Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1936-11-20 · Heft 51 (20.11.1936) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 51 (20.11.1936)
Date
1936-11-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3064606-3064656--20930-3086230
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 6 Nr. 51 — 20. November 1936 DIE WAHRHEIT Vefsammfuiigen der „Union Die „Union «sterreicniseher Juden" bat 1b der vergangenen-und in dieser Woche in mehreren Wiener Bezirken Versammlungen abgehalten, deren ausgezeichneter Besuch und begeisterte Stimmung neuerlich die bei den Kultuswahlen erhärtete Tatsache bewies, daß das Wiener österreichische Judentum im uhionistischen Lager -steht. Mit Spannung und Aufmerksamkeit folgten die Zuhörer den Ausführungen der Referenten, die nochmals die Methoden unserer Gegner im abgelaufenen Wahlkampfe -gebührend charakterisierten und den Wählern den Dank dafür bekundeten, daß sie trotz Terrors und Boykotts der Gegenseite wieder der „Union" zu Tausenden treue Gefolgschaft leisteten. Die Redner gaben schließlich programmatische Erklärungen, die ein unbedingtes Festhalten an den bewährten Prinzipien der „Union" — Oesterreich' und Judentum — beinhalteten." Mit begeisterter Zustimmung wurde diese Parole aufgenommen; in den Schlußworten der Leiter der Bezirksorganisationen kam die Bereitwilligkeit dieser Untergruppen der „Union" zum Ausdruck, jetzt an einen großzügigen Ausbau der Organisation zu schreiten, um im Lager der „Union" alle jene Wiener Juden zu vereinigen, die erkennen, daß allein das Programm der „Union" im wahren Interesse der österreichischen Judenschaft gelegen Ist Besonders Imposant verlief eine vergangenen Samstag abends Im großen Saal des Cafe F r e iw i r t h abgehaltene Versammlung der Bezirksorganisation Leopoldstadt der „Union". Dicht gedrängt standen und saßen die in Massen Erschienenen und viele konnten nicht mehr Einlaß finden. Mit unaufhörlichem Jubel wurde der Präsident der" „Union", Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim, begrüßt, dessen Rede mit lebhafter Begeisterung aufgenommen wurde. In dieser eindrucksvollen Kundgebung,, die einen glänzenden Auftakt für die nun intensiv einsetzende Arbeit im Bezirke bildete, sprach noch ausgezeichnet Reg.-Rat Dr. Max Lenk, in einer am Dienstag im Cafe City abgehaltenen Versammlungreferierten gediegen die Herren Dr. Ernst Feldsberg, Baurat Ing. Wilhelm Kempler, Dr. Maximilian Stiglitz und Dir. J. W e i g e r. Außerdem fand in dieser Woche — abgesehen von kleineren Bezirksbesprechungen — eine schöne Versammlung im Cafe K a n d Ihof statt, in der neuerlich die Herren Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim und Reg.-Rat Doktor M. L e n k sprachen. Für Mittwoch, den 25. November, 8 Uhr abends,. ist eine Versammlung im Klubsaal des Cafe „G o 1dener Engel", XXL, Am Spitz 3, angesetzt, in der die Herren Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim, Dir. Karl Steiner und Dr. Ernst Feldsberg über die Kultuswahlen referieren werden. Berichte über diese " und die weiteren Versammlungen, die noch angezeigt werden, folgen in der nächsten Nummer unseres Blattes. Die Rassen Zu Dr. Rudolf Lämmeis Werk (Schluß von Nr. 50/1936, Seite 6;) Im Rahmen eines Artikels lassen sich nicht alle Kapitel behandeln; die Fülle des Gebotenen ist zu groß. Erwähnen wir noch den Abschnitt über die Armeniden, da behandelt Lämmel die Juden näher. „Die Armeniden, Orientalen und Mediterranen haben in Palästina einen rassischen Knotenpunkt erzeugt. Dort ist das jüdische Volk entstanden, in dem die drei Rassen zu oft stark harmöniesierenden Kombinationen zusammentreten. Die Rassienmischung war vor der Vertreibung der Juden aus Palästina wahrscheinlich .reiner und ausgeglichener als sie heute ist" „Hundert Generationen sind seit der Zeit vergangen, da Salomo im Hohen Lied die Schönheit der Jüdin besungen hat" Ein Schönheitsideal, das auch heute noch als Vorbild für