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Die Wahrheit · 1936-11-03 · Heft 46 (3.11.1936) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1936
Issue
Heft 46 (3.11.1936)
Date
1936-11-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 46. — 3. November 1936. Seite 5 Jüdische Frontkämpfer! Habt Ihr dafür geblutet, sind Eure jüdischen Kameraden dafür gestorben, habt Ihr Euch dafür mit Euren Leibern in die Bresche gegen die feindliche Invasion gestellt, um eines Tages in diesem selben Lande dank den Jüdischnationalen unter Fremdenrecht gestellt zu werden? Denn Minderheitsrecht ist A p*^ ^p.nU f 1 Gastrecht und Gastrecht ist JL L ClIlliCllJL CCll L l Jüdische Frontkämpfer? Habt Ihr vergessen, daß die einzige Subvention, die der „Bund jüdischer Frontsoldaten" bisher von der Kultusgemeinde erhalten hat, von der unionistischen Majorität gewährt wurde und daß, seitdem die Jüdischnationalen in der Kultusgemeinde am Ruder sind, der „Bund jüdischer Frontsoldaten" keinen Groschen Subvention erhielt? Habt Ihr vergessen, daß es das jüdischnationale Gemeindepräsidium nicht für notwendig hielt, der anläßlich eures Weltkongresses abgehaltenen Tempelfeier persönlich beizuwohnen und daß es sich bei der aus dem gleichen Anlasse stattgehabten Eröffnungsfeier im Großen Musikvereinssaal durch einen Kultusvorsteher, der jetzt an elfter Stelle der sogenannten „Zionistischen Liste" kandidiert, vertreten ließ? Habt Ihr vergessen, daß das jüdischnationale Gemeindepräsidium dem „Bund jüdischen Frontsoldaten" die Benützung eines Gemeindetempels für eine Dollfuß-Gedenkieier verweigerte, und daß dieser seine schöne Feier deshalb im Tempel der Türkisch-Israelitischen Gemeinde abhalten mußte? Habt lihr gemerkt, daß Herr Staatsrat Dr. Desider Friedmann euch irregeführt hat, indem unter seiner Verantwortung kurz hintereinander iolgende, einander widersprechende Enunziationen erschienen sind: Am 5. Oktober 1936 Am 29. Oktober 1936 schrieb Herr Staatsrat Dr. Desider Friedmann Eurem fordert die „Zionistische Liste" (Listenführer Staatsrat Bundesführer, Herrn Hauptmann a. D. Siegmund Edlen Dr. Desider Friedmann) in ihrem in der „Stimme" vervon Friedmann, einen Brief, in dem er sich namens der öffentlichten Kultusgemeinde-Programm, daß die „Ar- Herren Oberbaurat Ing. Robert Stricker und des Herrn beitsgemeinschaft der Israelitischen Kultusgemeinde des Rat der Stadt Wien, Dr. Jakob Ehrlich, sowie im eige- Bundesstaates Oesterreich .... zu einer autoritativen, nen Namen damit einverstanden erklärte, „daß ein gemit Rechtspersönlichkeit ausgestatteten Gesamtorganisameinschaftlicher Ausschuß (Vollzugsausschuß) zum tion der Juden Oesterreichs ausgestaltet werden soll", Zwecke der Wahrung der Interessen der österreichischen und daß dem zu schaffenden Gemeindebund „die Ver- Judenschaft ehestens geschaffen werden soll", dessen tretung der österreichischen Judenschaft in allen gemein- Wirkungskreis „die Stellungnahme zu allen öffentlichen, samen Angelegenheiten nach außen hin" als Aufgabe die Interessen der Judenschaft Oesterreichs berührenden zuzuweisen ist. Angelegenheiten bildet". Am 5. Oktober 1936 legte sich Herr Dr. Desider Friedmann darauf fest, mit dem „Bund jüdischer Frontsoldaten", um ihn von seiner Absicht zu kandidieren, abzuhalten, den „Vollzugsausschuß" zu bilden, am 29. Oktober 1936 blufft Herr Dr. Desider Friedmann die jüdischnationale Wählerschaft mit dem „Gemeindebund" und beiden Organen schreibt er fast wörtlich den gleichen Wirkungskreis zu. Warum haben „Die Stimme" und „Die Neue Welt" über den „Vollzugsausschuß" kein Wort gebracht, während sie die Forderung nach dem politischen Gemeindebund auf der ersten Seite in großer Aufmachung publizieren? Jüdische Frontkämpfer! Werdet Ihr euch dieses Doppelspiel, durch das der „Bund jüdischer Fronsoldaten" immer mehr von seiner allseits anerkannten achtunggebietenden Reputation einbüßt, noch länger gefallen lassen? Wollt Ihr wirklich Männern euer Vertrauen schenken, die es in der unerhörtesten Weise mißbrauchen, oder wollt Ihr, wie es eure Treue