Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 52 (27.11.1936)
- Date
- 1936-11-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 52 — 27. November 1936 DIE WAHRHEIT Die „einfache Mathematik st der Jüdischnationalen. Wir haben uns zwar vorgenommen, auf die Provokationen und Verdrehungen der jüdischnationalen Ziorüsten nicht mehr zu reagieren und ihnen nach dem schönen Anfang der Wahl bei nächster Gelegenheit zu beweisen, daß fast das ganze österreichische Judentum geschlossen hinter der „Union Österreichischer Juden" steht, die bei den Wahlen vom 8. November als ein Anachronismus, als eine Gesellschaft von vertrockneten Greisen wegrasiert werden sollte. Aber die in den Parteiblättern der Jüdischnationalen merkwürdigerweise verspätet publizierte Rede des Präsidenten der Kultusgemeinde, Dr. Desider Friedmann, zwingt uns doch, die gröbsten Entstellungen festzuhalten. Die Jüdischnationalen machen dauernd so, als ob der Zionismus uns trennte. Sie rücken auch heute von ihrem Wahlschlager „Dr. Oppenheim sagt, der Zionismus ist ein Bluff' nicht ab, wiewohl ihnen dutzendmal nachgewiesen wurde, daß die „Union" und ihre Anhänger viel mehr für den Zionismus getan haben, daß sie viel mehr für den wahren Zionismus, die Schaffung einer rechtlich g>esicherten Heimstätte in Palästina für jene Juden, die sich nicht assimilieren wollen oder können oder sich nicht assimilieren dürfen, geopfert haben als die „Ausrrozionisten" je opfern werden. Schon hn Jahre 1913 hat die Schwesterorganisation der „Union österreichischer Juden" in Deutschland, der „Central-Verein", erklärt, daß nur der jüdische Nationalismus und nicht der Zionismus die Glaubensgenossenschatt spaltet Allerdings ist die Trennung durch den jüdischen Nationalismus abgrundtief. Niemals wird die „Union" darüber verhandeln oder kompromissieren, daß wir österreichische Juden uns zu einer imaginären jüdischen Nation bekennen, daß wir keinen nationalen Judenstaat in Paäästina anstreben, daß wir Vollösterreicher sind und bleiben wollen, daß wir uns nur zu einem Vaterland rückhaltlos und unbedingt bekennen; das ist und bleibt unsere österreichische Heimat. Wenn in.diesem aufrichtigen Bekenntnis die jüdischnationalen Zionisten den Vorwurf des mangelnden Patriotismus erkennen wollen, so ist das ihre Sache. Wir haben einen solchen Vorwurf niemals erhoben. Wir lassen uns aber durch keine Insinuation von unserem rückhaltlosen Bekenntnis zu unserem Judentum und zu unserem Vaterland Oesterreich abhalten, mag sie noch so drohend vorgebracht werden. Herr Dr. Friedmann sagt selbst, Oesterreichertum bedeutet Staatsvolk. Zu diesem österreichischen Staatsvolk bekennen wir uns, wir sind ein Teil desselben und lassen uns das weder von Andersgläubigen noch von Glaubensgenossen wegdisputieren und fragen nicht darnach, ob es dem Einen oder Anderen recht ist. Das ist unsere Ueberzeugung, das ist unsere Empfindung, das ist unser Gefühl und Gefühl ist Alles, Name ist Schall und Rauch. Mit der jüdischen Nation lehnen wir aber auch alle Experimente der „Landespolitik" wie „Jüdische Volksgemeinde" und „Bund jüdischer Volksgemeinden", „politische Zusammenfassung der österreichischen und nichtösterreichischen Juden" auf das entschiedenste ab, weil unsere politische und bürgerliche Stellung in unserem Oesterrelchertum begründet und verankert ist. Wie ein Mann, der ernst genommen werden will, wie Herr-Dr. Friedmann, vor aller Oeffentlichkeit behaupten kann, daß bei einer Wählerschaft vo» 45.000 höchstens 1800 nichtösterreichische Juden in Wien ihr Wahlrecht ausgeübt haben können, das zu bescheinigen oder gar zu beweisen, bleibt wohl ihm allein überlassen. Herr Doktor Friedmann berechnet, daß es in Wien insgesamt 130.000 Ausländer gibt, von denen nur 6 Prozent Juden sind (!). Will uns Herr Dr. Friedmann nicht sagen, aus welcher Statistik er diesen Prozentsatz nimmt? Weiß er