Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1936-11-06 · Heft 48 (6.11.1936) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 48 (6.11.1936)
Date
1936-11-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3064606-3064653--20910-3086207
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

DIE WAHRHEIT Nr. 48 — 6. November 1936 Seite 3 Wühler! Hüte* Euch vor den Machenschaften der Jüdischnationalen! Hütet Euch vor ihren Schlichen, Tricks und Manipulationen! Sie kämpfen einen Verzweiflungskampf und werden nichts unversucht lassen Positive Paiastinaarbeit im Geiste der „Union". Wir Assimilanten und Palästina. Was ohne das politische, jüdischnationale Geschrei, daß die Welt in Unruhe versetzt und die Sache der Juden in allen Ländern und vor allem in Palästina so schwer bedrohte und bedroht, von den sogenannten Assimilanten für die Jüdische Besiedlung Palästinas getan wurde, das beweisen eindringlichst die hier folgenden amtlichen Daten, die vom „Zionistischen Informationsbureau für Touristen in Palästina" stammen. Mit Staunen werden die durch die jüdischnationale chauvinistische Propaganda betäubten Mitläufer von zionistischer Seite selbst vernehmen, daß den 400.000 Dunam palästinensischen Bodens, die mit Keren Kajemeth-Geldern erworben und mit Keren Hajessod-Geldern bewirtschaftet werden, beides Quellen, die zum Grollteil von den so geschmähten Assimilanten gespeist werden, zumindest andere 400.000 Dunam gegenüberstehen, deren Erwerb und vollkommene Besiedelung weder dem Keren Kajemeth noch dem Keren Hajessod zu verdanken ist, sondern einzig und allein den „Erzassimilanten" aus dem Hause Rothschild, den Herren der ICA und PICA und dem großen Heer, der mit dem „Geiste der Union" erfüllten Assimilanten, die alle in Palästina die zu fördende Heimstätte für in anderen Ländern heimatlos gewordenen Juden sehen. Die Gründungsziffern, die neben der Zahl der Dunams stehen, beweisen, daß der überwiegende Teil dieser Siedlungen aus einer Zeit stammt, in der es noch keinenpolitischen Zionismus und auch noch keine erst durch ihn geschaffene Bodenspekulation in Palästina gab. Und nun vernehmen wir die eindringliche Sprache dieser Ziffern: Siedlung: Gründungsjahr: Dunam: Moza 1894 700 Har Tow 1896 5000 Mikweh Israel 1870 2400 Rischon le Zion 1882 35700 Ness Ziona 1882 9400 Rechowoht 1890 23000 Gedera 1885 7100 Erkon 1884 14000 Kfar Saba 1892 7200 Chedera 1891 50000 Schfeja 1891 2000 Bath Schlomo 1891 9000 Sichron Jakob 1882 16000 Givath Ada 1902 114Ü0 Kfar Tabor 1902 1600 Sedjera 1899 12200 Menachemija 1902 15300 Rosh Pinah 1882 14100 Mischmar Hajarden 1890 9200 Jesod Hamaala 1883 11400 Metulla 1896 9600 En Setim 1891 6000 und hiezu kommen viele andere vor dem Weltkriege ohne Keren Kajemeth und ohne Keren Hiajessod gegründete jüdische Kolonien, deren Ausmaß' mit den oben angeführten Siedlungen 400.000 Dunam übersteigt. Und nun die Frage, auf die uns jeder vernünftig denkende Jude die bejahende Antwort geben muß: „Stünde es nicht unvergleichlich besser um das jüdische Aufbauwerk in Palästina, stünde es nicht unvergleichlich gesünder und gesicherter da, wären uns Juden nicht Hunderte an Toten und Verwundeten in Palästina erspart geblieben, wenn man die jüdische Besiedhins in Palästina ohne chauvinistisches, nationales politisches Hurrah- Geschrei für einen Judenstaat geleistet hätte, sondern