zum Judentum und eure vaterländische Gesinnung gebieterisch fordern, eintreten für die Männer der „Union", die euer Programm seit jeher verfochten haben und die ersten waren, die der Bildung eine's gemeinsamen Vollzugsausschusses rückhaltslos zugestimmt haben: Für Judentum, für Oesterreich. Gemeinde aus dem Beamtenkörper, belobt mit einem schriftlichen Dithyrambus des Dr. Desider Friedmann unter vorläufigem Verzicht auf die Pension mit der Berechtigung schied, wieder in den Beamtenkörper zurückkehren zu dürfen. Der derzeitige Präsident der Kultusgemeinde, Doktor Desider Friedmann, hat das an diesen scheidenden Beamten gerichtete Dankschreiben, das ihm die Rückkehr in den Kultusvorstand über jederzeitigen Wunsch gestattet, selbst unterschrieben. Dieser Beamte wurde über einstimmigen Beschluß des Kultusvocstandes, also mit Zustimmung der Jüdischnationalen reaktiviert. Wie anders verhält sich der Fall Dr. Löwenherz. Löwenherz hat im Gegensatze hiezu eine große Vorpraxis in seiner parteipolitischen Betätigung, er besitzt lediglich Dankschreiben und Anerkennungsschreiben seiner Parteigenossen, weiters die ehrenwörtliche Zusage der dauernden Versorgung aus den Mitteln der Kultusgemeinde und ein Berufungsschreiben, das nicht auf Gmnd eines einstimmig gefaßten Beschlusses eines ordnungsmäßig besetzten Kultusvorstandes ausgestellt wurde, sondern das vom Präsidenten eines Rumpfvorstandes, von Usurpatoren der Macht in der Kultusgemeinde unterzeichnet ist. Der Austritt der unionistischen Mandatare aus der Kultusgemeinde und die dadurch erzwungene Neuausschreibung der Wahlen haben verhindert, daß den geäußerten Wünschen noch einiger Kultusvorsteher, der Doktoren Klaber und Landau usw., auf dauernde Versorgung aus den Mitteln der Kultusgemeinde entsprochen werde. Die entschlossene Tat der „Union", fernere Protektionswirtschaft zu verhindern, wird selbstverständlich von den mit Neid auf Löwenherz und Rath blickenden weiteren Stellenjägern als Desertion und unsere Beschwerde gegen die Aneignung der Gewalt durch 17 von 36 als Denunziation bezeichnet. Aber richtig; die schimpfen ja nicht. Es wird für die Wähler am 8. November nicht schwer sein, des Rätsels Lösung zu finden, wie man diesen Mißbrauch einer Minorität bezeichnet und was man zur Verhinderung solcher Mißbräuche zu tun hat. Wer die Kultusgemeinde nicht jüdischnationaLen Parteibonzen ausliefern will, die selbst in Wien gut versorgt, andere Glaubensgenossen, und zwar die Majorität im Interesse ihrer Politik in Oesterreich unter Fremdenrecht stellen wollen, wer sich zu Oesterreich bekennt und in Oesterreich bleiben und in Oesterreich die Zukunft seiner Kinder sichern will, der muß dafür sorgen, daß objektive Beamte und nicht Parteipolitiker die Kuitusgemeinde führen und Vertrauensmänner österreichischer Juden die Gemeinde nach außen vertreten. Juden Wiens, es geht nicht nur um die Kuitusgemeinde, es geht um Eure und Eurer Kinder Zukunft in Oesterreich. Bekämpfet den jüdischen Nationalismus, gefarnt durch den Zionismus und die zionistische Liste in Oesterreich. Bevor das jüdische Spital eine nichtnationale Jüdin anstellt, lieher zwei Christinnen 1 Eine jüdische Krankenpflegerin, die außerordentlich tüchtig und wiederholt belobt ist, wird von einer öffentlichen Krankenanstalt entlassen, weil sie Jüdin ist. Sie sucht ihre Zuflucht im Spital der Kuitusgemeinde und wird dort provisorisch beschäftigt. Sie bewirbt sich um ein Definitivum und dabei wird bekannt, daß sie keine jüdischnationale Großmutter hat. Natürlich erhält sie die Stelle nicht, sondern es werden an ihrer Stelle zwei christliche Bewerberinnen vorgezogen, wiewohl ihre Ouaiifikation zumindest die gleiche ist. Dabei bestehen Stipendien für die Heranbildung jüdischer Krankenpflegerinnen und wird über den Mangel an jüdischen Pflegerinnen mit heuchlerischem Augenverdrehen geklagt. Die Initialen der betroffenen, jetzt arbeitslosen jüdischen, wirklich tüchtigen Krankenschwester sind St. E. Sapienti sat Hochachtungsvoll Dr. St K.

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