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Die Wahrheit · 1936-11-20 · Heft 51 (20.11.1936) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 51 (20.11.1936)
Date
1936-11-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 51 — 20. November 1936 Seite 5 Judentum und Bolschewismus. Von Dr. Robert Serebrenik, Oberrabbiner von Luxemburg. (Schluß von Nr. 50/1936, Seite 4) Es ist wahr, daß eine mehr oder minder große Anzahl von Juden in Rußland der kommunistischen Partei angehört und daß einige wenige' unter diesen in der bolschewistischen Hierarchie verschiedene Stellungen bekleiden. Aber die Tatsache, daß gewisse Juden sich mit dem Bolschewismus identifizieren, erlaubt ebensowenig den Schluß, daß Judentum nun gleich Bolschewismus gesetzt w erdenkönne, wiedasVorkommnis, daß ein Jude sich itauf t, die Folgerung .zuläßt, daß nun Judentum dasselbe wie Christentum sei. In beiden Fällen — und mögen sie sich tausend- und zehntausendmal wiederholen — handelt es sich um individuelle Austritte aus dem Judentum, um Konversion. Es ist mir mit dem besten Willen nicht möglich, einen Juden, der sich dem Bolschewismus verschreibt — und das ist ohne eine völlige Absage an das Judentum und ein gänzliches Aufgeben seiner Form und seines Inhaltes nicht gangbar —, noch als Juden anzuerkennen. Ebenso wie ich mich sträube, einen Juden, der einen Glaubenswechsel vollzieht oder das Judentum abschwört, noch als Juden anzusprechen. Die Umwelt allerdings tut dies oft, indem sie auch dann noch von einem bolschewistischen Juden in gleicher Weise wie von einem getauften Juden spricht und beide, aus einem rassischen Gefühl heraus, als „Juden bis auf weiteres" markiert. Aber uns ist das Judesein wahrlich mehr als eine rassische Qualität. So primitiv und einfach ist das Jud entum denn doch nicht, und wir müssen uns mit aller Macht dagegen wehren, daß uns noch Menschen aufgehalst und unserem Konto zu Lasten geschrieben werden, die sich innerlich längst von uns losgelöst und, wie etwa durch ihr Bekenntnis zum Bolschewismus, ihren Austritt aus dem Judentum offiziell genug kundgetan haben! Für uns ist weder dieser noch jener ein Jude mehr, denn man kann nicht zwei Göttern auf einmal dienen! Die Schuld aber an der marxistischen Einstellung vieler Juden in Rußland und — mag sein — auch außerhalb der Sowjetunion trägt nicht das Judentum, sondern einzig und allein der Antisemitismus. Der Judenhaß ist es, der sie in die extremistischen Lager, zu den radikalsten Parteien getrieben hat, wo man sie weder nach Konfession noch nach Rasse fragt. Der Antisemitismus ist schuld, daß das Judentum diese Menschen verloren und s*o eine er hebliche Einbuße an numerischen Gewicht erlitten hat. Denn die Judenfeinde haben sie in dem vorrevolutionären Rußland aus dem Lager der Religion fortgetrieben und zwangsläufig dem Bolschewismus in die Hände gespielt. Man hat diese Menschen uns nicht gegönnt, sie aber sind zu keiner anderen Religion gegangen, sondern jeder Religion bis auf weiteres verloren gegangen. Die politische Einstellung der Juden in jedem Lande ist das „Echo der Behandlung", die man ihnen zuteil werden läßt. Siehe das klassische Beispiel England, wo die Juden seit altersher konservativ oder liberal wählen wie die Mehrheit der Bevölkerung. Und wenn in Rußland junge jüdische Menschen zum Kommunismus übergingen, so hat nicht das Judentum und seine Strenge sie zu Bolschewiken gemacht, sondern der Antisemitismus und seine proskribierende Grausamkeit, die ihnen den Weg zu einem würdigen und friedlichen Leben vermauerten. So sieht es in Wahrheit mit der heute so sensationell aufgemachten Gleichsetzung von Bolschewismus und Judentum aus Aber für politische Demagogen und denkfaule Menschen ist, nach einem Worte Coudenhove-Kalergis, die Identifizierung des Judentums nicht nur mit Bolschewismus und Sozialismus, sondern auch mit Liberalismus, Parlamentarismus, Kapitalismus, Materialismus. Aufklärung, Rationalismus, Freimaurerrum, Demokratie und Zersetzung viel zu bequem, um nicht Anwendung zu finden. Wir werden es aber nicht dabei bewenden lassen. Wir werden den Mächten der Finsternis den nicht zu brechenden