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Die Wahrheit · 1936-11-20 · Heft 51 (20.11.1936) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 51 (20.11.1936)
Date
1936-11-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 51 — 20. November 1936 Seite 7 (Rasse als Geschäft. Das arische Blut sichert seinen germanischen Besitzern den unverfälschten Idealismus und der Nationalsozialismus garantiert ihnen das Monopol auf alle guten Geschäfte. Im Dritten Reiche braucht der Kaufmann, der rassisch "germanischer Idealist ist und auf bequemste Weise möglichst viel verdienen will, bloß eine Tafel mit dem Zauberspruche: „Deutsches Geschäft" an seiner Ladentüre zu befestigen. In Oesterreich muß dafür komplizierter Ersatz gesucht werden, aber der nordische Idealismus gerät deshalb noch lange nicht in Verlegenheit, besonders wenn er durch urgermanische Kraftnaturen, die sich schon durch ihre Namen als Inkarnationen urdeutschen Wesens zu erkennen geben, repräsentiert wird. Da ist zum Beispiel ein Diplom-Kaufmann, der C. Campa heißt und in der Kärntnerstraße ein Reklame-Büro hat. Der Manni will natürlich Geschäfte machen, aber er ist ein nordischer Idealist und deshalb macht er nicht für jeden Beliebigen Reklame, sondern der, der dalrauf Anspruch erhebt, muß schon von guten Eltern, d. h. von arischen Großeltern sein! Darum sendet er Werbebriefe aus: „Nur für arische Kaufleute bestimmt!" Bei diesen darf er auf rassisch gleichgeschalteten Idealismus hoffen, weshalb er ihnen „willkommene Mehreinnahmen" aus der Normalisierung des Reiseverkehrs zwischen Deutschland und Oesterreich verspricht: „Der Bund der Reichsdeutschen m Wien hat sich bereit erklärt,«im Wege seiner Mitglieder den reichsdeutschetni Gästen die Inserenten des UFA-Großtonkinos zu empfehlen. Der Erfolg eines Inserates im UFA-Tonkino wird sich daher über den Kreis des gewohnten arischen Stammpublikums dieses Kinos hinaus vergrößern können. Der gewohnt erstklassige Besuch dieses Kinos ist auch in dieser Saison durch eine Anzahl erster deutscher Spitzenfilme hu Voraus gewährleistet." Sicher ist aber sicher, und der Diplomkaufmann mit dem urdeutschen Namen Campa weiß schon, warum er seine Anpreisung der Wurfbildreklame im Ufa-Großkino mit der Versicherung einleitet, daß der Erfolg dieser Inserate über den Kreis des gewohnten Stammpublikums, das sich für deutsche „Spitzenfilme" (lies: Bajonettspitzen-Filme) erwärmt, hinaus ausgedehnt wird. Das Wurfbild seinerseits' kann gleichfalls erweitert werden, indem zu dem stummen Diapositiv ein Sprechstreifen bezahlt wird. Während die jüdische Ware für sich selbst sprechen muß, wird für garantiert arische Ware vor einem garantiert arischen Publikum ein Tonfiiinstreifen (mit garantiert 20 Sekunden Sprechzeit) werben. Aber leider stimmt die Erfahrung im Dritten Reiche mit solcher Propaganda sehr skeptisch gegen den Erfolg. Denn trotz der intensivsten Bearbeitung des deutschen Publikums zugunsten des Judenboykotts hat die Vorliebe der dortigen Konsumenten für jüdische Geschäfte und jüdische Erzeugnisse nicht nur nicht ab-, sondern sogar zugenommen und beschränkt sich heute nicht mehr bloß auf politisch indifferente Käufer, sondern auch parteipolitisch gedrillte S.-A.- und S.- S.