Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 53 (4.12.1936)
- Date
- 1936-12-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V. b. b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par l'editeor'* e Präiht ist, >ezirke dieses i Fesiibiners 1 e i m, :g.-Rat ^ertretervoii (Prämg der nriette abends rarzenseiner en mit t n e r, )line - Hugo Eugen nsons: Herr iget. •liedern ä unter orgerar Oskar bereits 8. De- Tempei. ü h k a :it ere und er una 'empelvorgerten zu je» den lanitenrd, wie armen Comitec e Lage Festes c. Der nes, an : w e i g er, . im leidung ter von i, Winen und Außer- Ichbrot neisters ndsmit nschen, lögHcht konnte iesamtiführten rstehers seitens ürsorge Ehren Jakob welch i, deren ungsarntwort «en H Söhne e Die Wahrheit Erscheint jeden Freitag Preis 30 Groschen sroniniiiiiiM Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer luden44 52. Jahrgang Wien, 4. Dezember 1936 Nummer 53 Im Lichte der Menora. Dosiere Dich gut und billig Wenn das nächtliche Dunkel, die Jahreszeit ^herrschend, seine größte Ausdehnung und lntenität erreicht und das Tageslicht, auf ein paar stunden beschränkt, nur getrübt durch dichte iVoIkenschieier das Auge der Menschen erreicht, lann holt der gläubige Jude den neunarmigen .suchter hervor und entzündet die Oelilamnie einer unversiegbaren Hoffnung auf den schließichen Sieg des Lichtes. Er weiß, daß nicht jäher Jmsturz diesen Sieg bewirken kann, sondern nur Ausdauer und unerschütterlicher Glaube an sein Nmähh'ches Heraufdämmern. Er schöpft aus seiner ahrtausende alten Geschichte die Erfahrung, daß lllzu rapid erfochtener Umschwung keine Dauer uit, sondern bloß den zeitweisenden Pendel in ähe Schwingungen von einem Extrem ins andere ersetzt. Darum wappnet sich der jüdische Lichtlunger mit weiser Geduld und erfreut sich becheiden erst an einem kleinen Flämmchen, gesellt liesem am nächsten: Tag ein zweites, am dritten drittes und so fort, bis der Beharrlichkeit einen Gott Vertrauens der triumphale Glanz der oll erstrahlenden Menora vergönnt erscheint. An ler Menora entflammt sich just dann, wenn das )unkel rings um uns Juden den unheimlichsten ind gefährlichsten Grad erklimmt, unser Trost, ja Misere Gewißheit, daß es wieder heller wird auf rinlen. Heller nicht bloß im physischen, sondern auch geistigen und moralischen Sinne. Diese erlebende Erkenntnis schöpfen wir aus dem gerichtlichen Ursprung der Menora. Wir wissen, iß die erste Menora das Siegesfanal nach dem lorreichen Ende der Makkabäerkriege gewesen st — ein echt jüdisches Siegesfanal: keine Brandfackel der Zerstörung, sondern ein unveriegliches Weihelicht in unserem von Heidenreuetfn gereinigten Heiligtum, das der Judenhaß u besudeln gewagt hatte. Ein grandioses Heldenepos bilden unsere Vlakkabäerbücher. Das Verdienst, dies unserer Zeit recht anschaulich gemacht zu haben, gebührt len deutschen Nazi, die soebemi das Oratorium, 'u dem das Genie Händeis durch die Persönichkeit und die Taten des Juda Makkabäus inpiriert worden war, zu einer musikalischen jlorifikation ihres — Horst Wessel umdeuten. Da kann man nur vergnügt sagen: „Jedem das seine!" Es ist keineswegs ein Makkabäer, der iurch diesen Nazi-Versuch, mit von Kavalieren ibgelegten Heldenmänteln rassenpolitische Ge,- chäfte zu machen, lächerlich wird. Die Hakensreuz'Üer suchen — Händel und verfolgen ihr -ielirn, Geiste vom Horst Wessel, wir Juden aber suchen die Gottesweihe und darum betrachten [vir .mit ehrfürchtigem Danke das religiöse Erleuerungswerk der Hasmonäer. Dies allen natiolalen Heißspornen ins Tagebuch — besonders den ü di s c h nationalen. Denn es heißt Weg und Ziel niteinander verwechseln, wenn man, wie sie, sich im kriegerischen Ruhm der Makkabäer berauscht md; den schönen Erfolg des Sieges*: die Tempet "t\hß,: als Nebensache abtut. , . Wie sehr verkennt doch solch banale Ausegöflg:-des- Gha'niukkafestes den wahren Charakter les Judentums, das nur nach1 Ewigkeit sVe ren strebt. Wo aber haben Kriegsentscheidungen zu Ende ging, schien die ganze Menschheit von einer einzigen Sehnsucht beseelt: der Sehnsucht nach endgültiger Abrüstung. Aber der Völkerbund, der diesen Traum verwirklichen sollte, erwies sich als ohnmächtiges Schemen, und so kam es, daß heute, kaum zwei Dezennien nach dem Friedensschluß, die Welt wieder in Waffen starrt: die Gefahr eines neuem Weinbrandes ist greifbar nahe gerückt, und was ihn zu entzünden droht, ist höchst bezeichnender Weise der Wunsch nach Revision der ungerechten Friedensverträge. Es ist erfreulich, daß wenigstens deren peinlichste