Widerstand einer lebensbejahenden Gemeinschaft entgegensetzen. Israel, der Erbe der ältesten Kultur, besitzt geistige Kräfte und moralische Reserven genug, um jene neue Epidemie des Antisemitismus, die die ganze Welt zu verseuchen droht, erfolgreich bekämpfen zu können. Und die hommes de bonne volonte, die guten Willens sind und die Edelgesinnten aller Religionen und Nationen werden auf unserer Seite'stehen. Denn unsere Selbstverteidigung ist zugleich die Verteidigung der Sache der Menschheit, die Sache der religiösen und ethischen Kultur, die so schwere Erschütterungen leidet und die die großen Relgionen und Nationen mit gesundem Schöpferinstinkt mit uns zu wahren wissen werden. Die großen jüdischen Relijrionsphilosophen des Mittelalters haben uns gelehrt, daß Finsternis keine Wesenheit an sich ist, sondern nur dort entsteht, wo das Licht fehlt. Es ist nicht so, daß die Finsternis das Licht verdrängen kann; sondern sie nistet sich nur überall dort ein, wo es an Licht mangelt. So ist es auch heute mit der Finsternis in der Geistesverfassung, die sich in den Köpfen vieler Menschen breitgemacht hat. Machen wir also Licht! Wirklich kostbare Unterschriften. Das Sekretariat der „Union" teilt mit: Unter den Ueberschriften „Die falschen 3000" und „Kostbare Unterschriften" ereifern sich die jüdischnationalen Presseorgane „Die Stimme" und „Die N<&u e W e'It" mit deutlich merkbaren Zeichen ohnmächtigen Aerg£rs und Neides noch immer über die Tatsache, daß m der Woche vor der Kultuswahl die „Union österreichischer Juden" in eineq Sonderausgabe der „Wahrheit" rund 3000 Namen von Personen veröffentlicht hat, die durch, ihre Unterschrift erklärten, das Programm und die Kandidatenliste der „Union" zu empfehlen. Die .„Union" hat zum ersten Male in der Geschichte ihrer Wahlkämpfe gegen die mit zionistischen Phrasen getarnten jüdischen Nationalisten zu einer derartigen Publikation ihre Zuflucht genommen, 'einzig und allein aus dem Grunde, um vor den Wahlen der breitesten jüdischen Oeffentlichkeit klar und deutMch vor Augen zu führen, daß die demagogische Flüsterpropaganda der jüdischen Nationalisten, die „Union" wäre eine „kleine Tischgesellschaft", die keinerlei Aussicht auf Mandate habe, nichts als eine böswillige Mache sei. Die „Union" war sich von vornherein dessen bewußt, daß bei der Einholung und Veröffentlichung ' von tausenden Unterschriften Mißverständnisse und Fehler unterlaufen können, aber auch dessen bewußt, daß hinterher unter der terroristischen Pression von jüdischnationaler Seite einzelne der Unterfertiger es bedauern werden, ihre Unterschrift gegeben zu haben. Es ist, das wpllen wir apodiktisch hier feststellen, eine dreiste und kurzbeinig lügnerische Erfindung, wenn zum Beispiel „Die Stimme" behauptet, auf unseren den Wählern in der überwiegendsten Zahl der Fälle von unseren Vereinsmitffliedern überreichten Empfehlungsbogen nichts anderes stand, als: „Ich bestätige, daß Herr . . . . heute in Wahlangelegenheiten einen Besuch bei mir gemacht hat". Wir fordern den Skribenten in der „Stimme" auf, auch nur den Versuch eines Beweises für seine aus seinen jüdischnationalen Fingern gesogene Lüge zu unternehmen. Wir stellen fest, daß unsere Empfehlungsbogen folgende klar in die Augen springende Formel an der Spitze jedes einzelnen Blattes trug: „Kultuswahlen 1936. Ich erkläre mich bereit, den Wahlaufruf der „Union österreichischer Juden", worin deren Tendenzen zum Ausdruck kommen, mitzuunterfertigen", oder die Formel: „Ich erkläre mich bereit, die Kandidatenliste der „Union österreichischer Juden" und deren Kultuswahlprogramm zu empfehlen." Durch die Feststellung dieser Tatsache, von der sich jedermann auch heute noch durch Einblick in die Originalempfehlungsbogen überzeugen kann, erledigt sich auch das übrige, diese faustdicke Lüge umgebende Ranken werk von Verdrehungen. Etwa 3000 Unterschriften hat die „Union" veröffentlicht. Fast 1000 liegen als verspätet eingelangt! unveröffentlicht unter ihren Akten Was sollem da die 15 oder 20 Reklamationen — also kaum 1 Prozent — besagen? Die Tatsache, daß einige der untenstehenden Zuschriften den vollkommen gleichen Wortlaut