eine „Schönheitskönigin der Welt" angesehen werden kann. Das „rassische" und das politische Schicksal dieser hundert Generationen wird skizziert, der Unsinn der neudeutschen Verleumdungen in vielen Einzelheiten widerlegt. Im Kampfe gegen die Verleumden der Juden bringt der Verfasser verschiedene Ansichten vor, die wir nicht teilen; sie sind aber in dem Zusammenhang dieser Arbeit nur Beiwerk, das die, Gesamtwirkung nicht beeinträchtigt. Die Quintessenz der Befrachtung ist: „Die körperlichen Eigenschaften und die seelischen Qualitäten der Juden fallen in keiner Weise aus dem Rahmen der abendländischen weißen Menschheit heraus." Es ist traurig für den heutigen Kulturstand, daß eine solche Selbstverständlichkeit erst — biologisch bewiesen werden muß, aber es ist das muß man unterstreichen, dringend notwendig, daß es geton wird. In dem dritten Hauptkapitel, das die wuchtige Ueberschrift trägt: „Vom angeborenen Menschenrecht und Rassenrecht" werden noch einmal zusammenfassend die Nazibeschudigungen und Verleum-" düngen zerpflückt die Quellen herausgefunden, wo die einzelnen Beschuldigungen entstanden sind. Wieder wird außerordentlich vielseitiges Material vorgeführt, wiederum geschickt widerlegt und auch wiederum werden manche Leser vom jüdischen Standpunkt aus nicht immer ganz mit der Argumentierung einverstanden sein. Das Buch geht aber nicht in Kritik aus, sondern mit positiven Anregungen. Die Erbgesund h e i t s 1 e h r e soll als Schulfach eingeführt werden, damit schon die Kinder die Zusammenhänge erfassen. Ahnentafeln sollen angelegt werden, weil Erbanlagen für die Nachkommenschaft von Bedeutung sind. Der Familiensinn der Juden hat in dieser Beziehung schon manches geleistet, was vielleicht nicht überall in der Welt so gepflegt wurde. Auf dem Gebiete der Erbgesundheit ist sicherlich überall manches bisher vernachlässigt Avorden. Wenn dieses Thema jetzt in dieser Form ,Dle menschlichen Rassen". (Jean Christophe-Verlag, Zürich) ebenso in Mode kommen kann, wie z. B. vor zwei Jahrzehnten die Psychoanalyse, dann wird es in der Tat möglich sein,.,die Rassen durch individuelle Maßnahmen in sich gesünder zu machen, und die Welt kann darauf verzichten, sich durch Rassenkämpfe auf falsche: Bahnen verleiten zu lassen. Das ist gleichzeitig-efn Weg, der zur Diffamierung des kgnstl^eh.ge_züchtejten Rassenhasses führt Das Buch von Dr. Lämmel ist ein — Tassiges Hilfsmittel hierzu. R. Zusatz der Redaktion. Bei dem Buche von Dr. Lämmel ist zu berücksichtigen, daß es von einem Christen geschrieben ist, der zwar jüdischer Herkunft ist, trotzdem aber, ohne christlicher Dogmatiker zu sein und bei aller Vorurteilslosigkeit, an der Höherwertigkeit der christlichen Lehre gegenüber der jüdischen festhält. Dabei unterlaufen ihm in seinem so bedeutenden und verdienstvollen Buche gewisse Schiefheiten. So, wenn er das biblische jus talionis — „Aug um Aug" usw. — der christlichen Idee der Feindesliebe als minderwertig gegenüberstellt. Man kann nun aber unmöglich eine historische Strafrechtsnorm mit einem ethischen Postulat kontrastieren. „Aug um Aug" war im Rahmen der -alforientalischen Jurisprudenz in einem gegebenen Zeitpunkt ein großer Fortschritt, da ursprünglich die Strafen viel härter waren. Auf Beraubung eines Auges stand ursprünglich die Todesstrafe. Ferner aber hedeutet „Aug um Aug" nicht, daß tatsächlich wieder ein Aug genommen wurde, sondern zumindest in historischer Zeit wurde als Buße der Auges-Wert verlangt. Im übrigen glaubt das Judentum,, daß das Postulat der Nächstenliebe, wie es in der Thora verkündet wird, nicht übertroffen werden kann, auch nicht durch die im Neuen Testament formulierte Forderung der Feindesliebe. Dem Wert des Lämmelschen Werkes als vorzüglichem Aufklärungsbuch zur Rassenirage können die skizzierten und andere Irrtümer keinen Abbruch tun. Die besten Eisen WirstiriSellvaiee 3mal täglich frisch bei ■AGEb, Wiei II, Priterslrale 33 Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Scbiffschul).. Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speiseh und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. Englische Kundgebung gegen Judendiffamierung. Der Erzbischof von York, der Bischof von Croydon, der Dekan von Canterbury und der Dekan der St. Pauls Kathedrale, sowie Sir Norman Angell unterzeichneten eine von der Gesellschaft für Freundschaft zwischen Christen und Juden erlassene Kundgebung, in der erklärt wird: Die Haßpropaganda gegen die Juden sei ein Erzübel, unvereinbar mit den Lehren der Religion und das religiöse Leben der Nation gefährdend. Wiener jüdischer Bildhauer schafft Kolossalstatue Mussolinis. Ein Wiener jüdischer Bildhauer, Egon Weiner, schuf mit der Unterstüzung der italienischen Regierung ein Modell zu einer Kolossalstatue Mussolinis, das anläßlich des-14. Jahrestages des Marsches nach Rom bei einer Feier in Wien enthüllt wurde. Gräfin Ciano, die Tochter Mussolinis, die bei dieser Feier zugegen war, drückte dem jüdischen Bildhauer ihre besondere Anerkennung aus und lud ihn im Namen Mussolinis ein, als Gast des Duce einige Zeit in Rom zu verweilen. Was ist Rasse nach germanischer Auffassung? Hierüber schreibt die „Reichspost" vom 15. November 1936: Arme Sigrid Undset! Die große norwegische Dichterin ist ungeachtet ihrer germanischen Rasse und Geistigkeit von einem schweren obergermanischen Bannstrahl (dem des nationalistischen „Westdeutschen Beobachters") getroffen worden. Sie hat zu einer in einem Schweizer Verlag erschienenen Schritt vor einiger Zeit einen Beitrag geliefert, in dem si© sagte, Rasse sei „weder eine moralische noch unmoralische Eigenschaft" und sein Vertrauen auf die eigene Rasse setzen — heiße, besonders eingenommen sein von den eigenen Bestrebungen und Vorurteilen, ohne diese auf :hren eigenen Wert zu prüfen, und sei „der sicherste Weg, die wertlosen Elemente innerhalb der Rasse sich unbegrenzt entfalten zu lassen, weil sie in unserer Lieblingsfarbe gefärbt sind." Dazu bemerkt die „R e i c h s p o s t": Ob das Anathema des „Kulturreferenteh" des „Westdeutschen Beobachters" restlos mit Sigrid Undset aufräumen wird? Am Ende gar wird es eine Zeit geben, in der Sigrid Undset immer noch als eine der größten Dichterinnen ehrerbietig gefeiert wird, indessen von den „Kulturpaukern" des rheinischen „Beobachters" nicht der Schatten einer Erinnerung mehr vorhanden sein wird. Wehn die „Reichspost" im Rechte ist, geben wir ihr gerne Recht. Dr. E. W. JÜDISCHE KULTURSTELLE I, KAI 3, R 28-2-36 Jüdisches Kulturtheater, I, Kai 3, R 28-2-36. Sonntag, den 22. November, nachmittags 16.30 (bei kleinen Preisen) und .abends 20 Uhr wird Ossip Dymows Volksstück „Der Sänger seiner Trauer" aui vielseitiges Verlangen wiederholt Regie: Rudolf Weiß. Ein Stück aus der Vergangenheit für die Gegenwart (Das Lied vom Licht), von Albert Ganzert (dem Uebersetzer und Bearbeiter der „Grenze"), gelangt segen Ende November im Jüdischen Kulturtheater zur Erstaufführung. Dieses heitere Spiel verherrlicht den Makkabäer- Sieg, den ein elfjähriges Mädchen erlebt. Eine Fülle heiterer, lebendiger Bilder belebt das Festspiel, das jung und alt erheben und erfreuen wird- Arthur Schnitzler-Abend. Samstag, den 21. November, 18 Uhr abends, findet aus Anlaß des 5. Todestages Arthur Schnitzlers im Jüdischen Kulturtheater eine Gedenkfeier statt, an der Renee Worth und Peter I h 1 e aus den (zum Teil noct unveröffentlichten) Werken des Dichters lesen. Die einleitenden Worte spricht Dr. Paul Wertheimer. Jeder Wiener Jude zahlt als Stamm-Mitglied der Jüdischen Kulturstelle nur S 1.50 jährlich. Außer vielen Begünstigungen eine Frei- . karte ins Kulturtheater und Gratiszusendung unserer Halbmonatsschrift „ Die Garbe". Führung. Sonntag, den 22. November: Privatsammlung Obermedizinalrat Dr. Rieger. Treffpunkt: 10 Uhr 30, Wien. VII., Mariahilterstraße 124. Leitung Lona Löbl.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.