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Die Wahrheit · 1936-11-20 · Heft 51 (20.11.1936) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 51 (20.11.1936)
Date
1936-11-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 51 — 20. November 1936 Seite 3 Achtung! Achtung! Vormerken! Samstag, den 12. Dezember, abends GROSSE CHANUKAFEIER des „UNION-KLUB" im Helm I., Schottenring 25 Reichhaltiges erstklassiges Programm Nähere Mitteilungen folgen. durch das Deutsche Nachrichtenbüro in der ganzen deutschen Presse verbreitet wurde, sprach, er davon, daß „die grundsätzlich verbrecherischeHaltungdesAltenTestaments" rücksichtslos aufgedeckt und bekämpft werden müßte. Mit am schlimmsten in seiner Wirkung auf die seelische Verfassung der deutschen Juden ist die bei der Behandlung Toter zutage tretende Gemeinheit. Der „Stürmer" veröffentlicht immer wieder Photographien von Christen, die an Begräbnissen von Juden teilgenommen haben. In den kleineren Orten wagt kein Christ, einem jüdischen Freunde oder Bekannten die letzte Ehre zu erweisen. Vor einigen Wochen fand in einer kleinen Stadt Mecklenburgs das Begräbnis eines jungen Juden statt, der einem Autounfall zum Opfer gefallen war. Die Familie lebt sei 200 Jahren im Ort und hatte früher engste freundschaftliche Beziehungen mit christlichen Mitbürgern. Nach dem Tode des jungen Mannes trafen in dem Trauerhause zahlreiche Kränze eim1 Alle aber ohne Namen, da keiner der Absender sich erkennen zu geben wagte1. Die Aufbahrung der Leiche mußte im Hofe des Hauses erfolgen, da die zusammengeschmolzene jüdische Gemeinde über keine Synagoge mehr verfügt und ein Raum nirgends mehr zu erhalten war. Der Trauerzug, dem nur wenige Juden folgten, mußte durch die ganze Stadt. Kein Mensch auf der Straße wagte, den Leichenzug zu grüßen, nur ein Reichswehrsoldat stand still und atlutierte .... TIROL j SEEFELD, 1200 m WINTERSPORT, heilklimatischer HÖHENKURORT, Waldspaziergänge schneesicher PENMON GESCHWKTSR SCHEES jetzt Haus V/aldruhe, direkt am See vnd Wald, vorzügliche Küche, streng "tJ^2 Saisonbeginn Mitte Dezember Gleichberechtigung öder Minderheitsschutz? Es ist immer gut, wenn jemandem, der. irgendwie bestimmend ins politische Leben eingegriffen hat, sofort ad oculos demonstriert wird, was er angerichtet hat. Deshalb ist es zu begrüßen, daß die Wähler der „Zionistischen Liste" schon ein paar Tage nach der Wahl das halbe Dutzend feindlicher Brüder, die dem höheren Ideal des Mandatgewinns halber ihre politischen Sonderinteressen zurückgestellt und auf einer Einheitsliste kandidiert hatten, in corpore aufmarschieren sahen und ihre Danksprüchlein zu hören bekamen. Hiebei brachte Dr. Desider Friedmann insofern eine Ueberraschung, als er jetzt statt mit dem Begriff „Zionismus", mit dem seine „Liste" während der Wahlbewegung krebsen gegangen war, plötzlich unverhüllt mit dien Schlagworten „jüdischer Nationalismus", „nationale" Judenschaft und „Minöritätenrecht" operierte. . Hätte Dr. Desider Friedmann die Offenheit, die er da so plötzlich zeigte, auch bei der Wahlpropaganda für seine „Liste" bekundet, hätte sich diese.so aufrichtig, wie dies jetzt nach den Wahlen auf einmal möglich ist, „jüdischnational" und nicht zu Tarnungszwecken „zionistisch" genannt, diese Irreführung der Wähler durch eine bewußt falsche Signatur wäre nicht gelungen. Denn die Wiener Juden sind sich heute dank der Propaganda der „Union" schon zum überwiegenden Teile über die Gefährlichkeit einer Einstellung als „nationale Minderheit" im klaren. Ueber dje Aussichtslosigkeit einer solchen schädlichen Politik informierte gerade dieser Tage das Parteiorgan des Herrn Doktor Friedmann selbst, „Die Stimme", ihre Anhänger. Da hat Bundeskanzler Dr. Schuschnigg jüngst anläßlich des Jubiläums der fünfzehnjährigen Zugehörigkeit des Burgenlandes zu Oesterreich in Eisenstadt für eine gerechte Minoritätspolitik plädiert- Aber welche Minorität hatte er dabei im Auge? Etwa die im Burgenland bodenständige und um die Hebung des Landes hochverdiente Judienschaft? Di© „Stimme" muß zugeben, daß sich seine wohlwollenden Aeußerungen lediglich auf die gleichfalls im Lande ansäßigen Kroaten bezogen, und fügt neidvoll hinzu: „Was für die Kroaten recht ist, sollte zwangsläufig auch der jüdischen Minderheit zukommen." Während aber den Kroaten gegenüber, wie der Bundeskanzler ausführte, „die burgenländische Landesvertnetung stets ihren Ehrgeiz dareingesetzt hat, unter Beweis zu steifen, daß man in Oesterreich ein gesundes, vorbildliches und den Ansprüchen des Rechtes voll entsprechendes Minoritätenrecht haben kann", muß die „Stimm©" die burgenländischen Juden, die sich dafür bestens bedanken werden, auf die Zukunft vertrösten: „Die in dieser Richtung laufenden Bemühungen des 'Kultusvorstandes werden, wie wir hoffen wollen, zum Ziele führen." Die „Stimme" hegt also noch immer trügerische Hoffnungen auf „Bemühungen" des jüdischnationalen Kultusvorstandes im Geiste der — „Minoritätsrechte"." Unser «Herrgott möge uns vor der Erfüllung ihrer „Hoffmingen" beschützen. Der Präsident dieses Kultusvorstandes aber, Herr Dr. Desider Friedmann, trat in seiner eingangs erwähnten Versammlungsrede auch für die — Gleichberechtigung ein, freilich nur hinsichtlich eines besonderen Aufgabenkreises der Gemeinde, näroJich bei ihrer sozialen Tätigkeit, an der, wie Dr. Friedmann nach den Zeitungsberichten sagte, „alle ihre Angehörigen ohne Rücksicht auf ihre staatliche Zugehörigkeit gleichberechtigten Anteil haben müssen, weil sie nach dem Gesetze auch gleiche Pflichten haben". Das entspricht der Forderung der „Union" — und ist wohl auch in. hämischer Absicht an deren Adresse gerichtet — nach Gleichberechtigung der österreichischen Juden bei der unentgeltlichen Aufnahme in Spital und Altersheim und den sonstigen Fürsorgeeinrichtungen der Kultusgemeinde (Punkt 6 unseres Kultuswahlprogramms). Bisher genossen bekanntlich die ausländischen Juden den Vorzug, während die Wiener Juden an die städtischen Fürsorgestellen verwiesen wurden. Wir werden darauf sehen, daß es hier nicht nur bei leeren Versprechungen bleibt. Es ist erfreulich, daß gerade in einer jüdischnationalen Siegesfeier das Union-Programm einen solchen Sieg verzeichnen konnte, der Sieg der Vernunft ist eben nicht aufzuhalten. „Die dümmste Rasse der Welt." Ohne den Zufall einer frühzeitigen Berufung an die Grazer Universität hätte der diesjährige Empfänger des Nobelpreises für Physiologie und Medizin, Professor OttoLoewi, schon 1933 sein Lehr- und Forscheramt aufgeben müssen. Denn Professor Loewi, in Frankfurt am Main als Reichsdeutscher geboren, ist nach der reichsdeutschen Terminologie „hundertprozentiger Nicht-Arier", also unwürdig, im Reiche als Forscher zu wirken. Die deutsche Presse hat in ihren Berichten die Rassenzugehörigkeit des neuen Nobelpreisträgers diskret übergangen, aber die Entdeckung, daß die ganze Einrichtung des Nobelpreises eine gemeine jüdische Mache ist, wird nicht mehr lange ausbleiben können. Für