nicht besser als wir, daß es nach der letzten Volkszählung in Wien über 35.000 jüdisch-polnische Staatsangehörige gab, die allein zirka 8000 Kultusgemeindewähler stellen? Will er behaupten, daß nur sechs Prozent der in Wien lebenden Rumänen und Russen Juden sind? Wir bleiben bei unserer Behauptung, daß es in Wien ungefähr 50.000 jüdische Seelen nichtösterreichischer Staatsangehörigkeit gibt, von denen weit mehr als 10.000 die „Zionistische Liste" gewählt haben. Das ändert natürlich nichts an unserer Einstellung, daß die Herkunft unserer Glaubensgenossen für die „Union" und ihre Anhänger nie in Betracht gekommen ist, soweit es sich um den Wirkungskreis der Kultusgemeinde, der im Gesetze und in den Statuten festgelegt ist, und soweit es sich um die Fürsorgetätigkeft der Wiener Juden handelt. Die politische Stellung der österreichischen Juden kann und darf dadurch aber nicht beeinträchtigt werden, das steht nicht nur in den österreichischen Gesetzen, die kein© jüdi- Kaffee Continental , M. Herlinger und Dori Neumann II., Pratersfraße 7 Tel. R 41-4-91 Erstklassige Küche Mäßige Preise sehe Nation anerkennen und niemals eine solche anerkannt haben, das steht sogar In der magna charta der Jüdischnationalen, in der Balfour- Deklaration, nämlich, daß durch die Schaffung des Nationalheimes in Palästina die Rechte unserer Glaubensgenossen in ihren Heimatländern nicht beeinträchtigt werden dürfein'. - Was die Zusammenarbeit mit den jüdischnationalen Zionisten im Kultusvorstande anlangt, so mögen sich die Herren nur hüten, unsere Rechte zu beeinträchtigen. Und sie mögen sich auch merken, daß wir niemandem nachlaufen. Beinahe 12.000 jüdische Wähler, und zwar österreichische Wiener Juden haben uns zur Verwaltung der Kultusgemeinde berufen. Wir werden uns von unseren Rechten auch nicht ein i-Tüpfelchen nehmen fassen; wenn die Jüdischnationalen es unternehmen sollten, wie sie es ankündigen, uns in unseren Rechten zu beschränken, so werden sie die letzten Anhänger der „Autonomie" des provisorischen Amtsdirektors Dr. Josef Löwenherz verlieren. Der wirtschaftliche Vernichtungskampf gegen das deutsche Judentum. Von informierter Seite. . Allen Behauptungen führender nationalsozialistischer Minister, daß die Juden in Deutschland auf wirtschaftlichem Gebiet sich frei betätigen könnten, zum Trotz,, geht der wirtschaftliche Vernichtungskampf gegen das deutsche Judentum weiter fort. Nationalsozialistische Presse, Arbeitsfront, Parteiredner und alle Untergliederungen der Partei' arbeiten hierbei Hand in Hand. Die Deutsche Arbeitsfront hat neuerdings wieder eine sehr intensive Aktion eingeleitet, die der Kennzeichnung „arischer" Geschäfte dient. An die Stelle der alten Schilder „Deutsches Geschäft" ist jetzt ein Schild getreten, das überall im Reich an immer mehr Schaufenstern auftaucht, und das verkündet, daß das Geschäft Mitglied der Deutschen Arbeitsfront ist. Die Bedeutung dieser Aktion erschöpft sich nicht in der Schädigung der jüdischen -Geschäft*;-die durch-das Fehlen dieser Schilder jedem Käufer als jüdisch gekennzeichnet sind, sondern erfaßt auch die jüdischen Angestellten. Da nämlich dieses Schild nur dann verliehen wird, wenn nur arische Angestellte beschäftigt werden, führen die Verhandlungen um Erwerb dieses Mitgliedschildes in vielen Fällen zu neuen Entlassungen jüdisch'er Angestellter. Aus den Betrieben jüdischer Betriebsinhaber wird übereinstimmend berichtet^ daß in den letzten Wochen offenbar auf zentrale Anweisung die Vertrauensleute der Deutschen Arbeitsfront besonders bemüht waren, christliches Personal gegen die jüdischen Chefs aufzuhetzen und mit allen Mitteln die jüdischen Inhaber unter Druck zu setzen, um sie nach Möglichkeit zum Verkauf ihrer Betriebe zu veranlassen. Auch die Ausschaltung jüdischer Arbeitnehmer aus allgemeinen Betrieben schreitet weiter fort. Dies gilt insbesondere für die