Verstöße gegen Recht und Sitte schon jetzt außer Kraft gesetzt sind: Als gute Oesterreicher begrüßen wir besonders die wiedererlangte Gleichberechtigung unseres: Vaterlands in bezug auf Selbstschutz und Selbstverteidigung. Die Tatsache, daß die erste Wiener Garnison, die auf Grund der neueingeführten allgemeinen Wehrpflicht heuer Dienst macht, zu 23 Prozent aus Juden besteht, zeigt eine beachtenswerte Synthese von österreichischem Patriotismus und Makkabäergeist. Wir sprechen sicherlich im wohlverstandenen Sinne dieser beiden Kraftkomponenten, wenn wir dem Wunsche Ausdruck geben, daß die Aufrüstung Oesterreichs, die ja keine aggressiven Ziele verfolgt, der Vermeidung neuer Kriege, die ja wieder nur ze'tbegrenzte Machtverschiebungen -cur wertlosen Folge hätten, beitragen möge. Die strategischen Erfolge der Hasmonäer, denen die jüdiischnationale Chanukka-Begeisterung gilt, hatten leider micht diese Wirkung auf Dauer. Was den Griechen in der Makkabäerzeit mißlang, das vorführten später die Römer: den Untergang des jüdischen Staates. Und jetzt sind es gerade die Jüdischnationalen, die diesem Kriegserfolg die dauernde Berechtigung absprechen und nach Revision rufen. Die Balfour- Deklaration sollte eine Erfüllung dieses Wunsches bringen, entfesselte aber bekanntlich einen Revisionssturm der Araber und eben' jetzt weilt eiwe königliche Kommission der Engländer im Heiligen Lande, um die Wünsche und Beschwerden beider Parteien auf ihre Berechtigung zu prüfen und danach Entscheidungen zu fällen, die zu den folgenschwersten Wendungen in der Geschichte Palästinas führen können und denen daher ailUe Juden ohne Unterschied ihrer politischen Gesinnung aufs gespannteste entgegenbangen. Zum Glück sind bei dieser Revidierung der jüdischen und arabischen Ansprüche auf Palästina wenigstens jene „Revisionisten" ausgeschaltet, die die Entscheidung mit Waffengewalt ersehnen. Die Araber boykottieren die königliche Kommission und auf jüdischer Seite führt man statt der Bajonette der Neuzionisten lieber die geistige Autorität des Präsidenten der Altzionisten, ,des Professors Oeslermchiscöes Qualität fabrihat Ueberau erhältlich 1 )r. Chaim W e i z in a n n, ins Gefecht. Dieser erschien als der erste jüdische Zeuge vor der Kommission und sprach am 25. November 2K- Stunden in öffentlicher, am folgenden Tage ebensolang in nichtöffentlicher Sitzung. Dr. Weizmann schilderte ausführlich die politische und wirtschaftliche Bedrohung der jüdischen Existenzen in Europa durch den Antisemitismus. Vor dem Kriege bestand die Möglichkeit der Auswanderung nach den überseeischen Ländern, von der Juden in ihren Maßen Gebrauch gemacht haben; jetzt aber sind die Tore der ehemaligen Einwanderungsländer gesperrt. Dem gegenüber verwies Dr. Weizmann auf die Jahrtausende alte Verbundenheit der jüdischen Geschichte mit Palästina. Es sei unvorstellbar, daß es den Juden jemals verwehrt sein sollte, frei nach Palästina einzuwandern, soweit es die Absorptionsfähigkeit des Landes zuläßt. Die Balfour- Deklaration habe versprochen, daß die Juden im Heiligen Lande auf Grund von Recht und nicht von Duldung siedeln sollten. Die Hauptbeschwerde der Juden richte sich gegen das Versagen der Regierung, die eine positive, auf die Entwicklung der Jüdischen Heimstätte und des Landes als Ganzes abzielende Politik nicht ergriffen habe. Darauf setzte Dr. Weizmann die Gründe auseinander, die die Ziunisten bestimmt haben, der vorgeschlagenen Einsetzung eines Legislative Council >;u widersprechen, wobei er hinzufügte, daß er gewisse Aussichten für die Lösung dieses Problems sehe. Doktor Weizmann wies auf die Vergrößerung der jüdischen Bevölkerung hin und bestritt, daß alles gute Land in den Besitz der Juden übergegangen sei. Es hat sich vielmehr in den meisten Fällen um schlechten Boden gehandelt, der durch jüdische Arbeit verbessert wurde, und zwar unter den größten Schwierigkeiten, die in mühevoller Kolonisationsarheit überwunden werden mußten. Dr. Weizmann versicherte, daß die Juden bereit seien, der Kommission bei der Lösung der dornigen Probleme, mit denen sie befaßt ist, zu helfen und mit den Arabern in Frieden zu leben. Das arabische Interesse an Palästina sei ja überhaupt erst durch die Prosperity, die die Juden im Lande hervorgerufen haben, erwacht. Wie die Jüdische Telegraphenagentur meldet, haben die Ausführungen Dr. Weizmanns auf die KOHIE*KOKS ANfHRAZIf BÄSCH IV., Argentinierstrafie 22 ♦ Tel. TrUree D 41 Stars' 5 40 emals ewige Gelitung erlangt? Als der Weltkrieg, _ fci^^H^—: '»J&r-'-.~ s' ~ ■; ": -?*-: -