im Geiste der „Union" und ihrer „Assimilanten", im Geiste des Opfermutes, aber auch der Verantwortlichkeit, im Geiste der Maßlosigkeit im Opfern, aber des maßvollen, kühlen Abschätzens politischer Möglichkeiten und Unmöglichkeiten. Positive, für heimatlos gewordene Juden wertvolle Aufbauarbeit in Palästina kann nur im Geiste der „Union" geleistet werden. Das bestätigen die Ereignisse! lind was haben die Jttdischnationolen ans Paldsf Ina gemacht? Und was haben die Jüdischnationalen aus diesem Palästina gemacht, das als nationale Heimstätte für heimatlos gewordene Juden gedacht war, als von allen Juden zu forderndes Asyl für aus ihren Heimatländern vertriebenen Juden? Ein Abschubland für lästig gewordene jüdische . Mitbürger! Den Beweis für diese traurige, allen bewußten Juden die Schamröte ins Gesicht treibende Tatsache liefert das nachfolgende offizielle, durch die Havas verbreitete Meldung aus London: London, 3. November 1936. „Der polnische Botschafter harte gestern eine Unterredung mit dem Unterstaatssekretär Sir Robert Vansittart über die Frage der jüdischen Auswanderung nach Palästina, weil nicht, wie üblich, am 5. Oktober die Größe des Einwanderungskontingentes festgelegt worden ist." Also nicht mehr die Jüdischnationalen selbst sind es, nicht mehr die Jewish Agency als die durch, das Mandat berufene Stelle ist es, die bei der englischen Regierung zwecks Beschleunigung der Auswanderung intervenieren, die Regierungen selbst beginnen schon, den „Abschub" zu organischen, und — zu urgieren! Aus der Auswanderung wird der Abschub! Das ist eine furchtbare, aber logische Entwicklung. Die englische Regierung wagt nicht, die jüdische Einwanderung nach Palästina zu beschleunigen, denn sie kann die Sicherheit der Juden dann nicht mehr verbürgen. Aber die polnische Regierung hat solche Bedenken nicht, denn sie fehlen ja auch den Juden und politischen Ziomsten, die sie in dieser Frage beraten, führen und inspirieren. Jabotinsky, der Robert Stricker Polens, empfiehlt der polnischen Regierung, jährlich einige hunderttausend Juden nach Palästina abzuschieben. Polen läßt sich das nicht zweimal sagen und — interveniert in London. Heute interveniert Polen zwecks Abschub seiner Juden, welcher Staat wird morgen in London intervenieren und urgieren? Denn, abgesehen von Italien, Frankreich, Amerika, haben die Juden jedes Landes ihTe Robart Stricker . . . Diesen, ob sie nun Jabotinsky, Stricker oder sonstwie heißen, ist nur eines wichtig: Der Fortbetrieb des Ghettogeschäites. Und gehen die Juden nicht freiwillig nach Palästina, dann werden die Regierungen, unter denen sie leben, aufgestachelt, sie abzuschieben .... Wie immer und wohin immer dann der Abschub der Juden erfolgt, den Jabotinskys, Strickers und Konsorten winkt dann die Belohnung, im Lande bleiben zu dürfen, aus dem sie ihre Glaubensgenossen abzuschieben dringendst empfehlen. Jetzt der Schiedsspruch der jüdischen wahler? Auf die Eingabe, die die „Union österreichischer Juden" in der Angelegenheit Löwenherz und Rath an die Behörden gemacht hat, ist der nachfolgende Bescheid gegeben worden: Bundesgerichtshof A 1937/36 1 Beschluß: Der Bundesgerichtshof hat beschlossen, die Beschwerde der Union österreichischer Juden sowie des Regierungsrates Dr. Hermann Oppenheim und Genüssen, sämtliche in Wien, gegen den Bescheid des Magistrates Wien vom 25. Juli 1936. M.