haben, zeigt, daß man von jüdischnationaler Seite einen „Massen-Protestrummel" provozieren wollte. Allerdings vergeblich. Gleichwohl sind wir für die Veröffentlichung möglichst aller uns zukommenden Zuschriften, schon aus dem Grunde um nicht die Zahl der Opfer jüdischnationaler Boykotthetze gegen Andersdenkende zu vergrößern. Die Jüdischnationalen haben zirka 800 Unter Schriften veröffentlicht; darunter befinden sich in der Fürsorge befindliche, auf die ein sanfter Druck geübt wird; Lieferanten und Stellenwerber, die sich nicht um -die „Protektion" bringen wollen. Zu unserer Sonderausgabe Nr. 47, vom 4. November 1936 erhalten wir folgende Zuschriften: Rechtsanwalt Dr. Wolf Bergwerk. Verteidiger in Straisachen, Wien, I., Biberstraße 10. In Ihrer Wochenschrift vom 4. November 1. J., Nr. 47 heißt e3 auf Seite 2: „Das Programm der „Union" und ihre Kandidaten wird empfohlen von iolgenden Personen". Es folgen viele Namen, darunter auch der meinige. Da es in Wien einen Anwalt gleichen Namens nicht gibt, kann nur ich mit dem Namen Dr. S. Bergwerk gemeint sein. Ich habe nie das Programm der „Union" oder deren Kandidaten unterstützt oder empfohlen und habe auch niemanden zur Veröffentlichung meines Namens in diesem Sinne ermächtigt Ich fordere Sie hiemit auf, dies in der nächsten Nummer Ihrer Zeitschrift festzustellen, insbesondere, daß meine Namensnennung ohne mein Wissen und Hinzutun und gegen meinen Willen erfolgt ist. Hochachtungsvoll Dr. Wolf Bergwerk. * Carl Grünspan. Wien IX., Liechtensteinstraße 95 Zu meinem Erstaunen finde ich in der Sonderausgabe vom 4. November a. c. unter der Liste der die „Union österr. Juden" befürwortenden Personen auch meinen Namen verzeichnet. Da ich weder eine derartige Erklärung unterschrieben habe noch die Erlaubnis zur Veröffentlichung meines Namens erteilt habe, ersuche ich um sofortige entsprechende Richtigstellung. Hochachtungsvoll Carl Grünspan. Rechtsanwalt Dr. Hugo Bleyer, Wien I.. Bösendorferstraße 5. Namens meines Mandanten, Herrn Erich Grünspan, Beamter der Firma E. Reischer, wohnhaft in Wien IX., Liechtensteinstraße 95. beehre ich mich, Ihnen Nachstehendes mitzuteilen: Sie schreiben in der Sonderausgabe Ihrer Wochenschrift „Die Wahrheit" am 4. November 1936, 52. Jahrgang, Nr. 47, daß mein Mandant das Programm der ..Union" und ihre Kandidaten empfohlen hat. Diese Behauptung ist unwahr. Gemäß §23 ff. Preß. Ges. fordere ich Sie auf, in der ersten, nach Einlangen dieses Schreibens, erscheinenden Nummer Ihrer jüdischen Wochenschrift ,.Die Wahrheit" in demselben Teile und in der gleichen Schrift nachstehende Entgegnung unentgeltlich zu veröffentlichen: „Das Programm der „Union" und ihre Kandidaten wird empfohlen von folgenden Personen: Es ist unwahr, daß Herr Erich Grünspan, Beamter in Wien, IX.. Liechtensteinstraße 95, das Programm der „Union" und ihre Kandidaten empfohlen hat. Wahr ist vielmehr, daß Herr Erich Grünspan, das Programm der „Union" und ihre Kandidaten nicht empfiehlt." Hochachtungsvoll Dr. Hugo Bleyer. Dr. Paul Stryks. Arzt. Wien II.. Schiffamtsgasse 20 Hiermit ersuche ich, unter Bezugnahme auf $23 des Preßgesetzes um Aufnahme nachstehender Entgegnung in der vom Gesetze vorgeschriebener Form: „Die Wahrheit" hat in der am 4. November 1936 erschienenen Nr. 47 unter der Ueberschrirt: „Das Programm der „Union" und ihre Kandidaten wird empfohlen von folgenden Personen": auf Seite 2, 3, 4. 5 und 6 eine Namensliste veröffentlicht, in der auf Seite 6 der Name eines Dr. Paul Strykes, Arzt, erscheint. Nachdem in Wien kein Arzt existiert, der dies-en Namen führt, und derselbe mit meinem Namen Dr. Paul Stryks, Arzt, im Zusammenhang gebracht wird, bitte ich freund), zur Kenntnis zu nehmen, daß ich mit demselben weder verwandt noch identisch bin. Ich habe niemandem die Ermächtigung zu einer solchen Veröffentlichung erteilt. Sie ist ohne mein Wissen und ohne meine Zustimmung erfolgt. Ich selbst bin organisierter Zionist und habe für die Zionistische Liste gezeichnet und mich für dieselbe auch eingesetzt. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. Med. Paul Siryk-;. <t

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