-Mannen gehören bereits zu den treuesten Kunden von Juden. Anderseits macht sich eine beständig steigende Ablehnung aller Erzeugnisse judenreinen Geistes bemerkbar. So hat seit der Entjudung der deutschen Presse eint gewaltiges Zertungssterben eingesetzt. Um diesem Einhalt zu gebieten, hat Reichsinnenminister Dr. Fr ick angeordnet, daß jedes Brautpaar als staatliches Hochzeitsgeschenk ein Gratis-Monatsabonnement auf eine Tageszeitung erhält. Aber trotz der kurzen Zeit, seit! diese Anordnung in Kraft ist, hat sie schon zu heftigen Protesten Anlaß geboten. Junge Ehefrauen erscheinen weinend im Standesamte und klagen, sie hätten gebildete Männer geheiratet, die sich manierlich auszudrücken pflegten. Seitdem sie aber Abonnenten einer Nazi-Zeitung geworden seien, hätten sie den guten Ton gänzlich verloren und befleißigten sich der unflätigsten Sprechweise, die den Umgang mit ihnen zur Qual mache . . . Dieser überraschende1 „Erfolg" der unentwegten Nazi-Propaganda für arische und arisierte Erzeugnisse spricht Bände und kann daher von den bloß meterlangen Spreohstr eif e n der Ufa-RekTame kaum paralysiert werden. Gemeindafkronifc. Chanukka-Feier im Pazmanitenfempel. Montag, den 16. d. M. fand im Sitzungssaal des Pazmanitentempels unter dem Vorsitz von Frau Bundesstaatlichen Fürsorgerat Ottilie Politzer, eine große Komiteesitzung statt, an der zahlreiche Vorstandsmitglieder des Tempelvereines, insbesondere die Herren Obmann Oskar Schramek und Schriftführer Amtsleiter Rudolf Kraus, sowie mehrere Damen, namentlich vom „Union-Frauenklub" die Damen Stella Oppenheim und Dori W e i g e r teilnahmen. Zweck dieser Sitzung war es, die Vorbereitungen für die auch im heurigen Jahre unter der bewährten Leitung von Frau Politzer . und des Vereins-Obmannes Oskar Schramek stehende Aktion zur Bekleidung armer Schulkinder anläßlich des Chanukkafestes zu treffen. Es wurde die Abhaltung eine würdigen Chanukkat e i e r beschlossen, die am 8. Dezember, 4 Uhr nachmittags im Pazmaniten-Tempel stattfinden wird. Der bekannte Gelehrte, Herr Prof. Dr. A. K a m i nk a hat sich in entgegenkommender Weise bereit erklärt, die Festpredigt zu halten. Die Gebete und Gesänge «■erden vom Herrn Oberkantor J. Müller und Herrn I. Kantor A. Stift mit dem verstärkten Tempelchor (Leitung: .Chordirigent B. Hirschmann) vorgetragen. Der Erlös der Feier, zu der Eintrittskarten zu S 2.— und S 1.— bei den Vorstandsmitgliedern, bei den Komiteedamen, sowie im Sekretariat, IL, Pazmanitensasse 6, Telephon R-47-8-63, erhältlich sind, wird, wie ei wähnt, zur Chanukka-Bekleidung von etwa 120 armen Schulkindern verwendet. Deshalb rechnet das Komitee mit recht zahlreichen Besuch der Feier, um in die Lage versetzt zu werden, den Kleinen anläßlich des Festes tine große Freude zu bereiten. Auszeichnung. Der Herr Bundespräsident hat Herrn Börserat Eduard Rechnitzer den Titel. eines Kommerziairates verliehen. Wir gratulieren dem um die Döblinger Judenschaft so hochverdienten Manne, der auch als treues prominentes Mitglied der „Union" seine ausgezeichneten Kräfte stets in den Dienst des Judentums gestellt hat, auf das herzlichste. c^m^- Die kürzlich neugegründete Bezirksgruppe VII. der „Jugend-Union" veranstaltet Samstag, den 21. d. M., 8 