das nationalsozialistische sogenannte „Rassenempfinden" muß es in der Tat schrecklich verletzend sein, daß nicht weniger als 12 Prozent der bisherigen Nobelpreisträger zu der Rasse gehören, die erst soeben, bei der Münchener Putschfeier vom 9. November, vom „Führer" persönlich zur „dümmsten Rasse der Welt" erklärt worden ist. Noch verletzender muß auf die deutschen Rassenkundigen die Feststellung wirken, daß unter diesen preis- und ruhmgekrönten :,Nicht-Ariern" die weitaus meisten gerade aus Deutschland stammten. Daraus ließen sich alle möglichen Schlüsse ziehen. Aber für Nazihirne liegt wohl am nächsten der Schluß, daß die Verteilung des Nobelpreises insgeheim durch die „Weisen von Zion" manipuliert wird. Judentum und Schmerzproblem. Zum Vortrag von Professor Sauerbruch. Der berühmte deutsche Chirurg hat letzte Woche einen mit Recht Auisehen erregenden Vortrag über das Schmerzproblem in Wien gehalten. Die Gerechtigkeit zwingt uns, zu seinen glänzenden Ausführungen eine kleine Richtigstellung zu machen. Der Vortragende sagte wörtlich: „Eine grundsätzlicheandere Auitassung des Schmerzes beginnt mit der Erkenntnis des Christentums, hier erhäjt alles Leiden den Charakter einer Läuterung, es behandelt den Schmerz als Mittel der Charakterbildung." Weiß der so hochgebildete und keineswegs antisemitische Vortragende — trotzdem Sauerbruch der Arzt Hitlers ist, hat er bis in allerjüngster Zeit seine Förderung jüdischen Aerzten angedeihen lasten — weiß also Sauerbruch nicht, daß das literarisch wertvollste Buch des Alten Testaments, das Buch H i o b ausschließlich diesem Problem gewidmet ist? Auch die Psalmen weisen hunderte Stellen auf, die ähnliche Aussprüche beinhalten. Die Geschichte von Josef, Moses, besonders aber König David und seine Aussprüche bei verschiedenen Erlebnissen, namentlich beim Tod seines Söhnleins, weisen in ähnliche Richtung. Das Buch Hiob handelt sowohl von körperlichen wie von seelischen Schmerzen. Diese Lehre ist also eine der vielen, die das Christentum aus dem Judentum übernommen hat. Ich möchte den Ausspruch des von mir persönlich ungemein verehrten Gelehrten in Wien um so weniger unwidersprochen lassen, als ein in Wien lebender großer Gelehrter, Dr. Kaminka, ein hochinteressantes Werkchen über das Judentum und das Schmerzproblem geschrieben hat. Ich möchte übrigens diese Lehre gar nicht als für das Judentum originell betrachten, ich halte sie für ein Urproblem der Menschheit, das sich schon in Urreligionen abspiegelt und wahrscheinlich zu dem Brauch der Menschenopfer beigetragen hat. Clothilde Benedikt. GROSSFLEISCHHAUEREI flEGM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE• XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Hellanstalten Abteil ungen für Koscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien. Montag, den 23. November, halb 8 Uhr abends, findet im Klubsaale I., Wiesingerstraße 11 (Cafe Atlashof. eigener Eingang, Souterrain), ein Vortrag des Herrn Dr. Jakob Ornste'in über: »Moses Mendelssohn" zum Gedenken an die 150. Wiederkehr seines Todes statt. Eintritt frei. Gäste willkommen. föwieffcasten. Einer Mitteilung des Herrn Rechtsanwalt Dr. Julius Mannheim entnehmen wir zu unserer Genugtuung, daß Frl. Steffi Eisler, über deren Fall wir in zwei Nummern unseres Blattes berichteten, als Krankenpflegerin im Spital der Israelitischen 'Kultusgemeinde unter den Bedingungen des Kollektivvertrages aufgenommen wurde.

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