Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1936
- Issue
- Heft 45 (30.10.1936)
- Date
- 1936-10-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 45 — 30. Oktober 1936 Seite 3 Jüdis€he Ittemf Wer denn, wenn nicht Ihr, ist, soweit es in Eurer Macht IHHHPI' Hegt, verantwortlich für die Zukunft Eurer Kinder? Heute liegt es noch in Eurer Macht, zu verhüten, daß Eure Kinder mit Euch dank den Jttdisdinationalen unter Fremdenredit gestellt werden! Denn Minderheitsrecht ist Gastrecht und Gastrecht ist Sremdemedht f Naumann-Juden! Mit diesem vielleicht am häufigsten wiederkehrenden Wahlschlager im Lexikon der Jüdischnationalen werden die Mitglieder und Freunde der „Union österreichischer Juden" immer wieder in den Flugblättern und den Zeitungen der Jüdischnationalen bezeichnet. Ich würde mich meiner auf viele Jahrzehnte zurückreichenden jüdischen Vergangenheit, die den Stolz meines Lebens bildet, schämen, wenn nur das allerwinzigste Fünkchen von Begründung für diese Benennung oder, richtiger gesagt, für diese gewollte Beschimpfung vorläge. Denn die Verantwortung würde zum größten Teile mich belasten, der seit nahezu drei Jahrzehnten als Vizepräsident, bzw. als Präsident in der vordersten Reihe der „Union" stand. Die deutsche Naumann-Organisation legt selbst ein klassisches Zeugnis1 für die tiefe Kluft ab. die zwischen ihr und uns von jeher bestand und noch heute besteht. Im Jahre 1926 hat sie in einem hier in Wien affichierten Plakate die „Union" aufs heftigste angegriffen. Wir zitieren insbesondere nachstehende Sätze aus diesem Plakat: WIENS! Der Verband nationaldeutscher Juden hat vor einigen Wochen folgenden Flugzettel kolportieren lassen: „5000 jüdische Arbeitslose stehen hungernd, zumeist mit Weib und Kind und fristen ihren Unterhalt von der kärglichen staatlichen Unterstützung! (n dieser schweren Zeit steht der Vertreter der . Jüdischnationalen DR. PLASCHKES im Plenum der Wiener Kultusgemeinde auf und verhöhnt die bodenständigen arbeits* losen Juden mit folgendem Antrag: „Ich verweise auf die Leistungen der Chaluzim und auf die Wichtigkeit des Staatsfonds, des Keren Haiessod, und verlange die Widmung von fünfzigtausend Schillingen Ich weise die Unterscheidung von bodenständigen und nicht bodenständigen Juden zurück, denn die Ostjuden bilden das standige Reservoir für die Erhaltung der Wiener jüdischen Gemeinde«». Dem Ostjudentum hat das Westjudentum nichts Gleichwertiges an die Seite zu stellen!" Wie haben die Vertreter der deutschfühlenden Juden, die in der „UNION DEUTKHÖSTERRE1CHISCHSR JUDEN" vereinten „deutschen" Juden, unseren Appell an Ihr Gewissen beantwortet? Sie haben einstimmig mitgestimmt! Sie haben ihr Programm verraten, das ihren „Kampf gegen jüdischen Nationalismus vorschreibt, haben sich öffentlich den Zionisten angebiedert, um für die kommenden Wahlen eine jüdische Einheitsfront herzustellen, die das deutsche Judentum Wiens in die Hände der Zioniiten und Ostiuden liefern muß! Tretet in unsere Reihen! Sendet Eure Anschrift an den Drvc— M. Jank Wien 1 Es bestand tatsächlich weder vor dem Jahre 1926 noch nachträglich bis zum heutigen Tage irgendeine Verbindung zwischen ihrer Organisation und unserem Vereine. In unserem Archiv liegt kein einziges Schreiben vor, sei es von der Organisation an uns gerichtet oder der Entwurf eines solchen, das von uns an die Naumann-Partei nach Berlin abgesendet wurde. Kein einziges Mal in dieser langen Zeit hat ein Mitglied dieser Organisation in ihrem Auftrage oder aus freien Sücken bei uns vorgesprochen. Ich selbstwar wiederholt in Berlin und habe jedesmal den um das deutsche Judentum so hochverdienten ..Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", mit dem wir stets einen innigen Kontakt unterhielten, aufgesucht und manche auch für das Wiener Judentum nützliche Anregung aus dem Verkehr mit den Leitern des hochwichtigen Vereines geschöpft. Die Adresse der Naumann-Organisation war und ist mir auch bisher gänzlich unbekannt. Wir haben auch den Sekretär unseres Vereines seinerzeit nach Berlin entsendet, um den Betrieb des Zentralvereines genau kennenzulernen. Auch zwischen ihm und der Naumann-Organisation fand nicht die geringste Berührung statt. Ebenso wenig hat je ein Mitglied unseres Vereines in unserem Auftrage oder ohne einen solchen bei der Naumann-Organisation vorgesprochen. Auch in den Debatten unseres Vorstandes oder der sonstigen Vereinsversammlungen war von der Naumann-Organisation einzig und allein in der Weise die Rede, daß wir ebenso wie unsere jüdischnationalen Gegner das „würdelose Anbiedern" der Naumann-Organisation entschiedenst verurteilen. Deshalb traten wir auch in unserem Verbandsorgan „Die Wahrheit" im Jahre 1926 mit aller ZAHNPASTA Erzeugt nach den von der W. V. d. Zahnärzte Wiens approbierten Rezepten und unter ständiger Kontrolle der zahnärzll. und pharmakognostischen Institute der Univers, in Wien. Entschiedenheit gegen die Aspirationen einiger jugendlicher Heißsporne auf, hier in Wien eine Ortgruppe des Naumann-Verbandes zu gründen. Das oben wiedergegebene Plakat stellt eine Antwort auf diese unsere wiederholten Angriffe gegen diese Wiener Ableger Naumanns dar. So darf ich wohl erwarten, daß der Schimpf ..Naumannjuden" aus dem Lexikon unserer Parteigegner für immer verschwinden wird. Die Wiener Judenschaft aber wird mir glauben, daß die „Union" in ihrem offenen Bekenntnis in dem aufrechten Judentum und Oesterreichertum nie jene Methoden angewendet hat, deren sich die von uns stets abgelehnten „Naumann-Juden" bedienten. Dr. Jakob Ornstein, ehemals Präsident der „Union österreichischer Juden". Die Antisemiten für die jüdisch' nationalen Zionisten- Das antisemitische „W i e n e r Montag- 1) 1 a 11" bringt unter der Rubrik „Muß das so sein?" eine Notiz über die Wahlen in den Vorstand der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, in welcher sie zu den> berechtigten Vorwürfen, die wir gegen unsere jüdischnationalen Gegner erheben, noch einige aus ihrer wüsten, antisemitischen Phantasie hinzufügen, nur zu dem Zwecke, um uns bei unseren Anhängern zu kompromittieren und die Jüdischnationalen zu unterstützen. So wird behauptet, daß die ..Wahrheit" geschrieben hätte, „der Amtsdirektor der Kultusgemeinde. Dr. Löwen herz, ist gleichzeitig deren Rechtsanwalt mit Monatsbezügen von S 1000.—", von „rücksichtsloser Profitgier und Geschäftemacherei". „Wucher mit Würden" usw. Von dem, was die Jüdischnationalen über die Anhänger der „Union" geschrieben haben, daß aut der Liste der „Union" kein anständiger Mensch kandidiert, daß kein anständiger Mensch die Liste der „Union" wählen kann, daß ein richtiger Unionist sich über jede Flintenkugel in Palästina freut und über jede Bombe, die Frauen und Kinder zerreißt usw. usw., davon kein Wort. Natürlich, den Antisemiten paßt es ja, daß die jüdischnattonale Volksgemeinde die Basis des neuen Ghetto in Wien bilden werde. Aber die Herren werden sich täuschen, auch mit oder gerade wegen der Unterstützung der Antisemiten werden die Jüdischnationalen ihre Niederlage erleben. Cafe Freiwirth PRATEHSTRASSE 11 Als modernes Familien-Cafe vollständig renoviert