Uhr abends im Einvernehmen mit der Bezirksorgatiisation VII der „Union österreichischer Juden" im Souterrainsaal des Cafe Kandlhof, VII., Kaiserstraße 61, einen mit Heimabend erstklassigem künstlerischem Kabarettprogramm. Gäste herzlichst willkommen. Die Vereine „Ferienheim" Bad Vöslau und „Oest. Seehospiz in Grado" (Präsidentin Sofie Grünfeld) halten Mittwoch, den 25. November d. J., um 6 Uhr abends, im Vereinsbureau, IX., Türkenstraße 17, ihre ordentliche Generalversammlung ab, zu welcher alle Mitglieder, Freunde und Gönner der beiden Vereine höflichst eingeladen werden. Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien. Am 9. d. M. fand die Eröiinung der Vortragsreihe des Wintersemesters statt. Vorangegangen ist eine würdige Trauerfeier für den im vergangenen Sommer so plötzlich und unerwartet verstorbenen Oberrabbiner Dr. D. Feuchtwang s. A. Der Vizepräsident des Vereines, Herr Rabbiner Dr. Rosenmann schilderte in eindrucksvollen glänzenden Worten die bedeutende Persönlichkeit Dr. Feuchtwangs, der auch Mitbegründer des Vereines und Ehrenmitglied desselben gewesen. Dr. Rosenmann zeichnete die Persönlichkeit des verewigten Oberabbiners. der besonders als edler Mensch, als glänzender Redner und als jüdischer Gelehrter so Ausgezeichnetes geleistet. Der tiefempfundene Nachruf Rabbiner Dr. Rosenmanns hinterließ bei allen Anwesenden, unter denen sich Rabbiner Dr Mehrer, Univ.-Doz. Dr. Fischer. Obermed.-Rat Dr. Haase, Konsul Direktor Joab Friedmaun. Komro.-Rat Josef Lemberger und andere Persönlichkeiten befanden, einen starken, unvergeßlichen Eindruck. — Hierauf hielt der Präsident des Vereines. Rektor Dr. S. K r a u s s. einen tiefschürfenden wissenschaftlichen Vortrag über: „Das Wohnrechc der Juden in Jerusalem zur Zeit der römischen Herrschaft". Rektor Dr. Krauss gelang es, durch mehrfache ausführliche Belege nachzuweisen, daß das Wohnrecht den Juden in Jerusalem auch zur Zeit der Römerherrschaft nie und nimmer verboten war. Wenn manche das Gegenteil zu behaupten suchten, so sei dies nur auf einzelne Aeußerungen, die sich bei den Kirchenvätern finden, zurückzuführen, die aber — bei näherer Betrachtung — nicht stichhältig und lediglich durch den rhetorischen Stil erklärlich erscheinen, was aber keineswegs als wissenschaftlich feststehende Tatsachen gewertet und angesehen werden kann. Im Gegenteil gehe ans verschiedenen Erwähnungen und Mit- Schmuchung von Grillten und Gräbeln LeopoldfleutschJienXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentraifriedhof 1. Tor, Tel. U 13-0-40 Zcntraifriedhof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen teilungen in Talmud und Midrasch klar genug hervor, daß der Aufenthalt und das Wohnen in Jerusalem den Juden niemals verboten war. Dieser Ansicht sind neben Rektor Dr. Krauss auch viele andere bedeutende Gelehrte. Die vortrefflichen und ausgezeichneten Ausführungen des Rektors Dr. Krauss fanden allgemein Beifall und Anerkennung. Dr. M. Der Brigittenauer Isr. Frauenverein (Präsidentin Olga Fried.mann) veranstaltet am Sonntag, den 22. d. M., 4 Uhr nachm., im Festsaal des Hotel Continental, IL, Taborstraße 7, eine Akademie mit sehr reichhaltigem künstlerischen Programm, deren Reingewinn von dem so segensreich wirkenden