-Abt. 2'6063/63. zurückzuweisen. Begründung: Die Beschwerdeführer haben beim Wiener Magistrat gegen ihres Eraehtens gesetz- und statutenwidrige Vorgänge in der israelitischen Kultusgemeinde Wien Beschwerde geiührt und bezügliche Anträge gestellt. Das besondere Stadtanit I des Magistrates hat laut Zuschritt vom 12. Juni 1936 an die Union österreichischer Juden auf Grund der gepflogenen Erhebungen keine Veranlassung gefunden, über die Beschwerden eine Verfügung zu treffen. Diebelangte Behörde hat die dagegen ergriffene Berufung mit dem angefochtenen Bescheid zurückgewiesen und hiebei bemerkt, daß niemanden ein gesetzlicher Anspruch aus Ausübung des behördlichen Autsichtsreehtes zusteht. Gemäß § 43. Abs. 1. BBG., sind Beschwerden, denen offenbar der Mangel der Berechtigung zur Erhebung der Beschwerde entgegenstellt, ohne weiteres Verfahren zurückzuweisen. Laut Punkt 1 dieser Gesetzesstelle liegt der Mangel der Berechtigung zur Erhebung der Beschwerde, insbesondere vor, wenn dem Beschwerdeführer im Verwaltuni'sverfahren nach den anzuwendenden Vorschriften ein Rechtsanspruch überhaupt nicht zukommen konnte. Dies trifft im vorliegenden Fall zu. Denn das Gesetz vom 21. März 189», B.-G.-Bl. jSEEFELD, SKI WINTERSPORT, heilklimatischer i : HÖHENKURORT, Waldspaziergänge S l schneesicher PENSION GESCHWISTER SCHEER ■ Haas Waldruhe, direkt am See und Wald, \ l vorzügliche Küche, streng : Saisonbeginn Mitte Dezember Nr. 57, betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgesellschaft, überträgt in den §§ 30 if. der Staatsbehörde die Aufsicht über dio israelitischen Kultusgemeinden, räumt aber niemanden einen Anspruch auf Handhabung dieses Aursichtsrechtes ein. Die Beschwerdeführer hatten daher im Verwaltungsverfahren nicht Parteistellung und keinen wie immer gearteten Rechtsanspruch, weshalb auch ihre Beschwerde mangels Berechtigung zur Beschwerdeführung zurückgewiesen werden mußte. Wien, am 16. Oktober 1936. D u r i g. Diesem Bescheid kommt natürlich nur rein formaler Charakter zu, denn die Maschen jedes Verwaltungsrechtes sind naturgemäß so weit, daß gegen Fälle, die, wie der Fall Löwenherz und der Fall Rath, die Juden Wiens auf das höchste entrüstet haben, das Gesetz infolge des Mißbrauches der jüdischen Autonomie selbst machtlos ist. Aber die Judenschaft Wiens ist nicht machtlos! Mit dem Stimmzettel in der Hand wird sie als höchste Instanz in dieser Sache am S. November bei den Wahlen, die die „Union" erzwungen hat; entscheiden, ob der Austritt der Unionisten aus dem Vorstand nur ein Davonlaufen vor den Warden war, ob die Ernennung des Prof. Rath und des Dr. Löwenherz vollständig korrekt und einwandfrei erfolgt war, ob sie, die Judenschaft Wiens, sämtliche Instanzen der zionistischen Verwaltung als korrekt und geordnet anerkennt und daß solche schändliche Methoden und Praktiken aus dem jüdischen öffentlichen Leben zu verschwinden haben. Juden Wiens! Am 8. November haltet Gericht über die Schlauen, die Gerissenen, die Raffinierten und beweist ihnen, daß es neben dem geschriebenen, weitmaschigen Recht auch ein höheres, ethisches Rechtsempfinden gibt, indem Ihr am 8. November keine andere Liste wählt als die Liste der „Union österreichischer Juden" (Listeaffihrer: Reg,-Rat Dr. Hermann Oppenheim) ^F^^^ga^jS^Srl^

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.