Bank- und Versicherungsfirmen. Auf der Gautagung Berlin der Reichsbetriebsgemeinschaft der Banken und Versicherungen ging der Leiter der Reichsbetriebsgemeinschaft Lencer besonders auf die 'Judenfrage in den Betrieben ein. „Sie muß jetzt eindeutig in den Vordergrund gestellt werden bis zu ihrer endgültigen Lösung. Es gibt in keinem Betrieb, ganz gleich ob Bank oder Versicherung, eine G e m.e inschaft mit d e m J u d e n.. Er ist auch da genau wie im politischen Leben ein Fremdkörper, der beseitigt werden muß." („Angriff" vom 16. Oktober 1936.) Die Gerichte leisten wie immer Hilfe bei dem Ausschaltungsprozeß. Das Landesarbeitsgericht Breslau hat in einem arbeitsrechtlichen Streifall entschieden, daß eine jüdische Angestellte keinen Anspruch auf Weiterbeschäftigung in einem öffentlichen Betrieb habe. Und das Arbeitsgericht in Gelsenkirchen war der Auffassung, daß eine Hausgehilfin fristlos kündigen dürfe, weil ihr „zugemutet" wurde, in einem jüdischen Geschäft zu kaufen. Das parteiamtliche „Hamburger Tageblatt" veröffentlichte eine Reihe von Namen von Staatsangestellten und Beamten, die bis in die letzte Zeit hinein regelmäßig einen jüdischen Arzt konsultiert hätten, der als Frontkämpfer zur kassenärztlichen Praxis zugelassen-sei. Man müsse sich fragen, so schreibt das Blatt, woher Menschen, die ihr Geld vom Staat" erhielten, moralisch den Mut nähmen, um dieses gleiche Geld zu einem Juden zu tragen. Die nationalsozialistische Presse setzt überhaupt ihren Kampf gegen die Juden in der Wirtschaft in heftigster Weise fort. So schreibt der „Pfälzer Anzeiger" in Speyer am 28. Oktober 1936: „Die letzten Positionen, die das Judentum heute noch in Deutschland hält, befinden sich in der Wirtschaft. Allerdings hat sich der Gegner aus der offenen Feldschlacht in die getarnte Deckung zurückgezogen, weil er hier schwerer zu fassen ist. Nationalsozialistischer Zähigkeit und Grundsatztreue wird es aber schließlich doch gelingen, den Feind aus seiner gut getarnten und manchmal geradezu uneinnehmbar scheinenden Stellung hinauszuwerfen. Dazuist es aber notwendig, daß nicht nur die Offiziere verbissen kämpfen, sondern jeder einzelne Mann muß iu gleicher Weise von der Mission tiberzeugt sein, die der Nationalsozialismus durch ihn zu erfüllen hat." Besonders scharf wird neuerdings wieder der Kampf gegen die jüdischen Auslandsvertreter deutscher Firmen geführt. Führend in dieser Aktion ist wieder das „Schwarze K o r p s", die Zeitschrift der SS, die dieser Frage in ihrer letzten Nummer einen ganzen Leitartikel widmet. Unbekümmert um die wirtschaftlichen Schädigungen, die aus einer Ausschaltung der jüdischen Auslandsvertreter für den deutschen Export erwachsen würden, wird gegen die Beschäftigung von Juden als Auslandsvertretern Stellung genommen. Das sogenannte Außenhandelsamt der Auslandsorganisation der NSDAP hat in der gleichen Angelegenheit an die Wirtschaftsgruppen des Groß-Ein- und Ausfuhrhandels ein Rundschreiben gesandt, das sich mit dem gleichen Thema beschäftigt. Es geht davon aus, daß zahlreiche jüdische Emigranten, die ins Ausland gehen, die Vertretung deutscher Fabrikate übernehmen. Das Rundschreiben schließt mit folgender Aufforderung: „Wir bitten Sie, unter diesen Umständen in Ihren Kreisen und in den von Ihnen erfaßten Organisationen dafür zu sorgen, daß die wahllose Vergebung von Vertretungen deutscher Firmen an ausreisende Emigranten möglichst unterbunden wird. Falls Ihnen FäHe dieser Art auftauchen, wären wir Ihnen für eine Mitteilung dankbar." Die zunehmende Bedeutung der Waren- und Produktenverteilungs-Organisationen stellt ein wei- FRÖHLICHE SONNTAG- NACHMITTAGE BEI DEN SCHAUSPIELERN DES JÜDISCHEN KULTUR- THEATERS Lustige, aber erstklassige Vorträge; kleine aber sehr gute Tanz-Jazzkapelle Alle Genüsse e nscril. Konsumofiön u. sogar mit Trinkgeld nur S 2 Kommen Sie pünktlich 7j5Uhrins HoteldeFrance