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Die Wahrheit · 1936-11-27 · Heft 52 (27.11.1936) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 52 (27.11.1936)
Date
1936-11-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 52 — 27. November 1936 Seite 3 Achtung! AchtungI Vormerken! Samstag, den 12. Dezember, abends GROSSE CHANUKAFEIER des „UNION-KLUB" im Heim I., Schottenring 25 Reichhaltiges erstklassiges Programm O Nähere Mitteilungen-folgen. JUGEMD-UMION. . teres Hilfsmittel - zur Vernichtung jüdischer Betriebe dar. Die jüdischen Firmen werden bei der Zuteilung benachteiligt oder nachMöglichkeitganzausgeschaltet. Ein Beispiel von vielen: Die Warenzentrale Landwirtschaftlicher Genossenschaften A.-G. in Stuttgart versendet an die Lagerhaus-Genossenschaften ein Rundschreiben Nr. 21/36 betreffend „Geschäfte mit jüdischen Firmen". Sie teilt diesen mit, daß dem Wunsch der Landesbauernschaft entsprechend folgende freiwillige Vereinbarung zwiscfien ihrer Warenzentrale und der Wirtschaftsvereinigung der Vv'ürttembergischen und Hohenzollernschen Landkaufleute getroffen wurde: „Die Wirtschaftsvereinigung der Landkaufleute und die Württembergische Warenzentrale beliefern grundsätzlich keine jüdische Malzfabrik, noch sonst einen jüdischen Verarbeitungsbetrieb oder eine sonstige jüdische Firma, die sich mit der Verwertung von Getreide befaßt." Das Rundschreiben schließt mit der Aufforderung: „Sollten Sie in Erfahrung bringen, daß von württembergischen Landhändlern diese Vereinbarung nicht eingehalten wird, so bitten wir um entsprechende Mitteilung." Schließlich ist noch in der letzten Zeit wieder ein deutliches Anwachsen der offenen Boykottbewegung festzustellen. SEEFELD, TIROL ■ 12C0 m j WlNTEttSPORT, heilklimatischer \ HÖHENKURORT, Waldspaziergänge \ schneesicher : PENSION GESCHWISTER SCHEER jetzt Haas Waldruhe, direkt am See und Wald, \ vorzügliche Küche, streng : Saisonbeginn Mitte Dezember ■ Hochschulexzesse in Polen und Ungarn. Warschauer Universität gesperrt. Die nationalistischen Hochschüler haben am Dienstag das Ultimatum des Rektors, das von ihnen besetzt gehaltene Warschauer Unlversitätsgebäude bis 18 Uhr zu räumen, abgelehnt. Sie zogen sich in die Hörsäle zurück, deren Türen sie mit Bänken und Stühlen verbarrikadierten. Der Unterrichtsmindster verfügte angesichts dieser Tatsache die gänzliche Sperre der Hochschule auf unbestimmte Zeit und erklärte " alle' "noch im Hocnschulgebäüde befindlichen Studenten ihrer Hochschulrechte v e r 1 u s t i g. Abends schritt die Polizei an die gewaltsame Räum um g des Gebäudes, die ohne ernste Zwischenfälle verlief. Nach der Räumung manifestierten mehrere Gruppen nationalistischer Hochschüler in den Straßen Warschaus, wobei sie mehrere Auslagenscheiben jüdischer Geschäfte zertrümmerten. Pogrom in Wilna. Im Verlauf einer judenfeindlichen Kundgebung sind am Sonntag 20 Juden) in Wilna verwundet worden. Der 69jährige jüdische Arzt Baruch wurde infolge der Aufregungen vpm Schlag gerührt und starb. Die Kundgebungen begannen am Morgen mit einem Aufmarsch der Schulkinder zum Zeichen der Sympathie mit den nationaldemokratischen Studenten. Ihnen folgten die Angehörigen der verschiedenen nationaldemökratischen Organisationen und zum Schluß die Mütter der nationalistischen Studenten. Die Menge wurde durch Zurufe aus den Fenstern -und von den Balkonen des Studentenheims aufgehetzt und die Polizei mit einem Steinhagel beworfen. Ueber 2000 Nationaldemokraten demonstrierten in den Straßen unter judenfeindlichen Rufen. Sie gingen bald zu Gewalttätigkeiten über, drangen in die jüdischen Stadtviertel ein, zertrümmerten Fenster und mißhandelten zahlreiche jüdische Passanten barbarisch. In manchen Straßen blieb kein Fenster ganz. Die Polizei nahm zahlreiche Verhaftungen vor. Die jüdische Bevölkerung hatte sich zum größten Teil während der Kundgebungen den Straßen ferngehalten. Drei Juden wurdem schwerverletzt ins Hospital eingeliefert. Wer finanziert die Budapester Studenten» Unryft^n? D'e seit mehreren Tagen andauernden antisemitischen Unruhen an den. Budapester Hochschulen, die sich teilweise auch auf der Straße durch Anpöbelungen jüdisch aussehender Passanten und Absingen antisemitischer Hetzlieder fortsetzten, hat der jüdische demokratische Reichstagsabgeordnete Dr. Bela Fabian in einer an den Kultus-, und: Unterrichtsmänister gerichteten Anfrage zur Sprache gebracht und betont, daß. während in früheren Jahren diese Demonstrationen durch soziair-wirtschaftliche Motive der darbenden christlichen Studenten einigermaßen plausibel gemacht wurden, in diesem Jahre die Korporationen Emaricana und Turul ausdrücklich bestritten, irgendetwas mit den Unruhen zu tun zu haben. Es hätten sich in der Tat fremde Elemente, etwa 40 b:s 50 jugendliche Hitzköpfe, teilweise Gewerbelehrlinge,' in die Reihen der Studentenschaft eingeschlichen und diese hätten Türen eingerannt, sowie Leute überfallen und mißhandelt. Es sei ferner Tatsache, daß ein geheimer Geldgeber diese Kundgebungen finanziere, denn in Studentenführerkreisen sei offen zugegeben werden, daß es keinem Jugendführer einfallen würde, „aus eigener Tasche" derartige Dinge ztt inszenieren. Tatsache ist, betonte Abgeordneter Fäbiän, daß Tee mit Rum, Mittagrind Abendbrot, sowie Tagegelder für die Individuen bezahlt werden, die sich an den Unruhen beteiligen. Er hoffe, daß es der Regierung gelingen werde, die geheimen Geldgeber zu eruieren. Unterrichtsminister Homan richtete an die Studentenschaft folgende Warnung: „Die ungarischen Behörden werden gegen jede Ruhestörung in der strengsten Weise vorgehen. Es ist meine Ueberzeugung, daß die ernste, lernenwollende Jugend sich auch jetzt dieser Bewegung vollständig fernhält, und ich hoffe, daß die Bewegung, die ohne jeden Grund eingesetzt.hat, wie in den vorhergehenden Jahren zum Abschluß kommt." Eine Gruppe von Hochschülern, Anhänger der Pteilkreuzbewegung, sandte eine dreigliedrige Abordnung zum Ministerpräsidenten. Ministerpräsident Daranyi erklärte, die Abordnung im Parlement n< i c h t empfangen zu wollen. S&dische UntecttehfH&t! Denkt an die jüdischen und fordert anläßlich der Wintersaison den Bedarf an Angestellten und Arbeitern aller Kategorien beim jüdischen B^^B m ^0 ■ WSlpsetl Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien /., Kohlmessergasse 4 / Fernruf U 27-0-65 Arbeit Nächste Aufgaben und Ziele. Von Bernhard F r o in in e r. Propagandareferent der Jugend-Union. Als ich Hude September über Ersuchen des Obmannes der Jugend-Union, Herrn Dr. Bmno David, das Ann eines Propagaiidareierenten dieser Unterorganisation der „Union österreichischer .luden*' übernahm, bildete sich in ganz kurzer Zeit auf