Verein den notleidenden Armen des Bezirkes gewidmet wird. Karten zu S 1.50 bei den Vorstandsdamen erhältlich. Barmizwahfeier. Am 14. d. M. fand! im Tempel „Ohel Abraham", IX., Grüncntorgasse 28, die- Barmizwah des Knaben KarL Sohn des Herrn Siegfried und Frau Else Mases, XIX.. Barawitzkagasse 6, statt. Der von Oberkantor Bohomilny unterrichtete Knabe rezitterte wundervoll die Brochos und die Haftorah. Oberkantor D. Bohomilny versah in uneigennütziger Weise mit seiner prächtigen Stimme die kantoralen Funktionen. Rabbiner Moses Blech hielt eine herzliche Ansprache. Kreisführer Ludwig Eisner 60 Jahre alt. Am 24. d. M. feiert der bekannte Wiener Kaufmann und verdienstvolle Kreisführer des Bundes Jüdischer Frontsoldaten Ludwig E i s n e r seinen 60. Geburtstag. Ludwig Eisner ist seit Gründung des BIF dessen Mitglied und hat sich als Funktionär des Bundes, für dessen Aufbau er seit dem ersten Tage selbstlos und opferfreudig tätig ist, große Verdienste erworben. In Ludwig Eisner, der in der Wiener Geschäftswelt sehr geachtet ist, ehrt der große Kreis seiner Freunde und Kameraden einen aufrechten Juden und großen Menschenfreund. An seinem Jubeltag sind ihm große Ehrungen zugedacht. Goldene Hochzeit. Samstag, den 14. November, fand im Tempel, VIII., Neudeggergasse. die Feier der Goldenen Hochzeit des langjährigen Tempelinspektors Moses P a s k u s z und seiner Gattin Charlotte statt. Im Rahmen des Gottesdienstes wurde die Feier, zu der sich ein zahlreiches Publikum einfand, im festlich, beleuchteten Tempel vollzogen. Der Jubilar wurde vom Oberkantor Braun feierlich aufgerufen, worauf Rabbiner Dr. Bauer an das Jubelpaar eine inhaltsreiche Ansprache hielt. Dann richtete der Präses der Tempelgemeinde, Herr Komm.-Rat Siegmund Feldmann, an das Jubelpaar herzliche Worte, ebenso Herr Magister Gross, im Namen der Israelitischen Kultusgemeinde. Der Jubilar wurde zur Thora gerufen, rezitierte selbst die Haftora und dankte in bewegten Worten für die vielen ehrenden Auszeichnungen. Dem Jubelpaare kamen aus diesem Anlasse zahlreiche Glückwünsche und Gratulationen nicht nur aus dem Bezirke, sondern auch von auswärts zu, die Zeugnis geben von der großen Beliebtheit und Wertschätzung, deren sich das Paar allseits erfreut. Herr Paskusz wurde namens des Tempelvereines von Präses, Herrn Komm.-Rat F e 1 d m a n n, mit dem Titel eines Oberinspektors ausgezeichnet. In Vertretung des Bürgermeisters der Stadt Wien erschien der Bezirksvorsteher des VIII. Bezirkes in der Wohnung des Jubelpaares und überreichte demselben mit einer herzlichen Ansprache ein Ehrengeschenk und eine künstlerisch ausgestattete Adresse in Goldrahmen. Außerdem hat der Bürgermeister in einem ehrenden Schreiben dem Paar gratuliert. Den Jüdischnationalen zum Abschied. (Der „Stimme" gewidmet.) Sie wollten in's Grab uns legen Und sangen schon Totenlieder. Da tat der „Tote" sich regen, Erhob gekräftigt sich wieder. Nun braucht der forsche Rabbiner Nach uns nicht Kadisch zu sagen — Er war ein williger Diener — Jetzt kann er zwiefach klagen . . . Wir sterben nicht, wir leben. Wir bleiben frisch und munter Und gleich bleibt unser Streben. Der Wiener Jude geht nicht unter. Dr. Jos. Hölzer.

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