind. Dieses Prinzip der Vergewaltigung der österreichischen Steuerträger und Wähler, die die Kultusgemeinde zum größten Teile materiell und moralisch erhalten, kommt in dem Beschlüsse des Klubs der „Zionistischen Liste" zum Ausdruck, den Vertretern der „Union österreichischer Juden" keine Stelle im Präsidium einzuräumen. In diesem Beschlüsse lebt der Geist Stricker's und Löwenherz. Stricker will die durch seine bekannte Packelei mit den Allgemeinen Zionisten „errungene" Stelle eines Vizepräsidenten nicht aufgeben, für die er so geeignet ist, wie ein Landsknecht zum Klosterbruder, und Dr. Löwenherz fürchtet den unionistischen Chef, weü er seinen jüdischnationalen Parteigenossen schon den Herrn zeigt Aber die Folgen dieses Beschlusses werden für die Jüdischnationalen nicht erfreulich sein. Je mehr sie die zirka 12.000 österreichischen jüdischen Wähler zur Kultusgemeinde vergewaltigen und terrorisieren, umso eher kommt der Tag der Erlösung und Befreiung durch das erwachte jüdischösterreichische 'Wien und der Verjagung der Anhänger der „Jüdischnationaüen Volksgemeinde", das heißt des neuen Ghetto. Die ideologische Verbundenheit der Antisemiten und der Austrozionisten öffnet der österreichischen Judenschaft de Augen. Wintersport, Erholung u. Qastelner Badekuren finden Sie im schönen sonnigen Winterkurort HOFGASTEIN Kurhaus Westend unter Aufsicht d. Schiffschul Wiener Küche, Zentralheizung und Thermalbäder Im Hause. Bad S 2.50. Anfragen rechtzeitig erbeten. Esm Seiiiffetoii. Probleme um Uriel Birnbaum. Wer Schafien und Person Uriel Birnbaums kennt, wird wissen, daß beide, Werk und Mensch, nicht viel von jener Zwiespältigkeit der Gedanken oder der Gefühle erkennen lassen, die in einer vergangenen Literaturepoche als problematisch angesprochen worden sind. Es kann auch gar nicht anders sein. Denn alle wirkliche Größe, jede wahrhaft große Persönlichkeit muß ihrem innersten Wesen nach und letzten Endes einfach erscheinen und eben dadurch vorbildlich wirken. Gewiß werden solche Persönlichkeiten jedem Ansturm der Sinne und allen Erschütterungen der Seele gerade so oder — ihrer gesteigerten Eindrucksfähigkeit wegen — noch weit mehr ausgesetzt sein, als alle anderen Menschen. Ihr stetes Ringen um sittliche Macht, um moralische Ueberlegenheit in Leben und Schaffen wird sie erst recht als Ausnahme, als Abweichung von der Norm, kurz, als Problem erscheinen lassen. In Wirklichkeit aber und von einer höheren Warte gesehen, sind sie es, deren Lebensweg -die beispielhafte Norm bedeutet, sind es ihre Werke, die als klassischer Ausdruck der Zeitepoche säkulare Bedeutung erhalten, mit einem Wort, sind nicht sie das Problem, sondern die Löser der Probleme und ihre scheinbar verschlungenen Wege ein — Weg zu Gott.---—---- In diesem Sinne soll hier nur von Problemen um Uriel Birnbaum die Rede sein, von Fragen, seine Umgebung betreffend, die Resonanz bei seinen Zeitgenossen, sein äußeres Schicksal, kurz, dem großen, seit Jahren ungelösten, vielseitigen Problem: Wie kommt es, daß Uriel Birnbaum nicht seinen Platz einnimmt, der ihm gebührt und der ihm von berufenster literarischer und kunstkritischer Seite schon lange, mit allerhöchsten Attributen, zuerkannt worden ist? Uns allen ist das manchmal schon mehr als peinliche, unaufhörliche Eintreten für mehr weniger wertvolle jüdische Leistungen bekannt, meist ohne Berücksichtigung ihres wirklichen Wertes. Vielen jüdischen Zeitschriften scheint die Tatsache zu genügen, daß ein Gelehrter, Dichter, Schauspieler, ein Sänger oder Filmstar Jude ist, um mit ihm den ausschweifendsten Personenkult zu betreiben. Uriel Birnbaum hatte es niemals so gut. Man könnte Jahrbände jüdischer Zeitungen durchsehen, ohne auch nur auf den Namen Uriel Birnbaum zu stoßen. Sollte es tatsächlich so sein, daß ein gewisser Mangel an Höchstwert notwendig ist, um jüdische Begeisterung für eine jüdische Größe hervorzurufen? * Bemerkenswert und in seinen Zusammenhängen nicht ganz klar, aber für uns Juden jedenfalls beschämend ist es, daß die volle Würdigung des großen jüdischen Künstlers, daß die restlose Anerkennung des Birnbaum'schen Genius bisher fast ausschließlich von nichtjüdischer Seite erfolgt ist. Man muß nur an die Namen von Männern, wie Felix Braun, Alfons Petzold, Hofrat Arpad Weixlgärtner und etwa Ferdinand Gregori erinnern, um diesen Vorwurf nur allzu berechtigt m finden. Gewiß, auch von jüdischer Seite hat man versuch; Uriel Birnbaum gerecht zu werden. Aber weicht prominente jüdische Persönlichkeit hatte sich jemals zi einer großartigen Geste gleicher Art aufgerafft, wii eben Ferdinand Oregori, der verewigte Direktor de Burgtheaters, der, ein großartiger Künstler und Ken ner des Wortes, es für angemessen fand, bei seinen letzten Vorlesungsabend vor seinem allzu frühen Tod folgendes Programm zu lesen: „Das Leid in der Dichtung." Aus: 1. Buch Hiob, 2. Dante: Göttliche Komödie, 3. Goethe: Faust, 4. Schiller: Die Braut von Messina, 5. Uriel Birnbaum: In Gottes Krieg. Die geheimnisvolle Frage der nichtjüdischen An teilnähme am Schaffen Uriel Birnbaums dräns sich besonders auf anläßlich der in den Spalten diesei Zeitung*) schon ausführlich behandelten Monographii von Dr. Arthur Graf Polzer-Hoditz über dei Dichter, Maler und Denker Uriel Birnbaum. Denn diese ihrem Inhalt und Umfang nach bish bedeutungsvollste schriftstellerische Zeugenschaft ffl den großen jüdischen Künstler aus der Feder eine Nichtjuden begnügt sich nicht nur mit der literatur und kunstkritischen Würdigung Uriel Birnbaums sie Wirft viehnehr selbst das Problem seines äußere! Schicksals auf und bedeutet in 'ihren markanteste Höhepunkten einen enthusiastischen Appell an die allge meine, besonders aber auch an die jüdische Weltöffent *) Jüdische Wochenschrift „Die Wahrheit", Nr. 3 vom 4. September 1936. sungs es tr Karl, kennti anerki einma tes E heutig fellos dung rung i < stanz des g: seitig« kultiv Edelgi und s

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