ürund meiner langjährigen Erfahrungen auf organisatorischem Gebiete in mir die Ueberzeugung, daß wir unbedingt neben den alten bewährten Methoden neue moderne anwenden müssen. Die Jugend-Union mit ihrer Untergruppe, dem jüdischen Jugend-Kreis, umfaßt junge Menschen von ungefähr dem zehnten bis zum dreißigsten Lebensjahr. Es ist klar, daß die Erzieinings- und Bildungsarbeit bei den verschiedenen Altersgruppen eine völlig verschiedene zu sein hat. Aber was immer geschieht, es kann nur ein Ziel haben: einen würdigen machtvollen Nachwuchs der „Union" heranzubilden. Wenn wir Geselligkeit treiben, ist auch sie nur ein, wenn auch für alie Beteiligten angenehmes Mittel zu diesem Hauptzwecke. Wir wollen bei unserer geselligen Tätigkeit nicht einen Moment daran vergessen, daß nicht die Freizeitgestaltung unser Endziel ist. So wertvoll uns jedes Mitglied ist, das rein gesellschaftlich bei uns verkehrt, die für uns wertvollsten Menschen sind jene, die tiefer von unserer Ideologie durchdrungen sind. Denn wenn erstere persönlich gute Unionisten sind, wirken letztere ständig als Propagatoren der imionistischen Idee und führen der Organisation immer neue Mitglieder zu. Jeden Mittwoch, 8 Uhr abends, findet im Heime der Jugend-Union, I., Schottenring 25, der Vortrag eines prominenten Redners, meistens aus dem Zentraivorstande der „Union", statt. Die jungen Menschen, die zu uns kommen, haben so Gelegenheit, Einblick in interessante Materien zu gewinnen. Nach dem Vortrag ist die Möglichkeit zu geselliger Unterhaltung gegeben. Gäste sind immer gern bei uns gesehen, sowohl an unseren Mittwoch-Abenden, wie auch bei unseren fallweise stattfindenden GeselLschaftsabeiiden, deren letzter am 21. d. M. stattfand und ein voller Erfolg gewesen ist. Den Mitgliedern der Jugend-Union wird auch Gelegenheit zur Teilnahme an sportlichen Kursen und Veranstaltungen geboten. Wir werden regelmäßig an dieser Stelle zu den Freunden der Jugend-Union sprechen, die wir auch auf diesem Wege zur intensiven Mitarbeit bei der Ausgestaltung unserer Vereinigung aufrufen. Wauchope vor der Königlichen Kommission. Die arabische Zeitung ,.A 1 Jaraea e I 1? 1 a m i a" will Einzelheiten aus den Bekundungen des High Commissiuner Sir Arthur Wauchope in den geheimen Beratungen der Königlichen Kommission erfahren haben. Danach hätte Wauchope bei der Schilderung der Ursachen der letzten Unruhen erklärt, die Unruhen seien ein Effekt der arabischen Angst vor der jüdischen Einwanderung und Mehrheit und seien ausgelöst worden durch Ermordung zweier Araber bei Petach Tikwa am 16. April (in Wirklichkeit wurden bei Petach Tikwa zwei Juden ermordet; die Gerüchte über die Ermordung von Arabern haben sich ais falsch erwiesen. D. Red.). Laut der gleichen Quelle soll Wauchope der Kommission geraten haben, der Regierung in London die Schaffung eines Legislative Council in Palästina zu empfehlen, wodurch die gespannten Beziehungen zwischen Arabern und Juden eine Milderung erfahren würden. Das „Dr. Krüger-Heim", Gemeinnützige Fürsorgeinstitulion für der Schule entwachsene, verwaiste odei verlassene Madchen (II., Malzgasse 7), veranstaltet am Dienstag, den 8. Dezember, Beginn 16.30 Uhr nachmittags, eine Chanuka-Feier mit großem abwechslungsreichem Programm, jause und Büffet aus der Kochschule.

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